Mittwoch, 31. Januar 2018

Cord Buch - Mord im Viertel


Nele lebt in einem Hamburger Viertel als freie Journalistin mit ihrer Katze Berta und einer verdurstenden Geranie und gestaltet ihr Leben recht unkonventionell, was nicht jedem gefällt und nicht jeder versteht. Sie lebt mit ihrem Freund Tjark zusammen, der unter der Woche sein Brot in einer anderen Stadt verdienen muss, trifft sich mit ihrem Liebhaber Thomas Pick, einem Rechtsanwalt zu erotischen Stunden und beginnt ein weiteres Verhältnis mit einem jungen Mann, der ihren Computer repariert hat.

Ihr Sohn Cairo lebt mit seinen 20 Jahren sein eigenes Leben. Als er eines Abends mit Joe Brenner bei Nele auftaucht und sie bittet, Joe für ein paar Nächte aufzunehmen, holt Nele die Vergangenheit ein.

Nachdem es wegen geplanter Luxussanierungen im Viertel Proteste gegeben hat und ein Baucontainer angezündet wurde, geschieht ein Mord. Nele vermutet den Hintergrund in den geplanten Sanierungsmaßnahmen. Die Soko "Sanierung" beginnt ihre Ermittlungen, die aber immer wieder ins Stocken geraten. Irgendetwas läuft hier falsch!

Mit "Mord im Viertel" ist Cord Buch ein, wie ich finde, sehr guter Debütkrimi gelungen. Seine Schreibweise spricht mich an und die Seiten sind mir nur so durch die Hände geflogen. Etwas anstrengend war für mich die absolut kleine Schrift zu lesen.

Luxussanierung findet auch in meiner Stadt statt und ich fand es lesenswert, Hintergrundinfos aus der lokalen Sanierungspolitik zu bekommen. Auch die Schilderungen der Protestaktionen habe ich regelrecht verschlungen.

Was ich auch sehr gut finde ist, dass die Soko in der Geschichte eine eher untergeordnete Rolle spielt. Hauptakteure sind Nele mit ihren Freunden, ihren verschiedenen Liebhabern und Cairo mit seinen Freunden aus der Protestbewegung. Von der Polizei hört man zwar immer mal wieder etwas - sie kommen in ihre Ermittlungen nicht so recht voran - aber sie agieren eher im Hintergrund. Obwohl mir recht bald klar war, wer hinter den Morden stehen könnte, war mir das Motiv sehr lange unklar. Absolut spannend gemacht.

Authentische beschriebene Protagonisten lassen die Geschichte vor meinem inneren Auge ablaufen und sie haben mich sehr gut unterhalten.

Spannung gepaart mit politischen und persönlichen Motiven - ein gelungener Krimi, den ich gerne weiter empfehle.

Cord Buch
Mord im Viertel

edition oberkassel Verlag, Düsseldorf
ISBN
9783943121636


© Gaby Hochrainer, München 2018

Sonntag, 28. Januar 2018

Antonia Michaelis - Das Institut der letzten Wünsche

Eine wunderbare einfühlsame Geschichte

Es gehört zu ihrem Job, Dinge zu tun, mit denen sie sich nicht auskannten, die unmöglich schienen. Und es gehörte ab und zu zu ihrem Job nicht die ganze Wahrheit zu sagen zu Menschen, die wussten, dass ihnen nicht mehr viel Zeit blieb. Die aber alle noch einen sehnlichen letzten Wunsch hatten.

Ingeborg Wehser, ehemalige OP-Schwester, betreibt in Berlin-Friedrichshain in einem kleinen Hinterhof in einem kleinen Raum ihr Institut der letzten Wünsche. Schwerstkranke Menschen, deren Angehörige ihnen gegen gute Bezahlung ihren letzten Wunsch erfüllen wollen, gehören zu ihren Kunden. Mathilda Nielsen, die Medizin studieren wollte, aber dann abgebrochen hat, ist hier angestellt und schlägt sich mit Wünschen herum, die nicht immer ganz leicht zu erfüllen sind:

Frau Schmitz, die sich wünscht noch einmal in einem weißen Kleid auf einem schwarzen Pferd durch den Frühling zu reiten; Maik Wagner, der im Rollstuhl sitzt und im April noch einmal in der eiskalten Havel baden will; Birger Raavenstein, ehem. Anwalt in London sucht seine große Liebe Dooren Taubenfänger und ihren/seinen Sohn.

