Freitag, 30. März 2018

Dörte Jensen - Sonne Sand und Sehnsucht (Friesenbrise 5)

Dunkle Träume aus der Vergangenheit

Melanie Ziegler, deren Karriere gerade als "Madame" durch die Decke geht, soll sich vor ihrem Konzern auf Norderney dort erst noch ein paar Tage erholen. Die zickige, egozentrische und eingebildete Diva kann der kleinen schnuckeligen Pension "Friesenbrise" in der ihr Manager 2 Zimmer gebucht hat so gar nichts abgewinnen. Bis sie den Bruder des Inhabers kennenlernt. Haukes Bruder Sören de Vries kommt gerade von einer Kreuzfahrt, wo er als Kapitän am Ruder steht, und verliebt sich auf den ersten Blick in die so unnahbar scheinende Frau. Ihr Manager Lennart Exner, der sich von den Gagen und Tantiemen, die Madame gerade einspielt, finanziell stark bereichert, versucht mit allen Mitteln die Treffen der Beiden zu verhindern. Als Madame bei einer Livesendung vor ihrem Publikum zusamenbricht, nimmt das Schicksal seinen Lauf ...

Dörte Jensen entführt mich im Herbst auf die Nordseeinsel Norderney. Trotz des frischen Windes, den ich auf der Haut meine spüren zu können, genieße ich das Sommerfeeling, das aus den Zeilen der Geschichte fließt. Ich liebe den friesischen Dialekt, der hier und da in kurzen Sequenzen eingestreut wird. Beim Krabbenbrot mit Ei läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Und der der kleinen Liebesgeschichte, die doch einen ernsten Hintergrund hat, schmelze ich einfach dahin.

Es geht um Macht, um Gier, um Verlustängste und um Vergangenheitsbewältigung. Auch harte Medikamente spielen einen große Rolle in dem sonst so leichten romantischen Roman.

Mir gefällt die schleichende Verwandlung von Madame von der exzentrischen Diva zu einer ganz normalen jungen Frau mit ihren Ängsten und Träumen sehr gut. Ihre Vergangenheit wird hier angesprochen und ich hätte gerne noch mehr Mäuschen gespielt.

Alle hier handelnden Charaktäre sind so liebevoll und menschlich dargestellt, dass man die meisten einfach gern haben muss. Man merkt beim Lesen, dass die Autorin die Insel in der Nordsee und ihre Menschen liebt.

Der federleichte Schreibstil und die sich entwickelnde Liebesgeschichte haben mich hingerissen. Gerade zu Beginn hätte ich Madame manchmal gerne geschüttelt und sie ins normale Leben mitgenommen. Aber hier hin hat sie es ja dann ganz von alleine geschafft.

Mit einer romantischen Liebesgeschichte mit einem ernsten Hintergrund mit einer meist strahlenden Hauptdarstellerin (hier hatte ich immer Helene Fischer vor Augen) hatte ich wunderschöne Lesestunden. Und da der kurze Ausblick auf die nächste Geschichte schon Spannung erzeugt, bin ich auch da wieder mit dabei. Auf einer Insel mit Wohlfühlcharakter.

Dörte Jensen
Sonne Sand und Sehnsucht

Selfpublisher
ISBN Amazon only

© Gaby Hochrainer, München 2018

Mittwoch, 28. März 2018

K. Hanke / C. Kröger - Mordheide

Ein grausiger Fund in der Heide!

Oh nein, wie kann ein Krimi so enden. Aber genau so stachelt man die Lust auf den nächsten Fall von Katharina von Hagemann und Benjamin Rehder an.

Aber nun der Reihe nach:

Leon Guntram, der 10-jährige Pflegesohn der Architektin Anja Buse wird vermisst und am nächsten Tag tot im Wald in einer Futterkrippe aufgefunden. Leon ist geschminkt und hat einen Blütenkranz im Haar. Die Suche nach dem Täter beginnt, erste Verdächtige werden ermittelt. Doch ein evtl. Täter mit einem Motiv ohne Alibi ist nicht dabei. Viele lose Fäden, die sich nicht verbinden lassen, keine konkreten Spuren. Bis endlich, als die Nerven schon blank liegen, Kommissar Zufall zuhilfe kommt.

Ich kenne die Kommissare und ihr Team ja nun schon eine ganze Weile und freue mich immer wieder, wenn ich mal wieder auf Spurensuche in Lüneburg vorbei schauen kann. Was mir an Hagemann und Co. besonders gut gefällt ist, dass sie so "normal" sind. Zwar mit Ecken und Kanten, der ein oder andere ein kleiner Freak in seinem Fach, einfach menschlich und liebenswert. Bei ihnen finde ich keine Alkoholsucht oder vermüllte Wohnungen, keine sexistischen Ausfallerscheiningen oder Depressionen. Ich kann mir bei jedem Einzelnen gut vorstellen mit ihr oder ihm befreundet zu sein. Und das gefällt meiner Krimiseele sehr gut.

Von Dienstag, dem 08.08. - Mittwoch 16.08.2017 bin ich mit den Kommissaren Rehder, von Hagemann und Schneider und der Kollegin Vivien Rimkus vom Dezernat für Sexualdelikte im Einsatz und suche den Mann, der dem Leben des kleinen Leon ein Ende gesetzt hat. Besonders Tobias Schneider, der bei diesem Fall immer wieder an seine kleine Tochter Mia denken muss, kommt an seine Grenzen. Aber auch die anderen Beteiligten nimmt dieser Fall von Kindestötung sehr mit.

Ab und zu meine ich, den Kommissaren sogar einen Schritt voraus zu sein, denn ich sehe immer mal wieder in die Gedanken des Mörders. Was mich dann aber auch nicht weiter bringt, sondern nur ein sehr gekonnter Schachzug zu meiner Verunsicherung des Autorenduos Hanke/Kröger ist. Denn ich habe mal den einen, mal einen anderen Täter im Visier, den ich dann aber mangels Beweisen wieder ziehen lassen muss. Ich kann mir die schadenfrohen Gesichter der Autorinnen richtig vorstellen, wenn sie mich wieder auf´s Glatteis gelockt haben. An eine solche Auflösung, wie sie sich dann ergibt, habe ich nicht gedacht.

