Sonntag, 27. August 2017

Beth Hoffman - Ein Laden, der Glück verkauft

Eine wunderbare Familiengeschichte.

Theodora Grace Overman genannt „Teddi“ setzt sich gegen alle Widerstände durch und eröffnet endlich ihren eigenen Antiquitätenladen in Charleston, South Carolina. Auf ihrer elterlichen Farm in Kentucky hat sie es nicht ausgehalten und die Schreibmaschine, die ihr ihre Mutter zum 18. Geburtstag geschenkt hat und die ihr den Weg zu einem gut bezahlten Job ebnen sollte, ignoriert. Was sie immer mit sich herum trägt, ist die Sorge um ihren kleinen Bruder Josh, der eines Tages das Haus verlassen hat und nicht zurück gekommen ist. Sie ist sich auch nach vielem Jahren sicher, dass er noch irgendwo in den Schluchten ihrer Heimat lebt …

Beth Hoffman zieht mich mit ihrer Geschichte in eine nicht ganz einfach Familiengeschichte hinein. In Rückblicken, die sich Teddi immer wieder gönnt, lerne ich sehr viel über sie und ihre Familie kennen. Teddi und ihre Mutter haben keinen guten Draht zueinander. Und gerade, als sich das zu ändern scheint, stirbt ihre Mum. Ich hatte ein schönes Bild vor Augen von den beiden dickköpfigen so unterschiedlichen Frauen, wie sie zusammen an einer Brücke bauen – jede von ihrer Seite aus. Aber auch von den anderen Personen, die hier ihren Platz haben, habe ich eine klare Vorstellung, da sie lebendig und lebensecht gezeichnet sind. Besonders gefällt mir da Teddis Freundin Olivia und deren Mutter Lorna, die leider nur eine kleine Rolle spielt.

Schön finde ich auch die Beschreibungen rund um die Farm der Overmans in Kentucky. Die Tiere, mit denen sich Josh sehr verbunden fühlt, aber auch die Beschreibungen der Gegend haben mir sehr gut gefallen. Und es gibt eine Stelle, da habe ich ein paar Tränchen verdrückt. Lest selbst – ihr werdet sie bestimmt finden.

Die Emotionen und Gefühle, die diese Geschichte beherrschen, versteht es die Autorin sehr gut zu vermitteln. Die Nostalgie, die Teddi befällt, wenn sie an ihre Jugend mit Josh zurück denkt, kann ich sehr gut nachvollziehen. Die subtile Spannung, die Teddi hier und da hinterlässt, geben der Geschichte sogar etwas spannendes.

Ein wunderbarer Familienroman in einer wunderschönen Gegend, der mir sehr schöne Lesestunden beschert hat.

Beth Hoffman
Ein Laden, der Glück verkauft

Aus dem Amerikanischen von Jenny Merling
KiWi Verlag, Köln
ISBN 9783462046540

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Freitag, 25. August 2017

Theresa Prammer - Mörderische Wahrheiten

Geht nach 30 Jahren in Wien wieder ein Serienmörder um? Dr. Alfred Riedl, der 21er Mörder von vor 30 Jahren ist noch nicht beerdigt, da geschieht ein Mord an einer 14-jährigen nach dem genau gleichen Muster. Hatte Riedl damals einen Handlanger, der jetzt sein eigenes Ding durchzieht?

Carlotta Fiore vernachlässigt ihren Job als Privatdetektivin in einem Möbelhaus und versucht auf eigene Faust einiges von den alten Morden heraus zu finden bzw. macht sich auf die Suche nach Spuren, um an den heutigen Mörder heran zu kommen. Mit dabei Konrad Fürst, ein ehemaliger Kommissar, der bei einem Sturz sein Gedächtnis verloren hat.

Carlotta Fiore erzählt die Geschichte in der Ich-Form, was mich noch näher am Geschehen teilhaben lässt. Für mich besonders interessant: sie teilt mit einer ihr eigenen Gabe die Menschen um sich herum in Farben, Zahlen (Alter) und Attribute ein. Sie ist sowieso eine ganz eigene Persönlichkeit mit so vielen Ecken und Kanten, dass sie sich manchmal selbst zu verlieren scheint. Geprägt durch ihre Übermutter, der ehemaigen Sopranistin Maria Fiore, die in Wien noch jeder zu kennen und zu verehren scheint.