Jakob Mirusch, der sich noch einmal einen Spieleabend wünscht, wie er sie in seiner Studentenzeit erlebt hat, und Ewa Kovalska, die sich wünscht, Maria Callas noch einmal auf der Bühne sehen zu dürfen, haben zwar auch letzte Wünsche, sind aber noch so rüstig, dass sie im Institut aushelfen, so gut es eben noch geht.

Was nie hätte passieren dürfen, ist nun doch eingetreten: Mathilda verliebt sich in einen Klienten – Birger Raavenstein – versucht, seine ehemalige Freundin mit ihrem Sohn zu finden und geht mit ihm zsammen seine letzten Wege. Immer in der Hoffnung, ihn zu einer Operation überreden zu können, die eine geringe Aussicht auf Erfolg hat.

Eine wunderbar einfühlsame, manchmal sehr emotionale Geschichte, bei der ich hier und da ein paar Tränchen verdrückt habe. Aber es gibt auch Szenen, bei denen sich meine Wundwinkel breit nach oben gezogen haben.

Wir alle gehen irgendwann einmal diesen letzten Weg. Ich fand es schön darüber zu lesen, dass man sich vorher noch einen sehnlichen Wunsch erfüllen lassen kann.

Antonia Michaelis
Das Institut der letzten Wünsche

Droemer Knaur Verlag, München
ISBN 9783426653654


© Gaby Hochrainer, München 2018

Freitag, 26. Januar 2018

Lars Winter: Mondblond

Eher zufällig bekam ich diesen Kriminalroman in die Hand. Es handelt sich um den ersten Fall eines eigenartigen Ermittlerteams. Zunächst ist da Ulf Norden, seines Zeichens Künstler und Dozent beim LKA Niedersachsen. Zu seinem Partner entwickelt sich Pfarrer Klinger, Kunstliebhaber und durch Erbschaft Millionär, der gerne sein Maserati ausfährt. Norden wurde in seine Heimatstadt Emden gerufen, zum Begräbnis seines Vaters, zu dem er seit vielen Jahren ein gestörtes Verhältnis pflegte. Eigentlich wollte er sich schon lange mit dem Vater versöhnen, doch der hat sich durch den Tod nun der Versöhnung entzogen. Aber Pfarrer Klinger, der sich als Freund des Vaters bezeichnet, hat einen Brief vom Vater an seinen Sohn. Während des Begräbnisses fällt Norden eine junge, elegante Dame auf, die offenbar niemand aus der Trauergemeinschaft kennt. Kann der Brief seines Vaters das Geheimnis um diese fremde Frau lüften?

Der Autor hat einen Kriminalroman mit einem besonderen Wohlfühlklima geschaffen. Die Ermittler verfügen zwar über reichliches Konfliktpotenzial, bewegen sich aber durch ihre Beziehung zur Kunst auf einem genussreichen Niveau. Ihre Dialoge miteinander entbehren nicht eines Humors und erinnern an jene von Starsky & Hutch oder Magnum & Higgins. Da sich die Ermittler nicht nur auf Niedersachsen beschränken, sondern ihre Ermittlungen sie auch nach Italien führen, wird auf entsprechendes Flair gesetzt. Der Einfluss der Mafia wird nicht unterdrückt und macht den Krimi umso rätselhafter.

Der Verlag hat sich eine besondere Ausstattung für diese Krimireihe einfallen lassen. Mit Lesebändchen und Illustrationen, die einerseits die Handlung illustrieren und andererseits den Charakter der Ermittler (Stichwort Kunst) unterstützen. Lediglich der Buchblock wurde so schlecht gemacht, dass man manchmal gewillt ist, das Buch aus der Hand zu legen. Wenn da nicht die spannende Handlung wäre!

