Sonntag, 30. April 2017

Constanze Wilken - Das Erbe von Carreg Cottage

Die 35-jährige Lilian Gray, genannt Lili hat ihr Cafe in Greenock, Schottland aufgeben müssen und steht vor dem Nichts. Als ihr der Brief eines Anwalts aus Nordwales in Haus flattert, der ihr eine erhebliche Erbschaft verspricht, macht sie sich mit ihrem Border Terrier Fizz auf den Weg nach Aberdaron. Sie erfährt, dass ein nur dem Anwalt Bekannter ihr ein kleines Pilgercottage und eine Menge Geld für die Renovierung vererbt hat. Sie muss ihr Erbe sofort antreten und das Cottage bewirtschaften. In einem Jahr soll sie erfahren, wer ihr Gönner ist. Voller Tatendrang macht sich Lili, die für Schreibtischarbeit absolut nicht gemacht ist, sondern am liebsten in der Erde buddelt und Kräuter, Pflanzen, Blumen und Bäume setzt, ans Werk. Hier, wo sie sich gleich wohl, geborgen und zuhause fühlt, hat aber jemand etwas gegen ihre Anwesenheit. Bevor sie ihr neues Zuhause beziehen kann, wird es von Unbekannten verwüstet...

In ihrem neuen Roman entführt mich Constanze Wilken nach Nordwales auf die Halbinsel Llyn. Hier begleite ich Lili nicht nur im Hier und Jetzt, sondern ich mache auch Bekanntschaft mit Lileas, die in der Zeit nach 614 als Tochter eines Druiden und seiner Familie aufwächst. Ihr Vater gibt ihr seine Kenntnisse weiter, bis die Familie außer Lileas, die flüchten kann, ausgelöscht wird. Sie tauscht ihren Namen in Meara und verlässt ihre Heimat Richtung Süden. Mit ihren besonderen Kräften lebt sie einsam als Heilerin und würdige Nachfolgerin ihres Vaters und hilft denen, die sie darum bitten.

Dass die Hauptpersonen sowohl aus der Gegenwart als auch aus der Vergangenheit zu Anfang der Geschichte aufgeschrieben sind, hat mir ein paar Mal sehr geholfen. Lileas und Lili habe ich beide sofort in mein Herz geschlossen. Beide haben ihre Stärken und Eigenheiten, sind zwei ganz aussergewöhnliche Frauen. Lägen nicht hunderte von Jahren zwischen ihnen, könnten sie Schwestern sein.

Mit ihrem einfühlsamen und doch prägnanten Schreibstil hat mich Constanze Wilken sofort in den Bann der walisischen Landschaft und ihrer Bewohner gezogen. Beim Lesen habe ich die salzige Luft in der Nase, höre die Wellen an die Felsen schlagen und sehe die schroffe Landschaft mit ihren kleinen Ortschaften vor mir. Sie hat es geschafft, dass ich einen weiteren Landstrich auf meine „möchte ich noch sehen“-Liste gesetzt habe.

Ich war gefangen in einer Geschichte aus Gegenwart und Vergangenheit, durfte lesen, wie sich eine Liebe anbahnt, eine andere leider entzweit wurde und hatte wunderbar unterhaltsame Lesestunden. Und ich freue mich auf eine Fortsetzung der Geschichte mit Lili.

Constanze Wilken
Das Erbe von Carreg Cottage

Goldmann Verlag, München
ISBN 9783442484768

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Freitag, 28. April 2017

Cord Buch - Flucht ins Viertel

Über das Meer nach Italien und weiter nach Norden kommen 800 Flüchtlinge aus Lampedusa in Hamburg an und fordern Gruppenasyl. Darauf lässt sich der Senat natürlich nicht ein. Als es immer kälter wird, findet ein Großteil von Ihnen Unterschlupf in der Kirche des Viertels. Einem von ihnen, Ngana, gibt die Journalistin Nele Deutschunterricht. Als der totgeschlagen und gefoltert in einem Bunker gefunden wird, machen sich Nele und zwei seiner Freunde auf, seinen Mörder zu finden. Dann gibt es im Viertel einen weiteren Toten und die Zeitung, bei der Nele arbeitet hat Finanzprobleme. Dass ihr Freund Tjark Sex mit einem Mann hat, ist da gerade ihr geringstes Problem.

Nele, ihren Wochenendfreund Tjark, ihren Sohn Cairo und dessen Freundin Isa habe ich bereits bei dem Mord im Viertel kennengelernt. Daher ist es für mich, wie zurückkommen zu guten Bekannten.

