Montag, 27. Juni 2016

Elisabeth Florin - Commissario Pavarotti spielt mit dem Tod

„Commissario Pavarotti spielt mit dem Tod“ ist bereits der 3. Fall, bei dem ich mit dem manchmal mürrischen, aber auch sehr seniblen und menschlichen Commissario und seiner deutschen Bekannten Lissie von Spiegel, die an Gedächtnisverlust leidet, in und um Meran ermitteln darf. Gleich auf den ersten Seiten bekomme ich es mit der Angst zutun, denn der Commissario erwägt seinen Selbstmord. Sein junger Freund Paul weiß dies mit einem seiner makaberen Scherze im letzten Moment zu vereiteln, was mich schon wieder zum Schmunzeln brachte.
Dann wird der Commissario mit seinem ersten Fall konfrontiert, der bereits vor 20 Jahren als nicht abgeschlossen zu den Akten gelegt wurde: im kleinen Bergdorf Katharinaberg nicht weit von Meran wurde damals ein dreijähriger Junge entführt. Bei Abrissarbeiten von 2 Häusern in Katharinaberg stoßen die Arbeiter auf das Skelett eines Kindes – wie sich herausstellt, des damals verschwundenen Johannes. Pavarotti beginnt die damaligen Versäumnisse aufzuarbeiten und hofft, endlich den Täter stellen zu können.
Außerdem muss er Lissie von Spiegel, die er aus dem Spital abgeholt hat, endlich beichten, dass er es war, der die Kugel abgefeuert hat, die sie in ihr Vergessen gestürzt hat.


In diesem neuen Fall nimmt mich die Autorin mit in ein kleines Bergdorf mit seinen Einwohnern, von denen jeder etwas zu verbergen scheint. Nicht nur einmal haben sich meine Härchen an den Armen aufgestellt und mir lief eine Gänsehaut den Rücken runter. Allesamt sind die Charaktere gut vorstellbar und in vielen Schattierungen mit ihren Eigenheiten gezeichnet. Durch die oft bildhafte Sprache erstellt sich die Szenerie vor meinem inneren Auge und ich bin mittendrin in der Geschichte. Aber einfach mal schnell durchlesen geht hier gar nicht. Dazu hat die Autorin die Geschichte viel zu komplex gestaltet, viele Wendungen eingebaut, immer wieder neue Personen auftreten lassen, die ich für den Täter hielt und leider bin ich bis zur Auflösung nicht drauf gekommen, wer denn nun der Täter ist.
Aber nicht nur Pavarotti ermittelt, sondern auch Lissie von Spiegel versucht auf ihre Weise etwas aus den Dorfbewohnern herauszukitzeln und schreibt darüber ein Buch. Ich freue mich mit ihr, wenn immer mal wieder ein kleines Fitzelchen aus ihrer vergessenen Welt auftaucht und ihre permanente Suche nach ihrer Vergangenheit ganz kleine Erfolge bringt.
Die kurzen Kapitel mit einer stetig ansteigenden Spannung haben es mir schwer gemacht, das Buch auch mal aus der Hand zu legen. Die Zeitsprünge, die immer wieder mal einfließen und mich manche der Bewohner sogar etwas besser verstehen lassen, bauen die Spannung nicht ab, sondern steigern sie eher noch.
Wer einen Krimi mit wenig Blutvergießen lesen und sich mit den seelischen Abgründen einiger Dorfbewohner befassen mag, der ist hier genau richtig. Ein Buch, über das man auch sehr gut diskutieren kann.
Ich habe das Lesen sehr genossen.
Florin , Elisabeth
Commissario Pavarotti spielt mit dem Tod
Emons Verlag, Köln
ISBN 9783954518081

Sonntag, 26. Juni 2016

Andreas Föhr - Eisenberg

Am Flaucher, einem Isarabschnitt in München, wird eine junge Frau erstochen aufgefunden. Ihre Hände sind am Kopf angenagelt. Die Verteidigung des obdachlosen Täters übernimmt die renommierte Münchner Anwältin Rachel Eisenberg. Sie erlebt eine große Überraschung, denn der mutmaßliche Täter ist Heiko Gerlach, der weltbekannte Physikprofessor, mit dem sie vor vielen Jahren liiert war. Gerlach gesteht, widerruft und Rachel tut alles, um ihn zu entlasten.

Zur gleichen Zeit wird eine junge Frau mit ihrer kleinen Tochter vermisst. Die Beiden sind aus Angst vor Blutrache aus dem Kosovo geflohen. Ihre Freundin in München gibt eine Vermisstenanzeige auf, die aber zu keinem Ergebnis führt.

Ob und wenn ja, wie, stehen die beiden Fälle im Zusammenhang?

Bisher kannte ich nur die Tegernsee-Krimis von Andreas Föhr und war sehr gespannt, auf seinen neuen Krimi. Die Ermittlerin diesmal eine Anwältin und der Schauplatz in München.

Der Fall des Heiko Gerlach ist sehr gut konstruiert. Die Spannung baut sich kontinuierlich auf, fällt dann ab, als ich glaubte, der Fall sei gelöst und schießt aber dann nochmal richtig hoch. Immer wieder kam ich beim Lesen ins Grübeln, miträtseln, um dann festzustellen, dass mich der Autor wieder auf einer falschen Spur gelockt hatte. Das überraschende Ende hatte ich so absolut nicht vermutet.

Rachel Eisenberg, die neue Ermittlerin, ist mir von Anfang an sehr sympathisch. Ihre erfrischende Art zu ermitteln ist nicht immer gesetzeskonform, aber manchmal geht es einfach nicht anders. Auch bei den übrigen Protagonisten, die ich sehr lebendig und authentisch gezeichnet empfinde, habe ich meine Sympathien und auch meine Antipathien schnell vergeben.

