Montag, 20. April 2015

Robert B. Parker: Mord im Showbiz

imageDer vorliegende Kriminalroman ist wieder ein Fall für Jesse Stone, der bei Pendragon erschienen ist. Erneut habe ich mich wohlgefühlt auf dem Revier von Paradise, der kleinen Stadt in Massachusetts, in der Jesse Stone Polizeichef ist, nachdem er wegen Alkoholmissbrauchs im Morddezernat von Los Angeles gefeuert wurde.

Im Paradise wird ein prominenter Talkshowmoderator tot aufgefunden. Schnell stellt sich heraus, dass es sich um Mord handelt. Die Prominenz dieses Fernsehmoderators erzeugt mächtigen Druck auf den Polizeichef Stone. Da sich der Moderator mit seiner spitzen Zunge nicht nur Freunde gemacht hat, ist das Medieninteresse riesengroß. Außerdem gehört er zum Freundeskreis des Gouverneurs, was zusätzlich Regierungsbeamte auf den Plan ruft. Als der Presserummel seinen Höhepunkt erreicht, wird eine weitere Leiche gefunden. Diesmal ist es ein junges Mädchen. Es stellt sich heraus, dass dies die neue Lebensgefährtin des Fernsehmoderators ist. Doch so sehr die Medien auch toben, Chief Stone ermittelt unbeirrt weiter und versucht nebenbei seine eigenen Probleme in den Griff zu bekommen.

Diesen Jesse-Stone-Krimi halte ich persönlich für den bislang Humorigsten dieser bei Pendragon erscheinenden Reihe. Dem Übersetzer Bernd Gockel ist es hervorragend gelungen, die Dialoge dermaßen ins Deutsche zu übertragen, dass sie der deutschen Umgangssprache bestens entsprechen, was dem Wortgeplänkel des Polizeichefs mit seinen engsten Mitarbeitern sehr entgegenkommt. Im Team bei den Ermittlungen sind dieses Mal wieder die beiden Polizeibeamten Suit und Molly. Beide Figuren spielen prinzipiell in allen Romanen mit, doch hin und wieder treten Sie komplett in den Hintergrund und sind nur Randfiguren. So nicht im vorliegenden Fall. Hier werden diese beiden Figuren wieder zu wichtigen Figuren neben Jesse Stone und zu Stichwortgebern für die Techtelmechtel auf dem Revier. Molly ist die einzige Frau auf dem Revier und so etwas wie eine Sekretärin oder ein Mädchen für alles. Sie hält ihrem Chef gerne den Rücken frei und springt auch an seine Stelle an die vorderste Front vor die Pressemeute. Suitcase Simpson ist ein junger aufstrebender Cop, der seinen Chef bewundert und ihm mit viel Engagement nacheifert. Die witzigen Dialoge zwischen diesen drei Figuren sind einfach köstlich. Suit, der in diesem Roman extrem darum bemüht ist, Kriminalkommissar im Revier zu werden (falls das Revier überhaupt einen Kommissar genehmigt bekommt) auf der einen Seite, und Molly, die sich zum x-ten Male mit ihrem Chef darin einig ist, dass sie sich beide lieben, aber eben auf ganz besondere Art.

Es ist schade das die Krimireihe aufgrund des Todes des amerikanischen Schriftstellers Parker auch in der deutschen Übersetzung demnächst ein Ende finden wird. Kein Ermittler macht mir so viel Spaß wie Jesse Stone, der in den Verfilmungen von Tom Selleck gespielt wird. Der vorliegende Roman ist ein weiteres Highlight aus dieser Reihe. Robert B Parker, der auch der Schöpfer des Privatdetektivs Spenser ist, hat mit Jesse Stone einen Cop geschaffen, der widersprüchlicher nicht sein kann.

Uneingeschränkte Leseempfehlung.