Aber auch die „nebensächlichen“ Personen, wie z.B. der Physiotherapeut Martin mit seinem starken Sprachfehler, kommen in der Geschichte sehr lebensecht und natürlich rüber. Am besten hat mir auch hier wieder neben Lotta und Konrad die kleine Fanny gefallen, die unbedingt auf die großen Bühnen dieser Welt will.

Ich darf und will mir gar nicht vorstellen, dass es solche „Monster“, wie dieser Killer hier, wirklich unter uns leben könnten. Ich finde es so schlimm zu lesen, und dabei hatte ich Gänsehaut, wie die Kinder die letzten Minuten erleben, bevor der Mörder mit dem Messer zustößt. Vor allem, weil die Kinder schon ahnen, dass sie ihre Leben gleich lassen werden.

Eine Geschichte, die die ganze Bandbreite von Emotionen hervorholt. Ein Buch, das ich fast nicht aus der Hand legen konnte. Und eine Autorin, von der ich unbedingt mehr lesen möchte.

Theresa Prammer
Mörderische Wahrheiten

Ullstein Verlag, Berlin
ISBN 9783471351376

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Mittwoch, 23. August 2017

Alicia Jordan - Achtung Wild!

Die Journalistin Krista Nielsen wird für die Sommerzeit in eine kleine Zeitungsredaktion nach Diepholz, ihrer Heimatstadt, ausgeliehen, worüber sie gar nicht erfreut ist. Dabei passieren gerade zu dieser Zeit einige mysteriöse Unfalle, bei denen immer Tiere im Spiel gewesen sein sollen. Von einer Schlange bzw. einem Wildschwein berichten die Betroffenen. Als Ersthelfer immer gleich zur Stelle ist der 18-jährige Freddy, was ihn schließlich tatverdächtig macht. Zusammen mit seiner neuen Freundin Line, die von ihren Eltern für 6 Wochen zu ihrer Cousine, der Polizistin Nina, abgeschoben wurde, macht er sich selbst auf die Suche nach Spuren und nach dem Täter.

Die Geschichte lässt sich leicht und flüssig lesen und hat mich bald gefesselt. Das lag aber nicht, wie man vielleicht glauben möchte, an der kriminellen Handlung, die für mich eher im Hintergrund steht, sondern an den Gegebenheiten Drumherum.

Da ist zum einen Polizistin Nina, die es mit ihrer oft schroffen Art schafft, jeden vor den Kopf zu stoßen, vor allem ihren Freund Jens. Aber auch sein Bruder Björn, ein Kollege von Nina, bekommt ihre negative Art immer wieder zur spüren. Line lässt Nina einfach links liegen und schiebt sie lieber zu Freddy ab, der ihr noch einen Gefallen schuldet. Mit Nina hatte auch ich meine Probleme. Mal kann ich sie verstehen, dann wieder habe ich Mitleid mit ihr, weil sie es irgendwie überhaupt nicht schafft, aus ihre Haut raus zu kommen. Doch immer wieder denke ich: das geht ja gar nicht Mädel. Dieser Charakter birgt noch sehr viel Potential für weitere "Fälle".

Krista, die sich an ihrem neuen Arbeitsplatz absolut nicht wohl fühlt, wird immer wieder von Aufträgen zurück gepfiffen und von ihren Kollegen gemaßregelt. Beim Lesen des Klappentextes entstand bei mir der Eindruck, dass sie in dieser Geschichte eine tragende Rolle spielt. Das kam dann aber absolut nicht mehr so rüber.

Freddy dagegen ist zu meinem absoluten Liebling geworden. Der Erbe eines großen Bauernhofes fotografiert zwar viel lieber und beschäftigt sich mit Biologie, als dass er sich um den Hof kümmert. Aber er ist immer zur Stelle und kümmert sich, wenn er gebraucht wird. Seinem cholerischen Vater hätte ich gerne mal so richtig die Meinung gesagt. Seine Mutter steht ihm, wenn auch nicht immer, so doch wenn es drauf ankommt zur Seite.