Immer mal wieder blitzt der ganz eigene Humor des Autors durch und lockert den Fall auf. Die Einblicke ins Privatleben der Anwältin, ihrer Tochter und ihres Exmannes machen die Geschichte erst so richtig menschlich.

Ich habe einen überaus gelungenen, spannenden Kriminalfall gelöst. Und ich freue mich sehr, dass es weitere Fälle mit Rachel Eisenberg geben wird.
Föhr, Andreas
Eisenberg
Droemer Knaur Verlag, München
ISBN 9783426653968

Pascal Mercier: Perlmanns Schweigen

Der weltweit hoch angesehene Sprachwissenschaftler Professor Philipp Perlmann ist beauftragt worden, eine Arbeitskonferenz mit weiteren internationalen Sprachwissenschaftlern in einem ligurischen Küstenort abzuhalten. Es soll eine wissenschaftliche Arbeit erstellt und diskutiert werden. Doch mit dem Eintreffen jeder weiteren Kollegin und jedes weiteren Kollegen fühlt sich Perlmann immer mehr überfordert. Er versteht nicht mehr, warum er überhaupt mit diesem Treffen beauftragt worden ist. Er ist der Meinung, er könne den Kollegen nicht das Wasser reichen, er hätte ihnen und der Welt nichts mehr zu sagen. Grund genug, sich von ihnen abzukapseln und zurückzuziehen. So lässt er sich unter Angabe fadenscheiniger Gründe ein anderes Hotelzimmer weitab von den Kollegen in der obersten Etage geben, nimmt nur ganz selten an den gemeinsamen Mahlzeiten und den Beratungen und Diskussionen teil. Seinen amerikanischen Kollegen sieht er zunehmend als Konkurrenten. Die Arbeit an seinem eigenen wissenschaftlichen Beitrag schiebt er immer weiter hinaus, setzt sich stattdessen in seinem Hotelzimmer an einen wissenschaftlichen Beitrag seines russischen Kollegen, der leider nicht an diesem Arbeitstreffen teilnehmen kann, weil dieser trotz der Öffnung Russlands gen Westen keine Ausreisegenehmigung erhalten hatte.
Obwohl Perlmann nicht der russischen Sprache mächtig ist, bemüht er sich um Wörterbücher und beginnt die Übersetzung des Textes, teilweise auch über Umwege in Form der italienischen und englischen Sprache. Seine Versagensangst hat ihn mittlerweile wieder zur Zigarette greifen lassen und im Wettbewerb mit seinem amerikanischen Kollegen nimmt er Kontakt zu einer alten Freundin auf, um seine musikalischen Kenntnisse aufzufrischen und bestätigen zu lassen. Woche um Woche vergeht, seinen wissenschaftlichen Text schiebt er nachwievor, die Übersetzung des russischen Textes bringt er zur Perfektion. Als sich schließlich sein russischer Kollege per Telegramm doch noch zur Konferenz meldet, schmiedet er einen teuflischen Plan. Noch bis vor kurzem hätte Perlmann es nicht für möglich gehalten, solch eine Handlung zu begehen.


„Permanns Schweigen“ ist ein packender Roman um die Sinnkrise eines renommierten Mannes in seinen Wechseljahren. Mit detailgenauer Akribie beschreibt Pascal Mercier („Nachtzug nach Lissabon“) die Gedankenwelt dieses Mannes und das Geschehen in dem ligurischen Küstenort. Während der über 600 Seiten der Taschenbuchausgabe meint man, sich selbst im Hotel zu befinden und das Geschehen aus unmittelbarer Nähe zu betrachten. Die gedanklichen Monologe verlieren sich nicht in ihrer Länge, sondern werden immer wieder vom aktuellen Tagesgeschehen im Hotel und um die Wissenschaftlergruppe herum unterbrochen. Dies geschieht in einem ausgewogenen Wechsel, der keine Langeweile zulässt. Die Welt um Perlmann scheint zu einem Mikrokosmos zu werden, er wird zu einem Vertrauten, den man mehr und mehr zu verstehen meint. Obwohl es für viele Leser durchaus andere Möglichkeiten als die geplante Tat zur Lösung von Perlmanns Konflikt geben wird, kann man die Gründe, die ihn dorthin führen, klar und deutlich nachvollziehen. Der Autor komponiert dabei ein „Abenteuer“ nach dem anderen in einer ausgewogenen Reihenfolge, so dass das Geschehen zwangsläufig in eine ausweglose Situation führen muss. Es sind natürlich keine Abenteuer, die ein Westernheld bestreiten würde. Es sind alltägliche Dinge, wie das Klavierspielen, das Lesen einer Weltchronik, die Gespräche mit den Kolleginnen und Kollegen, oder der Nachhilfeunterricht für ein kleines Schulmädchen, die in diesem psychologischen Roman für eine außerordentliche Spannung sorgen. Die Frage, wie Perlmann aus dieser Situation herauskommt, stellt sich immer wieder aufs Neue und facht den Wunsch zum schnellen Weiterlesen erneut an.


