Sonntag, 30. August 2015

Donna Leon: In Sachen Signora Brunetti


In diesem Jahr hat der Sommer endlich Deutschland erreicht und ich dachte mir, bei diesen sommerlichen Temperaturen, müsste ein Donna- Leon-Roman zum Wetter passen. Und richtig warְ’s.

Es beginnt mit dem Klingeln des Telefons am frühen Morgen. Brunetti wird nicht zum ersten Mal aus dem Schlaf geholt, wenn es um dienstliche Belange geht. Doch diesmal scheint ihm der Grund des Anrufers aus dem Präsidium etwas übertrieben: Es ist ein Akt von Vandalismus verübt worden. In einem Reisebüro wurden die Scheiben eingeworfen. Doch bevor sich Commissario Brunetti über diese Lappalie von nächtlicher Ruhestörung aufregen kann, muss er feststellen, dass der Täter kein kleiner Ganove ist. Sein Kollege aus dem Präsidium eröffnet ihm, dass es sich um eine Täterin, und zwar Signora Brunetti, handelt. Der Kommissar ist sprachlos. Auch ahnt er noch nicht, dass dies zu einem ausgewachsenen Konflikt mit seiner Frau werden kann. Doch sie hat für sich handfeste Gründe, die im Sextourismus begründet sind, warum sie das Reisebüro attackiert hat. Brunetti denkt im ersten Moment an den Skandal, den seine Frau damit hervorrufen kann und an seine Karriere, die damit wohl bei der Polizei beendet sein wird. Doch dann passiert etwas ganz Unvorhergesehenes: Der Inhaber des Reisebüros wird tot aufgefunden, der Mörder hat einen Bekennerbrief hinterlassen, in dem er sich gegen Pädophilie ausspricht. Für Signora Brunetti wird es eng.

In gewohnter Weise führt die amerikanische Schriftstellerin Donna Leon, die in Italien lebt, die Leser durch ihr Venedig. Neben dem Rätsel, welches es aufzuklären hilft, gestaltet sie die Familiengeschichte von Paula und Guido Brunetti und deren Kinder in geschickter Weise weiter. Der venezianische Kosmos um die Questura spart auch nicht die Konflikte aus, die Brunetti mit seinen Kollegen auszufechten hat, als da wären Scarpa oder sein Chef Vice-Questore Patta. Hilfe bekommt Brunetti von seinem Partner Sergente Vianello und von der liebreizenden Sekretärin des Vice-Questore, Signorina Elettra. Die Welt des Commissarion Brgunetti ist eine in sich abgeschlossene Welt, in denen immer wieder neue Figuren einbrechen und Unruhe stiften.

Donna Leon schafft es hervorragend, eine spannende Unterhaltungslektüre kreiren, die man sehr gerne gelegentlich zum Ausgleich in die Hand nimmt.

       
Leon, Donna
In Sachen Signora Brunetti
Aus dem Amerikanischen von Monika Elwenspoek
Diogenes Verlag
ISBN 9783257233117

© Detlef Knut, Düsseldorf 2015

Sonntag, 23. August 2015

Clive Cussler/ Justin Scott: The Thief



Clive Cussler hat in den USA als Autor von Abenteuerliteratur bereits Kultstatus erreicht. Von dem in Arozona lebenden Schriftsteller sind über 50 Bücher erschienen. Der in Connecticut lebenden Schriftsteller Justin Scott schrieb über 20 Romane. Cussler schreibt seine Romane grundsätzlich mit einem Co-Autor. Dabei bedient er beim Schreiben unterschiedliche Reihen. Der vorliegende Roman „The Thief“ (Der Dieb) ist einer aus der Isaac-Bell-Reihe. Dabei geht es um folgendes:

 Zwei europäische Wissenschaftler befinden sich auf dem Ozeanriesen „Mauretania“, welcher von Liverpool nach New York fährt. Die Wissenschaftler haben eine Technik erfunden, womit sie Bilder und Filme mit Ton versehen können. An Bord des Schiffes, auf welchem sich ca. 3000 Menschen befinden, wird versucht, die Wissenschaftler zu entführen. Es ist nicht klar, ob es nur eine Entführung sein sollte, oder ob sie getötet werden sollten. Isaac Bell, seines Zeichens Privatdetektiv von der größten amerikanischen Privatdetektei Van Dorn ist an Bord, um seine Verlobte zu heiraten. An seiner Seite auch sein Partner Archie. Mehr durch Zufall retten sie die beiden Wissenschaftler vor dem Anschlag und bekommen heraus, dass er auf die Krieg Rüstungswerke GmbH zurückgeht, der größte deutsche Rüstungskonzern. Zeitlich handelt diese Geschichte kurz vor dem Ersten Weltkrieg, tatsächlich zu der Zeit, als die Bilder laufen lernten. Der Rüstungskonzern, das Deutsche Reich und der bevorstehende Erste Weltkrieg bilden also den Hintergrund für diese Abenteuergeschichte.

Die Erfindung der Wissenschaftler scheint unheimlich wichtig für das deutsche Militär zu sein. Die Wissenschaftler waren bis zu diesem Zeitpunkt zu naiv. Zwar wollten sie bereits aus Deutschland mit ihrer Erfindung flüchten, weil sie dachten, in Amerika bessere Chancen besonders in Hollywood zu haben, aber sie hatten nicht erwartet, dass ihnen die Erfindung geklaut werden würde. Schon gar nicht, dass sie bei der Flucht in allerhöchster Gefahr sind und verfolgt werden. Weiter geht es in das Hollywood der Stummfilmzeit. Der Roman führt hervorragend in die Geschäftswelt von Hollywood zur damaligen Zeit ein. Er zeigt auf, welches Interesse die deutsche Rüstungsindustrie an den Möglichkeiten der sprechenden Bilder gewinnen konnte.

In der Taschenbuchausgabe ist der Roman bestens bebildert mit Illustrationen. Opulente große Schwarzweißgrafiken zeigen thematisch passend ein düsteres Bild von der Handlung. Die Ermittlungen der Privatdetektive führen immer wieder auf falsche Fährten, nicht zuletzt dank der hervorragenden Spionagetätigkeit deutscher Agenten.

Es macht Spaß, einen Abenteuerroman zu lesen, der in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und zudem in Hollywood spielt. Das Genre selbst bewegt sich zwischen Abenteuer, Historie, Krimi und Thriller.
       
Cussler, Clive; Scott, Justin
The Thief
Penguin Books
ISBN 9780425259290

© Detlef Knut, Düsseldorf 2015

Sonntag, 16. August 2015

Totengabe von Chelsea Cain (Gretchen Teil VI)


Archie ist gerade bei seiner geschiedenen Frau und den Kindern zu Gast, wo er  seinen Geburtstag feiert, als er die Mitteilung bekommt, dass einer seiner verdeckten Ermittler tot aufgefunden wurde. Die Spur führt relativ schnell zum bekannten Drogenboss Jack Reynolds, den Archie persönlich kennt. Denn Archie hat vor Jahren nach seiner vermissten Tochter gesucht und Archies “Freundin”, die Journalistin Susan Ward ist mittlerweile mit dessen Sohn Leo zusammen.
Archie soll bei einer Party von Reynolds teilnehmen, die dieser auf seiner Privatinsel veranstaltet, um Beweise zu suchen, die bei der Aufklärung des Mordes helfen sollen. Die Nacht endet in einem Desaster. Archie wird betäubt, wacht Stunden später verdreckt und total benebelt am Ufer auf, um zu erfahren, dass es einen weiteren Mord gegeben hat. Diesmal wurde eine junge Frau ermordet und der Mord trägt eine eindeutige Handschrift, nämlich die von Gretchen Lowell. Gretchen, nach wie vor auf der Flucht nach ihrem Ausbruch aus dem Gefängnis, scheint erneut in Archies Leben aufzukreuzen …

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Erschienen als Taschenbuch
bei blanvalet
insgesamt 480 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-442-38386-3
Kategorie: Thriller