Vor jedem Kapitel werden Kinderverse zitiert, deren Inhalte sehr gut zu diesem Kriminalfall passen. Finde ich persönlich sehr schön und stimmig.

Einen ganz kleinen Minuspunkt gibt es hier aber doch. In diesem Fall steht mir das Private teilweise zu weit im Vordergrund. Wobei ich den Zusammenhang zwischen dem Fall und Tobias noch sehr gut verstehen kann. Bei Katharina hat es mich hier an manchen Stellen etwas gestört. Aber das hat mir schlussendlich die Freude am Lesen nicht verleiden können.

Dieser Fall hat mich mitgenommen, ist mir unter die Haut gegangen und ich war froh, als der Täter gefasst war. Wieder eine spannende, sehr tiefgründige und abwechslungsreiche Lektüre mit interessanten Charaktären, die mir unterhaltsame Stunden geschenkt hat.

K. Hanke / C. KrögerMordheide
Gmeiner Verlag, Messkirch
ISBN 9783839222355

© Gaby Hochrainer, München 2018

Montag, 26. März 2018

Anne Sanders: Mein Herz ist eine Insel

Während der vorherige Roman von Anne Sanders in Südengland, im wunderbaren St. Ives spielt, hat sich die Autorin im vorliegenden Roman in die unwirtlichen Gefilde Schottlands gewagt. Dafür hat sie sich die fiktive Insel Bailevar geschaffen, die viel von den Mythen, dem Aussehen und dem wilden Klima der realen Landschaft in sich vereint.

Isla stammt von der Insel Bailevar, sie ist hier aufgewachsen. Doch auf dem Weg zum Erwachsenwerden wurde ihr die Insel zu eng. Sie hatte das Gefühl, keine Luft zu bekommen. Besonders dann, wenn sie sich ihrer Heimatinsel an Jemanden fest bindet. Sie befürchtet, nie mehr von ihr fortzukommen, wenn sie es nicht sofort tun würde. Nun, einige Jahre später, kehrt sie in ihre Heimat zurück. Ihr Lebensgefährte hat sie betrogen und verlassen. Sie flieht erneut. Diesmal aus der Großstadt auf eine einsame, raue Insel, die mal ihre Heimat war. Doch hier werden alte Wunden aufgerissen. Das Verhältnis zu ihrem Vater, der ihr den Weggang damals immer noch übelnimmt, ist nicht besonders gut. Finn, ihr Spielgefährte und Freund aus Kindheit und Jugendzeit, ist nicht gerade über ihre Rückkehr erfreut und will ihr aus dem Weg gehen.

Anne Sanders hat erneut einen Roman über Menschen geschaffen. Die Figuren stehen in vorderster Linie, sind umfangreich, bildhaft und in vielen Details spürbar und erlebbar.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht der beiden Protagonisten Isla und Finn in abwechselnden Kapiteln. Eine weitere Ebene kommt mit der Sage um Eilean O'Sheen hinzu, in der symbolisch genau das passiert, was gegenwärtig auf der Insel vor sich geht. Auf den ersten Seiten war der Wechsel der beiden Ich-Erzähler etwas schwierig für mich, obwohl die Kapitel mit deren Namen überschrieben waren. Diesen Perspektivwechsel nachzuvollziehen war mühsam. Doch nach wenigen Seiten gewöhnte ich mich daran und es wurde immer problemloser, im Kopf umzuswitchen. Mit der Zeit lernt man, wer hinter dem jeweiligen „ich" steckt und gerade denkt. Die Überschriften scheint man nicht mehr zu benötigen.

Ein hinreißender Roman über Menschen und ihre Gefühle, über das Zusammenleben in einer Gemeinschaft, über eine Region die rau und unwirtlich erscheint. Gern zu empfehlen.

Anne Sanders
Mein Herz ist eine Insel
Blanvalet Verlag, München

ISBN 9783764505936

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018

Sonntag, 25. März 2018

Nina Ohlandt - Eisige Flut

Der Eismörder

Anja Derling ist seit 4 Wochen verschwunden. Als ihre Mutter in der Früh die Zeitung holen will, steht Anja vor der Tür, als Eisskulptur. Ein paar Tage später findet ein Rentner mit seiner Enkelin auf einer Mauer sitzend den alten Arthur Peters, hingesetzt ebenfalls als Skulptur. Als dann auch noch eine dritte Eisstatue auftaucht, eine junge Frau als Tänzerin in Eis drapiert, hat die Kripo Flensburg einen neuen Fall: sie suchen den Eismörder. Eine Gemeinsamkeit aller Toten: alle haben signifikanten Beigaben im Bauchnabel, die wohl auf den nächsten kommenden Toten hinweisen.

Eisige Flut ist nun schon der 5. Fall, den ich zusammen mit den Kommissaren John Benthien, Lilly Valesco, Tommy Fitzen und einigen anderen Kollegen lösen darf. So knifflig, wie dieser, war für mich allerdings noch keiner. Es gibt ungeheuer viele Spuren. Alle laufen ins Leere. Es gibt viele Verdächtige. Alle haben ein handfestes Alibi. Benthien und Kollegen stehen vor einem Rätsel. Es wird doch hoffentlich nicht so ausgehen, wie die Morde in den USA vor einigen Jahren, die nicht gelöst werden konnten? Es gibt hier nämlich einige Gemeinsamkeiten. Doch auch in diesem Fall kommt der Täter ans Licht - und ich war absolut schockiert...