Mercier, Pascal
Perlmanns Schweigen

btb, München
ISBN 9783442721351

© Detlef Knut, Düsseldorf 2009/2016

Montag, 20. Juni 2016

Spurensammler von Paul Finch - Mark Heckenburg III


Es sind zwei Jahre vergangen, seit Detective Mark Heckenburg den Kopf der Nice Guys ins Gefängnis brachte. Die Bande des Schwerverbrechers hatte unzählige Frauen entführt, verschleppt, gegen Bezahlung guter Kunden vergewaltigen lassen und anschließend ermordet.
Dieser Mann wird von seinen Komplizen aus einem Hochsicherheitsgefängnis in England in einer schnellen und extrem brutalen Aktion befreit. Der Mann ist nicht auffindbar und plötzlich geschehen in einem erschreckenden Tempo weitere Morde, sodass für Heck eines klar ist: Die Nice Guys sind wieder aktiv. Aber die Morde passen nicht in ihr vergangenes Schema.
Heckenburg will natürlich sofort mit den Ermittlungen beginnen, doch da ist seine Vorgesetzte und ehemalige Partnerin Gemma Piper ganz anderer Meinung ….
Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
insgesamt 496 Seiten
Preis:  9,99  €
ISBN: 978-3-492-30683-6
Kategorie: Thriller
© Buchwelten 2016

Sonntag, 19. Juni 2016

Jutta Mehler - Milchlinge

Hobbyermittlerin Fanni Rot weilt mit ihrem Lebensgefährten Sprudel in Bad Kötzting und erhofft sich von der chinesischen Medizin im Behandlungszentrum, dass sie ihr verlorenes Gedächtnis wiederfindet. Stattdessen findet sie im ortsansässigen Möbelhaus bald den ersten Toten. Und natürlich kann sie die Ermittlungen nicht allein dem pflaumennasigen Kommissar Brandl überlassen, sondern muss selbst wieder tatkräftig mitmischen.

Mit ihrem neunten Fall für Fanni Rot hat Jutta Mehler einen Krimi der leichten Sorte vorgelegt. Was aber nicht heißt, dass es hier an Spannung fehlt. Im Gegenteil: immer wieder ergeben sich neue Ansatzpunkte, immer neue Wendungen machen das Ermitteln nicht einfach. Es bleibt auch nicht bei einem Toten. Und immer bin ich, auch dank Fannis Gedanken, die sich immer wieder selbstständig machen, mittendrin.
Nur die Auflösung des Falles kam mir zum Ende hin etwas zu schnell daher.

Bei Wanderungen und Spaziergängen von Fanni und Sprudel lerne ich die Gegend in und um Kötzting kennen. Muss eine schöne Gegend zum Wanderurlauben sein; die Beschreibungen hören sich richtig einladent an.

Ein neuer Fall, bei dem man nicht unbedingt die vorhergehenden Bücher gelesen haben muss; was aber den Einstieg und dadurch das Kennenlernen der Personen etwas einfacher macht.
Witzig und humorvoll mit einer Prise Spannung kommt das Buch mit wenig Blutvergießen aus und hat mich trotzdem sehr gut unterhalten.
Jutta Mehler
Milchlinge
emons Verlag, Köln
ISBN 9783954518043

Anne Sanders: Sommer in St. Ives


"Her name was Lola, she was a showgirl." Diesen Spruch hat Lola, die Protagonistin dieses Romans, schön öfters gehört.. Aber aus dem Mund von Chase Bellamy klingt er doch etwas anders.
Sommer, Sonne, Strand und Meer, dazu Meeresrauschen, Möwengeschrei, kieloben liegende Boote und eine Bildergalerie neben der anderen. Wenn dies auch etwas nach Klischee klingen mag, so ist das vielleicht nur in dieser Rezension so, denn in dem Roman beschreibt die Münchner Autorin sehr fein und mit viel Liebe zum Detail die Straßenzüge von St. Ives, die Landschaft von Cornwall und das Leben in diesem Landstrich. Bei den Lesern passende Bilder im Kopf hervorzurufen (Ich muss rot sein wie ein italienischer Kleinwagen.), fällt ihr leicht. Einfach zurücklehnen und die Bilder genießen, sollte zumindest beim Hörbuch gut funktionieren. Beim Lesen schweift man schnell vom Text ab und verliert sich in der cornischen Region.
Worum geht es in diesem Roman? Vor einem Jahr ist Großvater verstorben. Großmutter Elvira hat die Tochter Samantha samt Schwiegersohn Ben und den Enkelkindern Lynda, Lola und Luca an den Ort eingeladen, der für ihr eigenes Leben so prägend war. Noch im Flugzeug gehen alle davon aus, dass es sich um ein kleines Cottage handeln wird, in dem sie sich die nächsten sechs Wochen vergnügen dürfen, obwohl manchen von ihnen die Arbeit im Nacken sitzt. Doch dann werden sie bei ihrer Ankunft von einem großen Herrenhaus auf den Höhen überrascht. Die Großmutter erwartet sie schon, denn sie war wegen irgendwelcher Vorbereitungen eine Woche früher nach Cornwall gereist.
 Am ersten Tag wundert sich die Familie, dass sich Großmutter für den ganzen Tag über verabschiedet und erst am Abend wieder alle treffen werde. Noch dazu in einem Pub unten im Ort zu einem Konzert. Nun gut, alle wissen, dass Großmutter hin und wieder ein Klassikkonzert besucht. Um so überraschter sind sie, als sich herausstellt, dass es sich um ein Rockkonzert handelt. Die Familie versteht die Großmutter nicht mehr. Als nach dem Konzert der Gitarrist und Frontmann Sam Watson auf den Tisch der Familie zukommt, kommt es noch dicker ...
Anne Sanders hat diesen Roman im Sprachspiel eines Tagebuches angelegt. Die sechsundzwanzigjährige Protagonistin Lola plaudert und plätschert ihre Erlebnisse so locker, als würde sie sie ihrem Tagebuch anvertrauen. Manchmal etwas zu locker, denn die Figuren sagen nichts, vielmehr quietschen, krächzen, schreien, quieken, quäken, brummeln und murmeln sie. Murmeln vor allem. Der Spannung und guten Laune beim Lesen kommt das aber nicht in die Quere. Auch der reichlich enthaltene Konfliktstoff, den die Familienmitglieder mit sich herumtragen, lässt keine wirklich düstere Stimmung aufkommen. Das gelegentlich schlechte Wetter in St. Ives sorgt ebenso wenig für Unbehagen, verbergen sich darin doch so manch spaßige Überraschungen.
Sander erzählt auf geschickte Weise gleich zwei Liebesgeschichten, die der Protagonistin Lola und die ihrer Großmutter Elvira. Sie erzählt von schwierigen Verhältnissen, welches die Frauen dieses Romans mit ihren Müttern hatten, und stellt dar, dass jede Generation mit ähnlichen Problemen zu tun hat und doch jeder seinen eigenen Weg gehen muss. Während die Hauptgeschichte von Lola selbst in der ersten Person erzählt wird, so erschließt sich die Geschichte der Großmutter über Rückblenden, die in der dritten Person erzählt werden. Stück für Stück setzt sich ein riesiges Familienpuzzle zusammen.
Ein rundum lesenswerter Roman für viel Sonne und Wärme im Herzen, der sich nach der letzten Seite nur schwer zuschlagen lässt.