 

Parker, Robert B.
Mord im Showbiz
Aus dem Englischen von Bernd Gockel
Pendragon Verlag, Bielefeld
ISBN 9783865324474

© Detlef Knut, Düsseldorf 2015

Donnerstag, 16. April 2015

Golanhöhen von Marc-Oliver Bischoff


Gideon Richter, Ermittler der Frankfurter Kripo ist gerade zum ersten Mal Vater geworden. Gemeinsam mit Polizeipsychologin Nora Winter haben Sie einen kleinen Sohn, der beider Nerven sehr strapaziert. Während sich Nora Winter derzeit in Elternzeit befindet, muss Gideon sich trotz dem ganzen Stress auch nach wie vor auf seine Arbeit konzentrieren. Das fällt ihm in diesem Fall erst Recht nicht leicht, da die Leiche eines frisch entbundenen Säuglings in einer Müllverwertungsanlage auf einem Fließband gefunden wird.
Unmittelbar danach wird er zu einem weiteren Todesfall gerufen. Auf den ersten Blick hat sich die Tote selbst getötet. Ist vom Dach eines Hochhauses in den Golanhöhen gesprungen. Doch Jennifer Baur hatte bereits 10 Jahre wegen Kindstötung im Gefängnis verbracht und so liegt für Gideon der Verdacht nahe, dass diese beiden Morde miteinander in Verbindung stehen. Die Golanhöhen sind ein sozialer Brennpunkt in Frankfurt, hier leben die Menschen der untersten sozialen Kategorie und während seiner Ermittlungen findet Gideon Richter Hinweise darauf, dass Jennifer Baur keinen Suizid begonnen hat, sondern Opfer eines Mordes ist.
Gideon wird die Ermittlung an dem toten Säugling aus der Hand genommen, Befangenheit ist der Grund. Und zu viele emotionale Hindernisse. Das ist sicherlich absolut korrekt, Gideon passt das allerdings überhaupt nicht. Er ermittelt in seine Richtung weiter ….
Erschienen als Taschenbuch
im grafit-Verlag
insgesamt 412 Seiten
Preis: 11,99 €
ISBN: 978-3-89425-450-6
Kategorie: Krimi
© Buchwelten 2015

Mittwoch, 15. April 2015

Montag, 13. April 2015

Horst Ewert: Ostrin

clip_image002Bezeichnenderweise ist der Untertitel dieses Buches der erste Teil eines Zitates und lautet: "Wenn die Welt untergeht, empfiehlt es sich, nach Mecklenburg zu ziehen ..." Die Auflösung folgt dann gleich darauf auf der ersten Textseite: "... dort passiert alles hundert Jahre später." Für dieses Zitat hat Ewert keinen Geringeren als Otto Fürst von Bismarck bemüht und bringt mit dem Buch gleich eine ganze Reihe von Beispielen dafür, dass sich das bis heute nicht geändert hat. Um es vorwegzunehmen: Es ist eine Satire, ein amüsantes Stück Unterhaltung nicht nur für Mecklenburger, sondern auch für Rheinländer.

Ostrin ist ein kleines verschlafenes Dorf im Norden von Neubrandenburg. Der Name ist vom Autor frei erfunden, trifft die Mecklenburgischen Ortsnamen aber bestens. Das trifft auch für das acht Kilometer entfernt liegende Nachbardorf Torfgrund zu. Es ist die Zeit der Wende um 1990/1991. Das Leben in Ostrin zu Zeiten der DDR wird für das Verständnis der Leser angerissen. Muss es auch, denn wenn der Leser verstehen soll, wie die Mecklenburger ticken, braucht es ein bisschen Vergangenheit. In Ostrin wird ein Bürgermeister gesucht. Das war beispielsweise zu DDR-Zeiten anders. Da wurde einer von der Partei vorgegeben. Dessen Wahl war obligatorisch. Am Stammtisch in der Kneipe stecken wichtige Leute aus beiden Dörfern nach dem Fußballspiel die Köpfe zusammen und vereinbaren, in den westlichen Tageszeitungen zu inserieren, um für jedes der beiden Dörfer einen Bürgermeister zu finden. Jeder könne sich bewerben, heißt es im Inserat, die anschließende Wahl wäre eine Selbstverständlichkeit. Das Inserat wird von zwei Freunden in Nordrhein-Westfalen gelesen. Beide treffen sich ganz gerne in Leverkusen zum Kölsch und Altbier, denn einer wohnt in Köln, der andere in Düsseldorf. Beide sind Beamte und beschließen, eine Wochenendtour nach Mecklenburg zu machen, um sich die beiden Dörfer anzuschauen. Beide können sich vorstellen, einen Bürgermeisterposten zu bekleiden und so wird möglichst viel an diesem ersten Wochenende mit den Redelsführern der Dörfer ausgehandelt.

