Mittwoch, 31. Mai 2017

Theresa Prammer - Die unbekannte Schwester

Ihre neuen Kollegen und vor allem Kolleginnen sind alles andere als begeistert, als Carlotta Fiore ihren Dienst bei der Wiener Polizei antritt. Zusammen mit ihrem neuen Partner, ihren Vater, den sie nach vielen Jahren wiedergefunden hat, wird sie zu einem Tatort gerufen. Ein Journalist scheint Selbstmord begangen zu haben. In seinen Unterlagen findet Lotta einen Zettel mit ihrem Namen. Was hat sie mit diesem Journalisten oder er mit ihr zu tun?

Dies ist das erste Buch, das ich von der österreichischen Autorin gelesen habe. Obwohl ich den Eindruck habe, dass man die ersten beiden Bücher der Serie nicht gelesen haben muss, werde ich dies ganz bestimmt nachholen. Ich möchte Carlotta, eine wie ich finde sehr interessante junge Frau, die mir in ihrer Rolle sehr gut gefällt, einfach noch besser kennenlernen. Da es immer wieder kleine Anspielungen auf Vergangenes gibt, freue ich mich schon auf die ersten beiden Bände.

Vor allem interessieren mich auch Hannes Fischer, mit dem Lotta den kleinen Sohn Konny hat, und Konrad Fürst, ihr Vater, der sie nach jahrelanger Suche wiedergefunden hat. All dies wird auch in dieser Geschichte angesprochen und thematisiert. Überhaupt erfahre ich sehr viel Privates von den Protagonisten, was aber die kriminelle Handlung nicht stört, sondern sie eher bereichert.

Die Geschichte selbst ist schlüssig und sehr spannend aufgebaut. Der angenehm zu lesende leichte Schreibstil lässt die Seiten nur so dahin fliegen. Da dieser Fall von Lotta in der Ich-Form erzählt wird, bin ich noch näher dran am Geschehen und voll mittendrin. Es war zu keiner Zeit langatmig oder zäh. Ganz im Gegenteil – die rasche Handlungsfolge erhöht ihrerseits die Spannung. Auch mit dem Täter habe ich mich bis zuletzt sehr schwer getan.

Ein spannender Fall und interessante Protagonisten. Ich hoffe bald mehr über Carlotta und ihre Freunde lesen zu können.

Theresa Prammer
Die unbekannte Schwester

Ullstein Verlag, Berlin
ISBN 9783471351390

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Sonntag, 28. Mai 2017

Kirsty Banks - Glücks-Cafe mit Lieblingskuss

Bernd ist kein Mann für ein ganzes Leben. Das wird Coco klar, als sie bei einem Discobesuch mit ihrer Freundin Sandra den charismatischen Tristan trifft. Den Kuss, den sie zum Abschied bekommt ist einfach unglaublich. Coco hat sich verliebt. Aber Tristan meldet sich nicht mehr.

Da ich durch die Leseprobe eine eher leichte Lektüre erwartet hatte, wurde ich durch die manchmal etwas seichte Unterhaltung nicht enttäuscht. Der Schreibstil ist leicht und locker und lässt sich sehr gut lesen. Coco ist eine amüsante junge Frau, die aber hier und da in Selbstmitleid zerfließt.

Im Tagebuchstil erlebe ich das Auf und Ab in Cocos Liebesleben zwischen Bernd und Tristan hautnah mit. Durch ihre Gedanken bin ich immer sehr nahe am Geschehen dran.

Leider liest sich die kurze Geschichte hier und da etwas langatmig, wenn nicht gar langweilig. Erst zum Schluss kommt nochmal Fahrt auf.

Eine amüsante, leichte Sommerlektüre mit kleinen Schwachstellen.

Kirsty Banks
Glücks-Cafe mit Lieblingskuss

Selfpublisher
ISBN keine

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Freitag, 26. Mai 2017

Nathalie Gleitman - Happy Healthy Food

Nachdem ich vor ein paar Tagen von diesem Buch erzählt habe, lag es gestern als Geschenk auf meinem Tisch. Mir persönlich sind die Kosten für dieses Buch mit knapp € 25,00 zu hoch. Aber einem geschenkten Gaul …

Jetzt habe ich einen Blick in dieses Buch geworfen, meine Meinung wegen des Preises hat sich immer noch nicht geändert – den Inhalt an sich finde ich aber sehr gut und ansprechend. Das ein oder andere Foto der Autorin hätte ich persönlich zugunsten des Textes weggelassen.