Sanders, Anne
Sommer in St. Ives

Blanvalret Verlag, München
ISBN 9783764505462

© Detlef Knut, Düsseldorf 2016
Fotos: © Regina Knut, 2014

Samstag, 18. Juni 2016

Sabine Trinkaus - Schnapspralinen

Auf dem Friedhof des beschaulichen rheinländischen Örtchens Kessenich findet eine Besucherin die übel zugerichtete Leiche von Lehrer Wolfram Lebrecht. Dem Mann, der im Ort bei seinen Mitmenschen nicht sehr beliebt war, wurde der Schädel eingeschlagen. Jede Menge Spuren, die alle irgendwie ins Nichts laufen und für Kriminalhauptkommissar Christian Wörner und seine Kollegin Sophie Lange viel Arbeit.
Unterstützung bekommen die Beiden durch Seniorenheimbewohnerin Agathe Hutschendorf, ihrer Freundin Margot Pütz und Britta, der Lebensgefährtin von Wörner. Insgesamt eine muntere Truppe, die die Ermittlungen zum Genuss und manches Mal zum Lachvergnügen werden lassen.  Aber auch ernste Töne werden in der Geschichte laut und gut verarbeitet.

Nach den ersten beiden Fällen "Schnapsleiche" und "Schnapsdrosseln" kommen nun die "Schnapspralinen" an die Reihe, die in diesem Fall immer mal wieder eine Rolle spielen. Besonders Agathe ist ihnen sehr zugetan,  nimmt die ein oder andere bereits zum Frühstück und lockert ihren Gesprächspartnerinnen die Zunge.

Ja, Agathe, die es ihren Freundinnen nicht immer leicht macht, hat mir manche Lachträne im Auge beschert. Zusammen mit Margot und Sophie bildet sie ein unschlagbares Trio, dass trotz allem Humor den ein oder anderen Hinweis zu den Ermittlungen geben kann.

Spannung steht nicht hinten an in diesem Krimi. Aber die Autorin versteht es super, die spannenden Teile mit den witzigen Eskapaden so zu vermischen, dass die Spannung immer ein kleines bisschen im Vordergrund steht. Die dauernden Wendungen und falschen Fährten haben auch mich bis zum Schluss auf Abstand zum Mörder gehalten. So hatte ich die Auflösung nicht erwartet.

Ein spannender Krimi mit einer gehörigen Portion Witz, der das Lesen für mich zu einem Genuss gemacht hat!

Sabine Trinkaus
Schnapspralinen
emons Verlag, Köln
ISBN 9783954514878

Freitag, 17. Juni 2016

John Friedmann - Flaschendrehen furioso

Carlo Mangold, seine Freundin Anna und seine Schwester Elli machen sich von München aus auf den Weg in ihr Feriendomizil in Bella Italia. Dort angekommen stoßen sie auf Heiko Behlow und seine Freundin Sandra aus Leipzig, die sich schon häuslich eingerichtet haben und auf die flippige Tina mit ihrem verschrobenen Freund Lutz aus Berlin-Kreuzberg. Alle haben einen Schlüssel zu ihrer Ferienvilla und auch schon die Miete bezahlt. Hier ist erstmal Stress vorprogrammiert. Nur wenn Hobbykoch Carlo sein Essen zaubert herrscht für eine kurze Zeit Frieden. Dann kommt Tina auf die Idee Flaschendrehen zu spielen. Im Laufe der Stunden und mit viel Rotwein zeigt jeder sein wahres Gesicht - und das gefällt nicht jedem der Anwesenden. Hier kommt so einiges ans Licht, was nicht jeder wissen will. Diese eine Nacht verändert alles.

Die 7 so total verschiedenen Charaktäre, die ich im Laufe der Geschichte immer besser kennenlerne, in dieser Geschichte unterzubringen ist John Friedmann überaus gut gelungen. Herrlich erfrischende Dialoge, eine Prise Melancholie, Sarkasmus und Witz und schon entsteht beste Unterhaltung. Sätze wie "Hätte er / sie gewusst..." lassen eine gewisse Spannung aufkommen und den Wunsch, unbedingt weiter lesen zu wollen.
Einzig der Schluß ist mir zu konstruiert und unglaubwürdig. Hier wäre etwas weniger viel mehr gewesen.

Ich habe die Geschichte eines verunglückten Traumurlaubes gelesen, den ich so ganz bestimmt nicht machen möchte, wurde gut unterhalten und freue mich auf Mehr von John Friedmann.