Und natürlich ist da noch Line, die Leistungsschwimmerin mit lädierter Schulter, die sich auf dem Land auskurieren soll um an den deutschen Meisterschaften teilnehmen zu können. Die Arme, die nur das Leben im Internat kennt und sehr auf ihre Ernährung achtet, kommt anfangs mit dem neuen Leben überhaupt nicht klar. Doch sie hat Freddy an ihrer Seite und es entspinnt sich sogar eine kleine Liebesgeschichte.

Dadurch, dass die Geschichten und Probleme der einzelnen Protagonisten, und auch diese selbst, so interessant und vielschichtig dargestellt sind, gerät für mich der eigentliche Kriminalfall etwas in den Hintergrund. Vor allem die Wandlung von Line hat mich fasziniert. Die Spannung hält sich trotzdem auf einem gewissen Niveau, das ich mir dann doch etwas höher gewünscht hätte.

Das knallrote Cover mit dem Traktor und dem Warnschild passt absolut zur Geschichte und macht neugierig. Die Überschriften über den einzelnen Kapiteln finde ich auch sehr gut. Da kann ich mich auf das Kommende schon etwas einstellen.

Insgesamt habe ich mich durch den "Fall" und vor allem durch die sehr gut dargestellten Protagonisten gut unterhalten gefühlt. Für einen Krimi hat mir aber etwas die Spannung gefehlt. Trotzdem bekommt das Buch meine Leseempfehlung!

Alicia Jordan
Achtung Wild!

edition oberkassel Verlag, Düsseldorf
ISBN 9783943121940

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Sonntag, 20. August 2017

Kirsten Wulf - Sommer unseres Lebens

Drei junge Frauen, gerade 25 Jahre alt, treffen sich bei einem Trip zu den Küsten im Süden Portugals. Hier erleben sie einen wunderschönen gemeinsamen Sommer und verabreden, sich in 25 Jahren genau hier wieder zu treffen. 15. August 1989: an diesem Tag entsteht ein Foto und der Satz „Wir haben es uns versprochen“. Und mit solche einem Foto endet auch eine wunderbare Geschichte über die Freundschaft.

Aber die Zeit ist damals nicht stehen geblieben und die 3 haben jeder ihr Päckchen zu tragen. In intensiven Gesprächen merken sie, dass ihr Leben jetzt mit 50 absehbar und endlich ist. Und sie müssen Geschehnisse von damals aufarbeiten, von denen sie nicht wussten, dass es sie gab.

Schon beim Betrachten des Covers stellt sich bei mir Urlaubs- und Sommerfeeling ein. Und das lässt mich auch während des Lesens nicht los.

Obwohl die drei Frauen, Hanne, Claude und Miri, so unterschiedlich sind, waren sie mir gleich sympathisch. Bei Miriam hat es zwar etwas gedauert, aber auch mir ihr bin ich dann gefühlsmäßig gut zurecht gekommen.

Hanne beginnt aus einem ihr persönlich sehr wichtigen Grund den Urlaub in den Süden nach 25 Jahren zu organisieren. Claude schließt ihre Hamburger Strandbar ab und macht sich mit ihrem alten Auto auf den Weg. Nur Miriam, die tiptop organisierte Marketingmanagerin zögert etwas. Aber dann steigt auch sie in den Flieger – und eine aufregende Zeit beginnt.

Ich erfahre sehr viel aus den persönlichen Hintergründen der drei Frauen, wie sie sich in den letzten 25 Jahren entwickelt haben, wie sie zu dem wurden, was sie heute sind. In die Gespräche, die die drei führen, fühle ich mich regelrecht eingebunden. Zum Schluss hin, wird es mir allerdings etwas zu hektisch und auch unübersichtlich und ich musste mich beim Lesen sehr konzentrieren, um nichts zu verpassen.

Traumhaft schöne Beschreibungen der Landschaft und einzelner Orte Portugals, von Lissabon, der Mentalität der Menschen und der leckeren Köstlichkeiten des Landes haben bei mir den Wunsch nach Urlaub in diesem Land stark angefacht. Die Frauen sitzen auf einem Felsvorsprung – ich habe den Wind gespürt und die salzige Luft gerochen. Kirsten Wulf hat es verstanden, mich als vierte Person an diesem Abenteuer teilhaben zu lassen und ich war voll dabei.

