Donnerstag, 28. Dezember 2017

Sibyl Quinke - Tod in der Tuchagentur

Aufregung am Boltenberg in Wuppertal. Das 175-jährige Firmenjubiläum der Tuchagentur de Boers steht an und alles ist in heller Aufregung.

An diesem denkwürdigen Tag will der Firmeninhaber Paul de Boers seiner unehelichen Tochter Svantje, die seit einigen Jahren in der Firma mitarbeitet, einen großen Teil der Firmenanteile überschreiben. Da gibt es einige der Familien-angehörigen, denen das ganz und gar nicht passt. Allen voran die beiden ehelichen Kinder von Paul. Als Svantje sich am Abend vor dem großen Fest mit Übelkeit entschuldigt und zu Bett geht, wird diese Unpässlichkeit auf die viele Arbeit und den Stress der letzten Tage geschoben. Als sie am kommenden Morgen tot in ihrem Bett gefunden wird, steht das Haus de Boers Kopf.

Die Kommissare Dick und Bresniak von der Kripo Wuppertal beginnen zusammen mit Kommissar Achim Becker aus Mannheim, einem Freund von Paul de Boers, zu ermitteln und stoßen auf einen Sumpf von Schmeicheleien, Lügen, Abgebrühtheit, Emotionslosigkeit, Härte und Intrigen.

Sibyl Quinke nimmt mich mit in die Welt der Reichen und Schönen mit all ihren kleinen und großen Macken, Schwächen, Stärken und Eigenheiten. Ich lerne die Familie de Boers kennen, allen voran die Patriarchin Marie-Claire, die mit ihren 79 Jahren immer noch ständig versucht, sich in die Belange der Firma einzumischen. Eine wunderbare Mischung aus interessanten, farbenfroh gezeichneten Protagonisten und eine Geschichte in der eine heile Unternehmerwelt ins wanken gerät, haben ich sehr gut unterhalten.

214 Seiten aufgeteilt in 54 kurze Kapitel mit immer wiederkehrenden Perspektivwechseln haben mich das Buch nicht aus der Hand legen lassen. Dass die Geschichte in der Gegenwart erzählt wird, lässt mich immer mittendrin und voll dabei sein.

Ich war sehr gerne auf dem Boltenberg bei Familie de Boers zu Gast und kann die Lektüre nur empfehlen.

Sibyl Quinke
Tod in der Tuchagentur

edition oberkassel Verlag, Düsseldorf
ISBN
9783958130029

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Dienstag, 26. Dezember 2017

Helga Hammer - Durch alle Zeiten

Eine interessante Lebensgeschichte!

Da ich die Region Schladming-Dachstein, in der die Geschichte spielt, sehr gut kenne, musste ich dieses Buch unbedingt lesen.

Elisabeth, aufgewachsen mit einigen Geschwistern in einem ärmlichen Bergbauernhof in der österreichischen Ramsau, ist die Protagonistin in dieser Geschichte. Sie will sich mit dem kargen Leben auf ihrem Bauernhof nicht abfinden, setzt bei ihren Eltern durch, dass sie eine Ausbildung auf der Haushaltungsschule machen darf. Sie trifft auf Niklas, ihre große Liebe, die aber nicht gelebt werden kann. Als Kindermädchen in London wird sie vom Hausherrn schwanger. Um nicht den Makel einer ledigen Mutter zu haben, heiratet sie in der Steiermark Mertin, einen Nachtwächter. Sechs Jahre später bekommt sie ein Kind von ihrem Cousin Richard und Martin reicht die Scheidung ein...

Elisabeth ist eine Frau, die sich auf der Suche nach sich selbst immer wieder auf die falschen Männer einlässt. Sie fühlt sich zerrissen und ist immer auf der Suche nach dem Glück bzw. der großen Liebe.

Helga Hanner, die einen Teil der Lebensgeschichte einer Freundin erzählt, schreibt ihr Buch in zwei Zeitsträngen. Einmal ab dem Zeitpunkt der Geburt von Elisabeths drittem Kind Alfons, dann immer wieder in Rückblicken ab Elisabeths Geburt. Habe ich mich beim Lesen zuerst etwas schwer getan mit den dauernden Zeitsprüngen, haben sie mir aber dann geholfen, Elisabeths Tun besser zu verstehen und sie haben eine gewisse Spannung in die Geschichte gebracht.

Elisabeth ist mir nie richtig sympathisch geworden. Manchmal tat sie mir leid, wie sie immer wieder neue Schicksalsschläge hat hinnehmen müssen. Andererseits finde ich sie sehr egoistisch und hart, wie sie teilweise ihrem Umfeld begegnet. Nur für ihre Kinder kämpft sie wie eine Löwenmutter.

Der schnörkellose, lebendige und offene Schreibstil der Autorin gefällt mir sehr gut. Detaillierte und farbige Beschreibungen lassen sofort Bilder in meinem Kopf entstehen. Es ist kaum vorstellbar, dass noch bis vor einigen Jahren – vielleicht sogar heute noch – in einigen Regionen in unserer Umgebung das Leben der Frau durch ihren Mann bzw. ihre Herkunft bestimmt war.

Eine starke Frau, deren Leben geprägt ist von harter Arbeit, den falschen Männern und der Liebe zu ihren Kindern; die versucht, das Beste aus ihrem Leben zu machen. Spannende und fesselnde Unterhaltung.

Helga Hammer
Durch alle Zeiten

Ullstein Verlag, Berlin
ISBN 9783961010080

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Sonntag, 24. Dezember 2017

Fröhliche Weihnachten!


Martin Krist - Böses Kind

Wo ist Jaqueline?