John Friedmann
Flaschendrehen furioso
Droemer Knaur Verlag, München
ISBN 9783426226117

Donnerstag, 16. Juni 2016

Nikola Hotel - Jetzt oder Nils

Emma Arend überreicht im Namen von Daisy-Düfte, dem Blumenladen in dem sie arbeitet, in einem Schweinchenoutfit Blumen- und Gedichtgrüße. So lernt sie den Journalisten Nils Dannenberg kennen, von dem sie bei ihrem Besuch annimmt, dass er kurz vor seinem Selbstmord steht. Die Beziehung zu ihrem Freund Michi, der beim Kochen der Meinung ist, dass man Gurken kocht und Paprika schält, liegt leicht auf Eis. Und da sie diesen Nils so sexy findet, nimmt sie seine Einladung zu einem Golfturnier an. Sie kann ja schließlich Minigolfen...

Die 26-jährige Emma ist einfach eine Schau. In einer sehr humorvollen Art beschreibt Nikola Hotel, wie liebenswert und witzig Emma ein Fettnäpfchen nach dem anderen voll trifft und immer mit einem Lächeln aus den diversen Situationen heraus kommt oder diese rettet. Ihr Freund Michi ist da ein ganz anderer Typ. In Joggingklamotten Chips mampfend zusammen mit seinen beiden Freunden vor der Glotze hockend und Fußball schauend, ist er nicht gerade das, was ich mir für meine Tochter wünschen würde. Und so ist es nicht verwunderlich, dass sich Emma zu einem Golfturnier einladen lässt.

Alle Figuren finde ich sehr liebevoll und farbenfroh gestaltet und es macht Spaß, sich diese vorzustellen.

Lange habe ich bei einem Buch nicht mehr so oft geschmunzelt (naja, meine Mundwinkel blieben beim Lesen einfach nur oben) und über die pfiffigen Dialoge gelacht.

Ich hatte einige herrliche Stunden mit Emma und Nils und kann jedem, der Romantik gepaart mit Witz und Komik mag nur raten: Lest dieses Buch - es lohnt sich!

Nikola Hotel
Jetzt oder Nils
Aufbau Verlag, Berlin
ISBN 9783746631356

Mittwoch, 15. Juni 2016

Friederike Schmöe - Zuträger

Hanne Brenker, 42, ist verschwunden. Die junge Jana Perl, die von ihr in ihrer neuen Firma Kvintu, die Tochterfirma eines IT-Unternehmens aus Amerika, eingearbeitet werden sollte, macht sich Sorgen um ihre Kollegin und bittet Privatdetektivin Katinka Plafy um ihre Hilfe. Katinka checkt bald, dass Jana ihr etwas verschweigt. Als dann die 21-jährige Maria Santanin aus der Regnitz gefischt wird - ebenfalls bei Fa. Kvintu angestellt - läuten bei Katinka Plafy die Alarmglocken. Und das alles kurz vor dem Weltkulturerbelauf in Bamberg, wo alle Kvintu-Mitarbeiter schon fast gezwungen sind mit zu laufen.

Diesmal hat es Katinka Palfy, die ich schon bei vielen anderen Fällen kennen gelernt habe, mit einem Großkonzern zutun. Da nach kurzer Recherche, die sie irgendwie aber nicht richtig weiter bringt, und einem weiteren Todesfall auch ihr Lebensgefährte Kommissar Hardo Uttenreuther involviert ist, kommt es zu Spannungen, die der Liebe alles andere als zuträglich sind. Fast hatte ich Angst, dass sich die Beiden wirklich entzweien.

Ich mag Katinka mit ihrer etwas naiven Art und immer mit ganz viel Herz bei der Sache. Und ich verstehe Hardo, dass er sauer wird, wenn sie ihm immer wieder in seine Ermittlungen hinein funkt. Und da ist ja auch noch der Journalist Dante Wischnewski, mit Glatz und riesigem Ego, der es wirklich schafft und bei Katinka als Mieter einzieht.

Alles in allem ist Friederike Schmöe wieder eine tolle Geschichte eingefallen, bei der ich auch Bamberg und seine Umgebung wieder ein kleines Stückchen mehr kennengelernt habe.
Für alle, die einen Fall von absoluter Aktualität zusammen mit der Privatdetektivin lösen wollen, ein empfehlenswertes Buch.

Friederike Schmöe
Zuträger
Gmeiner Verlag, Meßkirch
ISBN 9783839216859

Dienstag, 14. Juni 2016

Am Ende die Nacht von Michael Herzig


Kurzgeschichten? Ja .. oder nein? Ein Roman? Ja … oder nein?
„Am Ende die Nacht“ verbindet Kurzgeschichten zu einem Roman. Eine Reise durch eine Nacht, bei der der Leser die unterschiedlichsten Menschen kennenlernt und sie begleitet. Alles fügt sich zusammen, die Geschichten verweben sich zu einem Ganzen ….
***

Ich mag überhaupt keine Kurzgeschichten. Ich lese viel lieber längere Geschichten, in denen ich mich fallen lassen und verlieren kann. In denen ich die Protagonisten richtig kennenlerne und nicht wieder „verlassen“ muss, wenn ich ihnen gerade nahegekommen bin.
Michael Herzig liefert hier jedoch keine typische Kurzgeschichtensammlung, sondern verbindet seine Geschichten zu einer kompletten Handlung. Das war auch der Grund, warum ich diesen Roman ausgewählt habe. Zum einen habe ich die bisherigen Bücher des Autors gemocht und zum anderen kenne ich diese Art der Erzählung, jedoch ein wenig anders. Bei dem anderen Buch lieferten verschiedene Autoren jeweils eine Geschichte, die zusammen eine Rahmenhandlung um die unterschiedlichsten Mietparteien eines Mehrfamilienhauses ergab ...
Erschienen als gebundene Ausgabe
im Grafit Verlag
insgesamt 207 Seiten
Preis:  20,00 €
ISBN: 978-3-89425-674-6
Kategorie: Gesellschaftkrimi
© Buchwelten 2016

Mia Winter - Janusmond

Leon Bemberg macht sich auf nach Südfrankreich, wo seine Zwillings-schwester Lune vor 11 Jahren studiert hat. Hier ist sie auch verschwunden. Leon will sie für tot erklären lassen, um nach dem Tod seiner Mutter an Lunes Erbe zu kommen. Inspektor Christian Mirambeau vom Kommissariat in Louisson will die Bescheinigung nicht so schnell ausstellen und macht sich auf Spurensuche. Die führt ihn in die Vergangenheit und an seine Grenzen...