Obrigada, für diese Geschichte voller Emotionen, wunderbarer Eindrücke und dem Fazit, dass man sein Leben auch mit 50 noch ändern kann.

Kirsten Wulf
Sommer unseres Lebens

KiWi Verlag, Köln
ISBN 9783462048896

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Freitag, 18. August 2017

Ingrid Schmitz: Mord im Krimihotel

Dieser Kriminalroman ist ein liebevolles Bekenntnis an die selbsternannte Krimihauptstadt Deutschlands - Hillesheim. Einwohner und Unternehmer haben ein außerordentlich positives Verhältnis zur Kriminalliteratur. So gibt es dort ein Kriminalhaus mit einem Krimiarchiv, es gibt ein Krimihotel, in welchem Literaturveranstaltungen angeboten werden, es gibt Führungen durch die Eifel zu den besonderen Schauplätzen der Kriminalromane und last but not least ist dort der Sitz des Verlages, bei dem dieser Kriminalroman erschienen ist. So verwundert es nicht, dass die ersten Kapitel eine Rundumbeschreibung des Krimihotels und seiner vielfältigen Aktivitäten ist. Doch nachdem die erste Leiche aufgetaucht ist, geht es Schlag auf Schlag.

Schmitz beschreibt eine illustre Gästeschar bei einem Krimiwochenende in dem Hotel. Dabei hat fast jeder, möchte beinahe sagen, eine Leiche im Keller. Nichts ist, wie es scheint. Vielleicht heißt die Protagonistin deshalb auch Lea Schein. Oder heißt sie so, weil sie vorgibt, eine Schriftstellerin zu sein? Sie, die eigentlich noch vor dem Beginn ihrer Karriere steht, wird schnell in die Ermittlungen hineingezogen. Nebenbei wird ein unfertiger Roman von ihr zum Bestseller. Ein Traum jeder Autorin, jedes Autors.

Ingrid Schmitz hat einen sehr unterhaltsamen, kurzweiligen und humorigen Ratekrimi geschrieben und nimmt die Gilde der Autor*en mit einem zwinkernden Auge unter die Lupe. Auf Spannung wird dabei nicht verzichten müssen, denn schnell bekommt der Leser mit, dass die Figuren alle etwas verbergen. So traut man später keiner einzigen Aussage und fiebert der Auflösung entgegen.

Eine tolle Geschichte, die besonders den Liebhabern von Eifelkrimis ans Herz gelegt werden sollte, oder auch jenen, die es werden wollen. Cosy crime, wie es gefällt.

Ingrid Schmitz
Mord im Krimihotel

KBV Verlag, Hillesheim
ISBN 9783954413850

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© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

Mittwoch, 16. August 2017

Tanja Mairhofer - Schluss mit Muss

Ein inspirierender AntiRatgeber.

Jeder von uns hat so seine Vorstellungen, wie etwas sein sollte oder sein müsste. Tanja Mairhofer bringt mich mit ihren Gedanken zum einen zum Schmunzeln und zum anderen zum Nachdenken. Auf 224 Seiten erfahre ich in 35 unterteilten Kapiteln ihr Denken über das Muttersein, die Karriereanforderungen, über das Altern und vor allem den Haushalt. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern offen und witzig dargestellt, lese ich, was von außen von uns erwartet wird. Das berühmte: Du musst mal wieder …

Perfektionismus ist nicht out. Aber ich muss nicht jeden Tag die Kalkflecken am Wasserhahn abwischen, muss nicht alle 3 Tage meine Fenster putzen. Und wenn ich kein Yoga machen oder in die Walkinggruppe gehen will, dann lasse ich es einfach. Die Zeit kann ich nun sehr gut für mich selbst nutzen. Zum Beispiel zum Lesen solcher Bücher.

Die abnehmbaren Sprüche vom Einband finde ich klasse. Ein paar liegen hier an manchen Stellen zum Drandenken parat.

Ein witziger, manchmal etwas zynischer, alles in allem aber sehr unterhaltender Antiratgeber, der mir ein paar unterhaltsame Stunden beschert hat. Bestens als Geschenk für einen Perfektionisten geeignet.