Während sie den Fall Sina Winterstein, der Frau des angesagten Fernsehpredigers, die ermordet in einem niedrigpreisigen Hotel gefunden wird, bearbeiten, gibt es weitere Arbeit für Kriminalhauptkommissar Henry Frei und seine Kollegen Louisa Albers und Phan Cha Lee genannt Charly. Susanne Pirnatt meldet ihre Tochter Jaqueline als vermisst. Die 14jährige ist zusammen mit ihrem Hund Tapsie verschwunden. Einen Hund finden die Ermittler in einer Bibliotheksruine, die saniert werden soll, an die Wand genagelt und ausgeweidet. Kurze Zeit später findet man eine Leiche mit abgehackten Händen. Frei und Albers beginnen sich Sorgen um das junge Mädchen zu machen.

Der erste Fall für Kommissar Frei und seine Kollegen ist für mich der erste Fall von Martin Krist überhaupt. Aber jetzt, nachdem ich den ersten Fall gelöst habe – naja, nicht ich, denn ich war immer auf der falschen Fährte – werde ich die Fälle der Berliner Kommissare bestimmt weiter verfolgen. Mich hat ein Krimi seit langem nicht mehr so schnell einbinden und mitreißen können. Ich bin begeistert.

Martin Krist stellt mir die alleinerziehende Suse vor, die mit ihren Kindern und ihrer Halbtagsstelle völlig überfordert ist. Nun ist auch Jaquie verschwunden, deren Hilfe sie dringend braucht. Zu ihrem Exmann hat sie ein denkbar schlechtes Verhältnis. So völlig auf sich alleingestellt, bekomme ich ihre Situation und ihre Reaktionen auf kleinste Kleinigkeiten sehr bildlich dargestellt und kann mich in ihre Situation gut hinein denken.

Auch die Kommissare lerne ich langsam kennen. Sowohl Frei als auch Louisa haben ihr Päckchen zu tragen. Frei, der Unordnung und Unpünktlichkeit hasst, mit seinem authistischen Sohn Benni und seiner pubertierenden Tochter Emelie und Louisa, die Unordnung in Person, mit ihrem Schreikind, das sie keine Nacht schlafen lässt. Das Familienleben der beiden Familien bringen die Hochspannung immer mal wieder auf ein erträgliches Maß herunter und ich kann dann immer mal kurz durchschnaufen. Ich finde es toll, endlich mal wieder "normale" Kommissare zu lesen, die zwar auch ihre familiären Probleme haben, aber doch sehr normal erscheinen.

Die kurzen, knappen Kapitel machen die Geschichte sehr schnell und ich bin nur so durch die Seiten geflogen.

Ich war mir bald ziemlich sicher, in welche Richtung die Auflösung gehen würde. Doch da kannte ich die raffinierten Wege des Martin Krist noch nicht. Immer wieder taten sich neue Wege auf, die aber nicht ans Ziel führten. Zum Schluss war ich dann doch richtig baff, als der Täter abgeführt wurde.

Ich habe einen temporeichen, sehr spannenden Krimi mit vielen Wendungen gelesen, der mich bis zum Schluss fesseln konnte.

Mit diesem ersten Fall für Frei, Albers und Charly habe ich einen neuen Autor entdeckt, den ich nun mit auf meine Lieblingsautorenliste setze. Wenn am Fall Sina Winterstein weiter ermittelt wird, bin ich auf alle Fälle wieder mit dabei.

Martin Krist
Böses Kind

epubli Verlag
ISBN 9783745035292

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Samstag, 23. Dezember 2017

Mia C. Brunner - Schonfrist

Dranbleiben lohnt sich!

Der Allgäuer Hauptkommissar Florian Forster quält sich durch den Kemptener Halbmarathon. An der Straßensperre an der St.-Mang-Brücke wird sein Freund und Kollege Jonas Hauser mit einer Schrotflinte erschossen. Ein Jugendlicher, der auf einem Baugerüst liegt, soll der Mörder sein. HK Forster glaubt nicht daran. Mit Hilfe eines Profilerteams aus München und seiner verhassten Kollegin Claudia Pechschwader beginnen die Ermittlungen, die in einen Sumpf aus Hass und Rache in die Vergangenheit führen...

"Schonfrist" ist der 2. Fall, den HK Forster zu lösen hat. Immer wiederkehrende Anspielungen machen Lust die Hintergründe, die hier nur angerisen werden, nachverfolgen zu wollen.

Die Protagonisten finde ich sehr anschaulich, manchmal zwar etwas überzogen, gezeichnet. Florian und seine Freundin mit den beiden Kindern habe ich bald ins Herz geschlossen. Bei Claudia Pechschwader war ich froh, als sie wieder zwangsversetzt wurde. Ecken und Kanten machen die Menschen, die hier agieren, glaubhaft und ihre Taten nachvollziehbar.

Dadurch, dass hier einige Erzählstränge miteinander verwoben werden müssen, ausserdem auch das Privatleben der Kommissare einen großen Raum einnimmt, handeln sehr viele Personen. Das hat mir das Lesen anfangs nicht leicht gemacht. Die dauernden Sprünge hin und her, eine Spannung, die zwar aufkam, aber immer wieder abgefallen ist, und ich nicht von der Geschichte gepackt war – ich will nicht schreiben, dass es mich gelangweilt hat. Aber Lust auf´s Lesen hatte ich manchmal keine mehr. Das hat sich dann im letzten Drittel gewandelt. Da wusste ich ganz langsam, wo der Weg hin geht, die Spannung ist gestiegen, die Langeweile wie weggeblasen.

Ich mag Regionalkrimis wegen ihrer Authentizität. Hier lerne ich das Allgäu etwas kennen, die Menschen und die Umgebung in und um Kempten. Davon hatte ich bald ein farbiges Bild im Kopf.