Geht es schon vorher in den Dörfern drunter und drüber, so passiert beim Aufeinandertreffen von "Ossis" und "Wessis" nichts anderes. (Diese Worte stammen jetzt vom Rezensenten, sie werden im Buch nicht ein einziges Mal verwendet!) Mit einem liebevollen Blick hat der Autor die Menschen beobachtet und beschrieben. Selbst im Nordosten Mecklenburgs aufgewachsen lebt er seit einigen Jahrzehnten in Düsseldorf und kennt alle menschlichen Eigenschaften der beschriebenen Figuren höchstpersönlich. Mit seinen zwei fiktiven Dorfgemeinschaften, die im entferntesten Sinne auch an die NDR-Fernsehserie "Büttenwarder" erinnern, bildet er mecklenburgische Dörfer und Menschen in der Nachwendezeit ab, die dort anzutreffen sind. Er zeigt auf humorige Art, wie die Dörfer ganz neu zu sich selbst finden mussten, welche Hürden sie nehmen mussten und dass nicht alles mit den arroganten Methoden mancher "Manager" aus dem Westen funktioniert. Immer wieder spielt dabei der Zwist zwischen Köln und Düsseldorf eine Rolle, wobei der rheinländische Karneval eine ebenso wichtige Rolle einnimmt.

Es macht Spaß, den beiden aus dem Westen zuzuschauen, während sie sich bemühen, die mecklenburgischen Dörfer auf Vordermann zu bringen.

 

Ewert, Horst
Ostrin
SPICA-Verlag, Neubrandenburg
ISBN: 9783943168457

© Detlef Knut, Düsseldorf 2015

Mittwoch, 8. April 2015

Revival von Stephen King


Jamie Morton ist 6 Jahre alt und lebt in einer glücklichen amerikanischen Familie bestehend aus seinen Eltern, seinen drei älteren Brüdern und seiner Schwester Claire. Jamie spielt gerade vor dem Haus auf der Straße mit seinen geliebten Spielzeugsoldaten, als er das erste Mal auf den neuen Reverend der Stadt, Charles Jacobs, trifft. Dieser ist selbst noch recht jung mit seinen 25 Jahren, als er die Pfarrerstelle antritt. Mit dabei seine junge Frau Patsy und der kleine Sohn Morrie (das Klettchen). Der Reverend und seine Familie sind bei allen sehr beliebt. Die Kinder gehen gern in die Jugendgruppe, wo Reverend Jacobs auch immer sein Hobby, die Elektrizität, zur Schau stellt und die Kinder und Jugendlichen zum Staunen bringt.
Als ein schrecklicher Unfall Jacobs seine Liebsten nimmt, fällt er quasi vom Glauben ab und in seiner letzten Predigt, verflucht er Gott bis aufs letzte und der Rauswurf aus der Gemeinde ist unvermeidlich. Jacobs verlässt die Stadt und Jamie verabschiedet sich als einziger von ihm.

Jamie ist mittlerweile Mitte 30, war Musiker in diversen Bands und ist schwer heroinsüchtig, als er auf einem Jahrmarkt in Tulsa erneut auf seinen alten Freund Jacobs trifft. Der verdient sich mittlerweile seinen Lebensunterhalt mit der Elektrizität. Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht und fasziniert seine Zuschauer mit besonderen Blitzportraits. Jamie bleibt eine Weile bei ihm, wird von seinem alten Freund sogar von seiner schweren Sucht geheilt. Dennoch ist Jacobs Jamie nicht geheuer. Irgendetwas hat der ehemalige Reverend an sich, dass Jamie Angst einflösst …

Erschienen als gebundene Ausgabe
im HEYNE Verlag
insgesamt 512 Seiten
Preis: 22,99 €
ISBN: 978-3-453-26963-7

© Buchwelten 2015