Tanja Mairhofer
Schluss mit Muss

ZS Verlag
ISBN 9783898836548

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Sonntag, 13. August 2017

Katharina Peters - Todeshaff

Nach „Todesstrand“ ist dies der zweite Auftrag, bei dem ich mit der verdeckten Ermittlerin Emma Klar auf Spuren- und Tätersuche gehen darf. Ich finde, dieses Buch kann man auch ohne den ersten Fall zu kennen lesen. Es macht aber Sinn, wenn man gerade Emma Klar, die immer noch mit den Schatten ihrer Vergangenheit zu kämpfen hat, besser kennen- und verstehen lernen will.

In diesem Fall wird sie auf den gerade aus der Haft entlassenen Christoph Klausen angesetzt. Er steht in Verbindung mit 2 ehemaligen Lehrern des Jugendhofs Sternau, die beide tot im Salzhaff gefunden wurden.

Ich mag die Figur der Emma Klar sehr, da sie mit ihren unkonventionellen Ermittlungen manchmal auch an die Grenze zur Legalität stößt. Mit ihrem manchmal etwas leichtsinnigen Handeln bringt sie sich immer wieder selbst in Gefahr – so auch hier.

Aber auch die anderen Personen in dieser Geschichte sind so interessant und vielschichtig ausgearbeitet, dass es richtig Spaß gemacht hat , sie mir vorzustellen.

Der Fall führt zurück in die Vorgänge in der ehemaligen DDR und ich war schockiert zu lesen, wie man damals in diesen Jugendhöfen mit jungen Menschen, die nicht so ganz angepasst waren, umgegangen ist. Dass sich da Hass und Rachsucht irgendwann ihren Weg bahnen war schon fast abzusehen.

Die Spannung ist konstant hoch und ich bin gerade bei den Mutmaßungen zur Spurenfindung zwischen Emma und Florian direkt mittendrin. Man liest aber auch hier wieder, dass die Ermittlungen oft eine richtige Siyphusarbeit bedeuten. Und es hat mir wieder viel Lesespaß gebracht, mit zu rätseln und mit zu fiebern.

Ein interessanter spannender Fall hat mir spannende Lesestunden beschert. Und bei den leisen unterschwelligen Andeutungen freue ich mich schon auf den nächsten Auftrag für Emma Klar.

Katharina Peters
Todeshaff

Aufbau Verlag, Berlin
ISBN 9783746633237

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Mittwoch, 9. August 2017

Clara Weiss - Ich will brav sein

Ein Psychothriller mit Stärken und kleinen Schwächen

Die junge Studentin Julietta „Juli“ Schindler zieht mit ihren wenigen Habseligkeiten von Berlin an die Isar und findet sehr schnell ein WG-Zimmer in der Rabenstraße Nr. 11. Hier lebt sie bei der aufstrebenden Schauspielerin Greta Brandstätter und deren Freund Gregor. Dann findet Juli auf dem Dachboden nicht nur eine Kinderzeichnung sondern auch noch eine Leiche.

Ist aus der aufkeimenden Freundschaft zwischen den beiden jungen Frauen Hass geworden? Und wenn ja, warum? Was hat Greta mit Juli vor?

Fragen über Fragen, die sich mir schon in der ersten Hälfte des Buches stellen.

Mir gefällt schon das Cover sehr gut. Eine Tür, die wohl zum Speicher führt, und die Türme der Frauenkirche verraten, dass die Geschichte in München angesiedelt ist. Durch den Klappenumschlag wirkt das Buch gleich sehr wertig.

War mir die Hauptperson Juli, von deren Leben ich im Laufe der Geschichte immer mehr erfahre, anfangs recht sympathisch, hat sich das beim Lesen hier und da geändert. Ich konnte den Gedanken der jungen Frau nicht immer folgen, sie kam mir sprunghaft, manchmal forsch, aber auch ängstlich und wirr vor. Vielleicht lag es aber auch an den für mich viel zu vielen Hinweisen und Andeutungen, bei denen ich nicht wusste, ob sie für die Lösung des „Falles“ vielleicht relevant sein würden. Da ich absolut keine Idee hatte, in welche Richtung es geht, kam ich erst relativ spät in die Geschichte rein. Jetzt, wo ich das Ende kenne, werden viele kleine Hinweise, die ich nicht einordnen konnte, zu einem großen Ganzen. Und ich merke, dass ich mich hier und da etwas verrannt habe bzw. mich habe täuschen lassen, was ich aber als eher positiv sehe.