Lars Winter
Mondblond

Wind und Sterne Verlag
ISBN

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018

Mittwoch, 24. Januar 2018

Leonie Haubrich - Aus dem Dunkel

Ein schwieriges Mutter-Tochter-Verhältnis

Annegret Wiesel, deren Tochter Riccarda vor 7 Jahren während eines gemeinsamen Urlaubs in Marokko aus dem Krankenhaus verschwunden ist, hat zusammen mit Kommissar Steffen Noack den Verein "Schattenkinder" gegründet. Hier kümmern sie sich um Eltern, deren Kinder verschwunden sind. Auch Steffen Noack sucht seine Tochter Katharina "Kate" seit einigen Jahren. Plötzlich steht Riccarda vor der Haustüre ihrer Mutter, drückt ihr ein kleines Bündel Mensch in den Arm, ihre kleine zu früh geborene Tochter Sofie, - und verschwinmdet wieder. Andererseits ist es nun Gewissheit, dass Riccarda lebt. Und Annegret lässt nichts unversucht um ihre Tochter zu finden. Dass sie sich damit in allerhöchste Gefahr begibt, wird ihr erst bewusst, als es fast zu spät ist.

Mit ihrem neuesten Buch hat Leonie Haubrich wieder eine Geschichte abgeliefert, die mich ab der ersten Seite durch ihre Spannung und Thematik gefangen genommen und gefesselt hat. Ich habe mich schwer getan, das Buch mal zur Seite zu legen und war enttäuscht, dass es so schnell ausgelesen war.

Ich, selbst Mutter von 2 nun schon erwachsenen Kindern, kann die Angst und die Verzweiflung, die Unruhe und die Müdigkeit von Annegret, die die Autorin sehr treffend beschreibt, sehr gut nachvollziehen. Ich habe Annegret um ihre 15-jährige Tochter, für deren Benehmen "Zicke" noch ein Kosename ist, absolut nicht beneidet. Aber auch für Rebecca, die ohne Vater aufwächst, ist es nicht leicht ihren eigenen Weg zu finden. Da übertreibt man schon mal. In Rückblicken erfahre ich mehr über das Verhältnis von Mutter Annegret und Tochter Rebecca und lerne während des Lesens immer besser beide Seiten verstehen und kann nachvollziehen, warum sie tun, was sie tun – oder auch nicht tun.

Ich kann aber auch Kommissar Noack, der ein schon recht freundschaftliches Verhältnis mit Annegret pflegt, verstehen, wenn er sich in seiner ruhigen und umsichtigen Art nicht auf ihre Verschwörungstheorien einlassen kann oder will. Er vermisst ja ebenfalls seine Tochter. Und doch lässt er sich auf Unsicherheiten, wie es Annegret tut, nicht ein.

Mir geht es unter die Haut, wenn ich lese, wie die kleine Sofie leidet, obwohl es ihr besser als bei ihrer Oma kaum gehen kann. Aber die nervliche Anspannung macht sich gerade bei dem Baby sehr stark bemerkbar.

Die Geschichte selbst ist so gut ausgearbeitet, nachvollziehbar und das Ende sehr spannend, aber genau so, wie ich es mir gewünscht habe. Vor allem finde ich es schrecklich, wenn ich darüber nachdenke, dass solche Fälle nicht nur Fiktion sind, sondern auch heutzutage vielleicht noch vorkommen könnten. Und da steht man machtlos daneben und kann nichts tun.

Aber das solltet ihr alle selbst lesen. Meine Meinung: ein absoluter Spitzenthriller, dem ich gerne volle 5 Punkte gebe.

Leonie Haubrich
Aus dem Dunkel

BoD, Norderstedt
ISBN 9783746061986

© Gaby Hochrainer, München 2018

Sonntag, 21. Januar 2018

Josef Kelnberger - Bullen und Schweine

Das Gäubodenfest in Straubing ist in vollem Gange, da wird der Futtermittelproduzent und Politiker Richard Plochinger mit einer Schweinemaske über´m Gesicht in einem Sarg gefunden. Den verwendet der Bauer Andreas Bergmüller normalerweise für seine außerplanmäßig verendeten Schweine. Was will uns der Mörder damit sagen?

Zusammen mit Kommissar Hubert Hartmann aus Straubing beginnt der Münchner Kommissar Konrad Wolf, der aus der Gegend stammt und sich somit mit den niederbayerischen Gepflogenheiten bestens auskennt, zu ermitteln. Brisant bei der Sache: die Ehefrau des Toten, Klara Plochinger, ist eine Jugendfreundin des Münchner Kommissars.