In dieser Geschichte geht es um Flüchtlinge aus Syrien, die in Hamburg Fuß fassen wollen. Mit den Schwierigkeiten der Eingewöhnung, den Problemen bei so vielen Männern auf engsten Raum untereinander, dem Misstrauen der Bevölkerung auf der einen, der Unterstützung auf der anderen Seite mache ich hier Bekanntschaft. Cord Buch lässt mich ziemlich weit hinter die Kulissen blicken. Es erschreckt und berührt mich, wenn ich lese, wie sich die Männer in unserer Welt fühlen, mit der sie sich jetzt auseinander setzen müssen. Der Lebensmut und Optimismus auf ein besseres Leben der Flüchtlinge ist ungebrochen, obwohl sie schon so viel Schlechtes und fast unüberwindbar scheinendes erlebt haben. Im Nachwort gibt mir Cord Buch einen noch tieferen Einblick in die Dinge, mit denen die meisten von uns nicht konfrontiert werden oder werden wollen.

Auch Neles Privatleben mit ihren Höhen und Tiefen kommt nicht zu kurz. Außerdem will die Zeitung, für die sie arbeitet gerettet werden. Also Baustellen an allen Ecken und Enden. Trotzdem habe ich auch hier und da schmunzeln können.

Die Polizeiarbeit nimmt in diesem Fall wieder eine große Rolle ein. Ihre Ermittlungen laufen neben der Suche von Nele und Nganas Freunden. Hier wird sehr gut deutlich, mit welchen Hürden und Schwierigkeiten die Polizei zu kämpfen hat. Durch Hauptkommissar Werner Jensen, die junge Polizeimeisterin Conny Schrader und Wiebke Müller bekomme ich einen tollen Einblick in ihre Arbeit und bin bei den Fortschritten direkt dabei.

Die Gedanken des Mörders bzw. Erpressers lese ich zwischendurch in kursiver Schrift.

Ich hatte mich sehr auf das Wiederlesen mit Nele und den Freunden aus dem Viertel gefreut und ich wurde nicht enttäuscht. Auch wenn der Plot ein düsterer ist, finde ich die Einblicke, die ich hier bekommen habe sehr interessant, lesenswert und auch unterhaltsam.

Meine Leseempfehlung für alle, die gerne auch mal eine ernste Geschichte mit Spannung bis zum Schluss lesen wollen.

Cord Buch
Flucht ins Viertel

edition oberkassel Verlag, Düsseldorf
ISBN

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Mittwoch, 26. April 2017

Kristina Ohlsson: Schwesterherz

Bei diesem Thriller handelt es sich um den ersten Teil einer zweibändigen Geschichte, der allerdings auch selbstständig für sich alleine steht. Beide Bände bedingen nicht unbedingt einander.

Der Rechtsanwalt Martin Benner wird dazu gebracht, die Unschuld einer bereits durch Selbstmord ums Leben gekommenen Serienmörderin nachzuweisen. Ihr Bruder spazierte einige Monate nach deren Tod in die Kanzlei und nahm dem Anwalt ein Versprechen ab. Obwohl sich alles in Benner sträubt, kann er sich dem Sog der Neugierde nicht entziehen. So begibt er sich auf eine gefährliche Ermittlungstour, zusammen mit seiner Kanzleipartnerin Lucy. Ermittelt wird in Schweden als auch in Texas.

Kristina Ohlsson hat ein spannendes Figurenensemble zusammengestellt und lässt diese in einem ungewöhnlichen Plot miteinander agieren. Benner ist durch den Unfalltod seiner Schwester vor wenigen Jahren zu seinem Kind gekommen. Er hat seine Nichte damals adoptiert. Sie ist in der Geschichte vier Jahre alt und sorgt in seinem Leben dafür, dass er nicht mehr frei wie ein Junggeselle handeln kann. Zu Lucy, seiner Geschäftspartnerin, hat er ein chaotisches Bratkartoffelverhältnis. Sie waren mal ein Paar, haben sich aber getrennt, weil sie nicht mehr "miteinander konnten". Doch gelegentlich und immer öfter haben sie aus "reiner Freundschaft" Sex miteinander.

Was die Geschichte angeht, so gibt es eine Wendung nach der anderen. Man wird durch die Seiten getrieben, weil man von Anfang an wissen möchte: A) ob das Objekt der Ermittlung tatsächlich eine Serienmörderin war, B) warum sich der Rechtsanwalt in diesem Fall hat reinziehen lassen, C) was denn dann noch als schlimmste Sache in dem Fall passieren kann.

Gerade für den letzten Punkt hat die Autorin eine faszinierende Methode eingesetzt. Der Roman ist in mehrere Abschnitte unterteilt. Jeder Abschnitt beginnt mit einem Interview zwischen Martin Benner und einem Journalisten in einem Hotel. Die Geschichte, die wir lesen, erzählt Benner quasi dem Journalisten. Aber in dem jeweiligen Interview werden jede Menge Cliffhanger für den nächsten Abschnitt platziert. Wenn man das Interview liest, gibt es nur den Gedanken: Oh Gott, was kommt denn noch alles?

Hochspannung vom Feinsten!

