Montag, 30. Mai 2016

Sandra Dünschede - Friesenmilch

Der Allgemeinmediziner Dr. Scholz wird bei ihren Reinigungsarbeiten von seiner Putzfrau gefunden. Schnell stellt sich heraus, dass es der letzte Jogurt war, der dem Mediziner zum Verhängnis wurde. Mord oder Selbstmord? Als dann auch noch eine ältere Dame an ihrem letzten Quark verstirbt, stehen Kommissar Dirk Thamsen und sein Team lange vor einem Rätsel.

Kommissar Thamsen, Ansgar Rolfs und die Freunde Tom und Haie lerne ich bei diesen Ermittlungen erst kennen. Und auch, wenn ich die anderen Fälle mit ihnen zusammen nicht gelöst habe, habe ich nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Hier und da kommen zwar kleine Anspielungen vor, die sich auf früher beziehen. Bei mir steigert das nur die Lust, diese auch noch zu lesen.

Die Protagonisten stehen voll im Leben mit ihren kleinen und großen Problemen und ich lese auch immer wieder gern, dass auch Kommissare ein Leben neben der Arbeit haben. Hier geht es noch privater zu, da auch zwei Freunde von Thamsen in die Ermittlungen mit einbezogen werden.
Der friesische Dialekt, der immer wieder mal einfließt, ist sogar für mich aus dem Süden der Republik leicht zu verstehen. Das gibt der Geschichte noch mehr regionalen Anstrich.

Sehr gut gefallen mir auch die Landschaftsbeschreibungen, die wirklich Lust machen, dieses Stückerl Deutschland auch mal näher zu betrachten. Da kommt es der Lektüre schon sehr zugute, dass sich die Autorin in der Gegend bestens auskennt und auch den ein oder anderen Ausflugstipp geben kann.

An dem Fall selbst hatte ich schon zu knabbern. Viele Personen, die ein Motiv haben könnten; Motive, die immer wieder ins Leere laufen; Ermittlungen, die nicht richtig Fahrt aufnehmen; ein Spannungsbogen, der sich langsam aufbaut, aber immer wieder zusammenfällt; und ein Schluss, den ich doch etwas unbefriedigend finde. Schade, da hatte ich mir mehr erwartet.

Insgesamt wurde ich jedoch von dem Krimi sehr gut unterhalten. Es war bestimmt nicht der letzte Fall, den ich von Thamsen nochmal aufrollen werde.
Dünschede, Sandra
Friesenmilch: Ein Fall für Thamsen & Co.
Gmeiner Verlag, Meßkirch
ISBN 9783839218341

Sonntag, 29. Mai 2016

Mario Giordano: Tante Poldi und die Früchte des Herrn

Isolde Oberreiter, genannt Tante Poldi, hat sich mit ihrem bayerischen Temperament auf Sizilien niedergelassen. Als plötzlich nicht nur in ihrem Domizil das Wasser ausbleibt, der kleine Hund ihrer Freundin Valerie vergiftet wird und auch noch zwei Morde geschehen, fühlt sie sich berufen, ihrem Freund und Liebhaber Commissario Vito Montana bei den Ermittlungen behilflich zu sein...

In der zweiten Geschichte, in die ich mich auch ohne Kenntnisse des ersten Buches gut hineingefunden habe, stellt der Autor Tante Poldi noch die traurige Signorina und den Padre zur Seite, die ihr bei den Ermittlungen hier und da behilflich sind. Die Protagonisten empfinde ich allesamt als etwas schräg und ungewöhnlich, was mich bei manchen Aktionen hier und da zum Schmunzeln gebracht hat. Einiges wirkt durch die Skurilität aber auch etwas unwahrscheinlich und fürmich nicht nachvollziehbar.

Der Schreibstil liest sich flüssig, sehr leicht und spiegelt sehr gut das leichte Lebensgefühl Siziliens wieder. Allerdings bergen die Erzählungen des Neffen, aus dessen Sicht die Geschichte geschrieben ist, immer wieder Längen, die die Spannung, wenn sich mal welche aufgebaut hat, in sich zusammen fallen lässt. Ich hatte zwar einen witzigen Krimi erwartet, aber der Klamauk ist mir dann doch etwas zuviel.