Bullen und Schweine – der Titel klang für mich nach einem lesenswerten Regionalkrimi aus Niederbayern. Leider habe ich mich von Anfang an mit dem Lesen schwer getan, bin aber dran geblieben und es hat sich sogar ein ganz kleines bisschen gelohnt. Dümpelten die ersten ca. 200 Seiten langsam, mit endlosem Gequatsche und der Aufarbeitung der Macken und der Vergangenheit eines wenig sympathischen Ermittlers (Wolf) dahin, ging es zum Schluss hin schon etwas spannender zu. Durch die Langatmigkeit der Erzählung fällt aber die Spannung immer wieder in sich zusammen. Die Auflösung, die für mich schon sehr konstruiert und nicht wirklich nachvollziehbar war, hat mich etwas ratlos zurück gelassen.

Insgesamt kamen mir die Personen in dieser Geschichte alle etwas gestört vor, mit Komplexen oder sogar Wahnvorstellungen behaftet. Viele Klischees den Niederbayern betreffend, werden bedient und immer wieder angesprochen, was die Geschichte aber nicht interessanter macht.

Alles in allem ein Buch, das ich nicht wieder lesen würde, wobei die Geschichte an sich sehr viel Potential bietet.

Josef Kelnberger
Bullen und Schweine

Rowohlt Verlag, Hamburg              
ISBN 9783463406152


© Gaby Hochrainer, München 2018

Mittwoch, 17. Januar 2018

Olivia Miles - Weihnachten in Briar Creek

Eigentlich eine wundervolle Einstimmung auf Weihnachten, aber das gibt es auch dieses Jahr wieder.

Kara Hastings hat bisher nichts, was sie angefangen hat, zu Ende gebracht. Aber nun führt sie seit drei Monaten eine kleine Bäckerei und ihre Cookies scheinen den Leuten in Briar Creek zu schmecken. Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit hat sie viel zu tun und erfindet dauernd neue Sorten. Vor allem auch ihre kleinen Lebkuchenhäuser kommen sehr gut an. Molly Griffin hat sogar jeden Tag Schneeflockencookies für ihre Nachmittagstee in ihrem Bed & Breakfast bei ihr geordert. Hier begegnet sie auch Nate, dem Neffen von Molly, von dem sie schon sehr viel gehört und sich bei einem kleinen Zusammenstoß ein kleines bischen in seine strahlenden Augen verliebt hat. Als er ihre wundervollen Lebkuchenhäuschen sieht, schlägt er ihr vor, sich an dem weihnachtlichen Häuser-Dekorierwettbewerb in Briar Creek zu beteiligen. Das Preisgeld könnte Kara sehr gut brauchen und sie geht auf seinen Vorschlag ein.

Von Anfang an bestimmt ein Knistern und Kribbeln jedes Zusammentreffen zwischen Kara und Nate. Aber Beide sind sich sicher, nichts ausser Freundschaft vom Anderen zu wollen.

Für mich war dieser 5. und leider, wie ich gelesen habe letzte Band der Briar Creek Reihe das erste Buch, das ich von Olivia Miles gelesen habe. Ich mag ihren leichten, lockeren Schreib- und Erzählstil sehr. Da die Autorin die Geschichte jeweils aus den Augen von Kara und dann von Nate erzählen lässt, bin ich in ihren Gefühlen und Gedanken noch viel mehr drin. Besonders bei Nate, der als absoluter Weihnachtsmuffel nach Briar Creek kommt, habe ich durch seine Gedanken besser verstehen können, warum er so ist, wie er ist. Diese Erklärungen waren mir einfach etwas zu viel und haben etwas genervt. Das war aber auch das einzig Negative an der Geschichte.

Dass der Ausgang der ganze Geschichte von Anfang an sehr vorhersehbar ist, hat mich hier überhaupt nicht gestört. Ich habe mit Kara und Nate gehofft, gebangt, gelitten und hätte ihnen hier und da gerne einen Stupser in die richtige Richtung gegeben. Aber sie haben ihren Weg ja dann auch alleine noch gefunden. Die ganze Stimmung in dem kleinen Ort ist durch das Schmücken und das Backen so weihnachtlich angehaucht, dass ich gerne mit den Beiden unterwegs bin. Ob beim Schlittschuhlaufen oder auf dem Weihnachtsfest, alles ist so friedlich und stimmig, dass ich mich gerne von diesem Flair gefangen nehmen lasse. In meinem Kopfkino haben sich die stimmungsvollen Bilder aus Briar Creek regelrecht eingebrannt.