Kristina Ohlsson
Schwesterherz

Aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann
Limes Verlag, München
ISBN 9783809026631

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© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

Sonntag, 23. April 2017

Verena Boos - Blutorangen

Maria Teresa Molins, genannt Maite, hat es geschafft. Sie hat sich gegen ihren strengen Vater durchgesetzt, verlässt ihre Heimatstadt Valencia und studiert nun in München. Hier lernt sie Carlos kennen, einen spanischstämmigen jungen Mann und verliebt sich in ihn. Bei seinem Großvater Antonio, der sich in München eine neue Existenz aufgebaut hat, stößt sie auf ein Foto eines jungen Mannes in deutscher Uniform. Eine solche Uniform trägt ihr Vater auf einem Foto, dass sie zufällig einmal bei sich zuhause gesehen hat. Nun stellt sie Fragen und beginnt nachzuforschen. Alte Wunden reißen auf und ein totgeschwiegenes Kapitel ihrer Vorfahren kommt immer mehr ans Licht.

Dies ist kein Roman, den man mal schnell zwischendurch liest. Durch die drei Zeitzonen, durch die er mich führt, brauche ich meine ganze Aufmerksamkeit um dem äußerst interessanten Geschehen folgen zu können. Spannung baut sich auf und hält mich gefangen, nachdem ich die Familienzugehörigkeiten verinnerlicht hatte, bis ich die letzte Seite erreicht und zusammen mit Maite ihr Leben bzw. ihre Vergangenheit und die ihrer Familie aufgearbeitet habe.

In einer eindrucksvollen, berührenden, bildhaften und sehr lebendigen, hier und da aber auch abgehackten Sprache, was meinen Lesefluss manchmal aus dem Tritt gebracht hat, nimmt mich Verena Boos mit in die Aera Francos und dem spanischen Bürgerkrieg. Mir war bis jetzt nicht bekannt, dass spanische Männer auch im deutschen Krieg gegen Russland dabei waren. Für mich war es sehr interessant zu lesen, wie sich der Bogen der Geschichte von Spanien, wo er schließlich auch wieder endet, über Frankreich nach Deutschland, weiter nach Russland zieht.

Die Personen finde ich gut beschrieben. Vor allem Maites Vater Francisco und Carlos Opa Antonio, dessen Schicksal mich tief berührt hat, kann ich mir sehr gut vorstellen. Bei der Vielzahl an Personen hätte ich mir hier zu Beginn der Geschichte einen Stammbaum gewünscht, an dem man die Zugehörigkeiten immer mal wieder nachsehen kann.

Dieses Buch und diese Geschichte wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.

Verena Boos
Blutorangen

Aufbau Verlag, Berlin
ISBN
9783351035945

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Freitag, 21. April 2017

Gina Mayer - Morgen wirst Du sterben


Sophia Rothe und ihr Bruder Moritz leben mit ihren Eltern wohl behütet in Düsseldorf. Julia Klaussen lebt jetzt in Hamburg und will Schauspiel studieren. Philip lebt in München, verdient als Jungunternehmer richtig gutes Geld und will demnächst seine kapriziöse Freundin heiraten.

Allem Anschein nach haben die vier jungen Leute nichts miteinander zutun. Das änder sich, als alle vier Emails von einem Unbekannten bekommen, der ihnen mitteilt, dass sie am 2. Juli sterben werden...

Ich war gespannt, wie es ist, einen Jugendthriller von Gina Mayer zu lesen. Und ich bin überrascht, wie gut ihr der Einstieg in dieses Genre gelungen ist und hoffe, dass es weitere Thriller für Jugendliche geben wird.

Auch der Aufbau hat mir gut gefallen. Im ersten Drittel werden die vier Jugendichen mit ihrem familiären Hintergrund und ihren Stärken und Schwächen vorgestellt. Sympathien und Antipathien lassen sich von meiner Seite aus schnel vergeben. Dann entwickelt sich um diese Vier herum eine spannende, absolut nachzuvollziehende Geschichte, in der, wie ich finde, Moritz etwas zuwenig Beachtung bekommt. Auch ein kleiner Junge bekommt immer wieder Raum für seine Betrachtungen. Ich hatte gleich den Verdacht, dass es sich hier um die kindlichen Gedanken des Emailschreibers handeln könnte.

Eine gute durchdachte Geschichte, ohne Blutvergießen, trotzdem sehr spannend, fesselnd, interessant und nicht nur für Jugendliche lesenswert.