Das Äußere des Buches mit dem doppelten Buchumschlag und dem schwarzen Schnitt hat mich sofort angesprochen. Auch die ersten Seiten der Geschichte haben mich fasziniert. Leider wurde die Spannung, die sich immer wieder aufgebaut hat, durch Langatmigkeit unterbrochen, was mich beim Lesen doch sehr gestört hat. Manche Seiten sind mir nur so durch die Hände geflogen, andere Stellen fand ich so zäh, dass das Lesen anstrengend wurde.

Die Geschichte an sich finde ich sehr gut und zum großen Teil gut nachvollziehbar. Die Charaktäre sind sehr bildlich und farbig beschrieben. Sympathien und Antipathien habe ich bald vergeben. Der Blick in die Psyche von Leon war für mich spannend. Die Briefe von Lune an ihren Zwillingsbruder waren für das Verständnis äußerst wichtig und für mich sehr informativ.

Sehr schön finde ich auch die Landschaftsbeschreibungen.

Ich eine Geschichte gelesen, die mich an sich sehr berührt, manchmal erschreckt und insgesamt gerade durch ihre psychischen Einblicke fasziniert hat. An einigen Stellen wäre weniger allerdings mehr gewesen. Daher ziehe ich hier einen Stern ab.

Winter, Mia
JanusmondEgmont LYX, Köln
ISBN 9783802597909

Montag, 13. Juni 2016

Kathrin Hanke / Claudia Kröger - Heidegrab

Bei einer Geocachingtour findet der Rentner Lorenz Winter einen Cache mit einem blutverschmierten Polaroidfoto, auf dem ein abgetrenntes Ohr zusehen ist. Ein paar Tage später findet die Schülerin Anna Bechstein ein solches Foto in einer Brotdose. Diesmal mit einem abgetrennten Finger. Zu guterletzt bittet der Unternehmer Simon Minkwitz nach seiner Tochter zu fahnden, die seit einigen Tagen verschollen ist. Hauptkommissar Benjamin Rehder, Kommissarin Katharina von Hagemann und Kommissar Tobias Schneider beginnen mit den Ermittlungen, die sich sehr zäh und langsam gestalten...

Im ersten Band "Blutheide" habe ich die handelnden Kommissare bereits etwas kennengelernt. Das Privatleben der drei wird auch in dieser Geschichte wieder beleuchtet, ich erfahre einiges Neues und die drei wachsen mir immer mehr ans Herz. Tobi mit seiner erfrischenden Art, Katharina, die immer noch an ihren Altlasten knabbert und Ben, der, wie mir scheint, mehr für Katharina empfindet, sich dessen nur noch nicht bewusst ist. Aber auch die anderen Personen der Geschichte sind so detailliert und farbig beschrieben, dass ich sie mir sehr gut vorstellen kann. Bei den beschriebenen Foltermethoden, denen das Opfer ausgesetzt ist, hatte ich sogar Gänsehaut.

Der Fall selbst ist so spannend aufgebaut, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Zwischen den Kapiteln der Ermittlungsarbeit bin ich auch immer wieder dabei, wenn es um die Folter des Opfers geht, bei dem ich auch lange im Unklaren gelassen wurde, um wen es sich hier handelt. Die Auflösung hat sich dann aber so ganz anders gestaltet, als ich es vermutet hatte.

Wieder ein klasse Buch des Autorenteams Kathrin Hanke und Claudia Kröger. Ich hoffe, dass es bald einen neuen Fall in Lüneburg zu lösen gibt.
Kathrin Hanke, Claudia Kröger
Heidegrab
Gmeiner Verlag, Meßkirch
ISBN 9783839215975

Sonntag, 12. Juni 2016

Birgit Salutzki - Stadtgespräche aus Gelsenkirchen


"Stadtgespräche aus Gelsenkirchen" ist ein Stadtführer der ganz anderen Art. Birgit Salutzki stellt mir in diesem Sachbuch die verschiedensten Menschen dieser Stadt vor. Entweder durch einen kurzen Beitrag oder durch ein Interview lerne ich Menschen kennen, die für diese Stadt sehr wichtig sind und die diese mit geprägt haben.

Egal ob es um Sport geht, um Mode, Kulinarisches oder um Kunst und Kultur - aus jedem Bereich ist etwas dabei.

Besonders gefallen hat mir, dass zu dem jeweiligen Beitrag auch die Adresse und wenn vorhanden die Internetadresse mit angegeben wurden.

Viele faszinierende Fotos geben den einzelnen Geschichten ein richtiges "Gesicht". Auf einer Karte von Gelsenkirchen am Ende des Buches sind alle Beiträge an ihrem Standort eingetragen.

Da ich ab und zu in Gelsenkirchen bin, werde ich mir bestimmt die ein oder andere Sehenswürdigkeit oder Begegnungsstätte einmal anschauen. Die Geschichten machen absolut Lust, Neues aus dieser Stadt zu entdecken.

Ich freue mich drauf.


