Freitag, 18. April 2014

Arno Strobel: Der Sarg

clip_image002In Köln treibt ein Serientäter sein Unwesen. Er entführt Frauen und begräbt sie lebendig in einem Sarg. Doch damit nicht genug: Er spielt mit der Polizei. Ergibt ihnen Hinweise. Doch sobald diese den Sarg gefunden haben, ist die Frau darinnen tot. Zur gleichen Zeit glaubt eine erfolgreiche Geschäftsfrau, Mitte Dreißig, ihrem Verstand anzweifeln zu müssen. Sie hat Gedächtnislücken und findet sich in mancher Situation wieder, ohne sich daran zu erinnern, wie sie in diese Situation gekommen ist, was sie in den Minuten oder Stunden zuvor gemacht hat. Immer wiederkehrend ist ein Traum, bei dem sie in einem Sarg aufwacht. Auch hier weiß sie nicht, wie sie in den Sarg hineingekommen ist. Doch wenn der Traum vorbei ist, liegt sie in ihrem Bett, mit Blutergüssen und Kratzern an ihrem Körper. Sie verzweifelt.

In diesem Psychothriller bekommt ein Team vom Kölner KK11 eine sehr harte Nuss zu knacken. Der Leser des Buches nicht minder. Allzu lose werden verschiedene Handlungsstränge zwischen die Seiten gelegt, bevor sich erst zum Schluss alles zu einem Ganzen zusammenfügt. Jeder Strang hält mögliche Motive und Täter bereit, die man als Leser gern in seine eigenen Überlegungen einbezieht. Was die Beschreibungen der Situationen im Sarg angeht, so möchte man glauben, Strobel hätte sich selbst probeweise in einem solchen einschließen lassen. So authentisch kommen die Ängste der Opfer beim Leser an. Die Spannung wird durch die diversen Stränge von vorne bis hinten gehalten, aber auch innerhalb eines Strangs. Das Buch lässt sich so kaum aus der Hand legen.

Ein Psychothriller mit hohen Rätselpotential. Allein dadurch schon lohnt es sich, ihn zu lesen.

 

Strobel, Arno
Der Sarg
S. Fischer, Frankfurt
ISBN 9783596191024

© Detlef Knut, Düsseldorf 2014

Mittwoch, 9. April 2014

Roter Mond von Benjamin Percy

Die jugendliche Claire Forrester erlebt ein ganz normales Teenager-Dasein mit “langweiligen Eltern”. Zumindest lebte sie in diesem Glauben, bis zu jenem Abend, an dem Agenten der Regierung die Türe ihres Hauses eintreten und ihre Eltern umbringen. Claire ergreift die Flucht und sie kann sich den Übergriff nur damit erklären, dass sie eine Lykanerin ist, ein Mensch, der außerdem das Wesen eines Wolfes in sich trägt. Die meisten Lykaner leben ein ruhiges, normales Leben, gehen ihren Jobs nach und unterdrücken das Virus durch Medikamente. Allerdings gibt es auch jene mit Beziehungen, die das Medikament nicht nehmen, dennoch “gute” Blutproen vorweisen können und aber weiterhin einen “klaren” Kopf haben, denn Volpexx macht u.a. träge und dösig.
Für Patrick Gamble steht ein Wandel an. Seit frühester Kindheit beim Vater aufgewachsen, muss er nun zu seiner Mutter umziehen, die er kaum kennt. In seiner frühesten Kindheit hat sie ihre Familie verlassen und Patrick hat keinerlei Beziehung zu ihr. Dennoch, der Umzug ist unausweichlich, sein Vater muss beruflich in die Republik. Ein Stück Land in dem die Lykaner leben und das durch die Regierung überwacht wird, weil es dort außerdem ein reiches Uranvorkommen gibt. Patrick, ein schüchterner junger Mann, steht urplötzlich im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Der Flug, der ihn zu seiner Mutter bringen soll, wird Opfer eines grausamen Terroraktes. Und Patrick ist der einzige Überlebende in diesem, von einem Lykaner überfallenen, Flugzeug.
Chase Williams, Gouverneur und Frauenheld, will politisch weiter hoch hinaus. Die Gefahr durch die Lykaner, den Widerständlern in deren Reihen, nutzt er geschickt aus, um seinen steilen Weg nach oben bis auf die oberste Stufe zu erklimmen. Dummerweise wird er plötzlich selbst infiziert und Chase Williams setzt alles daran, sein dunkles Geheimnis zu hüten …
Erschienen als gebundene Ausgabe
im penhaligon Verlag
insgesamt 640  Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-7645-3123-2
Kategorie: Fantasy / SciFi Thriller
Erscheinungstermin: 24. März 2014
© Buchwelten 2014

Donnerstag, 3. April 2014

Iny Lorentz: Die Wanderapothekerin

clip_image002Dieser Roman wurde vom Verlag als Experiment herausgebracht. Es gibt ihn in sieben Teilen inklusive des kostenlosen Prologes, wobei jeder Teil auch als abgeschlossene Geschichte gesehen werden kann. Natürlich gibt es wie aus Fernsehserien bekannt einen alles überspannenden roten Faden. Den erfährt der Leser auch immer wieder in jedem Teil. Lediglich die Auflösung dieses roten Fadens erfährt der Leser nur im letzten Teil beziehungsweise in der Gesamtausgabe, der ich mich gewidmet habe.