Gina Mayer
Morgen wirst Du sterben
edition oberkassel Verlag, Düsseldorf

ISBN 9783958130494

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© Gaby Hochrainer, Düsseldorf 2017

Mittwoch, 19. April 2017

Deborah Feldman - Unorthodox

New York, Brooklyn, Williamsburg – hier wächst die kleine Devoiri bei ihren ultraorthodoxen Großeltern Bubby und Zeidi in der chassidischen Satmar Gemeinde auf. Die religiösen Extremisten führen ein abgeschirmtes Leben nach strengen Regeln und Vorschriften, denen sich die kleine Devoiri schon bald versucht zu widersetzen. Sie fühlt sich unverstanden, in ihr steckt soviel Wissensdurst und Neugier, was sie versucht mit dem Lesen von verbotenen Büchern zu kompensieren. Ihre Männerwelt besteht aus stillen, blassen Männern mit schwarzen langen Mänteln, schwarzen Hüten und gekringelten Schläfenlöckchen. Ehen werden arrangiert.

Es ist ein langer und steiniger Weg, bis aus Devoiri Deborah Feldman wird, die heute mit ihrem Sohn in Berlin lebt. Aber sie hat es geschafft und sich aus den Fängen einer religiösen Vereinigung befreit, die auch heute noch ihren ganz eigenen Weg geht und man dort der Ansicht ist, nur dieser Weg sei der richtige.

Ein Buch, dessen wahre Geschichte noch lange in mir nachwirken wird.
Deborah Feldman
Aus dem Amerikanischen von 
Christian Ruzicska
Unorthodox
Secession Verlag, Zürich
ISBN 9783905951790

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Sonntag, 16. April 2017

Sam Pivnik - Der letzte Überlebende

Geboren am 01.09.1926 in dem kleinen Städtchen Bedzin in Oberschlesien, als Sohn einer jüdischen Familie, erzählt Szlamek, heute Sam, Pivnik aus seiner eher sorglosen Kindheit. Besonders die Ferien bei seinen Verwandten in Loslau, die er als „Garten Eden“ bezeichnet sind ihm gut in Erinnerung geblieben. An seinem 13. Geburtstag ändert sich alles: die Deutschen marschieren in Polen ein. Nach kurzer Zeit wird er mit seiner Familie in ein Ghetto verbracht: auf einen Hügel namens Kamionka. Einen Monat vor seinem 17. Geburtstag werden die Juden aus Bedzin zum Bahnhof getrieben und in einen Zug nach Auschwitz-Birkenau gestopft. Nun beginnt für ihn der Kampf ums Überleben…

Ich habe schon viel über die Greuel des Krieges, insbesondere der Judenverfolgung gehört und gelesen. Durch seine Geschichte, die Sam Pivnik hier in der Ich-Form erzählt, bin ich aber so nah dran an den Geschehnissen, dass ich immer wieder kleine Pausen einlegen musste, um das Gelesene zu verdauen. Besonders hat es mich entsetzt, wie seine Mutter wie eine Löwin um ihre Kinder kämpft, diesen Kampf jedoch verliert. Die Gefühle, die in Sam gewütet haben, als seine fast blinde Großmutter weggeführt wurde, will ich mir gar nicht vorstellen. Nur eine Daumenbewegung in einem weißen Handschuh nach rechts oder links entscheidet über Leben oder Tod.

Aber Sam hat das, wenn man es überhaupt so nennen kann, Glück auf seiner Seite. Insgesamt 14 x wäre ein Weiterleben fast an ihm vorbei gegangen. Aber er schafft es immer wieder weiter zu machen, weiter zu leben. Von Auschwitz zum Bergwerk Fürstengrube, wo er an einer Execution teilnehmen musste; der Todesmarsch nach Ostholstein, bis er zusammen mit 5 weiteren Juden nach dem Brand auf der MS Cap Arcona gerettet wurde. Ereignisse, die bei anderen Menschen für ein ganzes Leben oder mehr reichen, ereilen hier einen Menschen innerhalb von 5 Jahren.

Die Fotos in der Mitte des Buches machen schmerzhaft bewusst, dass dieses Personen, bis auf Sam Pivnik, das Massaker des Völkermordes an den Juden nicht überlebt haben.

Das Buch hat mich ergriffen, tief berührt und betroffen gemacht. Und ich hoffe, dass es noch viele Menschen lesen werden.

Sam Pivnik
Der letzte Überlebende

Theiss Verlag
ISBN 9783806234787

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Samstag, 15. April 2017

Lena Avanzini: Auf sanften Schwingen kommt der Tod


Zunächst dachte ich, es wäre gar kein Thriller, sondern es wäre eher ein Gegenwartsroman. Zwar begann alles mit einem Mord, der war aber prompt infolge eines Geständnisses aufgeklärt. Dann folgten, wie der Titel schon sagt, sanfte Einführungen in die Figuren, Orte und Beziehungen untereinander. Das liest sich alles nicht spektakulär.

Doch zwischengeschobene Tagebucheinträge wiesen schon auf die Sichtweise eines Täters hin. Es musste ja noch etwas kommen. Und es kommt auch. Und zwar richtig heftig, wenig vergleichbar mit einem herkömmlichen Krimi. Es wird ermittelt, aber nicht so, wie es der gemeine Krimileser gewohnt ist.