Salitzki, Birgit
Stadtgespräche aus Gelsenkirchen
GmeinerVerlag, Meßkirch
ISBN 9783839217153

Peter Prange: Der letzte Harem

Die Idee zu diesem Roman hatte der Schriftsteller während einer Reise nach Istanbul. Oberflächlich erlebt der Leser eine Geschichte wie ein Märchen aus 1001er Nacht. Es ist orientalisch, es ist exotisch. Die Farben, die Gerüche, die Klänge, das bunte Leben im damaligen Konstantinopel entstehen vor dem inneren Auge beim Lesen. Auf einer nächsten Ebene geht es in diesem Roman um die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Türkei, die damals ein Verbündeter Deutschland war. Doch schnell spürt der Leser die Brisanz für das Hier und Jetzt. Lebten damals Christen, Moslems und Juden nebeneinander genauso wie Europäer, Syrer, Armenier und Kurden. So lassen uns die Nachrichten in den Medien glauben machen, dass ein solches Zusammenleben der unterschiedlichen Kulturen in der heutigen Zeit sehr schwierig ist. So stellt der Roman die Frage, warum das multikulturelle Zusammenleben in Deutschland immer noch als Gefahr denn als gesellschaftliche Bereicherung gesehen wird.

Jedoch sollte dieses Thema den Leser nicht davon abhalten, die abenteuerliche Geschichte von den beiden Freundinnen Elisa und Fatma zu lesen. Denn wie bei Peter Prange üblich, wird alles in eine spannende und unterhaltende Geschichte eingepackt.

Als die beiden Mädchen zehn Jahre alt sind, werden die Christin Elisa und die Muslima Fatma nach der Zerstörung ihres Dorfes entführt. Sie kommen in den Palast des herrschenden Sultans. Elisa wird als Sklavin für die niederen Arbeiten im Harem eingeteilt. Nicht nur, weil sie Christin ist, sondern auch ihre weniger eleganten Gesichtszüge sind Ursache dafür. Ganz anders hingegen ihre Freundin Fatma, die nun nach mehreren Jahren im Harem Fatima genannt wird. Sie ist eine Schönheit, auch wenn nicht jeder dieses ebenmäßige Gesicht voller Anmut aufgrund des Schleiers zu sehen bekommt. Fatima schafft es, zu den Favoritinnen des Sultans aufzusteigen. Beinahe wird sie sogar eine Ehefrau des Herrschers. Wenn da nicht die Unruhen im Lande wären, und eine Widersacherin, die dem Sultan bereits einen Thronfolger geboren hat. Gerade als Fatima ihm einen zweiten Sohn schenkt und ihre Widersacherin scharfe Geschütze auffährt, wird der Sultan entmachtet und in die Verbannung geschickt. Nun wird es gefährlich für Fatima, ihren Sohn Merut und der Freundin Elisa.

Neben der Spannung in der Geschichte schafft es der Autor mit bildreicher Sprache (den Märchen aus 1001er Nacht entsprechend) das bunte Leben des Orients nachzuzeichnen. Intrigen, Verrat und Gemetzel lassen den Leser mit den Protagonisten mitfiebern, Sympathien und Antipathien für die Figuren stellen sich schnell ein. Gut und Böse lassen sich trotzdem nicht so schnell auseinander halten. Ganz nebenbei erfährt der Leser auf diese Weise um die politischen Zustände in der Türkei kurz vor dem ersten Weltkrieg. Für so manchen Leser mag sich ein "Aha" einstellen. Das ist sehr gut vermitteltes Allgemeinwissen ohne einen weithin sichtbar erhobenen Zeigefinger. Leseempfehlung erster Güte!
 

Prange, Peter
Der letzte Harem
Droemer Verlag, München
ISBN 9783426196571

© Detlef Knut, Düsseldorf 2016

Mittwoch, 8. Juni 2016

Abschiedskonzert von Kristina Herzog

Das hat Kriminalkommissar Alexander Rosenberg, 29, gerade noch gefehlt. Im Konzerthaus am Gendarmenmarkt ist eine junge rumänische Putzfrau über den Kopf des Hausdirigenten gestolpert. Der Rest des Herrn fehlt. Zusammen mit seiner neuen Kollegin Kathleen Neubauer beginnt Alexander Rosenberg in der Welt der Musik zu ermitteln...

Die Autorin nimmt mich in ihrem neuen Buch mit in die Welt der klassischen Musik. Hier hat sie sich eine spannende, interessante und ereignisreiche Geschichte ausgedacht, die für mich absolut authentisch rüber kommt.

Auch die Haupt-Protagonisten Alex und Kathleen gefallen mir sehr gut. Beide haben es in ihrem Privatleben nicht leicht und jeder hat sein Päckchen zu tragen. Ich bin in ihren Gedanken und Selbstzweifeln immer mittendrin. Aber auch wenn sie es noch so schwer haben, bei den Beiden stehen die Ermittlungen in einem nicht alltäglichen Fall immer im Mittelpunkt.

Aber auch die anderen Mitwirkenden sind nicht alltäglich, manchmal etwas speziell und auf jeden Fall interessant.

Ich habe mit ermittelt und auch wenn mein Täter schon früh für mich feststand, habe ich die Beiden ihre Arbeit machen lassen. Ich habe mich gefreut, wenn Alex und Kathleen mal wieder so richtig lachen konnten;  habe ich grfragt, was wohl Frau Wolf so schreibt; habe mit Kathleen als alleinerziehende Mutter mitgelitten, genauso wie mit der kleinen Tochter und dem kleinen Sohn des Toten ohne Kopf. Und ich war immer wieder froh, dass Alex doch so selbstbewusst seinen Weg geht, auch wenn ihm das sein Vater nicht zutraut.

Ich habe einen spannenden, interessanten und manchmal sehr emotionalen Krimi gelesen, der mir ein paar wunderbare Stunden Unterhaltung geschenkt hat. Ich habe das Lesen sehr genossen. 