Aber nicht nur Kara und Nate, naja bei ihm hat es schon etwas gedauert, habe ich von Anfang an ins Herz geschlossen, sondern vor allem auch Tante Molly. Die alte Dame ist so herzlich, so liebevoll und doch ein kleines Schlitzohr, die genau weiß, wie sie ihren Neffen, der ein absoluter Weihnachtsmuffel ist, in ihrem Sinne manipulieren kann.

Olivia Miles hat mich mit ihrer Geschichte aus dem kleinen weihnachtlich angehauchten Ort Briar Creek so gefesselt und so gut unterhalten, dass ich diese 24 Kapitel im kommenden Dezember bestimmt noch einmal lesen werde. Und auch die vorhergehenden Geschichten, von Menschen aus dem Ort, die ich hier ja auch schon kennenlernen durfte, werde ich bestimmt noch lesen.

Man darf hier keinen tiefschürenden Roman erwarten, aber eine stimmungsvolle, sehr weihnachtliche kleine Lovestory, die mir sehr gut gefallen hat.

Olivia Miles
Weihnachten in Briar Creek

aus dem Englischen von Yvonne Eglinger
Bastei Lübbe Verlag, Köln
ISBN 9783736305298

© Gaby Hochrainer, München 2018

Sonntag, 14. Januar 2018

Anita Lenz - Wer liebt, hat Recht

„Mit ihm zusammen kann ich Achterbahn fahren, steigt er aus, stürze ich ab.“

Neun Monate lang bin ich dabei, wie sich Maja Gedanken über ihre Ehe macht. Sie, die sich sexuell immer zurückgehalten hat, da sie der Meinung war, so ihren Mann besser halten zu können, muss sich eingestehen, auch Fehler gemacht zu haben. Sie quält sich mit ihren Gedanken, aber Helmut noch viel mehr. Sie ist übermüdet, überreizt und ihr Gehirn ist besetzt mit Schlafzimmerbildern. Sie stellt alles in Frage – die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Aber sie will ihre Ehe unter keinen Umständen aufgeben. Und dafür kämpft sie, auch mit sich selbst, wie eine Löwin.

Hatte ich anfangs Schwierigkeiten mich auf die Probleme mit denen sich Maja herum schlägt einzulassen, bin ich doch immer besser in ihre Gedanken hinein gekommen und konnte sie gut verstehen. Aber auch Helmut hat mich mit seinen Gesprächen fangen und mit überzeugen können. Es fließen Tränen, aber auch der Humor kommt nicht zu kurz. Die Geschichte veranschaulicht sehr gut, dass es eben nicht nur schwarz oder weiß gibt, gut oder böse. Gerade eine Beziehung lebt von den vielen kleinen Tönen dazwischen.

Ein schonungsloser Bericht einer enttäuschten, aber sehr starken Frau über Liebe, Ehe, Eifersucht, die sich aber nicht unterkriegen lassen will und einen neuen gemeinsamen Weg sucht und findet. Die alte Ehe ist kaputt – dann muss man sich mit den neuen Gegebenheiten arrangieren – oder eben nicht. Ein tolles Buch, das jeder einmal lesen sollte, der in einer festen Beziehung lebt.

Ich bin von dem Roman von Anita Lenz begeistert.

Anita Lenz
Wer liebt, hat Recht

KiWi Verlag, Köln
ISBN 9783462042733

© Gaby Hochrainer, München 2018

Freitag, 12. Januar 2018

Nadja Quint: Hohes Tier

Bei dem auf Rügen spielenden Kriminalromanen geht es um Tierliebe und Tierleid, wobei Leichen in vielfältiger Form eine Rolle spielen.