Avanzini, die 2012 bereits für ihren Debütroman "Tod in Innsbruck" mit dem Friedrich-Glauser-Preis des Syndikats geehrt wurde, hat sich für den zweiten Fall ihrer Ermittlerin Carla Bukowski einen sehr eleganten Plot einfallen lassen. Der Titel ist Programm. Es geht sanft zu, obwohl es auch Beulen gibt und Blut spritzt. Hervorzuheben sind die Zwischenkapitel aus dem Tagebuch des Täters mit dem besonderen Namen "Buch der Kränkungen". Sie sind vom Täter selbst in der zweiten Person verfasst. Eine seltene Form in der Belletristik, aber hier mehr als passend. Der Leser erfährt vom Täter, was seine Opfer gemacht hatten, damit sie zum Opfer wurden. Der Zusammenhang mit der aktuellen Handlung ist zunächst nur schwer erkennbar. Als erfahrener Leser weiß man halt, dass da einer sein muss. Genauso wenig kann man Rückschlüsse ziehen, wer in der aktuellen Handlung diejenige ist, der das Tagebuch geschrieben hat.

Scheinen die Konflikte anfangs banal und zusammenhanglos, so verdichtet sich mit zunehmenden Lesefortschritt das Geschehen. Die eine oder andere Wendung wirft sämtliche Vermutungen des Lesers total über den Haufen und er muss neuen Spuren folgen.

Die Protagonistin ermittelt in einem Bereich, in dem sie nicht zuständig ist. Dabei bekommt sie Unterstützung von einem Journalisten und einem Privatdetektiv.

Meine Empfehlung: Man sollte sich unbedingt auf den "sanften" Roman einlassen Belohnung folgt!


Lena Avanzini
Auf sanften Schwingen kommt der Tod

Haymon Verlag, Innsbruck
ISBN 9783709978726

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© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

Freitag, 14. April 2017

Franziska Steinhauer - Fluch über Rungholt

Auf Rungholt, einer kleinen Nordseeinsel geht es bügelhoch her. Ausschweifungen und Sünden, Verschwendungs- und Spielsucht, Eitelkeit – Pfarrer Rierd Asmus wird seiner Schäfchen nicht mehr Herr. Als kurz nacheinander zwei junge Frauen eines unnatürlichen Todes sterben und dann auch noch ein Mann in einem Salzbottich tot aufgefunden wird, verdächtigt man einen Fremden – den Zeitreisenden Shahid.

Franziska Steinhauer nimmt mich mit in das Jahr 1362, wo angeblich im Januar eine Sturmflut die Nordseesiedlung Rungholt und ihre Bewohner unter sich begraben hat.

Shahid, ein Zeitreisender mit spektakulärem Gedächtnis, taucht in Rungholt auf. Er ist sich sicher, dass die beiden jungen Frauen keines natürlichen Todes gestorben sind. Durch seine Methoden macht er sich verdächtig und die Bewohner haben schnell ihn als den Mörder in Verdacht. Er ist so ein ganz anderer „Ermittler“, der hier auch seine eigene Geschichte kurz erzählt.

Auch die weiteren Personen sind so menschlich und natürlich gezeichnet, die Örtlichkeiten so naturgetreu wiedergegeben, dass ich schnell mitten in der Geschichte drin bin. Ich meine den Schmutz auf den Straßen und am Markt riechen zu können, meine die Hitze in der Salzsiederei auf meiner Haut zu spüren und laufe mit den Pferden sehr vorsichtig durch die Torfregion um nicht einzusinken. Der Unterschied zwischen den wenigen durch das Salz reich Gewordenen und dem armen hart arbeitenden Volk kommt sehr gut rüber. Die Behandlung der Untergebenen und auch des kleinen Kindes eines Salzsiedereibesitzers und seiner Frau haben mich etwas entsetzt. Dass die Frauen damals überhaupt keine Rechte, sondern nur dem Manne untertan zu sein hatten, kann ich heute kaum noch verstehen, wird in der Geschichte sehr klar heraus gestellt.

Leid getan hat mir Pfarrer Asmus, der einen sehr schweren Stand in seiner Gemeinde hat und es nicht verwinden kann, wie sich alles zum Negativen verkehrt.

Vielleicht liegt es an der damaligen Zeit, dass ich außer mit Shahid mit keiner der Personen richtig „warm“ geworden bin. Er hat mich mit seiner so ganz anderen Art gefesselt und beim Lesen gehalten.

Für mich besonders interessant finde ich die Seiten nach der Geschichte. In Legende und Wahrheit erfahre ich vieles aus der vergangenen Zeit und auch über Rungholt. Und wer mag, kann sich in den Informationen zur Zeitgeschichte mit weiterem Lesestoff versorgen.