Besonders gut gefallen mir die detailreichen Beschreibungen der Landschaft. Auch wenn Onkel Martino erzählt, bin ich mttendrin.

Wer einmal eine ganz neue und andersartige Ermittlerin sucht, die immer wieder für Lacher in einer superwitzigen, manchmal klamaukigen Geschichte sorgt, der ist hier genau richtig.
Mein Fall ist das leider nicht.
Giordano, Mario
Tante Poldi und die Früchte des Herrn
Bastei Lübbe, Köln
ISBN 9783431039481

Nic Pizzolatto: Galveston

Es ist der Debütroman des Autors der amerikanischen Serie "True Detectives", der eine spannende Geschichte aus dem Milieu der Verbrechen schildert und dennoch kein Kriminalroman ist. Im Mittelpunkt steht der Geldeintreiber und Killer Roy Cady, wegen seiner hünenhaften Erscheinung Big Country genannt. An dem Tage, als er von seinem Arzt erfährt, dass er wegen Lungenkrebs bald sterben wird, wird er von seinem Chef zu einem Auftrag geschickt, soll dieses Mal aber keine Schießeisen mitnehmen. Als er mit seinem Kollegen Angelo dort eintrifft, wo sie das Geld einkassieren sollen, treffen sie den Mann tot an. Im selben Moment werden sie beide angegriffen, es wird auf sie geschossen. Während Angelo tödlich verletzt wird, erledigt Big Country die unbekannten Gegner, wird selbst verletzt und trifft in dem Chaos auf eine junge Frau, die vor lauter Angst nur so schlottert. Bog Country vermutet, dass er selbst in eine Falle gelockt wurde und nimmt sich in der ersten Reaktion der jungen Frau mit Namen Raquel, genannt Rocky, an. Die erkennt ihre Chance, zusammen mit ihrem "Retter" aus ihrem beschissenen Verhältnissen zu fliehen. Alle Versuche Roy Cadys, Rocky wieder loszuwerden, scheitern. Sie hängt sich wie eine Klette an ihn, erzählt ihm eine neue rührselige Geschichte nach der anderen. Weil Big Country weiß, dass er nicht mehr lange zu leben hat, zählt für ihn nur eines: Rocky und sich außer Reichweite seines Chefs zu bringen und sich dann an diesem zu rächen. Denn nur der kann ihn in die Falle gelockt haben.

Pizzolatto hat diesen Roman aus der typischen Ich-Perspektive eines Privatdetektivs erzählt. Zwar ist der Protagonist kein solcher, aber er ist ähnlich heruntergekommen, fühlt sich ähnlich schlecht, sehnt sich nach einer Familie und hat den Rest durch die Todesnachricht seines Arztes und den Anschlag auf ihn bekommen. Er ist ein Verlierertyp durch und durch (In Hollywood wäre aus meiner Sicht Tommy Lee Jones der geeignete Schauspieler, aber ich habe ja keinen Einfluss auf ein Casting.), der aus seinem Leben erzählt. Das ist stimmig und überzeugt. Die ungewöhnliche Figur des Protagonisten hat darüber hinaus ihren besonderen Reiz und bricht jedes Klischee. Aber auch Rocky, die als freche Rotznase in die Szenerie einsteigt, wird wachsen und versuchen, ihrer Verliererrolle zu entkommen.

Die raffinierte Montage der Geschichte, die Ende der 1980er Jahre beginnt und zwölf Jahre später endet, schafft einen besonderen Spannungsbogen. Die Frage, ob man einen Killer mögen kann, stellt sich gar nicht. Ein sehr zu empfehlender Roman.

Pizzolatto, Nic
Galveston
Aus dem Amerikanischen von Gunter Blank
blanvalet Verlag, München
ISBN 9783734101816