Nathalie Gleitman nimmt mich nach einem kurzen Einführungsteil über die verschiedenen Unverträglichkeiten, deren Symptome und Erkennung mit zum Einkaufen. Was mich etwas stört, sind die Überschriften zum Rezeptteil. Warum Breakfast statt Frühstück?

Die Fotos zu den Rezepten sehen so lecker aus und laden zum Nachkochen ein, die Kochanleitungen sind leicht zu lesen und verständlich. Dass auch die Zubereitungszeit und die Kalorienanzahl dabei steht, gefällt mir gut.

Ich bin sehr gespannt, ob die Rezepte sich wirklich so leicht nach kochen lassen und ich meine Laktoseintoleranz mit diesen Gerichten weiter in den Griff bekomme.

Jetzt muss ich zum Einkaufen, denn morgen gibt es Lachs auf dem Gemüsebett.

Nathalie Gleitman
Happy Healthy Food

Becker Joest Volk Verlag, Hilden
ISBN 9783954531264

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Mittwoch, 24. Mai 2017

Heidi Rehn - Das Haus der schönen Dinge

Für den jüdische Kaufmann Jacob Hirschvogl und seine schöne Frau Thea geht im Mai 1897 ein Traum in Erfüllung. Sie eröffnen ihr eigenes Kaufhaus in München am Rindermarkt. Ein Haus voller ausgesuchter und nicht alltäglicher Waren erwartet täglich die Kundschaft. Die Konkurrenz schläft nicht, kommt jedoch an den Einfallsreichtum besonders von Thea nicht heran. Da die beiden Söhne Benno und Joseph sich nicht für das Führen eines solchen Hauses eignen oder andere Pläne haben, sich Tochter Lilith aber von klein an für das Haus der schönen Dige begeistert, übernimmt sie 1920 die Leitung des Hauses. Die Familie, besonders Jakob, der sich zuerst als Münchner, dann als Bayer und erst dann als Jude betrachtete, muss in den Kriegsjahren erkennen, dass dies nicht so ist. Zum Leidwesen aller wenden sich nicht nur gut Freunde von der Familie ab, sondern auch die Kundschaft greift nur noch zu, wenn es etwas umsonst oder zu plündern gibt ...

Heidi Rehn hat, was mir sehr gut gefällt, die Sprache absolut der Zeit angepasst. Wer kennt heute noch Galanteriewaren oder lebt unter dem Dachjuchhe. Ein ausführliches Glossar am Ende des Buches erklärt die damaligen Begriffe. So werde ich hineingezogen in eine Zeit vor 120 Jahren, in die Geschichte einer jüdischen Familie, die so oder so ähnlich bestimmt irgendwo stattgefunden hat. Ich erlebe den glanzvollen Aufstieg, aber auch den Niedergang einer Familie, die ich bald ins Herz geschlossen habe.

Mir als Münchnerin gefällt es besonders, wenn ich bei den Spaziergängen von Jakob oder Lily dabei bin und vieles in meiner Stadt wiedererkenne. Ich fühle mich so richtig zuhause in der Geschichte. Das Kaufhaus Beck z.B. gibt es heute noch. Auf einem kleinen Stadtplan auf der hinteren Umschlagseite sehe ich die Anordnung der konkurrierenden Kaufhäuser zu der damaligen Zeit. Leider nimmt auch die unrühmliche Zeit unserer Geschichte einen großen Teil der Geschichte in Anspruch. Fast höre ich das Gestampfe der strammen SS-Recken auf dem Pflaster vor dem Kaufhaus, höre die großen Scheiben zerbersten. Die Familie Hirschvogl muss um ihre Existenz bangen.

Die Personen sind alle sehr gut ausgearbeitet, haben ihre großen und kleinen Macken, Fehler und Stärken, wirken authentisch und lebensecht. Ich habe meine Sympathien und Antipathien schnell vergeben, aber auch mal revidieren müssen.

Das Haus der schönen Dinge ist ein gelungener Roman über eine Familie in drei Generationen zwischen 1897 und 1952; eine unterhaltsame, spannende, emotionale Familiengeschichte, die ich jedem ans Herz legen möchte.

Heidi Rehn
Das Haus der schönen Dinge
Droemer Knaur Verlag, München

ISBN 9783426519370

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Sonntag, 21. Mai 2017

Maja Lunde - Die Geschichte der Bienen

In ihrem Buch „Die Geschichte der Bienen“ nimmt mich Maja Lunde mit auf eine Zeitreise und in die Welt dreier ganz verschiedener Familien.