Für alle, die mittelalterliche Geschichten mit interessanten Figuren und einem guten Plot mögen – hier bitte zugreifen.


Franziska Steinhauer
Fluch über Rungholt

Gmeiner Verlag, Meßkirch
ISBN 9783839220160

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Mittwoch, 12. April 2017

Freddie Janssen - Saures


Mit Saures - Rezepte für Pickles, Kimchi, Fermentiertes und mehr von Freddie Janssen steht ein etwas anderes Kochbuch in meinem Kochbücherschrank. Es fällt nicht nur durch sein Äußeres auf, sondern durch seine insgesamte Aufmachung.

Ich kenne das Einlegen und fermentieren noch von meiner Oma. Selbst habe ich mich aber nicht daran gewagt. Was sich jetzt bestimmt ändern wird.

Nach der Einführung durch die Autorin bekomme ich Wissenswertes, Tipps zum guten Gelingen und was ich benötige, was sich leicht und einfach liest. Ob dem so ist, wird sich zeigen.

Die Schritt für Schritt-Rezepte lesen sich einfach und machen durch die gelungenen Fotos richtig Lust, es auch zu versuchen. Witzige Zeichnungen lockern das ganz sehr gut auf.

Im Register sind alle Rezepte mit Seitenzahl noch mal aufgeführt, was das Suchen richtig einfach macht.

Ein nicht alltägliches Kochbuch, aus dem ich bestimmt das ein oder andere Rezept für Saures mal ausprobieren werde.


Freddie Janssen
Saures

AT Verlag, Aarau
ISBN 9783038009474

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Sonntag, 9. April 2017

Monika Mansour - Luzerner Todesmelodie

Nicht nur ein anonymer Brief, der Rolf Wymann und Barbara Amato der sexuellen Nötigung einer jungen Frau bezichtigen, oder der Überfall auf eine junge Frau mit einem Velo, die einen falschen Namen angegeben hat, besonders beschäftigt Cem Cengiz und seinen Kollegen Kevin Leibacher der gewaltsame Tot von Gerard O´Brian und seiner Frau Anna-Katharina Lehner. Neven O´Brian, der selbstverliebte und exzentrische Stargeiger sagt aus „Ich habe sie getötet“. Die Indizien allerdings sprechen eine andere Sprache. Nur Cem ist sich sicher, dass Neven ein Doppelmörder ist und heftet sich an seine Fersen. So hat er leider nicht die Zeit sich um seine Schwester Nesrin zu kümmern, die aus London zu einem Besuch angereist ist. Und auch die Zeit sich mit seiner Freundin Lila zu versöhnen, ist leider nicht da.

Schon nach den ersten Seiten war ich total gefesselt und begeistert von diesem neuesten Buch von Monika Mansour. Es war schön, einige alte Bekannte wieder zu treffen, die ich in den beiden ersten Büchern kennengelernt habe. Besonders Cem und Lila hatte ich schon vermisst.

Die Charaktere dieses Falles sind zum Teil sehr aussergewöhnlich. Besonders den exzentrischen Stargeiger, seinen eher sensiblen Bruder Shane und seine eigenwillige Entourage, die er völlig in seinen Bann gezogen hat und die alles für ihn tun, hat die Autorin mit ihren Eigenheiten so detailliert und farbig gezeichnet, dass mein Kopfkino sie gleich angenommen hat.

Dieser Fall ist der persönlichste, den Cem Cengiz bisher lösen musste. Es stellt sich heraus, dass Neven O´Brian sehr viel über ihn weiß und ich hatte das Gefühl, dass er Cem immer einen kleinen Schritt voraus ist. So baut sich die Spannung schnell auf und hält sich mit einem Knistern auf Höchstniveau bis es zum absoluten Showdown kommt. Die laufend wechselnden Handlungsorte und das Tempo der Geschichte tragen viel dazu bei. Ich habe mehrere Male die Luft angehalten, weil … (wird nicht verraten)

Mit ihrem leichten, doch tiefgehenden und fesselnden, sehr gut zu lesenden Schreibstil nimmt mich die Autorin mit nach Luzern und ich lerne die Stadt noch ein kleines bisschen näher kennen. Die immer wieder einfließenden Schweizer Worte und Redewendungen geben der Geschichte ihren eigenen Flair und der Lokalkolorit kommt sehr gut heraus.

Der Plot entführt mich sehr dezent in die klassische Musikszene. Neven scheint das Gegenstück zu David Garrett zu sein. Ich erfahre etwas über verschiedene Stradivaris, den Starkult, der auch in dieser Szene getrieben wird. All dies fügt sich nahtlos in den Kriminalfall ein. Besonders interessant fand ich die Einblicke in die kranke Seele des Täters.

Ich bin froh, dass ich mich entschlossen habe auch dieses Buch zu lesen, denn es ist einer der besten Krimis, fast schon Thriller, die ich seit langem gelesen habe. Und ich hoffe, Minika Mansour gibt uns bald mehr davon.