© Detlef Knut, Düsseldorf 2016

Dienstag, 24. Mai 2016

Killgame von Andreas Winkelmann


Ein junges Mädchen wird seit Tagen gefangen gehalten. Wo genau sie sich befindet, weiss sie selber nicht. Doch es ist dunkel, kalt und sie hat Angst. Plötzlich wird die Luke zu ihrem Verschlag geöffnet und jemand wirft ihr Kleidung nach unten. Um genau zu sein: Laufkleidung. Shorts, ein grelles Top und gute, genau passende Laufschuhe.
Natürlich denkt das Mädchen nicht lange nach und kleidet sich an. Zu lange war sie nackt. Sie steigt aus der Luke in die Freiheit. Sie bewegt sich fort von ihrem Gefängnis. Sie beginnt zu laufen. Mitten in den Wald hinein. Sie fragt sich, ob man sie entkommen lässt. Doch dann verfehlt sie der erste Pfeil nur um Haaresbreite. Sie läuft weiter, rennt um ihr Leben ….
***
Andreas Winkelmann liefert hier bereits seinen zehnten Roman ab. Für mich ist es nach „Die Zucht“ erst der zweite, den ich von ihm lese.
Der Autor verfasste einen rasanten Thriller, der den Leser in die Wälder Kanadas entführt. Dries Torwellen, ein ehemaliger Polizist und heute Expendable, arbeitet als Privatermittler. Er findet die, die niemand findet. Selbst die, die nicht gefunden werden wollen. Als seine Nichte Nia spurlos verschwindet, schwört er sich, die Tochter seiner Zwillingsschwester zu finden ...
Erschienen als Klappenbroschur
(lt. Verlagsseite Hardcover?)
im Wunderlich Verlag
insgesamt 427 Seiten
Preis:  14,99 €
ISBN: 978-3-8052-5080-1
Kategorie: Thriller
© Buchwelten 2016


Sonntag, 22. Mai 2016

John Katzenbach: Der Sumpf

In diesem Roman des Meisters des Psychothrillers geht es um einen Todeskandidaten Bobby Ferguson. Als Student ist er in den Strudel der Justiz geraten und zum Tode verurteilt worden. Er versucht alles, um der Todeszelle zu entfliehen. Dabei steht in seinem persönlichen Drehbuch auch der Journalist Matt Cowart. Ferguson ist davon überzeugt, dass dieser Journalist dazu in der Lage ist, seinen Fall wieder neu aufrollen zu lassen. Matt nbeißt an, beginnt zu recherchieren und schreibt seine Artikel, schreibt von Verfehlungen der Ermittler und der Behörden. Doch Matt ahnt zu diesem Zeitpunkt nicht, auf was er sich da wirklich eingelassen hat und wie tief er in den Sumpf gerät.

Katzenbach versteht es wie kaum ein anderer, die Spannung aus dem Inneren heraus kommen zu lassen. Immer wieder werden Zweifel gesät an dem, was gesprochen wird. Matt Cowart interessiert sich in seiner Eigenschaft als Reporter für sehr viele Menschen aus dem Umfeld des Todeskandidaten. Doch er spürt, dass ihm immer wieder Lügen aufgetischt werden. Ob das die Polizisten sind, die damals ermittelten, oder Verwandte der Verurteilten, oder Mitinsassen des Staatsgefängnisses. Seine Vermutungen zum Tathergang des Falles, wegen dem Ferguson verurteilt wurde, bekommen durch diese Lügen immer wieder einen Knacks. Dadurch gewinnt der Roman einen ungeheuren Sog, der dafür sorgt, dass er kaum aus der Hand gelegt werden kann.

Dem Leser wird eine ungewöhnliche Verbrecherjagd geboten, bei der er nicht weiß, ob da nicht vielleicht ein Geist gejagt wird. Der Egotrip einzelner Leute ist gepflastert mit jede Menge falscher Fährten.

Katzenbach, John
Der Sumpf
Aus dem Amerikanischen von
Anke und Eberhard Kreutzer
Droemer Knaur Verlag, München
ISBN 9783426513415