Seit einem Jahr erhöht sich die Anzahl an Katzen auf dem Anwesen von Segert drastisch. Kein Mensch im Dorf weiß, warum es bei dem Kochbuch schreibenden Ex-Landwirtschaftsminister zu dieser extremen Katzenliebe gekommen ist. Sein Nachbar ist jedenfalls empört. Der betreibt eine Pension und hat sich stets Gäste aus dem ganzen Deutschland. Doch nicht nur die beschweren sich über den bestialischen Gestank, den die unzähligen Katzen auf dem Nachbargrundstück machen. Pensionsinhaber Rabe macht Anzeige bei der Polizei wegen Tierquälerei. Die reist zu einer Razzia mit einigen Kollegen aus dem Tierheim und von einer Tierschutzorganisation an. Doch bei der Jagd nach den Katzen stoßen sie auf eine weibliche Leiche im Garten Segerts. Sie ist dort unter einer Plane versteckt. Segert wird in Untersuchungshaft genommen.

Quint hat sich an ein teils mit Tabu behandeltes Thema herangewagt und dafür eine interessantes Ensemble an Figuren geschaffen. Die bereits im Untertitel des Romans genannte Lilo Gondorf ist die Hauptermittlerin, Ex-Kommissarin, jetzige Pensionswirtin. An ihrer Seite ein guter Freund, Oskar. Und damit sie immer mal schnell an Informationen gelangt, die es eigentlich nur polizeiintern gibt, hat sie eine Tochter, Vanessa, die ebenfalls bei der Kripo arbeitet. Das sorgt aber auch immer wieder für Zündstoff innerhalb der Familie. Ansonsten wird urgemütlich miteinander umgegangen. Die Mecklenburger erscheinen gar nicht spröde, sondern liebenswert und besuchenswert. Obwohl nicht alles Gold ist, was da glänzt.

An manchen Stellen hätte ich mir eine Straffung gewünscht. Quint erzählt gerne Nebensächliches, was nicht auf eine falsche Fährte führt und deshalb auch nicht die Handlung vorantreibt. Dennoch ist der Roman ein solide gemachter, kurzweiliger Ratekrimi, der unterhaltsam eine Region im Nordosten Deutschlands einbezieht.

Nadja Quint
Hohes Tier

btb Verlag, München
ISBN 9783442715244

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018

Donnerstag, 11. Januar 2018

Die schwedischen Gummistiefel von Henning Mankell


Fredrik Welin lebt nach wie vor allein und recht einsam auf seiner Insel im Schärengarten. Dort lebt er im vererbten Haus seiner Großeltern mehr oder weniger wie ein Einsiedler, seit ihm als brillanter Chirurg ein Kunstfehler unterlieft.
Zwar hat er vor einigen Jahren unerwarteten Besuch auf seiner Insel erhalten, als seine verflossene Liebe urplötzlich mit ihrem Rollator auf dem Eis stand und in den nachfolgenden Monaten u.a. erfahren, dass er eine erwachsene Tochter hat. Doch letztendlich ist es wie es ist. Fredrik lebt allein in seinem Haus.
Eines Abends erwacht Fredrik durch einen hellen Schein und große Hitze. Als er begreift, dass sein Haus in Flammen steht, rennt er sofort nach draußen und es bleibt ihm nicht mehr, als ein Paar ungleiche Gummistiefel, dem Wohnwagen seiner Tochter, ein Boot und ein Zelt. Er ist geschockt, vor allem als in Erfahrung gebracht wird, dass es sich offensichtlich um Brandstiftung handelt und er sogar selbst in den Verdacht gerät, das Feuer gelegt zu haben.
Die Journalistin Lisa Modin entwickelt sich für Fredrik zu einer wichtigen, aber seltsamen Freundin. Er fühlt sich zu ihr hingezogen, sogar körperlich. Dann ist da nach wie vor der Postbote Jansson, mittlerweile pensioniert, und einige wenige Menschen, zu denen er auf dem Festland Kontakt hält.
Als Louise in Paris, wo sie lebt, in Schwierigkeiten gerät, da sie wegen Taschendiebstahls im Gefängnis sitzt, ruft sie ihren Vater zu Hilfe. Der macht sich auf den Weg, um seiner Tochter zur Freiheit zu verhelfen. Louise ist schwanger und letztendlich erhofft sich Fredrik auch, dass er seine Tochter ein bisschen besser kennenlernt und vielleicht auch ein wenig mehr Einblick in ihr Leben erhält.
Während seiner Reise nach Paris steht ein weiteres Haus in seiner Nachbarschaft in Flammen. Der Verdacht fällt zwar nun von ihm selbst ab, doch dennoch bleibt die unheimliche Frage offen: Wer tut sowas? Wer steckt Häuser in Brand und nimmt in Kauf, dass die Bewohner ums Leben kommen? Es kann doch nur jemand aus dem kleinen Kreis der Bewohner des Schärengarten sein ….
Erschienen als gebundene Ausgabe
im Zsolnay Verlag
insgesamt 480 Seiten
Preis: 26,00 €
ISBN: 978-3-552-05795-1
Kategorie: Roman
© Marion Brunner_Buchwelten 2018