Schonfrist war für mich kein Thriller mit Spannung ab der ersten Seite, Aber ich bin froh, dass ich durchgehalten und den Fall doch noch geöst habe. Es hat sich gelohnt.

Mia C. Brunner
Schonfrist

Gmeiner Verlag, Meßkirch
ISBN 9783839221037

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Donnerstag, 21. Dezember 2017

Ulrike Busch - Mordsschwestern

Na endlich. Nach dem Dauernd umeinander herumschleichen sind die Kommissare Fenna Stern und Tammo Anders endlich verlobt und planen ganz langsam ihre Hochzeit und vor allem die Hochzeitsreise. Aber erst einmal heißt es ermitteln:

Am offenen Familiengrab der Familie Feddersen, wo heute Mittag Max Feddersen an der Seite seiner Frau Martha beerdigt werden soll, lehnt die Leiche der Museumsdirektorin für ostfriesische Kunst und Kultur Dr. Suse Perk, zu Lebzeiten eine gute Freundin der Familie. Die Ermittlungen beginnen. Die Kinder des Ehepaares Feddersen streiten sich derweil schon um die wertvollen Kunstsammlungen, da ist der Vater noch gar nicht unter der Erde. Liegt hier ein Motiv für die Tat?

Dies ist bereits der 4. Fall, den ich mit Fenna Stern und Tammo Anders lösen darf. Ulrike Busch schreibt keine Krimis, bei denen mir beim Lesen die Haare zu Berge stehen, sondern richtig spannende Geschichten, bei denen die Spannung von Anfang an da ist, sich weit oben hält, aber auch Raum für Anderes, z.B. Privates bleibt.

Die Protagonisten sind auch hier wieder wie aus dem Leben gegriffen. Einerseits die sehr sympathischen Ermittler mit Onkel Frido und Fennas Mama Magda. Andererseits die Geschwister Feddersen, Urte, Hanno, Dorit mit ihrem Gatten Robert und Leni, sowie die einzige Cousine Agathe Clemens. Zu dieser Familie, in der man die zwischenmenschliche Kälte schneiden kann, möchte ich auf gar keinen Fall gehören.

Schnell hatte ich "meinen" Mörder gefunden. Doch da kennt man die Autorin schlecht. Nach immer neuen Wendungen war ich mir nicht mehr so sicher und musste zum Schluss erkennen, dass sie mich auf eine ganz falschen Fährte angesetzt hatte. Rückblickend löst sich alles ganz nachvollziehbar auf und Kleinigkeiten, an die ich nicht gedacht hatte, ergeben nun einen Sinn.

In Greetsiel, einem Ortsteil der Gemeinde Krummhörn bin ich gleich wieder zuhause. Die Beschreibungen des Ortes und der Umgebung geben der Geschichte den lokalen Anstrich. Ich möchte so gerne mal wieder im Fischerhus sitzen und Matjes mit Pfiff essen – so lecker.

Das gute an den Büchern von Ulrike Busch ist, dass sie alle in sich abgeschlossen sind und man jedes einzeln für sich lesen kann. Und so schade, wie es ist, dass nun auch dieser 4. Fall gelöst ist, umso mehr freue ich mich auf den 5. Fall mit Fenna und Tammo.

Ich kehre immer wieder sehr gerne nach Greetsiel zurück.

Ulrike Busch
Mordsschwestern

Klarant Verlag,
ISBN 9783955737054

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Mittwoch, 20. Dezember 2017

Petra K. Gungl - Tannenglühen

Keine Zeit um auszusteigen!

Wien Anfang Dezember. Kanzleisekretärin Samira Dinic findet in der Früh ihres neues Arbeitstages einen ihrer Chefs, Dr. Siegfried Fürstenstein, erdrosselt im Besucherzimmer. Anscheinend wollte er gerade den großen Tannenbaum schmücken. Nun schlängelt sich die Lichterkette nicht um den Baum sondern um seinen Hals.

Strafverteidigerin Dr. Franziska Ferstl wollte sich nach ihrer überstandenen schweren Krankheit Ende des Jahres aus ihrem Arbeitsleben in der Kanzlei zurückziehen und sich in den Süden verabschieden. Da nun ihr langjähriger Kollege und Freund Dr. Maximilian Frank des Mordes an seinem Compagnon verdächtigt wird, stellt sie ihre Pläne zurück und greift voll in die Suche nach dem Mörder ein. Bei ihren Ermittlungen deckt sie eine Liebesaffäre auf, stößt auf dubiose Schwarzgeldgeschäft mit verschiedenen Russen, für die Kanzlei untragbare Offshore Geschäfte und die raffgierigen Ehefrauen ihrer Geschäftspartner. Als dann bei ihrer Nichte Martina auch noch eine Krankheit auftaucht, die noch bestimmt werden muss, gerät auch die taffe und sonst so starke Franziska hart an ihre Grenzen.

Die fast 60-jährige Frau Dr. Franziska Ferstl, Strafvereidigerin, fährt eine Harley Davidson "Rosinante", braucht wenig Lippenstift und Wimperntusche und auch sonst verbindet mich einiges mit ihr, was sie mir sehr sympathisch macht. Sie ist eine starke taffe Frau, die manchmal etwas arrogant rüber kommt, auch mal laut werden kann, die aber auch ihre schwachen, sehr verletzlichen Seiten hat. Gerade das macht sie so authentisch.

Auch die anderen Charaktäre mit vielen Ecken und Kanten, manche sehr sympathisch wie Franziskas Schwester Gerti und ihre Tochter Martina "Tichen" und Ari vom Motorradshop; oder unsympathisch und nur auf sich bedacht wie Maximilians Frau Bianca, die Fürstin oder der Russen-Boss und sein Gehilfe. Sehr gut hat mir auch die durch ihre Verliebtheit entstandene positive Verwandlung der jungen Sekretärin Nathalie gefallen.