© Detlef Knut, Düsseldorf 2016

Freitag, 20. Mai 2016

Susanne Rößner - Nur einen Sommer lang

Die Versicherungsangestellte Laura Wagner, 33, aus Berlin bekommt Post von einer Rechtsanwaltskanzlei in München. Als sie nach langem Zögern den Brief zusammen mit ihrer Freundin Helene öffnet, kommt sie aus dem Staunen nicht mehr raus: Sie ist als Alleinerbin einer Freundin ihrer verstorbenen Oma eingesetzt worden und bekommt das Erbe aber nur, wenn sie für ein halbes Jahr in der Almhütte lebt, die ebenfalls zum Erbe gehört. Nach langem Hin und Her entschließt sie sich, die Hütte wenigstens mal anzuschauen und das Almleben zu versuchen. Dass sich damit ihr ganzes Leben ändern wird, das ahnt sie da noch nicht...
Da ich die Gegend rund um Tegernsee und Schliersee recht gut kenne, habe ich es genossen, mit Laura hier auf Entdeckungstour zu gehen. Und ich habe den Eindruck gewonnen, dass sich auch die Autorin hier sehr gut auskennt. Für Nichtkenner sind die äußerst farbig und vielfältig beschriebenen Landschaftsbilder bestimmt ein Anreiz, dieses wunderschöne Fleckchen Erde auch einmal zu besuchen.
Genauso so vielschichtig und mit ihren kleinen und großen Macken, aber auch ihren liebenswerten Seiten ausgestattete Protagonisten, lassen mein Kopfkino ab der ersten Seite flimmern. Besonders Laura und Anton haben sich schnell in mein Herz geschlichen. genauso wie die Mitglieder der "Feuerwehr" aus Berlin.
Um so geschockter war ich über das Ende der Geschichte, das ich so nicht erwartet habe. Die ganze Geschichte ist aber auch mit diesem Ende absolut rund und eindrucksvoll geschrieben. Ich habe mit den beiden Hauptprotagonisten mitgefiebert und mit gelitten und war vollkommen drin in diesem Teilzeitleben auf der Alm. Der Schreibstil ist flüssig, gut zu lesen und hat einiges an Emotionen in mir geweckt. Mal wieder ein Buch, das ich kaum aus der Hand legen konnte.
Hier und da war mir die Geschwindigkeit des Geschehens allerdings etwas zu hoch, was dann das gerade Geschehene für mich etwas unglaubwürdig erscheinen lässt.
Alles in allem habe ich einen wunderschönen Liebesroman gelesen, der so ganz anders als gemeinhin ausgeht. Ich hatte einige sehr schöne, manchmal etwas traurige Lesestunden und kann dieses Buch nur empfehlen.
Rößner, Susanne
Nur einen Sommer lang
Piper Verlag, München
ISBN 9783492309028

Sonntag, 15. Mai 2016

Das Geheimnis des Schneemädchens von Marc Levy

Suzie Baker (Walker) will unbedingt das Ansehen ihrer Großmutter wieder herstellen, die vor 40 Jahren des Landesverrats angeklagt werden sollte, aber kurz davor verschwand.
Der Journalist der New York Times Andrew Stilman wittert hier die Chance für die Geschichte seines Lebens...


Gleich im Prolog erfahre ich von einem Flugzeugabsturz im Montblanc Felsmassiv vom Januar 1966. Bereits hier setzt die erste Spannung ein.

Dann lerne ich Suzie Baker kennen, die zusammen mit ihrem Bergführer und Freund Shamir im Montblanc Massiv klettert und in einer Höhle nach dem 1966 abgestürzten  Flugzeugwrack sucht. Bei dieser Suche kommt ihr Freund ums Leben. Hier habe ich mit den Beiden mitgefiebert und mit gelitten. Ich war mit ihnen im Eis gefangen.

In einer Bücherei beginnt dann die eigentliche Geschichte, in der Suzie und Andrew die Hauptrollen spielen. Beide haben ihre Vergangenheit, die ich hier Schritt für Schritt kennenlerne. Ich kann aber nicht sagen, dass sie mir ans Herz wachsen. Sympathie ja, aber beide bleiben für mich irgendwie unnahbar. Besonders bei Suzie geht es mir so, dass ich keinen Zugang zu der emotional sehr starken jungen Frau finde. 

Die Geschichte selbst ist äußerst spannend aufgebaut, wobei der Autor immer wieder Wendungen einbaut, die meine Gedanken in eine falsche Richtung laufen lassen. Allerdings lässt hier für mich die Spannung merklich nach, als sich die Sache zu einem politisch hoch brisanten Thema auswächst. Auch die verschiedenen Perspektivwechsel in denen andere Personen zur Sprache kommen und sich des Themas annehmen, lösen die Spannung etwas auf.

Der Schreibstil an sich gefällt mir gut und ich kann dem Geschehen, bis auf die hoch politischen Diskussionen, gut folgen.