Im Jahr 1852 bin ich in Maryland, Hertfordshire, England und lerne den bettlägerigen William Savage, seine Frau Thilda, seine 7 Töchter und seinen einzigen Sohn Edmund kennen. William zweifelt an sich, bis es sein Sohn schafft ihm wieder Lebenswillen zu geben. Er rafft sich auf und baut einen neuartigen Bienenstock. Doch nur seine Tochter Charlotte teilt mit ihm die Liebe zu den Bienen.

2007 verbringe ich mit dem Imker Georg, seiner Frau Emma und seinem Sohn Tom in Autumnhill, Ohio, USA. Georg will seinen Hof und damit das Erbe von Tom vergrößern. Der allerdings hat ein Stipendium bekommen und möchte Journalist werden. Als auch bei ihm, wie im ganzen Land auch, die Bienen verschwinden, ist Georg am Boden zerstört.

Die Pflanzenbestäuberin Tao lebt zusammen mit ihrem Mann Kuan und dem dreijährigen Sohn Wei-Wen im Jahr 2098 in Sichuan, China. Per Hand wird hier jede einzelne Blüte mit einem Pinsel aus Hühnerfedern bestäubt. Pflanzenschutzmittel hatten die Bienen schon ab 1980 vertrieben. Tao´s ganzes Glück ist der kleine Wei-Wen. Als der eines Tages nach einem Picknick ins Krankenhaus kommt und dann verschwindet, bricht für sie eine Welt zusammen.

Durch die Bienen sind die Schicksale der drei Familien miteinander verbunden.

Zeitgleich werden die Geschichten der drei Familien erzählt, wobei es sehr hilfreich ist, dass die Autorin jedem Kapitel den Namen über den es handelt stellt. Auch am jeweiligen Seitenende steht dieser Vorname. So weiß ich immer gleich um wen es hier geht. Die Kapitel selbst haben eine angenehme Länge und lassen sich sehr gut lesen. Vor allem auch die bildhafte Schreibweise lassen in meinem Kopf gleich Bilder entstehen und ich bin schnell mittendrin in der Geschichte.

Es baut sich auch eine leise Spannung auf, da ich unbedingt wissen will, wie die einzelnen Geschichten weiter gehen und wo die Bienen abgeblieben sind und welche Konsequenzen das für uns Menschen hat. Da sich diese Zusammenhänge erst ganz zum Schluss erklären, konnte ich das Buch nur schwer aus der Hand legen. Durch die sehr gut dargestellten Emotionen der Protagonisten bin ich total von diesem Buch gefesselt. Besonders die Geschichte von Tao, die nicht aufgibt ihren kleinen Sohn zu finden, hat mich sehr berührt.

Noch kennen wir eine Welt mit unseren Bienen. Aber wie wird es sein, wenn sie verschwinden?

Es ist erschreckend, wie nahe das Buch an unsere derzeitige Welt heran kommt.

Das Buch hat mich mit einigen Fragen zum Nachdenken zurückgelassen. Ich habe schon lange kein so interessantes und zugleich informatives Buch gelesen.

Meine absolute Leseempfehlung.

Maja Lunde
Die Geschichte der Bienen

btb Verlag, München
ISBN 9783442756841

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Freitag, 19. Mai 2017

Kathrin Lange: Gotteslüge

Dieser Thriller, der erst zwei Jahre alt ist, hat nichts, gar nichts von seiner Brisanz verloren.

Berlin in der Gegenwart. Der Ermittler Faris Iskander schleppt aus einem vorherigen Fall ein Trauma mit sich herum und wird nun erneut in eine Situation gebracht, die sein schlimmster Albtraum werden soll. Ein muslimischer Selbstmordattentäter verlangt bei einer Geiselnahme die Anwesenheit von Iskander. Der kann sich nicht erklären, warum gerade er hinzugerufen wurde. Außerdem kennt er den jungen Mann und kann sich gar nicht vorstellen, dass der eine solche Aktion gestartet. Hatte der junge Mann mit dem Bombengürtel um seinen Leib auch nicht von alleine gemacht. Langsam wird es offensichtlich, dass jemand Iskander selbst zu einem Selbstmordattentäter werden zu lassen. Das versucht der Unbekannte mit allen Mitteln. Für Faris Iskander beginnt ein Horrorszenario.