Spannung macht sich ab der ersten Seite breit, hält ihren Bogen gespannt um dann beim Showdown nochmals anzusteigen. Ich konnte sehr gut mit fiebern und mit ermitteln, hatte für mich bald einen Täter parat. Aber es kam dann doch so ganz anders als ich es erwartet hatte.

Aber auch der Humor kommt nicht zu kurz. Besonders mit dem junge Anwalt Kurt Thesch, ein echtes Schnuckelchen, der sich mit Franziska die Tätersuche zur Aufgabe gemacht hat und sie tatkräftig unterstützt, kann Franziska sich manchmal vor Lachen nicht halten.

Obwohl es ein Krimi ist, der um die Weihnachtszeit spielt, ist von kurzen Gastspielen von der Vorweihnachtszeit nicht viel zu spüren. Dies mag auch an den konzentrierten Ermittlungen liegen, die keine andere Ablenkung zulassen.

Toll finde ich die Rezepte im Nachgang zur Geschichte. An den Eierlikörkugeln, die Tinchen gemacht hat, werde ich mich auf alle Fall mal versuchen.

Ein interessanter, facettenreicher und tiefgründiger Krimi, bei dem mir das Lesen großen Spaß gemacht hat.

Petra K. Gungl
Tannenglühen

Gmeiner Verlag, Meßkirch
ISBN 9783839221228

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Dienstag, 19. Dezember 2017

Kerzen, Killer, Krippenspiel - 24 Weihnachtskrimis vom Nordseestrand zum Alpenrand

Kerzen, Killer, Krippenspiel ist bereits das 7. Weihnachtskrimibuch, in dem die verschiedensten Autorinnen und Autoren verteilt über ganz Deutschland ihre kriminellen Weihnachtsgeschichten veröffentlichen.

Wie man auf der Karte am Anfang des Buches sieht, ziehen sich die Weihnachtsmorde durch die ganze Republik. Z.B. von Sylt über Langeoog, nach Hamburg, Berlin, Bielefeld, Köln, Gießen, Limburg, Bayreuth, München bis ins schweizerische St. Gallener Oberland.

Egal, ob es um die letzte freie Grabstelle im Familiengrab, den Weihnachtsmann Hinnerk der sich bei einem Sturz das Genick bricht, um einen Streit zwischen Taubenzüchtern bzw. Weihnachtsmännern, um eine Verwechslung im Pillendöschen, um außergewöhnliche Diamanten, ein junger Mann die Weihnachtsgeschichte umschreiben will, Herbert an einem Lebkuchen das Zeitliche segnet – immer spielen die Geschichten in der Vorweihnachtszeit und nehmen ein schlimmes Ende.

22 Autorinnen und Autoren und zwei Autorenduos haben sich wieder Gedanken rund um das kriminalistische Weihnachtsfest gemacht und mich dabei richtig gut unterhalten.

Im Glossar werden einige Begriffe erklärt und in der Vitae stellen sich dem Leser die Autorinnen und Autoren vor.

Wer anstatt stille Weihnachten mehr auf kriminelle Weihnachten steht, ist hier absolut richtig.

Diverse
Kerzen, Killer, Krippenspiel

Droemer Knaur Verlag, München
ISBN 9783426521632

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Montag, 18. Dezember 2017

Margit Kruse - Opferstock

Ein spannender Ausflug nach Gelsenkirchen!

In der Sakristei der Pfarrkirche Gelsenkirchen-Ückendorf findet die Pfarrputzfrau den Pfarrer Josef Wolzenburger - erschlagen. Die Trauer in der Gemeinde hält sich allerdings in Grenzen. Gerüchte bahnen sich ihren Weg. Hat das alles mit der Ferienfreizeit im Landschulheim in Lieberhausen im Oberbergischen Land 1985 zu tun? Hobbydetektivin Margarete Sommerfeld ist wieder in ihrem Element.

Aus vielen kleinen Anspielungen lese ich, dass dies nicht der erste Fall ist, in dem Margarete Sommerfeld sich in die Ermittlungen vom 1. Hauptkommissar Helmut Blauländer vom KK11 in Buer und seinen Assistenten einmischt. Aber kennen muss man die Fälle nicht unbedingt, da auch dieser Fall in sich abgeschlossen ist und für sich allein steht. Aber die Andeutungen machen Lust, sich auch den Vorgängerbüchern zu widmen.

Ich mag Margarete mit ihrer geraden ungekünstelten Art. Aber auch die anderen Protagonisten finde ich sehr markant und farbig beschrieben, kann sie mir gut vorstellen. Besonders Jens Eigenhardt, der, nachdem sie sich in Lieberhausen kennengelernt haben, Margarete zu den Ermittlungen anstachelt, ist ein sehr eigenwilliger Typ mit Ecken und Kanten oder wie Margarete es beschreibt mit zwei oder drei Gesichtern.

Der Kriminalfall an sich nimmt sich einem ernsten Thema an, dass gerade wieder sehr stark in den Medien vertreten ist: Kindermissbrauch durch Kirchenmitarbeiter. Der Fall um Pfarrer Wolzenburger ist logisch aufgebaut, setzt immer neue Fragen frei und ich kann richtig gut mitdenken und mit suchen. Bis kurz vor Schluss war ich allerdings auf der falschen Fährte, auf die mich die Autorin geschickt angesetzt hat.

Hier die Gedanken des kleinen, vom Pfarrer als krank beschrieben Jungen zu lesen, der sein Martyrium, seine Angst und seine Frustration, weil ihm keiner hilft, mit seinen eigenen Worten 1985 im Landschulheim beschreibt, hat mir das ein oder andere Mal die Haare zu Berge stehen lassen.