Der Schreibstil ist gewohnt leicht und flüssig und ich bin sehr schnell mitten in der Geschichte drin. Da ich die meisten Kollegen schon kenne, ist es wie zurück zu kommen und wieder mit ihnen zusammen im Konferenzzimmer zu fachsimpeln und Ergebnisse auszutauschen. In dieser Geschichte machen mir aber John und Lilly etwas Sorgen. Lilly muss unbedingt noch eine private Sache zuende bringen. Dann wird hoffentlich auch in dieser Beziehung wieder Ruhe einkehren.

Mein Liebling Benjamin Benthien, John´s Vater, hat endlich alle Rezepte für seinen Backblock zusammen und dieser geht an den Start. Ich bewundere den alten Herrn, der eine Vitalität ausstrahlt, die ich gerne in 15 Jahren genau so auch noch gerne hätte.

Der einzige Kollege, den ich von Anfang an, als er in den hohen Norden kam, nicht mochte ist auch wieder dabei. Anscheinend versucht er seine Fehler aus der Vergangenheit wieder gut zu machen. Er setzt sich ein, hält sich mit dummen sprüchen zurück und versucht sich anzupassen. Trotzdem mag ich ihn nicht.

Durch die vielen verschiedenen Orte, an denen ermittelt wird, bin ich zwar wieder im ganzen Norden der Republik und auf den Inseln Amrum und Föhr unterwegs, was mir landschaftlich wieder sehr gut gefallen hat. Aber den lokalen Kollorit habe ich ganz besonders am Schluss gespürt. Da geht John Benthien sehr bewusst und mit offenem Blick durch sein Flensburg. Und schon steht diese Stadt auf meiner "möchte-ich-noch-sehen"-Liste.

So schade ich es finde, dass das Buch wieder so schnell ausgelesen war, so sehr freue ich mich auf den 6. Fall für Benthien und Kollegen, der hoffenlich bald erscheinen.

Nina Ohlandt
Eisige Flut

Bastei Luebbe Verlag, Köln
ISBN 9783404176373

© Gaby Hochrainer, München 2018

Freitag, 23. März 2018

Linus Reichlin - Er

Hannes Jensen, der ehemalige Inspecteur der Polizei in Brügge hat sich langsam an die Einsamkeit mit Hund gewöhnt. Seine blinde Freundin Annick, die ihn jahrelang betrogen hatte, hat ihn Richtung New York verlassen, ihm aber ihren Blindenhund dagelassen, der sich nun an Jensen gewöhnen muss. Als Jensen zur Beerdigung seiner Schwester Franziska nach Berlin reist, lernt er in einem Blumenladen Lea kennen. Senen Hund vergsst er, angebunden vor dem Blumemladen. Lea erbarmt sich des armen Geschöpfes und so kommen sich Lea und Hannes über den Blindenhund, den Lea gerne für ihre Tochter Toni hätte, näher. Aber Jensen scheint nicht für die Liebe gemacht zu sein. Er wittert auch bei Lea einen Anderen. Eifersucht macht sich breit und lässt Jensen nicht mehr los.

Lea, die auf einer kleinen schottischen Insel geboren und mit 17 schwanger wurde, sollte zwangsverheiratet werden und ist damals nach Berlin geflohen. Ihre Kontakte zur Heimat hat sie abgebrochen. "Er" ist der zweite Mann in Leas Leben, den Jensen meint unbedingt finden zu müssen.

Lea ist diejenige, die die beiden Erzählstränge der Geschichte zusammen hält. Da ich Hannes Jensen erst hier kennenlerne, habe ich noch kein Bild von ihm. Leider bekomme ich das auch nicht, als die Geschichte auserzählt ist. Er wirkt auf mich blass, emotionslos ausser der Eifersucht, die ihn um treibt.

Linus Reichlin versteht es meisterhaft die zwei Handlungsstränge, die vorerst jeder für sich steht, ganz langsam miteinander zu verknüpfen, wobei ich das Gefühl hatte, dass Lea hier sehr viel mehr Raum einnimmt als Jensen.

Obwohl ich diese Geschichte nicht als Krimi einstufen würde, baut sich doch durch Jensens Eifersucht und vor allem durch die Zeitenwechsel eine differenzierte Spannung auf, die ich manchmal meine greifen zu können.

Ich gestehe, dass ich anfangs recht mühselig in die Geschichte hinein gekommen bin. Aber gut, dass ich nicht aufgegeben habe. Als ich mich an den Erzählstil gewöhnt hatte, kam bei mir eine richtige Lust auf weiterzulesen um endlich dem Geheimnis von Lea auf den Grund zu kommen. Es hat sich gelohnt, diesen charakterstarken, sehr ruhigen und berührenden Roman bis zum Ende zu verfolgen.

Hier geht es nicht um kriminalistische Spitzfindigkeiten, sondern um eine spannende Geschichte über Gefühle, Eifersucht und die Qual, sie zu überwinden um die Liebe vorbehaltlos genießen zu können.

Linus Reichlin
Er

KiWi Verlag, Köln
ISBN 9783462043983

© Gaby Hochrainer, München 2018

Mittwoch, 21. März 2018

Heike Fröhling - Winterfrau und Frühlingsmädchen

"Wir können mit den Händen loslassen, etwas von uns stoßen, es aber nicht aus unseren Herzen reißen." Zitat auf S. 101

Die 22-jährige Hanna Schubert hat Abitur gemacht, war in Südamerika und Irland und ist sich immer noch nicht im klaren, was sie nun machen will. Wenn es nach ihrer Mutter Claudia und Oma Marianne geht, soll sie Medizin studieren und dann die Kinderarztpraxis der Eltern übernehmen. Aber ist es das, was sie will?

Als eines Tages Else Ferrando geb. Wagner vor der Tür steht und mitteilt, dass sie die Mutter von Oma Marianne sei, ändert sich das Leben der jungen Frau von einem Tag auf den anderen. Oma Marianne will es nicht glauben, denn ihre Mutter war Alma. Aber Hanna ist neugierig und fährt mit ihrer Uroma zuerst auf alte Spuren nach Berlin und dann nach Italien ins wunderschöne Ligurien.