Dem Autorenpaar ist erneut eine fesselnde Geschichte gelungen, Ich habe nicht wenige Bücher von ihnen gelesen, muss jedoch sagen, dass mich dieses Buch besonders begeistert hat. Erzählt wird die Geschichte von Klara Schneidt aus Katzhütte, die eine schwere Aufgabe übernommen hat, um ihrer Familie zu helfen.

Doch die Geschichte beginnt zunächst mit einer Begegnung der Brüder Martin und Alois Schneidt. Beides sind Wanderapotheker, die im Auftrag eines Laboranten (auch als Salbenmischer bezeichnet) durch die deutschen Lande ziehen, um die Salben und Elixiere zu verkaufen. Martin Schneidt ist der Vater von Klara und als Handelsvertreter erfolgreicher als sein Bruder Alois. Das verwundert nicht, denn während er extrem sparsam reist, sich abends lieber mit einem Kanten Brot zufriedengibt, kommt Alois ohne Prassen nicht aus. Bei ihm muss es jeden Abend Braten und Wein sein. Er nächtigt in den Herbergen, während Martin in Scheunen auf dem Stroh liegt. Seit vielen Jahren reisen die Brüder und beginnen ihre Tour in Königsee, die dann nach vielen Monaten unterschiedlicher Wege kurz vor Zuhause in Gernsbach wieder zusammenläuft. Hier feiern sie meist gemeinsam das Ende ihrer Tour. Der eine sparsam, der andere prunkvoll. Vor Jahren hatten beide einen Schatz gefunden und brüderlich geteilt. Während Martin das Gold dieses Schatzes nie angerührt hatte, denn er meinte, es würde Unheil bringen, hatte Alois seinen Anteil für sein ausschweifendes Leben ausgegeben. Als sich Martin und Alois auch dieses Mal wieder treffen, möchte Alois, da er sehr knapp bei Kasse ist, dass sein Bruder den Schatz herausrückt und ihm erneut die Hälfte davon abgibt. Eigentlich sogar alles, denn der geizige Martin, würde das Gold eh nicht gebrauchen. Doch der will es nicht herausrücken. Kurzerhand erwürgt Alois seinen Bruder und kehrt allein nach Katzhütte und Königsee zurück. Den Schatz erhofft er sich von seiner Schwägerin Johanna zu bekommen. Für Martins Familie und alle anderen ist es zu der Zeit durchaus plausibel, dass der jemand nicht von seiner Wanderschaft zurückkehrt. Streifen doch marodierende Banden und Soldaten durch das Land. Was den Schatz angeht hört Johanna jedoch zunächst auf den Rat ihres ältesten Sohnes Gerold, später dann auf den ihrer Tochter Klara.

In den Hauptfiguren ist Gut und Böse sofort zu erkennen. Dem Leser fällt es leicht, sich für die eine oder andere Seite zu entscheiden. Bei den Figuren, die in den einzelnen Abenteuern, welche in jedem Teil bestritten werden, eine Rolle spielen fällt es nicht ganz so leicht. Da wird der Leser schon mal mit einer Charakterisierung auf die falsche Fährte geführt. Diese Abenteuer, die sich der Wanderapothekerin in den Weg stellen, sind vielseitig. Mal hat sie es mit ruchlosen oder hinterhältigen Adeligen zu tun, mal muss ein Mensch aus einer Notlage befreit werden, mal handelt es sich auch um einen Kriminalfall, den es zu lösen gilt. Bei allem bleibt dem Leser im Hinterkopf aber Alois' Jagd nach dem Schatz einerseits und andererseits die Frage nach dem "Wer bekommt wen?" in Sachen Romantik, denn ohne Liebegeschichte wäre ein solcher Roman nur halb so gut.

Ich halte die Gesamtausgabe für sehr empfehlenswert. Denn wenn man gefesselt wird von der Geschichte, dann will man auch alle Teile lesen. Man lernt anregende Figuren kennen und kann spannenden Abenteuern folgen. Ein Muss für Leute, die Geschichten lieben.

 

Lorentz, Iny
Die Wanderapothekerin
Knaur, München
ISBN 9783426424407

© Detlef Knut, Düsseldorf 2014