Monika Mansour
Luzerner Todesmelodie

emons Verlag, Köln
ISBN 9783954519507

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Freitag, 7. April 2017

Jean-Luc Bannalec: Bretonische Verhältnisse

Ein Kriminalroman, der trotz seiner schaurigen Ereignisse für Urlaubstimmung sorgt. Schuld daran ist der Landstrich, in dem die Handlung eingebettet ist: die Bretagne, der westlichste Zipfel Frankreichs an der Atlantikküste.

Doch worum geht es? In einem malerischen Küstendorf, was wörtlich zu nehmen ist, wird der hochbetagte Hotelbesitzer eines der renommierten Hotels in der Gegend tot aufgefunden. Kommissar Dupin und seine beiden Assistenten Riwal und Kadeg ermitteln. Sie treffen in dem Örtchen auf eine Mauer aus Schweigen. Angestellte, Freunde und Verwandte des Toten wollen nichts mitbekommen haben, weder am Tattag, noch von irgend einem Streit mit irgendwelchen Leuten. Die Kriminalgeschichte ist spannend und nachvollziehbar. Die Figuren, die der Autor geschaffen hat, sind interessant. Dupin kommt als Protagonist natürlich eine besondere Rolle zu. Er war viele Jahre Polizist in Paris, hat dort offenbar den Mund zu oft aufgemacht, ist einigen Leuten auf die Füße getreten und wurde deshalb in die Bretagne versetzt. Er nennt es "zwangsversetzt". Weitestgehend gelassen, was er schon von dem Bretonen übernommen hat, wird er doch zappelig, wenn es um die Aufklärung eines aktuellen Falles geht. Und wenn sein Chef dazwischen funkt, dann platzt ihm schon mal die Galle. Riwal ist ein beflissener und lernwilliger Assistent, der gerne allen Aufgaben, die Dupin verteilt, nachkommt. Ein eifriger Beamter. Kadeg hingegen ist eher ein übereifriger Beamter, zumindest wenn Dupins übergeordneter Chef etwas möchte. Seinen direkten Vorgesetzten Dupin hingegen möchte er lieber als Polizisten aus Paris ignorieren. Doch er beißt sich regelmäßig die Zähne an seinem unmittelbaren Vorgesetzten aus. Nolwenn, Dupins Assistentin im Innendienst, ist die gute Selle im Team. Es gibt kaum etwas, was sie in der Bretagne nicht kennt und hat ein nahezu unheimliches Gespür dafür, was dem Kommissar gut tut. Es gibt wohl kaum einen Menschen, der sich nicht eine solche Assistentin wünscht.

Neben der Urlaubsstimmung versucht Bannalec, das Pseudonym eines deutschen Autors, die Landschaft und das Feeling der Bretagne herüberzubringen. Für meine Begriffe etwas zu viel. Zwar liebe ich es, neue Gegenden durch Romane kennen zu lernen, doch es darf nicht zu weit von der Handlung entfernt sein. Und statistische Zahlen zur Wirtschaftskraft schon gar nicht. Aber das kann man ja auch überblättern. Deshalb dennoch sehr empfehlenswert!


Jean-Luc Bannalec
Bretonische Verhältnisse

KiWi Verlag, Köln
ISBN 9783462044065

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© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

Mittwoch, 5. April 2017

Kaspar Panizza - Saukatz

In einem Mietshaus in Schwabing wir die Leiche von Oskar Hacker, einem arbeitslosen schriftstellerisch tätigen Mann gefunden. Auf seiner Brust sitzt eine große schwarze Katze. Täuscht sich Hauptkommissar Thomas Steinböck oder redet die Katze mit ihm? Er meint sie jedenfalls hören zu können. Da er gerade erst von der Mordkommission in Starnberg nach München zwangsversetzt worden ist, wird dieser Mord sein erster Fall. Zusammen mit der etwas übergewichtigen aber sehr kompetenten Polizeianwärterin Ilona Hasleitner und dem Schwarzen im Rollstuhl, Kommissar Emil Mayer, macht er sich auf die Suche nach dem Mörder. Immer dabei – die Katze des Toten, die er liebevoll Frau Merkel nennt.

Ich liebe Geschichten, die in meiner Stadt, in München, angesiedelt sind. Daher musste ich dieses Buch einfach lesen. Das es kein klassischer Krimi sein würde, verrät schon der Klappentext. Gerade das hat mich mal wieder gereizt. Und ich wurde in meinen Erwartungen nicht enttäuscht.

Humorvoll locker-leicht und flüssig liest sich die Geschichte, in der die Gedanken von Frau Merkel, der mallorquinischen Wildkatze, kursiv dargestellt werden. Mir macht es Spaß, dass ich bei den Ermittlungen, egal wo sie in der Stadt gerade stattfinden, mittendrin bin. Und immer ist auch eine Spur Humor mit dabei.

