Dienstag, 31. März 2015

Mary Higgins Clark: Wintersturm

clip_image002Nancy Eldridge lebt seit sieben Jahren an der Ostküste der USA gegenüber von Cape Cod. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder, doch ob sie glücklich ist, ist nicht so leicht einzuschätzen. Denn dem Leser wird unmissverständlich klargemacht, dass Nancy hier an die Ostküste gezogen ist, weil sie vor sieben Jahren zwei Kinder verloren hat. Es war genau an ihrem Geburtstag, als ihre beiden Kinder spurlos verschwanden. Erst Wochen später wurden die Leichen aufgefunden und Nancy wurde in einem aufsehenerregenden Prozess des Mordes an ihren Kindern für schuldig gesprochen. Ihre Unschuldbeteuerungen hatte ihr keiner geglaubt. Dennoch kommt sie frei. Ein simpler Verfahrensfehler ist Grund dafür, dass sie auf freien Fuß gesetzt werden muss. Ihr Prozess hatte in den Medien hohe Wellen geschlagen. So verwundert es nicht, dass sie es nach diesem Prozess an der Westküste der USA nicht mehr aushält. Sie glaubt, mit ihrem Umzug an die Atlantikküste auch ihre Vergangenheit weit hinter sich lassen zu können. Da passiert an einem trüben Novembermorgen der schlimmste Albtraum für sie. Während Nancy oben im Haus die Betten macht, spielen die Kinder draußen im Garten. Als sie sie nach einer Viertelstunde hereinholen will, findet sie nur noch den Handschuh der kleinen Missy. Es scheint alles wieder von vorne zu beginnen.
Es beginnt das perverse Spiel eines Psychopathen, der die Kinder entführt hat und Nancy dafür büßen lassen möchte. Es scheint alles genauso abzulaufen wie vor sieben Jahren. Auch dieses Mal ist die Polizei der Ansicht, dass die Mutter ihre Kinder getötet hat. Hatte bislang keiner in diesem Örtchen gewusst um die Vergangenheit von Nancy, so wird diese jetzt schnell entdeckt. Die Leute reden über sie. Doch es gibt ganz wenige Menschen, die ihr nach wie vor zur Seite stehen.
In mehreren Parallelsträngen wird von den Ermittlungen genauso erzählt wie von den Machenschaften des Täters. Da zumindest der Leser jetzt weiß, dass Nancy dieses Mal nicht ihre Kinder entführt hat, mag er etwas Verständnis dafür aufbringen, dass sie vor sieben Jahren wohl recht gehabt hatte mit ihrer Unschuldsbehauptung. Ob dem aber wirklich so ist, wird sich herausstellen müssen.
In schnörkellosem Stil ist dieser Psychothriller geschrieben, mit dem sich die Schriftstellerin Mary Higgins Clark 1975 in die Bestenlisten hineinschrieb. Seitdem gilt sie nach wie vor als eine Meisterin des Psychothrillers. Oft sind typisch amerikanische Kleinstädte die Orte für ihre Romane.
Wintersturm liest sich schnell und bietet eine pure spannende Unterhaltung.

Higgens Clark, Mary
Wintersturm
Aus dem Amerikanischen von Heinz Rentmeister
Heyne, München
ISBN 9783453025103

© Detlef Knut, Düsseldorf 2015



Sonntag, 22. März 2015

Schattenboxer von Horst Eckert


In seinem zweiten Fall muss Vincent Che Veih den Mord an zwei jungen Mädchen aufklären. Das erste Mädchen wurde gerade beerdigt, als nur einige Tage später genau auf diesem Grab eine zweite Leiche abgelegt wird.
Für den Mord an dem ersten Mädchen sitzt der vermeintliche Täter bereits hinter Gittern, doch Veih stößt während seiner Ermittlungen tatsächlich auf Unstimmigkeiten und die Spur führt zu einem Kollegen. Veih geht dem nach und als der Fall durch den Staatsanwalt neu aufgerollt wird, drängt plötzlich die Zeit.
Veih hält sich in seinen Ermittlungen nicht im geringsten zurück, weil ein Kollege verdächtigt wird. Auch als seine eigene Mutter (mal wieder) ins Zentrum der Nachforschungen rutscht, macht Veih unbeirrt mit seiner Arbeit weiter. Er deckt Verbindungen und Machenschaften auf, die schon viele Jahre zurückliegen, an ihrer Brisanz allerdings nichts verloren haben.
Erschienen als gebundene Ausgabe
mit Lesebändchen
im Wunderlich Verlag (Rowohlt)
insgesamt 400 Seiten
Preis: 19,95 €
ISBN: 978-3-8052-5079-5
Kategorie: Thriller
© Buchwelten 2015