© Buchwelten 2015

Sonntag, 9. August 2015

Elsebeth Egholm: Das nächste Opfer

Die Journalistin Dicte Svendsen und ihr Lebensgefährte Bo (Fotograf) werden aus dem Schlaf gerissen, weil der Pferdestall der Nachbarn in Flammen steht. Nicht weit entfernt, im Moor von Arhus, wird am folgenden Tag eine junge Frau tot aufgefunden. Sie wurde auf brutalste Weise ermordet. Es ist die Schwester der Nachbarin. Sie wurde offenbar gleich zweimal ermordet: mit dem Strick aufgehängt und mit einer Axt erschlagen. Kurze Zeit später wird eine zweite Leiche entdeckt. Auch hierbei handelt es sich um eine junge Frau, die in gleicher Weise ermordet wurde. Die Polizei geht davon aus, dass es sich um einen psychopathischen Serienmörder handelt. Neben der Polizei interessiert sich auch Dicte Svendsen als Journalistin für die Mordfälle. Nachdem sie einen Artikel darüber veröffentlicht hat, erhält sie per E-Mail eine Morddrohung.

Dieser skandinavische Roman fesselt nicht zuletzt wegen der vielfältigen Beziehungen seiner Figuren untereinander. Die Figuren sind keine losgelösten Individuen, sondern sie sind alle untereinander verbunden, was ein erhebliches Potenzial an Konfliktstoff aufweist. Zunächst einmal droht der Redaktion der Zeitung, für die Svendsen arbeitet, die Schließung bzw. die Entlassung einzelner Journalisten. Da wundert es nicht, dass ein Praktikant versucht, um den Platz, den Svendsen innerhalb der Redaktion innehat, kämpft. Doch mit seinen Artikeln schießt der Praktikant in seinem jugendlichen Alter gerne über das Ziel hinaus. Dann gibt es da Martin Wagner, den Leiter der Mordkommission. Svendsen von der Zeitung und Wagner von der Polizei haben ein durchaus sympathisches Verhältnis zueinander. Es ist aber nicht konfliktlos, denn der Kommissar ist geschieden und lebt mit der Freundin der Journalistin zusammen. Zu Recht nehmen er als auch seine Freundin Ida Marie wahr, dass auf Seiten von Dicte wohl ein kleines Fünkchen Eifersucht in die Freundschaft hinein spielt. Eifersucht auf Wagner kann es eigentlich nicht sein, denn sie selbst lebt ja mit dem Fotografen Bo zusammen. Aber Eifersucht auf das schöne Leben ihrer Freundin Ida Marie wäre denkbar. Schließlich muss der Leser feststellen, dass das Verhältnis zwischen Dicte und Bo auch noch nicht sehr gefestigt ist. Auch Bo schießt als Zeitungsfotograf über das Ziel hinaus und verletzt seine Freundin in einem Moment, in dem sie es nicht erwartet hat.

Zwischen all dem Beziehungsstress wird ermittelt. Da hat die Autorin ein ganz besonderes Beziehungsgeflecht zusammengestellt und die Ermittlungen werden nicht einseitig von der Journalistin oder von der Polizei geführt. Immer wieder greifen die Rädchen ineinander. Immer wieder werden neue Aspekte ins Spiel gebracht, so das der Leser stets gezwungen ist, die Situation neu zu überdenken, um neue Möglichkeiten für die Aufklärung des Falles in Betracht zu ziehen. Egholm hat eine hinreißende Vorlage für spätere skandinavische Krimis geschaffen. Nicht zuletzt durch das Vorkommen religiöser Glaubensgemeinschaften und Sekten scheint der Roman eine Vorlage für die Krimis von Jussi Adler-Olsen zu sein. Ruhig und beschaulich geht es in diesem Roman jedenfalls nicht zu. Obwohl man ihn zurückgelehnt im Sessel mit viel Spaß genießen kann.




       
Egholm, Elsebeth
Das nächste Opfer
Aus dem Dänischen von Hanne Hammer
btb, München
ISBN 9783442733736

© Detlef Knut, Düsseldorf 2015