Ein interessanter Fall, vielschichtige Protagonisten und ein Ausflug ins Oberbergische Land haben mir leichte lockere Lesestunden ohne allzuviel Blutvergießen beschert und mich gereizt, nun auch die anderen Bücher mit der bodenständigen Hobbyermittlerin Margarete Sommerfeld zu lesen.

Margit Kruse
Opferstock

Gmeiner Verlag, Meßkirch
ISBN 9783839221365

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Sleeping Beauties von Stephen King und Owen King


In der Kleinstadt Dooling gibt es eigentlich nichts anderes, als in anderen Städten auch: Schulen, eine Polizeistation, Supermärkte, Kneipen und ein Frauengefängnis. Okay, letzteres ist nicht in jeder Stadt zu finden.
Eines schönen Tages bricht eine Epidemie aus, die einschlafende Frauen betrifft. Und zwar nur Frauen, egal welchen Alters und egal auf welchem Teil der Welt. Sobald die Frauen einschlafen, bildet sich ein faseriger, spinnenartiger Kokon um sie herum und hüllt sie ein. Doch sie atmen ruhig und scheinen tatsächlich einfach nur zu schlafen. Entfernen sollte man das Gewebe jedoch auf keinen Fall. Überhaupt sollte man nicht versuchen die Frauen zu wecken. Denn sobald sie erwachen werden sie zu mordenden, brutalen Killermaschinen.
Jedoch taucht eine Frau in Dooling auf, die gegen die Schlafkrankheit – inzwischen Aurora genannt – immun zu sein scheint. Sheriff Lila Norcross bringt die Frau ins Frauengefängnis des Ortes und hält sie dort fest (auch zu ihrem eigenen Schutz). Denn die Männer des Ortes hören von dem Gerücht der Immunität der seltsamen Frau und wollen ihre Frauen und Kinder zurück. Um jeden Preis …..
Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 960 Seiten
Preis: 28,00 €
ISBN: 978-3-453-27144-9
Kategorie: Fantasy / Horror-Fiction
© Marion Brunner:_Buchwelten 2017

Sonntag, 17. Dezember 2017

Anja Stroot - Der schwarze Schatten

Mal ein "Krimi" für unsere jüngsten Leser!

Ich lerne Jacqueline "Jacky" und ihren Bruder Ben, der immer zu Streichen aufgelegt ist, kennen. Die beiden wohnen in Münster. Gar nicht so weit weg liegt der Reiterhof, wo sie in den letzten Ferien erstmals ohne ihre Eltern waren. Da soll es nun bald wieder hin gehen. Zusammen mit Leona, die auf dem Reiterhof lebt, und Felix, der aus Rheine kommt, hatten sie beschlossen, als die Münsterland-Detektive in den Ferien ihre Abenteuer zu bestehen. Und gleich in der ersten Nacht gilt es das erste Abenteuer zu bestehen.

Nach "Die verflixte Wiese (2)" und "Gefahr am Baumhaus (3)" ist nun die erste Geschichte der Münsterland-Detektive an der Reihe. Da die Geschichten in sich abgeschlossen sind, ist man hier an keine Lesereihenfolge gebunden, sondern kann die Bücher in jeder beliebigen Reihenfolge lesen. Auch sind die Geschichten nicht nur für Münsterländer Kinder gedacht. Die Abenteuer könnten sich in jeder beliebigen Gegend in Deutschland oder auch im Ausland genau so abspielen.

In einer liebevollen kindgerechten Sprache beschreibt die Autorin die Gegend im und rund um den Reiterhof. Wunderschöne, die Fantasie anregende Zeichnungen runden die spannende Geschichte ab. Die Geschichte eignet sich sehr gut zum Vorlesen. Durch die große Schrift können sich aber auch Leseanfänger sehr gut daran versuchen. Kurze Kapitel machen es nicht so schwer mit dem Lesen auch mal eine Pause zu machen.

Am Schluss der Geschichte ist nochmal das Erinnerungsvermögen des Lesers gefragt, der 3 Fragen zum Inhalt beantworten muss. Die Kreativität kommt auch nicht zu kurz. Ein eigenes Lesezeichen und den eigenen Detektivausweis gilt es nach der einfachen Anleitung zu basteln.

Auch dieses Buch werden die Kinder wieder verschlingen. Da bin ich mir sicher.

Anja Stroot
Der schwarze Schatten

BoD, Norderstedt
ISBN 9783734733031

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Freitag, 15. Dezember 2017

Stefanie Zweig: Das Haus in der Rothschildallee

Dieser Roman von der Altmeisterin ist eine Familiensaga, deren Handlung zur Zeit des Ersten Weltkrieges spielt. Präzise, teilweise minutiös wird der Aufstieg und Fall einer jüdischen Unternehmerfamilie gezeigt.
Der Tuchhändler Johann Isidor Sternberg zeigt, dass er ein gutes Händchen für das Geschäft hat. Er ist erfolgreich. Streng in der Welt und dem Glauben der damaligen Zeit verhaftet, bemüht er sich um Anerkennung in der Gesellschaft und mit den Statussymbolen Ehefrau, Familie, Haus und Unternehmen ein hohes Ansehen zu präsentieren. Obwohl jüdisch, so fühlt sich es als Deutscher, der der Krone, dem Kaiser, ohne Wenn und Aber Gehorsam schwört. Am Höhepunkt seines Erfolges bricht der Erste Weltkrieg aus. Otto, der erste Sohn der Familie, setzt alles daran, direkt vom Gymnasium in den Krieg zu ziehen für Volk und Vaterland. Er kann es nicht erwarten, an die Front zu kommen und schreibt den Eltern eine Postkarte, in welcher er sich auf die morgige Feuertaufe freut. Zwei Monate später erfahren die Eltern, dass Otto bei seiner Feuertaufe gefallen war. Hatte der Vater bislang beinahe den Boden unter den Füßen verloren, weil er aus gesundheitlichen Gründen nicht für die Front eingezogen wurde, so beginnt mit dem Tod seines Sohnes langsam ein Umdenken. Je länger der Krieg dauert, je mehr die Familie wie fast alle Menschen in Deutschland Hunger leiden müssen, um so offensichtlicher wird für es für Sternberg, dass sie als Juden nur Menschen zweiter Klasse in Deutschland sind.