Spannend und actionreich von der ersten bis zur letzten Seite. Obwohl die Szenen für diesen Roman von Kathrin Lange frei erfunden wurden, wurden sie inzwischen von der Realität eingeholt. Attentate im Zentrum Berlins sind keine Fiktion mehr.

Spannung basiert natürlich auch auf Konstruktion. So ist der Prolog eine Szene eher vom Schluss des Romans, der einen dann aber bis zum Ende nicht los lässt. Thrillertypisch dann die Sichtweise des Täters, der bis fast zum Ende hin immer als "der Andere" bezeichnet wird. Offenbar soll der Name des Anderen den Lesern nicht den Täter verraten. Aber nicht nur die Anonymität schützt ihn. Auch aus seinem Denken heraus, kann der Leser keine Rückschlüsse auf dessen Identität schließen. Die spekulativen Verdächtigungen im Kopf des Lesers treiben ihre Blüten. Aber der Leser sollte seinen Gedanken nicht zu viel vertrauen. Denn selbst zum Schluss geht der Tanz noch weiter.

Bombensichere Empfehlung!

Kathrin Lange
Gotteslüge

blkanvalet Verlag, München
ISBN 9783442383467

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© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

Mittwoch, 17. Mai 2017

herzleer - was ich noch sagen wollte: von Jennifer Benkau, Lena Gorelik, Tanja Heitmann, Ruth Olshan, Sabine Schoder, Maike Stein, Anke Weber, Katrin Zipse

In diesem Buch haben sich 8 Autorinnen Gedanken über den Abschied gemacht:

Ob Lena Gorelik von besten Freundinnen erzählt, die dann doch getrennte Wege gehen. „Weißt Du noch“, wäre auch für mich kein Ende sondern eher ein Anfang.

Bei Anke Weber ein Gewitter über eine gemeinsame Zukunft entscheidet. Hier habe ich mich so an meine Rockfestival-Besuche erinnert. Viel hat sich da nicht geändert.

Sabine Schröder lässt in Herzspieß Elva über ihre Liebe zu Büchern erzählen und mich hat der Zauber von Mariannes Laden und Elvas Bücherbank eingefangen.

In Ruth Olshans Sockenkonferenz lese ich von Joumana aus Syrien, die einem jungen Mann keine Chance lässt, weil sie keine Nähe zulassen kann. Vielleicht wird er ja seine „Sockenkonferenz“ doch noch in Lillehammer los.

In Tanja Heitmanns „Nur einmal“ hat Elisa für sich das Ufer jenseits des Alltages erreicht. Ist Jannis der Richtige für sie? Jojo versucht sie zu warnen.

Unter dem „Erdbeermond“ nimmt mich Katrin Zipse mit an einen See, wo Marie glaubt, in einer Nacht eine neue Liebe gefunden zu haben, während Finn von seinem Aufbruch in die Wüste schwärmt.

Jennifer Benkau erzählt in ihrer Geschichte „Ungesagtes“ von der 17-jährigen Alba, einer Aussenseiterin, die irgendwann erkennt, dass ein junger Mann einen Teil ihres Herzens so viel mehr beansprucht, als sie gewillt ist zu geben. Und irgendwann ist es dann für eine Aussprache zu spät.

„Einen halben Sommer lang“ bin ich mit Maike Stein zwischen Ost- und Westberlin mit zwei jungen Mädchen unterwegs., bis die eine eines Tages nicht mehr kommt. Die Mauer hat sich für Helene und Marie geschlossen.

Diese 8 Geschichten erzählen von so vielerlei Gefühlen, leicht, zart, schmerzhaft und intensiv. Ich habe geschmunzelt, war leicht schockiert, konnte die Protagonisten sehr gut verstehen und fand das Ende traurig. In ein paar von den Personen habe ich mich wiedererkannt. So etwas habe ich in meiner Jugend auch erlebt. Deshalb würde ich diese Geschichten nicht nur jungen Heranwachsenden empfehlen, sondern allen, die interessante Geschichten über Abschied und Schmerz, aber auch über die Liebe und ihre Auswirkungen lesen mögen – egal welchen Alters sie auch sind.

Diverse Autorinnen
herzleer - was ich noch sagen wollte
Oetinger Verlag, Hamburg
ISBN
9783789104954

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Sonntag, 14. Mai 2017

Andreas Schröfl - Schlachtsaison

„Schlachtsaison“ ist für mich der erste Krimi, den ich von Andreas Schröfl gelesen habe. Nachdem mich das Buch so begeistert zurück gelassen hat, werde ich sehr bald auch die ersten beiden Fälle von Ferdl Sanktjohanser lesen.