Der leicht, sehr angenehme Schreibstil von Clara Weiss hat mich gut unterhalten. Eine unterschwellige Spannung ist ab fast der ersten Seite da und hält sich bis zum Schluss.

Juli wird sehr gut in Szene gesetzt und auch Greta konnte ich mir sehr gut vorstellen. Die anderen Personen, die hier agieren, blieben für mich etwas blass. Ich hätte z.B. von Herrn Hofreiter gerne noch mehr erfahren.

Ich habe einen gut durchdachten Psychokrimi gelesen, der mich aber erst in der zweiten Hälfte richtig eingefangen hat. Als sich die Wendungen und Verstrickungen aufgelöst haben, war ich mit dem Ausgang der Geschichte, der mich nicht mehr überrascht hat, doch noch zufrieden.

Clara Weiss
Ich will brav sein

Goldmann Verlag, München
ISBN 9783442486045

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Sonntag, 6. August 2017

Elly Griffiths: Engelskinder

Ein typisch britischer Kriminalroman mit dem ganzen Flair von Ermittlern wie Lynley, Lewis oder Barnaby. Dabei wird ein historischer Kriminalfall ebenso aufgeklärt wie ein aktueller. Doch zunächst zum Geschehen.

Als die forensische Archäologen Dr. Ruth Galloway in einer Burg ein Skelett aus viktorianischer Zeit freilegt, glaubt sie, die Gebeine der berüchtigsten Mörderin Norfolks gefunden zu haben. »Mother Hook« soll zu Lebzeiten Kinder in Pflege genommen und getötet haben. Infolgedessen tritt ein Fernsehteam auf die Bühne, um die Folge einer Mystery-Doku-Serie mit der Archäologin zu drehen.
Parallel dazu knüpft sich DCI Nelson eine junge Mutter vor, der bereits das dritte Kind nur wenige Monate nach dessen Geburt gestorben war. Ein- und derselben Mutter. Nelson glaubt nicht mehr an Zufälle. Er fühlt der Mutter und auch ihrem Ex-Mann auf die Zähne. Doch abgelenkt werden er und sein Team von plötzlich verschwundenen Kindern. Sogar Kinder aus seinem engsten Bekanntenkreis.

Die Ablenkungsmanöver der Autorin sind schon etwas sehr Besonderes. Sie lenken nicht nur die Ermittler ab, sondern auch als Leser ist man beinahe geneigt, den Todesfall des sechs Monate alten Babys komplett zu vergessen, weil zunächst die verschwundenen Kinder im Mittelpunkt stehen.
Die Verflechtung der Toten und verschwundenen Kinder aus dem Hier und Jetzt mit denen aus der viktorianischen Zeit um »Mother Hook« bereitet ein ebenso interessantes Vergnügen. Aufklärung über forensische Arbeit inklusive.
Das durchaus wirre Beziehungskonzept der auftretenden Figuren hinterlässt zunächst etwas Chaos im Kopf des Lesers. Wer von wem der Ex ist und wer der Vater von welcher Figur ist, hätte ein bisschen weniger Verstrickung gut getan.

Dennoch alles in allem ein empfehlenswerter Roman, bei dem streckenweise keine Mordermittlung im Zentrum steht. Außerdem fasziniert er mit dem britischen Charme einer Val McDermid oder eines Simon Beckett. Daumen hoch!

Elly Griffiths
Engelskinder

Aus dem Englischen von Tanja Handels
Wunderlich Verlag, Hamburg
ISBN
9783805250962

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© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

Freitag, 4. August 2017

Jean-Luc Bannalec: Bretonische Brandung

Zunächst gibt es drei Tote auf einer der Glénan-Inseln, die etwa zehn Seemeilen vor Concarneau liegen. Bootsfahrten sind nicht das Ding von Kommissar Dupin. Und wenn er dann noch den Nerv tötenden Vorgesetzten im Nacken hat, verbessert sich seine Laune kaum. Doch als dann ein Unwetter losbricht und der Kommissar mit seinen Leuten auf der Insel bleiben muss, ist alles zu spät.