Mittwoch, 10. Januar 2018

Jodi Ellen Malpas - Mit allem, was ich habe

Bodyguard und It-Girl mit kleinen Schwächen

Jake Sharp, 35, ehemaliger Söldner, heute Personenschützer/Bodyguard, äusserlich sehr ansprechend, ansonsten kalt, skrupellos, brutal und berechnend, hat einen neuen Job. Camille Logan, 25, It-Girl, in London stadtbekannt, reich durch Vater Trevors Gnaden, verwöhnt, will jedoch auf eigenen Beinen stehen, sich als Modedesignerin zusammen mit ihrer Freundin Heather einen Namen nachen. Da kommt natürlich ein Bodyguard, egal warum, gar nicht gut und sie tut erst mal alles um ihn loszuwerden. Das ändert sich jedoch schnell, als die beiderseitige Anziehungskraft in Begierde wechselt ...

Sowohl Jake mit seiner Selbstverachtung und seiner Schuld als auch Camille in ihrer manchmal sehr naiven Art waren mir anfangs einfach nur unsympathisch. Doch während des ganz langsamen Kennenlernens kamen auch die sensiblen, einfühlsamen und verletzlichen Seiten der Beiden sehr gut heraus. Ich konnte dann auch ihr Handeln besser verstehen und mich in sie hinein fühlen. Diese Intensität von Erotik und Sex zwischen den Beiden hatte ich allerdings nicht erwartet, passt aber gut, wenn es auch für mich etwas zu schnell daher kam.

Jodi Ellen Malpas´ Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Sie schafft es, mich schnell in die Geschichte hinein zu ziehen, mich komplett zu fesseln hat sie allerdings nicht geschafft. Was vielleicht daran liegt, dass mich die beiden Hauptpersonen nicht voll und ganz angesprochen haben. Besonders mit Jake hatte ich immer mal wieder meine Probleme. Aber ich will hier nicht zuviel verraten. Der Schluss allerdings hat mich mit einigem wieder versöhnt.

Eine interessante, zeitweise richtig spannende, emotionale, Geschichte mit einem für mich absolut passenden Schluss, die ich gerne gelesen habe.

Jodi Ellen Malpas
Mit allem, was ich habe

MIRA Taschenbuchverlag, Hamburg
ISBN 9783956497049

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© Gaby Hochrainer, München 2018

Sonntag, 7. Januar 2018

Claudia Schreiber - Emmas Glück

Happy Pork von glücklichen Schweinen.

Emma Wachs lebt allein und hochverschuldet auf ihrem von den Eltern geerbten Bauernhof mit ihren Schweinen, Hühnern, einer Kuh und dem Hund. Da fällt ihr eines Tages wie vom Himmel Max Bienen mit seinem Ferrari auf´s Feld. Das Auto zündet Emma an um die Spuren zu verwischen. Ganz langsam entspinnt sich zwischen den Beiden eine Freundschaft bis hin zu einer ganz kleinen Liebesgeschichte. Denn Max ist todkrank ...

Mit "Emmas Glück" hat Claudia Schreiber bei mir die verschiedensten Emotionen angeregt. Ich war erstaunt über eine Protagonistin, die ganz allein einen Bauernhof betreibt, sich mit absoluter Hingabe ihren Tieren widmet, sich auf der anderen Seite aber auch sehr verletzlich und schüchtern gibt. Als ich dann über den Zustand im Haus las, wusste ich, dass es doch nicht so ganz einfach ist, in der Eisamkeit allein zu leben. Als ich beim Schlachten bzw. Ausnehmen eines Schweines dabei sein durfte, kam mir doch hier und da das Grausen. Den Gestank des warmen Abbrühwasser habe ich jetzt noch in der Nase. Trotzdem empfinde ich Emma als eine starke Frau, die manches vom Leben besser verstanden hat als viele von uns.