Heike Fröhling hat es auch diesmal wieder gleich mit den ersten Seiten geschafft mich in die Geschichte hinein zu ziehen. Ich fühle die Zweifel und die Ablehnung von Marianne auf die Ankündigung von Else; ich spüre die Nähe, die seit dem ersten Treffen zwischen Else und Hanna entsteht und ich kann gut nachempfinden, dass Hanna mehr von Else erfahren will.

Es ist keine heile Welt, in der Else aufgewachsen ist – ganz im Gegenteil. In Rückblicken in die Jahre 1943/1944 erzählt sie ihre Gedanken ihrem Tagebuch, was ihr in dieser Zeit passiert ist und wie es kommt, dass Marianne nicht bei ihr sondern bei ihrer Musiklehrerin Alma aufgewachsen ist.

Die Autorin erzählt in sehr einfühlsamer, warmherziger aber ausdrucksstarker Weise die Familiengeschichte von 4 Frauen, die plötzlich anfangen ihr Leben zu hinterfragen:

Wird Hanna nun doch ihr Studium beginnen oder lebt sie einen Traum?

Ist Claudia in ihrer Kinderarztpraxis noch glücklich?

Wie geht Marianne mit den neuen Erkenntnissen um? Wird sie sich mit Else aussprechen?

Und Else – hat sich das, was sie sich von ihrem Besuch in Wiesbaden erhofft hatte, erfüllt?

Ich erkunde mit den Augen von Hanna einen kleinen Teil Liguriens, wo Else lebt. Ich sehe auf der einen Seite das Meer und auf der anderen Seite die Berge vor meinen Augen. Ich würde sehr gerne auf Elses Bank bei den Rosen sitzen und mal in den kleinen See springen.

"Winterfrau und Frühlingsmädchen" ist eine Gute-Laune-Geschichte, die aber auch zum Nachdenken und erinnern anregt; an eine dunkle Zeit unserer Geschichte, die wir nicht vergessen dürfen.

Eine tolle Mischung aus Leichtigkeit und Tiefe, die ich gerne weiter empfehle.

Heike Fröhling
Winterfrau und Frühlingsmädchen

Amazon Publishing Verlag, München
ISBN 9781503900776

© Gaby Hochrainer, München 2018

Montag, 19. März 2018

Yasemins Kiosk – Zwei Kaffee und eine Leiche – von Christiane Antons


Nina Gruber, Polizistin, derzeit außer Dienst, bezieht eine Wohnung in einem schönen Mehrfamilienhaus in Bielefeld, nachdem sie bei ihrer Mutter geflüchtet ist. Sie war bei ihrer kranken Mutter wieder eingezogen, damit sie sich um diese kümmern kann, was jedoch in der Praxis einfach nicht funktioniert. Isso!
Ninas Vermieterin Doro ist herzensgut, hat jedoch auch so ihre Probleme. Dann gibt es da noch Yasemin Nowak, astreine Deutsch-Türkin, die den Kiosk im Erdgeschoss betreibt, nebenbei ein bisschen Haare schneidet, Männer datet und ein absolut lebenslustiger Wirbelwind ist. Wäre da nicht der Stalker, der versucht Yasemin das Leben schwerzumachen.
Und als Nina und Yasemin beim Entsorgen des Altpapiers eine Leiche im Altpapiercontainer finden, kennt Yasemin den Toten auch noch. Die Polizei ist damit recht schnell fertig, unsere drei Frauen aber noch lange nicht ….
Erschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
insgesamt  192 Seiten
Preis: 11,00 €
ISBN 978-3-89425-582-4
Kategorie: Krimi
© Buchwelten 2018

Sonntag, 18. März 2018

Michael Wood - Stumme Wut

Vor genau 20 Jahren wurden Stefan und Miranda Harkness in ihrem Haus im eleganten Sheffielder Vorort Whirlow bestialisch abgeschlachtet. Der Täter konnte bis heute nicht ermittelt werden.

DCI Matilda Darke, die sich vor 9 Monaten nach dem Tod ihres Mannes und der verpatzten Entführung eines kleinen Jungen eine Auszeit genommen hat, will wieder ihren Dienst aufnehmen. Doch so einfach, wie sie es sich vorgestellt hat, ist die Wiedereingiederung nicht. Ihr Stelvertreter hat keine Lust seinen Posten wieder aufzugeben und Mat darf in einer kleinen Kammer den Cola Case "Harkness" wieder aufrollen.

Bereits im Prolog schiebt mich Michael Wood direkt hinein in den Mordfall Harkness. Ich habe Mitleid mit dem 11-jährigen Jonathan, der bei seinen Eltern als "Unfall" galt und dementsprechend abgeschoben wurde bzw. auf sich allein gestellt war. Nun sitzt er auf den Treppenstufen seines Elternhauses und hat höchstwahrscheinlich die Bluttat an seinen Eltern hautnah mit erlebt. Durch dieses traumatische Ereignis verliert er seine Sprache, die er erst nach Jahren wiederfindet.

Matilda, die sich mit dem ruhigen, eigenbrödlerischen Jonathan im Zuge ihrer Ermittlungen auseinander setzt, gefällt mir in ihrer Rolle als ebenfalls ziemliche Einzelgängerin sehr gut. Sie hat immernoch Probleme ihre Depression in den Griff zu bekommen und den Griff zur Flache hat sie auch noch nicht abgelegt. Aber sie hat empathische Kollegen und vor allem ihre allerbeste Freundin Adele Kean mit ihrem trockenen Humor, die allzeit für die da ist, hilft ihr im Laufe des Falles sich wieder selbst zu finden. Solch eine Freundin sollte jeder von uns haben. Es ist toll mitzuerleben, wie sich Mat im Laufe der kurzen Zeit zum Positiven verändert.

Ihr junger Kollege DC Rory Fleming, den ich auch bald in mein Herz geschlossen habe, bringt mit seinen Schlagfertigkeit immer wieder Auflockrung in den Fall und Matilda und mich hier und da zum Schmunzeln.