Kristina Herzog
Abschiedskonzert

edition oberkassel Verlag, Düsseldorf
ISBN 9783958130258

bei Amazon kaufen

© Gaby Hochrainer, München 2017

Montag, 6. Juni 2016

Rita Falk - Leberkäsjunkie

Franz Eberhofer, eigentlich ins Kommissariat nach München versetzt, hat doch wieder in Niederkaltenkirchen zutun. Das Haus der Freundin seiner Oma, Liesl Mooshammer, ist  ausgebrannt. Dort findet man die Leiche einer jungen Frau. Und schon darf Franz in seinem Heimatdorf ermitteln.
Bei ihm persönlich hakt es an anderer Stelle: seine Cholesterinwerte sind viel zu hoch. Also heißt es erstmal: Leberkässemmel und Schweinsbraten adieu.
Und Langzeitfreundin Susi will mit ihrem gemeinsmen Söhnchen Paul auch nur einmal in der Woche beim Papa vorbeikommen.
Bei Franz ist also so einiges im Argen...

Franz Eberhofer ermiteln auch diesmal nicht allein. Sein Freund Rudi Birkenberger ist natürlich auch wieder mit von der Partie. Ein richtiges Ermittler-Dreamteam quasi. Bei den Dialogen der Beiden haben sich meine Mundwinkel immer wieder nach oben gezogen. Genauso witzig finde ich jedesmal das Auftreten von Oma Eberhofer. Für mich ist sie der eigentliche Star jeder Geschichte in und um Niederkaltenkirchen. Liesl Mooshammer, das zweite Opfer in diesem Buch, hat mich nicht so überzeugen können. Aber da sie nun auf Kreuzfahrt geht, wird sie wahrscheinlich auch nicht mehr so bald erscheinen. Ansonsten ist es für mich immer wie ein Besuch bei Freunden, die ich so richtig ins Herz geschlossen habe, wenn ich lesenderweise nach Niederkaltenkirchen komme.

Als großer Eberhofer-Fan war ich allerdings von dieser Geschichte etwas enttäuscht. Die Spritzigkeit, der Pointenreichtum, das Unerwartete - das alles hat mir hier etwas gefehlt. Dafür wird die Ausdrucksweise etwas derber, was nicht so meins ist.
Der Kriminalfall dümpelt so vor sich hin, bis er plötzlich und für mich etwas unerwartet, aufgelöst wird.
Auch in der Bezieung von Franz und seiner Susi - jetzt ja zusammen mit Söhnchen Paul - fehlt mir ein kleines bisschen Pep.

Hilfreich für der bayerischen Sprache nicht mächtige ist das Glossar am Ende des Buches. Und auch die anschließenden Rezepte von Oma Eberhofer muss ich unbedingt ausprobieren. Beim Kaiserschmarrn läuft mir das Wasser im Mund zusammen.

Obwohl ich von diesem Buch nicht ganz so begeistert bin, warte ich schon heute sehnsüchtig auf den neuen Fall, in dem Franz Eberhofer
ermitteln muss.
Falk, Rita
Leberkäsjunkie
dtv, München
ISBN 9783423260855

Sonntag, 5. Juni 2016

Debbie Macomber: Winterglück

Die an der Ostküste und in Florida lebende Schrifstellerin Debbie Macomber hat mit "Winterglück" (Originaltitel: "The Inn at Rose Harbour") einen weiteren schönen Wohlfühlroman vorgestellt. Die Protagonistin Jo Marie Rose hat ihren Mann Paul in Afghanistan verloren. Ein kleines Erbe und der Verkauf, des mit Paul erworbenen Hauses reichen, damit sie einen neuen Anfang wagen kann. Sie zieht in den beschaulichen Küstenort Cedar Cove und wagt sich an die Eröffnung eines Bed & Breakfasts, welches sie Rose Harbour Inn nennt. Bald schon kommen die ersten Gäste, Abby Kincaide und Joshua Weaver. Schnell merkt Jo Marie, dass beide Gäste nicht ganz freiwillig in Cedar Cove sind. Sie tragen schwer an ihrem Gepäck und ihnen steht ein turbulentes Wochenende bevor. Wird alles gut gehen?

Macomber hat diesen Roman als Episodenroman angelegt. Die Gäste der Pension kennen sich nicht und jeder hat eine andere Last zu tragen, mit der sie in den kleinen Ort gekommen sind. Drumherum wird die Geschichte von Jo Marie erzählt. Somit erfährt der Leser drei unterschiedliche Geschichten in diesem Roman. In jeder dieser Geschichten stellt sich die Frage, wie sie wohl ausgehen mag. Damit wird der Leser mit drei sehr unterschiedlichen Protagonisten konfrontiert. Jede Geschichte wird aus einer anderen Perspektive erzählt. Während die von Jo Marie in der ersten Person aus der Sicht von ihr selbst erzählt wird, werden die anderen beiden Geschichten von einer dritten Person erzählt. Nicht von Jo Marie, denn sie ist nicht in allen Momenten anwesend.
Nicht besonders schön fand ich die ständigen Wiederholungen im Text. Die Schriftstellerin scheint ihren Lesern nicht zuzutrauen, dass sie sich an eine Tatsache auch nach 50 oder 200 noch erinnern können. Wenn eine Figur einmal als böswillig beschrieben wird, dann muss dieses nicht alle zwanziug Seiten wiederholt werden. 

Ein schöner Roman zum Entspannen, den man einfach so weglesen kann, ohne sich viel Gedanken um das Weltgeschehen machen zu müssen. Liebhaber von Nora Roberts werden auch diesen Roman mögen.


In derselben Reihe:
- Frühlingsnächte
- Sommersterne
- Herbstleuchten


Macomber, Debbie
Winterglück
Aus dem Amerikanischen von Nina Bader
Blanvalet Verlag, München
ISBN 9783734102493

© Detlef Knut, Düsseldorf 2016