Insgesamt habe ich ein spannendes Buch gelesen, dass gerade zum Schluss mit einer interessanten Auflösung aufwartet, mit der ich nicht gerechnet hatte.
Levy, Marc
Das Geheimnis des Schneemädchens
blanvalet
Verlag, München
ISBN 9783764505301

Schwindelfrei ist nur der Tod von Jörg Maurer

Bereits zum achten Mal ermittelt Kommissar Jennerwein mit seinen Mitarbeitern im wunderschönen bayerischen Ort mit Bindestrich, der namentlich nie erwähnt wird. Es könnte sich aber auch wirklich um jeden kleinen malerischen Ort im Werdenfelser Land handeln.
Zusammen mit seinem Team hat er diesmal sehr viel zutun: Der Hauptfall: Ein Heißluftballon ist verschwunden, und mit ihm 6 Passagiere und ein Unbekannter. Ausserdem holt Jennerwein aus dem Gefängnis einen Insassen ab, zu dem er eine ganz besondere Bindung hat.

Den Einstieg in das Buch finde ich absolut super. Hier werde ich mit dem Banküberfall mit Geiselnahme vom 04.08.1971 konfrontiert, den es in der Prinzregentenstraße wirklich gegeben hat. Ich lerne einige Personen kennen, die im Laufe der Geschichte wieder auftauchen.

Dann allerdings wird es für mich schwer, mich auf das Buch zu konzentrieren. Viele unterschiedliche Handlungsstränge, dauernd wechselnde Schauplätze, seine Crew, wo sich einige plötzlich sehr seltsam verhalten, sehr kurze Kapitel - das alles macht das Lesen für mich anstrengend.
Dazu einige sehr unrealistische Vorkommnisse, Kraftausdrücke, die ich so vielfältig nicht brauche und einige wenige gereicht hätten. Alles wirkt sehr übertrieben und aufgesetzt.
Leider leidet an diesem ganzen Sammelsurium auch die Spannung, die, kaum hat sie Fahrt aufgenommen, wieder in sich zusammen fällt.
Auch das Ende lässt mich sehr unbefriedigt zurück, da es an Aufklärung mangelt und ich den Eindruck hatte, hier musste jetzt endlich Schluss sein.

Es gab allerdings auch einige Szenen, bei denen ich grinsen bzw. auch mal laut lachen musste, die aber das ganze andere Chaos nicht beseitigen konnten.

Schade, so vielversprechend der Anfang war, so chaotisch kommt der Rest bzw. der Hauptteil des Buches daher.
Trotzdem bin ich gespannt auf den 9. Fall von Kommissar Jennerwein, bei dem ich hoffe, dass alles wieder etwas ruhiger und glaubwürdiger wird.
Maurer, Jörg
Schwindelfrei ist nur der Tod

Fischer Verlag, München
ISBN 9783651022355

Robert B. Parker: Verfolgt in Paradise

Ein weiterer Fall für Jesse Stone, dem Polizeichef von Paradise, einem kleinen Örtchen an der Ostküste, welches sich gerade mal zwölf Polizisten leisten kann. Jesse, der in den Verfilmungen von Tom Selleck gespielt wird, hat es dieses Mal nicht mit Mord und Totschlag zu tun. Seine Probleme sind zunächst die eines Provinzstädtchens. Eine Schulleiterin, die den kleinen Mädchen vor der Klasse unter die Röcke schaut. Angeblich weil sie will, dass die Mädchen darunter gesittet aussehen und sich nicht auf den Weg von Schlampen verirren. Parallel dazu werden Jesses Leute auf einen Spanner aufmerksam, der zunächst nur die Frauen bei Nacht durch deren Wohnungsfenster beobachtet und sich Nachtfalke nennt. Doch dann geht der Spanner auch noch weiter.