Worum geht es?

In München scheint ein Massenmörder während der Faschingszeit auf den Spuren von Jack the Ripper unterwegs zu sein. Mehrere Frauen sterben nach genau dem gleichen Vorbild wie die kanonischen Fünf. Als auch Susi, die Freundin von Stanktus´ Schwester Anna dem Verbrecher zum Opfer fällt und sie ihren Bruder um Hilfe bittet, kann der natürlich nicht nein sagen. Was allerdings seiner schwangeren Freundin Kathi zuerst gar nicht gefällt. Zusammen mit seinem Spezl Kommissar „Bichä“ Bichlmaier macht sich der Sanktus, Bierbrauer, Ex-Polizist, Schankkellner und derzeit Stadtführer in München auf, den Mörder zu ermitteln.

Schon von der ersten Seite an hat mich Andreas Schröfl mit seinem Schreibstil, seinem Spannungsaufbau und auch seinem ganz speziellen Humor gefangen. Vor allem aber auch die vielschichtigen, ausgesprochen detailliert ausgefeilten Protagonisten haben mich begeistert. Allen voran Fredl Sanktjohanser und seine Kathi. Ich liebe den bayerischen Dialekt und davon bekomme ich hier mehr als genug. Aber auch den Wiener Dialekt und Wortwitz habe ich hier sehr genossen. Nicht zu vergessen das schwäbeln, den Franken und sogar ein ganz klein wenig sächsisch habe ich lesen dürfen.

Mich hat es begeistert, mein München mit den Protagonisten zu durchwandern und immer genau zu wissen, wer sich gerade wo aufhält. Mein Kopfkino hatte viel zu tun.

Die Spannung kommt in diesem Regionalkrimi nicht zu kurz – ganz im Gegenteil. War ich mir bei ca. der Hälfte des Lesestoffes sicher den Mörder zu kennen, wurde ich eines besseren belehrt. Gerade zum Schluss hin geht es Schlag auf Schlag, so dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. Super gemacht – großes Kino.

In kleinen Absätzen, kenntlich gemacht durch die kursive Schrift, werden im Herbst 1888 die kanonischen Fünf (Frauenmorde) von Jack the Ripper erklärt.

Ich finde es toll, dass mir hier mal wieder ein Krimi vorgesetzt wurde, der alles beinhaltet, was ich persönlich an einem Regionalkrimi liebe: Spannung ab der ersten Seite; ganz viel Lokalkolorit; immer wieder Szenen, bei denen sich meine Mundwinkel nach oben ziehen; eine Geschichte, die mich richtig gefangen nimmt.

Ich hoffe ganz stark, dass ich bald weitere spannende Geschichten von Andreas Schröfl zu lesen bekomme.



Andreas Schröfl
Schlachtsaison

Gmeiner Verlag, Messkirch
ISBN 9783839220504

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Freitag, 12. Mai 2017

Richard Laymon: Rache

Extrem dicht erzählt wird eine Geschichte, deren Handlung sich innerhalb von vierundzwanzig Stunden abspielt.

Sherry und Duane haben sich erst vor kurzer Zeit kennen gelernt. Sie leben in Los Angeles und es ist Sommer. In dieser heißen Sommernacht wollen sie endlich miteinander schlafen. Doch Sherry besteht auf Kondome. Der einzige, den Duane noch in seiner Schublade findet, zerreißt beim aufziehen, weil er zu alt ist. Kurz entschlossen macht sich Duane auf den Weg zum nächsten Supermarkt, der die ganze Nacht geöffnet hat. Sherry wartet in seiner Wohnung auf ihn. Die Zeit vergeht und Duane hätte längst zurück sein müssen. Nach einer Stunde hält sie es nicht mehr aus. Sie macht sich ebenfalls auf dem Weg zum Supermarkt, um zu schauen, wo ihr Freund bleibt. Doch der ist nirgends zu finden. Nur sein Auto steht auf dem Parkplatz hinter dem Markt. Während sie um den Markt herumirrt, bietet sich ihr ein Jugendlicher an, bei der Suche zu helfen. Er kennt Sherry, weil sie mal als Aushilfslehrerin in seiner Klasse unterrichtet hatte. In ihrer Verzweiflung nimmt sie die Hilfe des Jungen an. Wäre sie doch nur nicht so gutgläubig gewesen …