HK Thomas Steinböck trinkt hier und da etwas zuviel Whisky, ist 60er-Fan, was ihn für mich doppelt sympathisch macht, poltert rum und hat doch ein ganz großes Herz. Die Assistentin Ilona Hasleitner, die er sich sofort an Land gezogen hat, gibt der Geschichte mit ihren münchnerischen Spracheinlagen den lokalen Anstrich. Und auch der Dritte im Bunde, Emil Mayer, macht im Rolli sitzend bei den Recherchearbeiten eine sehr gute Figur. Die anderen Figuren, sei es die neue Vermieterin von Steinböck mit ihrer roten Pumucklfrisur, ihre Großeltern, die im gleichen Haus wohnen oder der Schachpartner von Hacker, der auch ermordet wird - alle sind intensiv beschrieben und sehr gut vorstellbar.

Es geht um Medikamentenversuche in der DDR und bei Obdachlosen heute, um die Münchner Wohnungsmieten, Mobbing im Kommissariat, Missbrauch und Gewalt in der Familie. Alles aber so gut verpackt, dass es sich wunderbar in die Geschichte einfügt. Und immer dabei, die Gedanken von Frau Merkel.

Ein ungewöhnliches Ermittlerteam, etwas aus dem Rahmen fallende Protagonisten und eine Geschichte, deren Ende ich so absolut nicht erwartet habe, haben mich gefesselt und ich freue mich auf eine hoffentlich bald erscheinende Fortsetzung mit einem neuen Fall aus dem Münchner Kommissariat.


Kaspar Panizza
Saukatz

Gmeiner Verlag, Meßlirch
ISBN 9783839219362

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Sonntag, 2. April 2017

Mary Higgins Clark: Und hinter Dir die Finsternis

Eigentlich begann alles vor 22 Jahren. Damals war ein junger Teenager Susan spurlos verschwunden. Kay war mit ihrem Vater, der als Landschaftsgärtner für die Carringtons arbeitete, zu deren Anwesen gefahren. Während Vater noc einiges zu erledigen hatte, wurde dem kleinen Mädhen langweilig im Auto. Sie ging auf Erkundungstour über das Anwesen und das aus dem fernen Wales übernommene Haus. Dabei belauschte sie ungewollt ein Geschräch, dessen Tragweite ihr zu dem Zeitpunkt nicht bewusst war.
Erst heute, als sie weider auf dem Anwesen ist, hat sie eine Vermutung, um was es sich damals gehandelt haben könnte. Kay hatte das Anwesen der Carringtons nach 22 Jahren erneut betreten, weil sie den Besitzer, einen der reichsten Männer des Landes, davon ü´berzeugen wollte, eine Benefizveranstaltung auf seinem Grundstück durchzuführen und mit seinem Namen so auch für die Geldeinsammlung zu werben. Doch es traf sie beide wie ein Blitz. Kurze Zeit nach dem Treffen von Kay mit Peter Carrington, an die er sich von damals als ein kleines Mädchen erinnert hatte, waren beide verheiratet. Kay hatte ihn geheiratet, obwohl er seit 22 Jahren in Verdacht steht, etwas mit dem Verschwinden Susans zu tun zu haben.
Mary Higgins Clar hat einen vielschichtigen Roman geschaffen, dessen Spannung subtil unter der Haut angelegt ist und über die Psyche geht. Während in der Protagonistin Zweifel an dem gesäht werden, was sie bislang nach dem Tod ihres Vaters geglaubt hatte, wird von der Familie der verschwundenen Susan erneut ein Privatdetektiv engagiert, weil die Mutter kurz vor ihrem eigenen Tod endlich Aufklärung haben will und abschließen möchte. Parallel dazu tritt die Staatsanwältin auf den Plan, die von Peter Carringtons Schuld schon immer überzeugt war und danach lechzt, ihn endlich mit Beweisen dingfest zu machen. In dieser Konstellation wird nicht einfach nur schnöde ermittelt. Bei der Lektüre wird der eigene Kopf ständig mit Vermutungen, Konstellationen und Szenarien gefüllt, wie wer mit wem in welchem Zusammenhang steht. Das ist kribbelnde Spannung pur.
Stilistisch wird die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Während dei Protagonistin Kay ihre Sicht auf die Dinge aus der persönlichen Perspektive schildert, erfährt der Leser das Geschehen, an dem Kay nicht beteilgt ist, von einer darübersehenden dritten Person.
Das Buch erhält ein unumstößliche Leseempfehlung.


Higgins Clark, Mary
Und hinter Dir die Finsternis
Aus dem Amerikanischen von Andreas Gressmann
Heyne Verlag, München
ISBN 9783453433748
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© Detlef Knut, Düsseldorf 2016