Wer sich für Geschichte interessiert und diese gerne über Familiensagen inhaliert, wird mit diesem Roman auf viel Spannung treffen. Feinfühlig sind die Figuren ausgearbeitet. Jede, auch die Dienstmädchen, zeigen einen interessanten Charakter, der Auskunft über die damalige Verhältnisse gibt. Leicht lassen sich Bezüge bis in die Gegenwart herstellen. Ein Stoff, der auch heute nicht an Aktualität verloren hat. Interessant war für mich die Tatsache, dass die Schriftstellerin in dem Haus, welches in diesem Roman die Hauptrolle spielt, bis zu ihrem Lebensende gelebt hat.

Lesenswerte Familiengeschichte!

Stefanie Zweig
Das Haus in der Rothschildallee

Heyne Verlag, München
ISBN 9783453406179

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© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Marie S. Laplace - Wenn Lichter fliegen

"Wenn Du siebzehn bist...
Ein Kribbeln in den Fingerspitzen, vergleichbar mit den Funken einer Wunderkerze auf deiner Haut, ist das erste Anzeichen deiner Berufung."

Wer wird da nicht neugierig, wenn er sowas liest? Jetzt, nachdem ich das Buch beendet habe, bin ich immer noch ganz gefangen in einer für mich bis hierher völlig fremden Welt. Aber ich habe es sehr genossen, die Geschichte zu lesen.

Die 16-jährige Varvara Anmuth, kurz Arvie, deren Mutter kurz nach der Geburt gestorben ist, hat vor 4 Monaten nun auch ihren Vater verloren. Sie macht sich auf den Weg von Berlin zu ihrer Großmutter Rajani Green,"Ray" - einer Cherokee-Indianerin nach Waynesville in North Carolina, USA. Sie lernt neue Freunde kennen. Besonders mit Kaya und ihrem Bruder Chay ist sie oft zusammen, lernt reiten und die neue Umgebung kennen. Kurz vor ihrem 18. Geburtstag spürt sie ein Kribbeln in den Fingerspitzen, grüne Bläschen schwirren um ihre Arme. Und sie kann sich mit Tieren unterhalten. Jetzt wird ihr Oma Ray, die bisher eisern z.B. über Arvies Mutter geschwiegen hat, einiges erklären müssen.

Der Debütroman von Marie S. Laplace hat die Seiten nur so durch meine Finger fliegen lassen. Obwohl ich bisher meinte, Fantasy sei so gar nichts für mich, wurde ich hier eines besseren belehrt. Einzig zum Schluss treten einige Phänomene auf, die ich in meine Welt für Märchen gesteckt habe. Gestört haben sie mich aber keineswegs.

Kleine sprachliche Spitzfindigkeiten machen das Lesen zu einem Genuss. Überhaupt hat die Autorin einen so einfühlsamen, magischen sprachlichen Stil, der sofort Bilder in meinem Kopf entstehen lässt. Einfache Sätze werden durch bildhafte Beschreibungen fast real und greifbar. Die Protagonisten bekommen sofort Farbe, fangen an zu leben und ich darf mit Arvie und Chay mittendrin sein in einer mir bisher unbekannten magischen Welt.

Dieses Buch enthält alles, was ich zum Abtauchen in eine Geschichte brauche: Einen interessanten Plot, eine gewisse Spannung, ein kleines bisschen Romantik und Fragen, die nicht ganz beantwortet bleiben. Daher kann ich es kaum erwarten, dass der 2. Teil der Trilogie erscheint.

Wunderschön finde ich auch die Traumfänger, die die neuen Kapitel jeweils einleiten.

Ein wundervolles Buch, nicht nur für Indianer- oder Fantasy-Fans.

Marie S. Laplace
Wenn Lichter fliegen
Selfpublisher

ISBN 9781521985618

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Sonntag, 10. Dezember 2017

Emily Bold - Der Duft von Pinienkernen

Greta auf ihrem Weg zu sich selbst!

"Ich wünschte, Du wärst hier" schreibt Greta Martinelli ihrer Freundin Katrin aus jeder Stadt in Italien, die sie auf ihrer Kochbuch-Reise besucht. Greta ist Hals über Kopf aus München geflohen, nachdem sie einen großen Fehler gemacht und damit die jahrelange Freundschaft zu Katrin aufs Spiel gesetzt hat. Nun ist die gemeinsame Wohnung weg, die Nudelbar in der Kaufingerstraße gibt´s nicht mehr und die Freundschaft hat sich auch aufgelöst. In Italien hat sie viel Zeit zum Nachdenken und ganz langsam findet sie zu sich selbst zurück. Spielt da vielleicht auch der in sich gekehrte Fotograf Christoph Schilling eine Rolle?

Ich habe Greta um ihre Reise durch Italien beneidet. Venedig im Februar, die Emilia Romagna, Parma, Bologna, Rom und schließlich Gallipoli in Apulien, die Heimat ihrer Großmutter Vittoria, von der sie ein Kochbuch nicht nur mit den leckersten Gerichten, sondern auch mit Lebensweisheiten immer bei sich hat. Auf der Suche nach geeigneten Plätzen und Gerichten für ihr Kochbuch begleite ich mit dabei. Bei den Beschreibungen von Land und Leuten schwelge ich in Reiseplänen.