Mittwoch, 11. März 2015

Drood von Dan Simmons


Am 09. Juni 1865 rast der Tidal Train auf eine Baustelle zu, die Gleise wurden teilweise zur Reparatur entfernt, und es kommt unweigerlich zum Unglück. Der Zug entgleist und stürzt von der Eisenbahnbrücke in die Tiefe. Einzig ein Erster-Klasse-Wagon bleibt halb in den Gleisen hängen. In diesem Waggon sitzt niemand anderer als der damals schon sehr berühmte und angesehene Schriftsteller Charles Dickens. In seiner Begleitung die junge Schauspielerin Ellen Ternan und ihre Mutter. Mit der jungen Frau pflegt der berühmte Autor ein heimliches Verhältnis.
Charles Dickens klettert sogleich aus dem verunfallten Waggon und versucht, verletzte Passagiere zu retten und erste Hilfe zu leisten. Am Unglücksort trifft er auf einen äußerst mysteriösen Mann, der eine schwarzen Umhang und einen recht altmodischen Zylinder trägt. Das Gesicht des Mannes (?) ist auf unheimliche Weise entstellt: Die Nase fehlt fast gänzlich, die Augen sind lidlos und die Zähne eher spitze Dornen. Dickens unterhält sich während der Bergungsarbeiten mit dem seltsamen Mann, versucht zu erfahren wer er ist, wo er herkommt und wohin er reisen wollte. Der Mann stellt sich Dickens schlicht und einfach als DROOD vor und verschwindet auf genauso unheimliche Weise urplötzlich, wie er aufgetaucht ist. Er löst sich quasi in Luft auf. Dickens ist fest davon überzeugt, dass dieser DROOD kein Mensch, sondern der Tod in personifizierter Form ist.
Dieses Zugunglück verändert Charles Dickens auf drastische Weise. Hat er nicht nur fortan panische Ängste vor Zugfahrten und anderen Fortbewegungsmitteln, so ist er auch besessen davon, dieses unheimliche Wesen DROOD aufzuspüren. Dickens setzt alles daran DROOD zu finden, dazu begibt er sich in die dunkelsten Ecken der Stadt London, steigt sogar hinab in die düstere und sehr gefährliche Unterwelt der Stadt.
Immer mit an seiner Seite ist Wilkie Collins, Dickens’ Kollege, Mitarbeiter, Ko-Autor, guter Freund und Rivale. Collins ist überzeugt davon, dass das Zugunglück seinen Freund Charles Dickens in den Wahnsinn getrieben hat. Er begleitet ihn dennoch auf seiner unerbittlichen Suche in die Unterstadt und muss feststellen, dass Dickens, der lebensfrohe, lustige und immer angenehme Mann anscheinend auch über eine dunkle Seite verfügt ….
Erschienen als Taschenbuch
bei HEYNE
insgesamt 976 Seiten
Preis: 10,99 €
ISBN:  978-3-453-40806-7
Kategorie: Historischer Roman
© Buchwelten 2015

Sonntag, 8. März 2015

Jane Austen: Stolz und Vorurteil

imageAls Liebhaber von Südengland mag ich außer Reportagen fiktive Erzählungen aus und über diese Regionen. Jane Austen und die Brontë-Schwestern sind Schriftstellerinnen, an denen man nicht vorbei kommt. Deshalb bin ich erneut in das England des 18. Jahrhunderts eingetaucht.

Erzählt wird die Geschichte von Elizabeth Bennet, der zweitältesten von fünf Töchtern der Familie. Eines der wichtigsten sozialen Themen dieser Zeit ist die Einkommensicherung für die Kinder. Im Falle der Bennets, die nur weibliche Nachkommen haben, heißt das, die Töchter müssen möglichst gut verheiratet werden. Es dreht sich alles darum, die Mädels unter die Haube zu bringen. Das gestaltet sich mal mehr, mal weniger schwierig. Problematisch scheint es zu sein, die richtigen Männer zu finden. Denn auch diese sind in so manchem Fall auf eine gute Partie aus, weil sie selbst beispielsweise als Erstsohn alles Geld als Lebemann durchbringen oder als Drittsohn nicht viel von ihren Eltern erwarten können. Zwar steht Elizabeth im Fokus des Romans, doch viele unterschiedliche Varianten desselben Themas sind über deren Schwestern und Freundinnen erlesbar. Besonders schön an diesem Roman ist, dass Austen selbst in dieser Zeit gelebt hat und das Bild der Gesellschaft und des Leben auf dem Lande der leicht besser Begüterten kaum identischer sein kann.
Die Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Auch der Stil, den die Übersetzerin der Originalversion entnommen hat, ist passend getroffen. Aber die Übersetzung und der Satz schmälern das Lesevergnügen. An einigen Stellen sind Wörter gänzlich falsch übersetzt und lassen den Leser den Zusammenhang erraten, oder eben nicht.
Wenn ein Verlag glaubt, er müsse bei E-Books nicht auf Satz achten, um das Lesen für den Leser angenehmer zu machen, der irrt. Wenn mich nicht die Geschichte gepackt hätte, hätte ich das Buch so manches Mal beiseitelegen wollen. Selbst für 99 Cent kann man seine Leser vergraulen. Schade.

Austen, Jane
Stolz und Vorurteil
aus dem Englischen von Karin von Schwab
hummingbooks
Kindle Version

© Detlef Knut, Düsseldorf 2015