Überhaupt sind hier alle Handelnden so einfühlsam, mit ihren Ecken und Kanten, mit ihren Tiefen und Abgründen, mit ihren hellen und dunklen Seiten, beschrieben, dass sie sehr menschlich erscheinen und ich mich mit dem ein oder anderen sehr gut idetifizieren kann.

In der Geschichte selbst fehlt das Motiv. Dadurch kommen die Ermittlungen nur sehr langsam in Gang. Der Spannungsbogen jedoch steigt stetig und hält sich dann konstant, bis zur schlussendlichen Auflösung, die ich so nicht erwartet hätte. Zur Spannung tragen auch die vielen Wendungen bei, die aber alle immer wieder ins Leere führen. Immer neue Fragen tauchen auf, die jedoch oft erst später zu beantworten sind.

54 zumeist kurze Kapitel, die sich leicht und flüssig lesen lassen, reißen mich von einer Seite zur nächsten mit. Ein echter Pageturner.

Ich hätte allerdings gerne noch mehr über Matildas "verpfuschten" Fall erfahren. Aber vielleicht wird der ja als Cold Case im nächsten Fall behandelt und neu aufgerollt.

„Stumme Wut“ ist ein Kriminalroman, der mich von der ersten Seite an mitgenommen hat in die Psyche zweier Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und zu einer Auflösung, die mich kurzzeitig schockiert hat.

Michael Wood – den Namen werde ich mir merken.

Michael Wood
Stumme Wut

Aus dem Englischen von Peter Friedrich
HarperCollins Verlag, Hamburg
ISBN 9783959671439

© Gaby Hochrainer, München 2018

Freitag, 16. März 2018

Daniel Glattauer - Theo

Hat meine Erwartungen nicht erfüllt

Daniel Glattauer beschreibt im gleichnamigen Buch, mehr oder minder die erste 14 Lebensjahre seines Neffen Theo. Wie er schaut, wie er spricht, wie ertelefoniert, wie er sich bewegt, wie er sich unter Menschen verhält, wie er mit seinen Kuscheltieren umgeht, was man mit Theo beim einkaufen erleben kann usw. Manches war richtig amüsant zu lesen, andere Seiten ziehen sich zäh dahin. Hier und da musste ich schmunzeln und wurde an meine eigenen Kinder in diesem Alter erinnert. Aber immer wieder hatte ich Mühe, mich auf den kleinen Kerl Theo einzulassen. Schön fand ich, wie er seine Welt oft so ganz anders sieht, wie wir Erwachsene es tun. Und im Supermarkt sollte man sich auf manche Äußerung à la "Kindermund tut Wahrheit kund" einstellen. Es gibt immer wieder interessante und witzige Anekdoten. Theo ist ein wisensbegieriges und interesiertes Kind. Aber nach einer Weile wirkt es auf mich nicht mehr witzig und humorvoll, sondern es keimt Langeweile auf.

Mir ist es nicht ganz leicht gefallen, dieses Buch vollständig und zuende zu lesen. Vielleicht hatte ich mir einfach zuviel erwartet.

Daniel Glattauer
Theo

Hanser Verlag, München
ISBN 9783552061408

© Gaby Hochrainer, München 2018

Mittwoch, 14. März 2018

Horst Eckert: Der Preis des Todes

Der Meister des Politthrillers hat seinen neuen Roman vorgestellt. Dieses Mal begibt er sich auf internationales Terrain, denn große Teile der Handlung spielen in Kenia, in einem Flüchtlingslager.

Die Talkshow-Moderatorin Sarah Wolf hat endlich eine Abendsendung in der ARD für ihrem Polittalk erhalten. Was zunächst keiner weiß: Sie ist mit dem Staatssekretär des Gesundheitsministeriums, Christian Wagner, zusammen. Bislang sind sie nicht an die Öffentlichkeit damit gegangen. Während sie sich auf den Weg zu einen Empfang begibt, findet in Düsseldorf ein Junge beim Spielen eine weibliche Leiche. Sarahs Vater, den sie nur mit Nachnamen anredet seitdem er sich vor zwanzig Jahren von ihrer Mutter, und damit quasi auch von ihr, getrennt hat, wird hinzugezogen. Er ist bei der Kripo für Vermisstenfälle zuständig und kann vielleicht etwas zur Identität der Leiche beisteuern.

Das Thema, dass Eckert in diesen Roman angeht, benötigte andere Figuren als die seiner vorherigen drei Romane. Auch als Leser macht es Spaß, neue Figuren kennenzulernen und nicht mit den altbewährten konfrontiert zu werden. Der Roman erweckt tatsächlich den Eindruck, als würde er mehr Roman denn ein Thriller oder Krimi sein. Natürlich wird ermittelt, denn es gilt herauszufinden, was die Frauenleiche in Düsseldorf mit dem Staatssekretär in Berlin zu tun hat. Schließlich muss die Moderatoren den Skandal, in welchem ihr Lebensgefährte verwickelt zu sein scheint, der Quoten wegen in ihrer Talkshow bringen. Doch dann gibt es einen weiteren Toten. Sarah Wolf beginnt zu recherchieren und zu ermitteln, macht daraus eine große Dokumentation für die ARD.

Hervorragend gestrickt und ernüchternde Fakten über die Produktion von TV-Sendungen. Brandaktuell wie eh und je bei diesem Schriftsteller. Actionreich, nicht ohne Schießereien und Fluchtszenen, dieser Roman ist mehr an Vielem. Er lässt sich nicht in eine Schublade packen und macht nicht zuletzt wegen der Spannung süchtig. Er lässt sich verschlingen, aber der Leser sollte auch mal innehalten und über so manches darinnen nachdenken. Bestnote!