Es dreht sich alles um ein Kochbuch, das der Verleger und Produzent Holger Frischmann mit ihr heraus bringen will. Bei der Zubereitung der leckeren Gerichte läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Beim Lesen der Zutaten steigt mir deren Duft in die Nase. Und die Fotos, die der Fotograf macht, kann ich vor meinem inneren Auge sehen.

Nicht nur Greta, Katrin und Christoph, die Hauptprotagonisten, sind sehr gut gezeichnet. Auch die Menschen um diese Drei herum kann ich mir sehr gut vorstellen und lerne sie gut kennen. Besonders in Herz geschlossen habe ich den kleinen Timo, der mit seinem Papa auf einem Olivengut ausserhalb von Bologna lebt.

In die Gefühlswelt von Greta kann ich mich sehr gut hinein versetzen und es ist schön zu lesen, wie sie ganz langsam zurück zu sich selbst findet und sich verzeihen kann.

Ein wunderbares Buch über die Freundschaft, die Liebe, das Verzeihen und die Kochkünste einer jungen Frau und ihrer Freunde.

Emily Bold
Der Duft von Pinienkernen

Ullstein Verlag, Berlin
ISBN 9783548289083

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Freitag, 8. Dezember 2017

Stefanie Gregg: Duft nach Weiß

Das Thema Osteuropa in Form von Bulgarien sollte die Leser nicht abschrecken, nach diese Lektüre zugreifen. Denn es verbirgt sich ein romantischer, spannender und Freiheit betonender Roman hinter dem Titel.

Im Mittelpunkt steht Anelija und ihre Familie. Zu Beginn begegnet ihr der Leser auf der Ladefläche eines Kühllasters, wo ihr just in dem Moment eine Kiste mit Pflaumen auf den Kopf fällt. Anelija flieht aus ihrem Heimatland Bulgarien und ist auf dem Weg nach Deutschland. Im Laufe der Geschichte erfährt der Leser, wie und warum es zu dieser Flucht gekommen ist.

Dabei hat Gregg einen großen Erzählbogen über vier Jahrzehnte gezogen, die sich über die 1960 bis zu den 1990 er Jahren erstrecken. Dafür benutzt sie drei parallele Stränge, die sich kapitelweise abwechseln. Jetzt wäre es zwar ein Leichtes, sich jeden Strang einzeln vorzunehmen, um zu erfahren, was da geschieht. Jedoch würden dem Leser dann Fragen kommen, für deren Beantwortung er den Inhalt der anderen Stränge benötigt. So baut die Autoren eine Spannung auf, die den Leser fesselt. Davon abgesehen, dass der Strang um den Schriftsteller und Dissidenten Georgi Markow beinahe einem Thriller gleichkommt. Da ich Bulgarien aus eigenem Erleben gut kenne und viele Freunde dort hatte, die heute zum Teil in den USA leben, fand ich die Beschreibung der bulgarischen Lebensverhältnisse ausgesprochen gut beschrieben. Das Leben in Zeiten des Sozialismus, die Angst vor dem Verrat, obwohl die Misswirtschaft erkennbar und spürbar war, das sich einrichten in einer ungerechten Welt, die Gastfreundschaft werden immer wieder mit passenden Symbolen und Metaphern bildgewaltig dargestellt.

Eine besondere Rolle kommt dabei dem Titel des Buches zu, der sich wie ein roter Faden durch die gesamte Handlung zieht. Meisterhaft und poetisch wird der Leser damit immer wieder an das Grundthema „Freiheit" erinnert.

Die Lektüre dieses Romans ist ein Genuss und so mancher Leser, der nah am Wasser gebaut hat, sollte sich eine Packung Papiertaschentücher bereitlegen.

Stefanie Gregg
Duft nach Weiß

Pendragon Verlag, Bielefeld
ISBN
9783865325525

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© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

Mittwoch, 6. Dezember 2017

SexStory: Eine Kultgeschichte in Bildern von Philippe Brenot und Laetitia Coryn

Ein ausgefallener Comic!

Angeregt durch eine Leseprobe musste ich dieses Buch einfach lesen. Die Geschichte der Sexualität im Lauf der Jahrhunderte. Sexualität verpackt in einem Comic, das gab es wohl bisher noch nicht.

Vom Anthropologe und Psychiater Philippe Brenot stammen die meist witzigen Sprechblasen; die Illustratorin Laetitia Coryn zeichnete die phantasievollen Bilder dazu.

Es beginnt mit der Entwicklung der Affen zum Menschen, beleuchtet die Bibel und den Ursprung der Menschheit, das Babylon der freien Liebe, , das egalitäre Ägypten, das Pantheon der Liebe in Griechenland, die Größe und Dekadenz Roms, Hölle und Paradies im Mittelalter, die Renaissance, die Entdeckung der Fortpflanzungszellen, die Zeit der Aufklärung, die Verklemmtheit und die Prostitution im 19. Jahrhundert, die sexuellen Befreiung im 20. Jahrhundert bis zum Sex der Zukunft im 21. Jahrhundert. Es geht um Sexpraktiken, die Entwicklung des Schamgefühls, um Versuchungen, um Bordelle und Heilige, um Sexspielzeug und die künstlerische Revolution.

Das Memo zum Schluss bietet eine kurze Zusammenfassung der grundlegenden Begriffe, die in Sex Story vorkommen und beantwortet offen gelassene Fragen. Dank des Personen- und Sachregisters findet man schnell, was man sucht.

Der manchmal doch derbe Humor hat meinen Geschmack nicht immer getroffen. Manches finde ich einfach etwas drüber und zu viel. Vieles andere aber finde ich informativ, lehrreich, witzig, komisch und humorvoll in den Sprechblasen eingefangen. Immer wieder habe ich über die teils übertrieben dargestellten Bilder schmunzeln müssen.