Bannalec bleibt bei seinem zweiten Roman bei dem bereits im Debüt (Bretonische Verhältnisse)  vorgestellten Rezept. Die Figuren und ihre Eigenschaften wecken das Interesse des Lesers. Das Team um den Kommissar einschließlich seines Vorgesetzten, dessen Namen Dupin auch nach Jahren noch nicht aussprechen kann, wird unterhaltsam vorgestellt. Ellenlange Dialoge dienen der Ermittlungsarbeit und viele Details aus und über dem bretonischen Landstrich, seinen Menschen, seinen Sehenswürdigkeiten und Traditionen sorgen für eine leichte Urlaubsstimmung beim Lesen. Humorvoll nimmt man die Gedanken des Kommissars auf, die er sich über die Verdächtigen wie die Kollegen macht.

Der kriminelle Spannungsbogen ist gut ausgearbeitet. Große Wendungen sind nicht zu erwarten. Die konstruierten Sackgassen sind nicht gerade überraschend. Schließlich ist fast jeder Bewohner der Inseln ein potentieller Verdächtiger. Und so wird im Verlauf der Handlung der eine oder andere von der Liste gestrichen, weil sich doch ein Alibi bestätigt. Aber das Ende hat es dann in sich.

Insgesamt macht es Spaß, diesen Roman zu lesen, Spannung und Urlaubsgefühl inklusive.


Jean-Luc Bannalec
Bretonische Brandung

KiWi Verlag, Köln
ISBN 9783462044966

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© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

Mittwoch, 2. August 2017

Mascha Schacht - Mein Blumengarten

Als ich „Mein Blumengarten“ von Mascha Schacht endlich von der Post abgeholt hatte, war ich auf den ersten Blick begeistert. Der sehr wertige Einband und die tollen Farben des Covers haben mich gleich in Beschlag genommen.

Schon auf den ersten Seiten wird klar, dass dies nicht nur ein einfacher Gartenratgeber ist. Nein, dieses Buch vermittelt sehr gekonnt das Gefühl für den Garten als Lebensgefühl und Glück. Die vielen wunderschönen Fotos tragen das ihre dazu bei.

Der Blumengarten von A - Z gleich am Anfang des Buches macht es mir leicht, schnell genau die Blumen oder Pflanzen zu finden, nach denen ich gerade suche.

Vom schnellen Blumengarten aus dem Tütchen über den Blumengarten, der mir jahrelang treu bleibt, dem Blumengarten, der die Natur in die Stadt bringt zu dem Blumengarten für Balkon und Terrasse – immer ist auch für mich etwas dabei, was mich inspiriert. Ich lese von den verschiedenen Bodenbeschaffenheiten, vom Licht oder schatten, den die Pflanzen brauchen, von der Gartenplanung, vom schneiden und davon, wie ich das ganze Jahr eine Blütenpracht in meinen Garten zaubern kann.

Gleich nachher werde ich mich hinsetzen und ein „Gartenutensilo“ basteln, in dem ich alles verstauen kann, was ich an Kleingeräten für meinen Garten brauche.

Den Hauptteil des Buches nehmen natürlich die Blumen und Sträucher ein. Aber auch auf die Gestaltung des Gartens wird mehrseitig eingegangen. Der Pflanzenschutz und eine To-Do-Liste für das ganze Jahr runden dieses tolle Gartenbuch ab.

Ich fühle mich in diesem Gartenratgeber, der ohne erhobenen Zeigefinger so viele Möglichkeiten der Gartengestaltung aufzeigt, sehr wohl. Nicht nur Gartel-Anfänger, sondern auch Fortgeschrittene finden hier immer wieder neue Anregungen. Er bekommt in meinem Bücherschrank im Wintergarten einen Ehrenplatz.

Mascha Schacht
Mein Blumengarten

Verlag Eugen Ulmer
ISBN 9783800109289

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© Gaby Hochrainer, München 2017