Horst Eckert
Der Preis des Todes
Rowohlt Verlag, Hamburg

ISBN 9783805200127

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018

Sonntag, 11. März 2018

Carmen Mayer - Eiswein

Julia Neubauer ist verschwunden. Ihre Freundin Renate Kellermann macht sich Sorgen und meldet Julia als vermisst. Zur gleichen Zeit werden die Kommissare Braunagel und Schwarz zum Fundort einer Leiche gerufen. Eine junge Frau liegt nackt und mit zertrümmertem Gesicht im Wald. Schon bald stellt sich heraus, dass es sich hier um Julia handelt ...

Leicht und verständlich geschrieben, die Charaktäre fein ausgearbeitet und wunderbare Dialoge haben mich das Buch in einem Rutsch durch lesen lassen. Nicht durchschaubar gestalten sich die Ermittlungen, die von Frau "Besserwisserin" Hauptkommissarin Annemarie Zeller immer wieder unterbrochen werden. Für mich standen immer wieder neue Täter fest - aber mit dem Schluss hatte ich so nicht gerechnet.

Wer einen Krimi sucht, der nicht von Blut trieft und sehr gut unterhält, dem empfehle ich "EISWEIN".

Carmen Mayer
Eiswein

edition oberkassel, Düsseldorf
ISBN 9783943121810

© Gaby Hochrainer, München 2018

Samstag, 10. März 2018

Sven Koch: Kalte Sonne

Ein Skandinavien-Krimi aus deutscher Feder.

Es ist Herbst. Über Jütland fliegen gigantische Vogelschwärme Richtung Süden. Die fünfjährige Emma macht ihre Mutter darauf aufmerksam, dass sie im Fernsehen ihren Vater gesehen hat. Maja ist erschrocken. Das kann nicht möglich sein. Als Emma geboren wurde, war deren Vater längst tot und unter der Erde. Sie kennt ihren Vater nicht persönlich, höchstens von den Fotos auf der Vitrine. Es lässt Maja nicht zur Ruhe kommen. Ihre Tochter scheint sogar von dem Mann im Fernsehen, der wie ihr Vater aussieht, zu träumen. Maja stellt ihren Freunden und Bekannten Fragen. Nahezu alle beschwichtigen sie. Doch es passieren Dinge in ihrem Umfeld, die nicht passiert wären, wenn sie nicht in der Vergangenheit rumwühlen würde.

Eine ist ein spannender Psychothriller, den Sven Koch nun vorgelegt hat. Er erinnerte mich sofort an die Romane „Schwesterherz" und „Bruderlüge" von Kristina Ohlsson. Das Ende hätte allerdings noch spektakulärer ausfallen können als es ohnehin schon ist.

Das alljährlich stattfindende Schauspiel der Vogelschwärme ist mit viel Details und Kenntnis dargestellt und bietet dem Leser ein bildhaftes Erleben. Die Figur der 35-Jährigen Maja ist sehr gut herausgearbeitet, ihre Kindheit, ihre Denkweise, ihre Nöte und Sorgen sind durchaus verständlich und nachvollziehbar. Die Spannung dreht sich zunächst darum, ob es sich bei dem Mann im TV um Mayas Mann handelt, der vor einigen Jahren aus dem Meer gefischt worden war. Danach geht es um den weiteren Verlauf, wobei diese Ebene bereits als Strang von Anbeginn des Romans in einzelnen Kapiteln vorbereitet worden war. Es gibt Leute, die nicht wollen dass Maja etwas herausfindet. Der Leser erfährt deren Sicht auf die Dinge, ohne gleich zu wissen, wie alles zusammenhängt.
Das ist gut gemachte Spannung. Lesern kann ich diesen Thriller ohne schlechtes Gewissen empfehlen.


Sven Koch
Kalte Sonne

Droemer Knaur Verlag, München
ISBN 9783426521540

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018

Freitag, 9. März 2018

Petra Hartlieb - Ein Winter in Wien

Eine wunderbare zarte Romanze in Wien

Endlich scheint auch ihr, der 18-jährigen Marie Haidinger von einem ärmlichen Bauernhof, das Glück holt zu sein. Nachdem sie ihr Vater nach der Schulzeit auf einen angrenzenden Bauernhof verschachtert hatte, sie sich in einer Küche hat anstelen lassen, als Kinderfrau und Abwäscherin in einer Wirtschaft gearbeitet hat, ist sie nun bei dem Schriftsteller Arthur Schnitzler in Wien alsKindermädchen gelandet. Seine beiden Kinder Heinrich und Lili wollen schon nach kurzer Zeit nicht mehr, dass sie wieder weg geht. Aber sieht ihr Dienstherr das genau so? Marie würde so gerne bleiben, auch weil sie gerade einen jungen Mann kennengelernt hat. Oskar Novak ist Buchhändler und als die Beiden sich das erste Mal gegenüber stehen, sieht man die Funken buchstäblich fliegen.

Petra Hartlieb nimmt mich mit ins wienerische Milieu um 1910. Sie hat die Sprache derdamaligen Zeit angepasst und so bin ich noch näer an diesem Zeitgeist dran. Ich lerne kleine Teile der winterlich verschneiten, im Weihnachtsfieber steckenden Stadt kennen, höre hier und da den wienerischen Dialekt heraus und lasse mich von der kleinen Liebesgeschichte zwischen Oskar und Marie verzaubern.

Aber es sind nicht nur die heiteren sondern auch die ernsten Töne, die diese Geschichte zu etwas ganz Besonderem machen. So lernt Marie sehr schnell die Unterschiede zwischen der ärmlichen Bevölkerung und der gehobenen Oberschicht kennen. Immer wieder erinnert sie sich an die Worte ihrer Oma, bevor sie von zuhause fort ging: "Marie, du gehst mal in die Stadt und wirst in einem schönen Haus wohnen. Wirst einmal in einem feinen Lokal essen und das Theater besuchen." Das mit dem schönen Haus hat sich ja schon mal bewahrheitet. Und der Theaterbesuch wird auch folgen, denn sie bekommt von Schnitzler zu Weihnachten ein Billet für eine Theateraufführung.