Der Bestseller aus Frankreich ist ein ungewöhnliches Buch, dass es geschafft hat, mich trotz einiger Kleinigkeiten, die mir nicht so gefallen haben, zu begeistern.

Philippe Brenot/Laetitia Coryn
SexStory: Eine Kultgeschichte in Bildern

btb Verlag, München
ISBN 978-3442757442

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Montag, 4. Dezember 2017

Die italienischen Schuhe von Henning Mankell

Der ehemalige Chirurg Fredrik Welin lebt einsam und fast allein auf einer kleinen Insel in den Schären. Die Insel gehörte einst seinen Großeltern und dort fristet er genügsam und eigenbrötlerisch seinem Dasein. Er bewohnt ein gemütliches, geräumiges aber einfaches Haus, er besitzt ein Boot, das er eigentlich seit Jahren in Schuss bringen möchte, wozu er sich aber nie aufraffen kann.
Einzig ein alter Hund, eine ebenso alte Katze und ein Ameisenhaufen im Wohnzimmer sind seine Mitbewohner, wobei er die Ameisen eigentlich eher sich selbst überlässt, da er den Raum sowieso nicht nutzt.

66 Jahre ist Welin alt und vor vielen Jahren ist ihm „die große Katastrophe“ passiert und seitdem lebt er so zurückgezogen. Einer der wenigen menschlichen Kontakte, die er hat, sind die Besuche des Postboten Jansson. Der kommt ab und an vorbei, teilt ihm mit, dass er keine Post hat und schildert Welin regelmäßig ein anderes Wehwehchen, dass er dann untersuchen soll.
So gehen die Tage dahin und Welin ist weder glücklich oder unzufrieden. Es ist wie es ist. Doch eines Tages im Winter, da ändert sich alles. Denn da schaut Welin raus aufs Eis und sieht dort jemanden stehen. Mit einem Rollator. Die alte Dame ist Harriet, die Frau, die er vor langer Zeit einmal sehr liebte und die er verließ.
Nun steht sie nach 40 Jahren da und will von Fredrik, dass er ein altes Versprechen einlöst, da sie sterbenskrank ist. Natürlich erinnert er sich an dieses Versprechen und selbstverständlich hält er sich daran.
Also machen die beiden sich auf den Weg, auf eine winterliche Reise, sein Wort einzulösen und auf einen Streifzug in die Vergangenheit …
Erschienen als gebundene Ausgabe
im Zsolnay Verlag
insgesamt 368 Seiten
Preis: 24,00 €
ISBN: 978-3-552-05794-4
Kategorie: Drama, Liebe, Belletristik
© Marion Brunner für Buchwelten 2017

Sonntag, 3. Dezember 2017

Corina Bomann - Winterengel


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Ein romantisches Weihnachtsmärchen! Spiegel sind Spielzeug der Eitelkeit und der Sünde!

1895 ist Anna Härtel 6 Jahre alt und sieht das erste Mal einen Spiegel in der Glaserei ihres Vaters Martin, die sie ja später einmal übernehmen soll. Doch dann kommt alles ganz anders. Nach dem Tod ihres Vaters stehen schon die Banken bereit, da die Glaserei völlig überschuldet ist. Sie, ihre kleine Schwester Elisabeth und ihre Mutter verlieren alles.

Jahre später erhält Anna einen Brief der englischen Königin Viktoria Die hat von ihren Glasengeln gehört und möchte sie sehen und vielleicht auch kaufen. Doch auf der langen Fahrt nach London, auf der sie von John Evans begleitet wird, werden die kleinen Kleinode gestohlen und Anna sieht sich all ihrer Träume beraubt.

Das weihnachtliche Cover des Buches hat mich magisch angezogen. Und obwohl es erst langsam Richtung Weihnachten geht, habe ich das Lesen sehr genossen.

Corina Bomanns "Winterengel" ist wie ein modernes Märchen. Ich bin in Spegelberg in die Umgebung der Glashütte eingetaucht und ab dann auf Annas Spuren gewandelt. Ich war auf ihrem damals noch langen Weg nach London dabei. Habe hautnah erlebt, wie sie sich das erste Mal verliebt hat. Ihre Gefühle sind sehr gut vorstellbar beschrieben. Ich spüre ihre Unsicherheit, ihre Verletzlichkeit, ihre Abenteuerlust, ihre Verzweiflung, ihre Ergriffenheit, ihre Stärke, ihren starken Willen und ihre Leidenschaft. Gerade die ersten Tage zusammen mit John, als sie sich ganz langsam verliebt, es aber nicht wahrhaben will, finde ich sehr schön beschrieben.

Ich mag aber auch die anderen sehr bildhaft gezeichneten und daher gleich menschich wirkenden Protagonisten sehr. Ausser Anna natürlich Johnathan, der sich John Evans nennt und ein eher wortkarger Engländer ist. Genau so wie den Holländer Pieter De Vries, der eine ganz besondere Rolle in Annas Leben spielt.

Obwohl es eher eine leise Weihnachtsgeschichte ist, kommt auch die Spannung nicht zu kurz. Ein Diebstahl muss aufgeklärt werden und einige undurchsichtige Gestalten treiben sich in Annas Nähe herum.

Insgesamt eine wunderschöne, einfühlsame, romantische Geschichte in den Anfangsjahren des letzten Jahrhunderts, die um die Weihnachtszeit herum spielt und die mich sofort gefangen genommen und nicht wieder losgelassen hat.

Corina Bomann
Winterengel

Ullstein Verlag, Berlin
ISBN 9783471351611

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© Gaby Hochrainer, München 2017