Laymon zieht für diesen extrem spannenden Pageturner alle Register. Der Leser ist immer auf Augenhöhe mit der Protagonistin und hegt gewisse Ahnungen über den Gegenspieler. Bis schließlich auch dessen Sichtweise hinzukommt und der Leser mit beiden auf Augenhöhe ist und ein rasantes Katz-und-Maus-Spiel abläuft. Wer wird der Sieger dieses Duells? Erotische Szenen werden genauso wenig ausgespart wie Gewaltszenen. Blut spritzt reichlich. Das Brechen von Knochen hört man beim Lesen sehr deutlich. Und wenn schon beide Arten von Szenen eine Rolle spielen, sind auch Vergewaltigungen übelster Brutalität kein Tabu für den Autor.

Das hohe Tempo und die Verdichtung auf einen Tag schaffen es, dass man das Buch "live" liest, ähnlich der amerikanischen TV-Serie "24". Unter dem Gesichtspunkt der Spannung kann das Buch sehr empfohlen werden! Aber es ist nichts für schwache Nerven. Wer brutale Gewalt im Roman nicht mag, sollte besser die Finger von diesem Regionalroman von Los Angeles lassen.

Richard Laymon
Rache

Heyne Verlag, München
ISBN 9783453675032

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© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

Mittwoch, 10. Mai 2017

Sabine Vöhringer - Die Montez-Juwelen

Nach einer Auszeit ist Hauptkommissar Tom Perlinger wieder in seiner Heimatstadt München gelandet. Am Abend nimmt er kurz an einer Präsentation der legendären Montez-Juwelen bei einem Juwelier in der Hofstatt teil. Tags darauf wird in der Früh im Fischbrunnen am Marienplatz ein junger Mann tot aufgefunden. Ihn hatte Perlinger am Abend ebenfalls auf der Vernissage gesehen. Noch nicht im Dienst, der erst am Montag beginnt, nimmt Tom die Ermittlungen trotzdem schon auf, weil sein Halbbruder Max verdächtigt wird…

Bei den Ermittlungen zu den Montez-Juwelen nimmt mich Sabine Vöhringer mit in die Altstadt von München mit ihren kleinen Gassen, dem Marienplatz und der Sendlinger Straße. Hier bin ich zuhause und freue mich immer wieder, wenn ich die Wege, die hier z.B. Tom Perlinger geht, direkt vor meinem inneren Auge mit spazieren kann. Toll auch die Ansicht der Innenstadt auf der Innenseite von Vorder- und Rückseite des Buches.

Zuerst fühlte ich mich von den vielen Personen, die hier angesiedelt sind, etwas überfordert. Doch da vor Beginn der Geschichte ein Blatt die Personen mit ihren Zugehörigkeiten beschreibt und ich immer mal wieder nachschlagen konnte, hatte sich das schnell gelegt. Da ich auch schon mal z.B. im Hackerhaus war, hatte ich bei einigen Personen direkt ein konkretes Bild vor Augen. Interessante Charaktäre, bei denen ich meine Sympathien schnell vergeben habe, wie z.B. Kommissar Tom Perlinger, der mit seinem Sixpack, seinem Charme und seiner Zuverlässigkeit sofort bei mir punkten konnte, sorgen für Kopfkino. Ich hoffe, dass ich bald mehr von ihm und Kollegin Jessica lesen werde. Kommissar Mayrhofer kann ruhig versetzt werden.

Es geht in der Geschichte nicht nur um die Montez-Juwelen, sondern auch um die Familiengeschichte und -fehde zweier Brauhausbesitzer und den Kampf um Macht und Ansehen in der Münchner Gesellschaft. Interessant zu lesen, wie sich hier Vergangenheit und Gegenwart verweben und nichts in Vergessenheit gerät

Anfangs hat mir die Spannung etwas gefehlt. Doch da die Geschichte insgesamt so interessant ist und am Ende noch mal richtig Fahrt aufnimmt, hat mich das absolut versöhnt.

Wer Krimis Lokalkolorit mag, eine interessante Geschichte mit Blick in die Vergangenheit lesen will und sich spannend unterhalten lassen will – hier sind sie genau richtig.

Sabine Vöhringer
Die Montez-Juwelen

Gmeiner Verlag, Messkirch
ISBN 9783839220566

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Sonntag, 7. Mai 2017

Heike Fröhling - Die Zärtlichkeit des Augenblicks

Mein Lieblingszitat auf Seite 142:
Jeder Mensch braucht Geheimnisse und eine Schublade in der Seele, die verschlossen bleibt.