"Ein Winter in Wien" ist eine wunderschöne, leichte, leise weihnachtlich angehauchte Geschichte, die ich sehr gerne gelesen habe. Nun freue ich mich auf den Frühling in Wien.

Petra Hartlieb
Ein Winter in Wien

Rowohl Verlag, Hamburg
ISBN
9783463400860

© Gaby Hochrainer, München 2018

Fahrräder für Utrecht von Jochen Baier



Am Sterbebett erfährt Hauke von seinem Opa Heinrich, dass dieser während des Krieges in Utrecht stationiert und dort für die Beschlagnahmung und Registrierung der Fahrräder von Juden verantwortlich war.
Außerdem offenbart Opa Heinrich ihm, dass er ein uneheliches Kind mit einer Niederländerin hat, mit Linda, die er im Krieg einfach hat sitzen lassen.
Hauke ist nach dem Tod seiner Eltern bei seinen Großeltern aufgewachsen und empfindet eine tiefe Bindung zu ihnen. Seinen Großvater liebte er über alles, darum kommt ihm der Gedanke der Wiedergutmachung. Ob es wohl möglich ist, eine Aktion zu starten, die den Holländern ihre Fahrräder zurückbringt? Gemeinsam mit seinen zwei engsten Freunden beginnt er zu planen und versucht eine Fahrradtour von Kettwig nach Utrecht in den Niederlanden zu organisieren.
Eine Reise die nicht nur auf Zuspruch trifft und die eine ganze Reihe an Höhen und Tiefen mit sich bringt. Ob am Ende alles gut wird … ?
***
Erschienen als Klappenbroschur
im LangenMüller Verlag
insgesamt  336 Seiten
Preis: 24,00 €
ISBN: 978-3-7844-3422-3
Kategorie: Roman

Mittwoch, 7. März 2018

Andreas Gößling - Wolfswut

Nichts für schwache Nerven

Als Lotte Soltau den Nachlass ihres verstorbenen Vaters Alex, Inhaber der Soltau Hoch- und Rückbau GmbH, ordnet, stößt sie auf eine Lagerhalle in Berlin-Spandau, Industriehof Zeppelinpark, Halle 14. Hier erwarten sie 5 alte blaue Ölfässer, deren Inhalt sie erschaudern lässt. Teilstücke von 5 verstümmelte, zerstückelten jungen Frauen wurden hier in Formalin eingelegt und aufbewahrt. Lotte Soltau ist von der Unschuld ihres Vaters lange Zeit fest überzeugt.

KHK Kira Hallstein vom LKA Dezernat 11, Tötungsdelikte und erpresserischer Menschenraub, und ihr Kollege KOK Max Lohmeyer sind nach kurzen Recherchen überzeugt, dass Alex Soltau, der von den Menschen in seinem Umfeld als ein geselliger, liebenswerter und loyaler Mensch beschrieben wird, ein grausames Doppelleben geführt hat. Da nach Soltaus Tod eine weitere Leiche nach dem gleichen Muster auftaucht, muss es einen zweiten Täter geben. Um es nicht zu weiteren Opfern kommen zu lassen, beginnt für die beiden Ermittler und ihr Team ein Wettlauf gegen die Zeit und den Tod.

Von Montag, den 21.09. bis Freitag, den 02.10 bin ich zusammen mit den Kommissaren auf der Suche nach einem bzw. zwei Tätern, deren Taten mein Kopfkino nicht immer verarbeiten wollte. Andreas Gößling beschreibt sehr detailliert und schonungslos einzelne Tathergänge und lässt mich in die Seele der Täter blicken. Er nimmt mich mit auf die dunklen Seiten Berlins, die Straßenstriche von Frauen, die tiefer nicht fallen können. Hier sucht sich ein Mann, der sich aus einem Trauma nicht befreien kann, seine Opfer.

Er schafft es, den Spannungsbogen langsam aufzubauen und extrem hoch zu halten, obwohl sich bei den Ermittlungen manchmal nichts oder sehr wenig tut. Auf den Schreibtischen im Kommissariat finden sich eine Menge Puzzlesteine. Doch irgndwie wollen sie alle nicht zusammen passen. Keine der bisher bei Serienmördern aufgestellte These greift hier.

Welche Rolle spielt die Zahl 14, die hier immer wieder auftaucht?

Kira Hallstein und vor allem Max Lohmeyer sind mir sehr sympathisch. Sie, auch unkonventionellen und nicht immer legalen Ermittlungen nicht abgeneigt, immer auf dem Sprung und weiterhin auf der Suche ihren Dämonen zu entkommen. Max, der sehr gut mit Menschen umgehen und sich in sie hinein fühlen kann und der sich ein kleines bisschen in seine Chefin verliebt hat. Beide finde ich sehr gut dargestellt. Aber auch die anderen Protagonisten, Typen wie Fritz Tuchalsky "Fritz the rat", der in einem Sado-Maso-Studio arbeitet; Dr. Jonas Moosberg, der sich selbst als "der Schöpfer" sieht; die Rockabilly-Boys Ron und Pit Stockmann – alle werden so detailliert, farbig und menschlich beschrieben, dass sie sich vor meinen Augen festsetzen.

Durch Überschriften vor den kommenden Kapiteln weiß ich genau, wo sich die Kommissare bzw. ich gerade aufhalten bzw. ermitteln.

Ein True-Crime-Thriller, der mich durch seine schonungslose Offenheit und die Erkenntnis, dass es ja "true" ist, was hier beschrieben wird, stark mitgenommen hat. Der mich zum Nachdenken angeregt hat. Aber hauptsächlich hatte ich spannende Lesestunden, die ich mir von Andreas Gößling gerne bald wieder wünsche. Ein absoluter Pageturner!