Max und sein Freund Hans, der eine kleine Nebenrolle spielt, haben als Stadtmenschen eine so ganz andere Sicht auf die Dinge. Max tut sich anfangs etwas schwer, sich in das höfische Leben einzugliedern. Auch seine Krankheit macht ihm zu schaffen. Es ist so schön mitzuerleben, wie sich Emma und er ganz langsam an einander herantasten, wie sie sich guttun und sich jeder auf seine Weise langsam verändern bzw. weiter entwickeln.

Ich habe gelacht, geschmunzelt, gestaunt, war wütend, schockiert und wurde vor allem sehr gut unterhalten. Eine Geschichte, die so viel Wärme, Liebe und Lebendigkeit ausstrahlt und die mich sehr berührt hat. Eine Geschichte über deren Schluss man bestimmt gut diskutieren kann.

Absolut lesenswert!

Claudia Schreiber
Emmas Glück

Goldmann Verlag, München
ISBN 9783442458677

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© Gaby Hochrainer, München 2018

Freitag, 5. Januar 2018

Armando Lucas Correa: Das Erbe der Rosenthals

Es ist der Debütroman eines mehrfach für seinen Journalismus ausgezeichneten Autoren. Und ebenso meisterlich präsentiert er seinen Roman, mit dem er ein ganz persönliches Herzensthema verarbeitet hat. Doch worum geht es?

Die elfjährige Anna ist ohne Vater aufgewachsen. Er kam bei einem Unfall ums Leben als ihre Mutter mit ihr noch schwanger war. Ein Brief von der Familie ihres Vaters, die auf Kuba lebt, und enthält Hinweise und Fotos der Familie ihres Vaters. In Anna wird das Interesse für die Familie des unbekannten Vaters geweckt. Doch erst als sie sich mit ihrer Mutter von New York auf eine für sie abenteuerliche Reise nach Kuba begibt, bekommt sie die Gelegenheit, in direkten Gesprächen mit der Großtante, die ihren Vater aufgezogen hat, und von der sie ihr Aussehen geerbt hat, ihren Vater und dessen Familie kennenzulernen. Parallel zu den Recherchen von Anna in der Gegenwart wird die Flucht von Hannah und ihren Eltern aus dem Deutschland von 1939 geschildert.

Correa hat sich einer wunderbaren, spannenden Struktur für diese Geschichte bedient. In zwei unabhängigen, parallelen Strängen wird abwechselnd aus unterschiedlicher Perspektive erzählt. Natürlich weiß man als Leser, dass beide Stränge zusammengehören. Aber die Parallelität schafft zunächst eine besondere Spannung. Erst in einem zweiten Teil begegnen sich Anna und ihre Großtante Hannah, wegen der sie ihren Namen hat, und einige Informationen zum Hergang in der Vergangenheit werden direkt im Dialog wiedergegeben. In einem dritten Teil gehen beide wieder getrennte Wege in abwechselnden Kapiteln.

Der Autor hat die Geschichte der »St. Louis« und einer jüdischen Familie auf hervorragende Weise fiktionalisiert. Zu keinem Zeitpunkt liest sich der Roman wie ein Sachbuch und dennoch spürt der Leser die Echtheit der Informationen. Ergänzt wird alles mit der Namensliste der Passagiere von 1939 und einigen Fotos von den Flüchtlingen auf dem Schiff der Hamburg-Amerika-Linie. Und auch das Nachwort ist immer noch für einen überraschenden Aha-Effekt gut. Einfach toll! Ein unfassbar spannender Roman über das Schicksal jüdischer Flüchtlinge vor und während des Zweiten Weltkrieges, der in der Zeit heutiger Flüchtlingswellen aktueller denn je ist. Meinerseits eine Bestnote!


Armando Lucas Correa
Das Erbe der Rosenthals

aus dem Englischen von Ute Leibmann
Bastei Lübbe Verlag, Köln
ISBN
9783785726020

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© Detlef Knut, Düsseldorf 2018