Im Internet findet die junge Geigerin Kristin Rosenbaum eine zu verkaufende Geige, die ihr Urgroßvater Carl Gustav gebaut hat. Spontanität ist allerdings keine ihrer guten Eigenschaften. Doch da sie sich sowohl von ihrem Freund Fabio, als auch von ihrer Schwester Franziska hintergangen fühlt, ergreift sie die Gelegenheit und fliegt nach Schottland. In dem kleinen Ort Oban lernt sie den Verkäufer der Geige Ethan MacDougall kennen, einen alten, etwas verschrobenen und in sich gekehrten Mann. Beide verbindet die Liebe zur Musik. In einem ihrer langen Gesprächen erfährt sie von der faszinierenden Höhle Fingal´s Cave und einem alten Manuskript des Komponisten Felix Mendelsohn Bartholdy.

Kristin ist total verunsichert und sich ihrer Gefühle nicht im Klaren, als Fabio plötzlich in ihrem Hotel auftaucht. Dieser wiederum versteht die beginnende Freundschaft zwischen Ethan und seiner Kristin nicht und recherchiert im Internet nach einer Frau, Grace, die Ethan vor vielen Jahren sehr zugetan war.

Plötzlich lichten sich die Schatten der Vergangenheit.

Als ich mir die Fotos aus der Höhle auf der Insel Staffa angeschaut und dem Rauschen zugehört habe, war ich total fasziniert.

In ihrer neuen Geschichte nimmt mich Heike Fröhling mit nach Schottland und in die Musik. Es gelingt ihr in kürzester Zeit mich zu fesseln und ich habe das Buch kaum aus der Hand legen können. Durch ihre intensive Beschreibung hatte ich das Gefühl Kristin bei ihrem Spiel zuzuhören.

Heike Fröhling hat Charaktere erschaffen, die sich für mich im Laufe der Geschichte ganz toll entwickelt haben. Die wie ich fand scheue und zurückgenommene Kristin, die nur für ihre Musik mit der Geige lebt; den in meinen Augen unreifen Fabio, der seine Zeit lieber mit seinen Freunden und seiner Oma verbringt als mit seiner Freundin und Ethan mit seinem Geheimnis, den ich im Laufe der Geschichte immer besser kennenlernen durfte.

Sie haben das Lesen zu einem Genuss gemacht.

Ich durfte ein Buch lesen, dass mich auf mehrerlei Art fasziniert hat. Ich bekam Bilder von Schottland vor mein inneres Auge, dass ich den Wunsch verspürte, zu packen und dorthin zu reisen. Ich las von einem Konzert, das ich sehr gerne miterlebt hätte, wo ich glaubte, die Geige spielen zu hören. Und ich las von einer Liebe, die so viele Jahre überlebt hat und von einer, die vielleicht erst jetzt richtig beginnt.

Ein so gefühlvolles, berührendes und trauriges Buch, das Spannung genauso beinhaltet wie eine gewisse Leichtigkeit habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Zum Schluss hat es mich zu Tränen gerührt.

Heike Fröhling
Die Zärtlichkeit des Augenblicks

Tinte & Feder
ISBN 9781477848593

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Freitag, 5. Mai 2017

Rebecca Raisin: Mein zauberhafter Buchladen am Ufer der Seine

Wo Liebesgeschichte drauf steht, muss nicht immer nur eine Liebesgeschichte drin stehen. Der vorliegende Roman ist einer von vielen, die momentan in den Markt gespült werden und eine Liebesgeschichte in einem Buchladen in Paris erzählen. Parisliebhaber werden also auf ihre Kosten kommen.