Der Roman lebt von den Dialogen. Es wird sehr viel geredet. Dabei fließen viele Anekdoten und Begebenheiten der vorhergehenden Romane ein. Das gibt dem Leser, der die vorhergehenden kennt (was aber kein Muss ist), das Gefühl, heimisch in einer Familie oder bei guten alten Bekannten zu sein. Die häufigsten Gesprächspartner sind die beiden Mitarbeiter Molly und Suit. Das Frotzeln untereinander nimmt kein Ende. Aber Jesse unterhält sich auch wieder mit seinem Psychiater Dix. In gewohnter Weise längt Jesse von seinem Alkohol- und Frauenproblem ab und benutzt Dix für seine aktuellen Ermittlungen. Die Art und Weise der Dialoge treibt dem Leser das Schmunzeln ins Gesicht.

Die deutsche Übersetzung steht dem Humor und der Ironie des Protagonisten in Nichts nach, wenn man davon absieht, dass Molly anfangs Kommissar und später Inspektor ist. Hier hätte wahrscheinlich der amerikanische Dienstgrad vollkommen ausgereicht.

Wie bereits erwähnt, ist es nicht notwendig, alle vorherigen Jesse-Stone-Romane zu kennen. In kurzen Absätzen und Stichworten wird alles Wichtige erwähnt und der Leser ist voll im Bilde. So erfährt er von dem Rauswurf Jesses bei der LAPD genauso wie von dessen Ex-Frau Jenny und einigen weiteren Liebschaften.

Die extrem knappen Beschreibungen und die ausgiebigen Wortwechsel schaffen ein Bild von der amerikanischen Kleinstadt  und dem pulsierenden Leben auf dem Polizeirevier, welches fesselt. Dass es dabei um kei9ne großen Mordsachen geht, dass Jesse dieses Mal ohne SEK und Schießen aus der Hüfte auskommt, stört gar nicht. Man liest die Gespräche, hört sie im inneren Ohr und hat das Gefühl, mitten unter den Figuren dabei zu sein und mitreden zu können.

Jesse Stone, ein Sympathiebolzen, von dem man gelesen haben muss.

weitere Besprechungen in diesem Blog:

Das dunkle Paradies

Eiskalt

Der Killer kehrt zurück

Tod im Hafen

Mord im Showbiz

Terror auf Stiles Island

Die Tote in Paradise





Parker, Robert B.
Verfolgt in Paradise
Aus dem Amerikanischen von Bernd Gockel
Pendragon Verlag, Bielfeld
ISBN 9783865325259

© Detlef Knut, Düsseldorf 2016

Sonntag, 8. Mai 2016

Minette Walters: Die Bildhauerin

Minette Walters arbeitete viele Jahre als Redakteurin in London bevor sie das fiktive Schreiben begann. Ihr erster Roman "Im Eishaus" wurde sofort zum internationalen Bestseller und als bestes Krimidebüt ausgezeichnet. Der vorliegende Roman "Die Bildhauerin" ist ihr zweiter Roman und erhielt den Edgar-Alan-Poe-Preis. Walters lebt mit ihrer Familie in Hampshire und ihre Romane spielen häufig in und um Southampton im  Süden Englands.
Als Bildhauerin wird die mehr als übergewichtige Oliv Martin im Gefängnis bezeichnet. Sie sitzt bereits seit fünf Jahren hier, weil sie gestanden hat, ihre Mutter und ihre jüngere Schwester in der Küche des elterlichen Hauses ermordet zu haben. Den Beinamen Bildhauerin hat sie von den anderen Gefängnisinsassinnen und Wärterinnen erhalten, weil sie Puppen aus Modelliermasse knetet und diese gelegentlich wie Voodoopuppen mit Nadeln durchsticht. Als Oliv vor fünf Jahren das Geständnis ablegte, gab es keine weiteren Tatverdächtigen ohne Alibi, deshalb waren die Ermittlungen schnell abgeschlossen und auch die Gerichtsverhandlung ging rasant über die Bühne. Allenfalls die Begleitumstände waren bemerkenswert da die 23jährige von Presse und Öffentlichkeit als Monster gebrandmarkt wurde, ihre Hässlichkeit aufgrund ihrer Leibesfülle passte geradezu perfekt zu der Grausamkeit der Tat.
Auch im Gefängnis ist sie so etwas wie eine Diva. Ihre Mitgefangenen trauen sich nicht, sie etwas härter anzupacken. Oliv hat sich damit eine Rolle zugelegt, mit der sie sich lästige Menschen vom Leib hält.