Andreas Gößling
Wolfswut
Droemer Knaur Verlag, München

ISBN 9783426521328

© Gaby Hochrainer, München 2018

Sonntag, 4. März 2018

Christof Weigold - Der Mann, der nicht mitspelt

Hollywood-Skandal

Mich hat die Leseprobe zu diesem Buch und die Aufmachung fasziniert. Schwarzes Cover mit Lichtstrahlen über der aufstrebenden Filmmetropole Hollywood. Goldene und helle Schrift auf dem Cover und goldfarbener Bucheinband mit goldfarbenem Lesebändchen. Da werde ich schon durch die Aufmachung in die goldenen 20ger Jahre hinein gezogen.

Richard „Hardy“ Engel, Expolizist aus Deutschland, sucht in Hollywood sein Glück als Schauspieler und da ihm das kein Geld einbringt besorgt er sich eine Lizenz als Privatdetektiv. Seine erste Kundin ist Pepper Murphy, eine rothaarige Schönheit, die ihre Freundin Virginia Rappe vermisst. Die aufstrebende Filmmetropole Hollywood mit ihren Drogen-, Sex- und Alkoholparties hat das bekannte Starlett verschluckt. Doch Hardy hat Glück, findet Virginia – doch dann stirbt sie nach einer Party plötzlich im Krankenhaus von San Francisco. Ein Skandal, der sich durch allen Ecken Hollywoods zieht und bei dem Viele, wie es scheint, etwas verbergen wollen oder zu verschleiern wollen. Doch Hardy gibt nicht auf und geht bis an seine Grenzen – und fast sein Leben.

Was mich als erstes fasziniert hat ist die Sprache, mit der mich der Autor in die 20ger Jahre hinein zieht. Es ist zwar sein Debütroman, aber ich merke, dass Christof Weigold Ahnung vom Schreiben hat und dies hier voll einbringt. Für mich war das Lesen ein Genuss.

Außerdem treffe ich beim Lesen viele damalige Leinwandstars, die ich auch direkt vor Augen habe (Charly Chaplin, Buster Keton) und Protagonisten, die sehr vielschichtig und farbig beschrieben werden. Vor allem Hardy Engel, der so gar nicht ins schillernde Hollywood zu passen scheint, ist mir von Beginn an sehr sympathisch. Und mein Lieblingstier, der Löwe, spielt hier auch eine Rolle, wenn auch keine rühmliche. Mein Kopfkino hatte allerhand zu tun.

Je weiter Hardy in den Studios in Hollywood herum stochert, desto mehr wächst die Spannung, die sich auch hält, obwohl einige Passagen für mich etwas langatmig waren. Von mir nicht erwartetet Wendungen geben der Geschichte immer wieder Fahrt.

Ein spannender Fall in einer mir bisher völlig fremden Umgebung, die aber so gut dargestellt wurde, dass ich mich fast wie im Urlaub gefühlt habe. Ein Krimi mit einer stetig ansteigenden Spannung, der auch für Kinoliebhaber einiges zu bieten hat.

Ich freue mich schon auf den nächsten Fall bei dem ich mit Hardy Engel auf Verbrecherjagd gehen dar.

Christof Weigold
Der Mann, der nicht mitspelt
KiWi Verlag, Köln

ISBN 9783462318234

© Gaby Hochrainer, München 2018

Freitag, 2. März 2018

Matthew Costello/ Neil Richards: Tiefer Grund

Seit einigen Jahren ist das Autorenduo Costello/ Richards beliebt für seine typisch englischen Krimis. Ähnlich den Fällen von Inspector Barnaby haben sie ein Universum rund um den fiktiven Ort Cherringham in den Cotswolds nördlich von Oxford geschaffen. In den etwa dreißig Kriminalroman setzen sie auf Miträtseln und Wohlfühlen der Leser, ohne die heutigen Probleme der Gesellschaft aus dem Blick zu lassen. So auch in dem vorliegenden Band.

Der Leser wird gleich in einen typischen Pub eines Dorfes gesetzt und kann mit dem Lehrerkollegium der hiesigen Schule den Schuljahresabschluss feiern. Er liest, welche Beziehungen zu wem bestehen. Josh scheint ziemlich angetrunken und verlässt die Feier. Als Maddy ihm folgt und nach ihm sehen möchte, findet sie ihn ertrunken in der Themse. Die Hobbyermittlerin Sarah wird von der Schuldirektorin gebeten, den Tod aufzuklären, weil es sich um einen Lehrer ihrer Schule handelt. Schnell findet Sarah heraus, dass an der Schule, in die auch ihre Kinder gehen, ein viel größeres Problem besteht. In Cherringham gibt es nur einen Dorfpolizisten Alan, der gerne die Hilfe von Sarah und dessen Ermittlungspartner Jack in Anspruch nimmt. Jack wiederum ist ein ehemaliger Cop aus New York, den es nach England verschlagen hat.

Wie bei jeder in Romanreihe gibt es eine wunderschöne Hintergrundgeschichte, die alles umspannt. Geschickt ist der Roman aber so aufgebaut, dass man keinen anderen Roman zuvor gelesen haben muss. Alle wesentlichen Informationen zum Verhältnis der Figuren (Ermittler wie Dorfbewohner) erfährt man im Roman. Man vermisst nichts. Doch ist man auf die Hintergrundgeschichte gespannt, wie es ausgeht. In der vordergründigen Verbrechensgeschichte werden ausreichend falsche Fährten gelegt, um den Leser auf Glatteis zu führen.

Die Dialoge sind unterbrochen mit Beschreibungen zu Cherringham, der Landschaft und Gegend, den Gepflogenheiten in kleinen englischen Dörfern und Städten. Nicht nur für England-Liebhaber ein Genuss, sich in einen solchen Ort versetzt zu fühlen. Die sympathischen Ermittler sorgen schließlich dafür, dass man trotz aller Verbrechen in Cherringham sofort die Koffer packen möchte, um dorthin aufzubrechen.

Zweifelsohne verstehen die Drehbuchautoren ihr Handwerk und schaffen empfehlenswerte Romane.

Matthew Costello/ Neil Richards
Tiefer Grund
aus dem Englischen von
Sabine Schilasky
Bastei Luebbe Verlag, Köln
ISBN 9783404176540

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018