Sarah hat einen kleinen Buchladen in der verschlafenen, amerikanischen Kleinstadt Ashford. Doch wirtschaftlich läuft es nicht besonders gut. Ihr Freund Ridge ist freier Journalist und reist um den Globus. Als schüchterne Einzelgängerin hatte sie eigentlich nie erwartet, eines Tages einen Mann zu lieben, mit dem sie bis ans Ende ihres Lebens gemeinsam verbringen mochte. Doch dann war es plötzlich passiert. Sie hatte Ridge kennengelernt. Wenn da nur nicht immer die Trennung wegen seines Jobs wäre. Übers Internet machte Sarah die Bekanntschaft mit Sophie aus Paris. Sophie ist eine Kollegin mit einem Buchladen direkt an der Seine. Sophie hat gerade eine gescheiterte Beziehung hinter sich und möchte Paris zumindest für eine Weile den Rücken kehren. Sie hat viel Vertrauen in ihre amerikanische Internetfreundin und schlägt ihr den Tausch der Buchhandlungen auf Zeit vor. Obwohl Sarah nur ihre Kleinstadt kennt, geht sie auf den Vorschlag ein und freut sich, die große weite Welt in Form von Paris, der Stadt der Liebe, der Kunst und der Schriftsteller kennenzulernen. Doch sie hatte nicht mit dem Chaos und dem Kundenandrang im Pariser Buchladen gerechnet. Ganz zu schweigen von der Mentalität der Franzosen im Allgemeinen und der "ihrer" Mitarbeiter (in Ashford hat sie keine Mitarbeiter) im Besonderen.

Raisin hat ein interessantes Setting zusammengestellt und lässt es nicht nur in der Beziehung zwischen der Protagonistin, die alles aus der persönlichen Perspektive erzählt, und ihrem Journalisten krachen. Die Hektik der Großstadt und die andere Mentalität der Franzosen geben genügend Raum für Konflikte und überraschende Wendungen. Besonders gefallen hat mir eine Nebenhandlung, die in Form aufgefundener Liebesbriefe dazwischen gestreut wurde. Diese Form unterstützt die Erzählung in der zweiten Person, was eine besondere Note bringt. Die reine Verwendung von "du" und "ich" bringt eine kisternde Spannung, denn als Leser möchte man schon gerne wissen, um wen es sich beim Briefeschreiber und dem Empfänger handelt.

Alles in allem gibt es sehr viel Pariser Lokalkolorit und letzten Endes die Auflösung von drei Liebesgeschichten. Sommerliche Feelgood-Lektüre, die Spaß macht!



Rebecca Raisin
Mein zauberhafter Buchladen am Ufer der Seine

Aus dem Amerikanischen von Annette Hahn
Rüten & Loening Verlag, Berlin
ISBN 9783352008979

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© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

Mittwoch, 3. Mai 2017

Claudia Thesenfitz - Meer Liebe auf Sylt

Mein Lieblingszitat aus der Geschichte auf S. 186: Kleinen Kindern gibt man Wurzeln und großen schenkt man Flügel.

Will Marcus sie verlassen? Hat er eine Andere? Um das heraus zu finden, reist Alexandra Reinhardt ihrem Mann nach New York nach. Auf die 2-jährige Tochter Emma sollen in der Zeit die beiden Omas aufpassen. Auch Schwester Jana wird mit ins Boot geholt. Die kleine Emma schafft es immer wieder, die drei richtig auf Trab zu halten.

Unterhaltung und Witz wird schon durch die Unterschiedlichkeit der beiden Omas garantiert: Henrietta, Chefredakteurin einer großen Frauenzeitschrift, die absolute Karrierefrau und immer topmodisch gestylt. Ulla, Esotherikerin aus vollem Herzen , unrasiert von Kopf bis Fuß und eine Anhängerin des Nachzbadens. Meine Mundwinkel sind fast ständig nach oben gezogen, wenn ich von dem immer wieder erschrockenen Gesichtsausdruck von Henriette lese und beide in meinem Kopfkino durchs Bild huschen. Der kleinen Emma dagegen sind diese Äußerlichkeiten wurscht. Sie liebt ihre beiden Omas ohne wenn und aber.

Mir gefallen die feinsinnigen Gespräche, die die beiden Frauen führen, wie sie sich gaaaanz langsam annähern und jeder der anderen ihren Raum gibt. Ihre Muster und Gesetze, in denen beide leben, fangen an sich zu lockern bzw. aufzulösen.

Und das alles spielt vor der wunderschönen Kulisse der Insel Sylt. Bei den Beschreibungen bekommt man Lust auf Sommerurlaub. Sylt steht ab sofort auch auf meiner „will ich noch hin“-Liste.

Sympathische Charaktere, eine wunderschöne Sommerkulisse, eine insgesamt humorvolle Geschichte und eine wunderbare Wandlung und Annäherung zweier Frauen – ich hatte ein paar ausgesprochen schöne Lesestunden.

Claudia Thesenfitz
Meer Liebe auf Sylt

Ullstein Verlag, Berlin
ISBN
9783548288475

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© Gaby Hochrainer, München 2017