Die Journalistin und Schriftstellerin Rosalind Leigh hat von ihrem Verleger den Auftrag bekommen, ein Buch über einen bizarren Fall zu schreiben. Eigentlich widerstrebt es ihr, solch ein Auftragswerk zu schreiben, doch dann stößt sie auf Olive Martin und auf deren dunkles Geheimnis. Sie entdeckt immer mehr Ungereimtheiten, die so gar nicht zu dem ansonsten klaren Fall passen. Rosalind macht sich auf den Weg, deren Unschuld zu beweisen.
Doch bis zum Ende des Romans kann sich der Leser nicht sicher sein, ob die Beweiskette, die die Schriftstellerin aufstellt, lückenlos ist. Das wird immer wieder zwischendurch klar. Der Roman wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Über große Teile verfolgt der Leser die Handlungen der Schriftstellerin Rosalind und sieht alles aus mehreren Blickwinkeln. Er kann ihr dabei gut folgen und mit ihrer Meinung einhergehen. In dem Moment aber, wenn der Erzähler lediglich den Raum um die Bildhauerin ausleuchtet, wird ein komplett anderes Bild wiedergegeben. So verwundert es nicht, dass am Ende des Romans, der bis dahin einen glücklichen Verlauf nahm, dem Leser das Schaudern über den Rücken läuft.
Spannung pur mit interessanten Figuren, die erst zueinander finden müssen. Eine unterhaltsame Milieustudie aus den Arbeitervierteln der südenglischen Hafenstadt.

Walters, Minette
Die Bildhauerin
Aus dem Amerikanischen von Mechthild Sandberg-Ciletti
Goldmann Verlag
ISBN 9783442424627



© Detlef Knut, Düsseldorf 2016

Sonntag, 1. Mai 2016

Moni und Simon Reinsch: Moselruh


Moselruh, ein beschauliches Seniorenheim für Demenzkranke. An der Mosel gelegen, von Ordensschwestern geführt, ist dieser Ort eigentlich eine Idylle. Wenn da nicht eines Morgens der junge Pfleger Daniel tot aufgefunden worden wäre. Die Bewohner stört weniger der Tod des Pflegers, denn den bekommen viele gar nicht so richtig mit, als die Tatsache, dass sie nun nicht mehr von ihm betuttelt werden. Zu allem Überfluss ist ein Bewohner verschwunden. Während die Schwestern auf der Suche nach ihm sind, muss das Unglück mit dem Pfleger passiert sein. Deshalb erhält die hinzugerufene Mordkommission nur sehr spärliche Informationen rund um das Tatgeschehen. Die, die sich erinnern könnten, waren nicht da, und die anderen können sich nicht erinnern.

Als der entschwundene Bewohner wieder auftaucht, wird festgestellt, dass ein weiterer Herr abgängig ist. Mit großem Suchaufgebot wird bis nach Luxemburg hinein nach ihm gesucht. Schließlich ist er mit dem Tod des Pflegers verschwunden, könnte also ein tatverdächtiger sein.

Das Autorenduo hat einen charmanten Ermittlerkrimi vorgelegt. Mit viel Humor wird die Demenz anhand der Heimbewohner geschildert. Ein Schmunzeln lässt sich beim Lesen genauso wenig unterdrücken wie beim Umgang mit solch Betroffenen in der eigenen Familie. Die Polizei wird dabei gleich mit im Heim einquartiert. So gestalten sich die Ermittlungen leichter und es muss nicht immer zwischen Trier und Moselruh gependelt werden, zumal der eine oder andere Kollege hier im Heim seine Tante sehen kann.

Mit viel Detailtreue wird sowohl die Arbeit des Pflegepersonals als auch der Polizei ausgestattet. Als Leser bleibt man an der Geschichte, um auch die Rückkehr der Ausreißer erleben zu können. Dass man an der Klärung des Todesfalles interessiert ist, muss nicht betont werden. Schließlich müssen auch hier die falschen Fährten ausgeschlossen werden. Es bleibt bis zum Ende offen, ob es sich um einen Unfall oder einen Mord handelt.

Ein empfehlenswerter Roman mit Charme und Reiz.
Reinsch,Moni und Simon
Moselruh
KBV Verlag, Hillesheim
ISBN 9783954412549

© Detlef Knut, Düsseldorf 2016