Mittwoch, 27. Februar 2013

Ken Follett: Der Schlüssel zu Rebecca

image Wir befinden uns in Nordafrika zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges. Rommels Armee bringt seit einiger Zeit die Engländer in größte Bedrängnis. Der deutsche Agent Wolff, der halb Araber und halb Deutscher ist, kehrt nach Kairo zurück, um eine gesicherte Position im Untergrund einnehmen zu können. Er ist davon überzeugt, dass es Rommel mit seiner Truppen gelingen wird, Ägypten von den Alliierten zu befreien. Bei seiner Einreise in die Wüste ist ihm allerdings ein erster Fehler unterlaufen. Er musste einen Menschen töten. Deshalb wird er von Beginn an gejagt. Obwohl keiner weiß, wer der Mörder ist, wird Alex Wolff das Gefühl nicht los, dass man ihm auf den Fersen ist. Parallel dazu arbeitet Vandam von der britischen Spionageabwehr auf Hochtouren, um deutsche Spione in Nordafrika auszuschalten. Schnell erkennt Vandam, dass ein von ihm aufgespürter Spion höchstwahrscheinlich der gesuchte Mörder ist. Es beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel auf hohem Niveau.

Die Rollen des Jägers und des Gejagten wechseln ständig ab. Sie sind keineswegs so klar verteilt. Der Zweite Weltkrieg in Nordafrika ist die Kulisse für diese Hetzjagd zwischen Wolff und Vandam. Beide sind mit ziemlich harten Wassern gewaschen und wissen sich im Lande zu bewegen. Beide versuchen über Frauen an die Informationen des jeweils anderen heranzukommen. Follett hat ein interessantes taktisches Spiel zwischen den beiden Kontrahenten aufgebaut. Mit detailgenauer Beschreibung der Verhältnisse in Ägypten von 1942 wird dem Leser ein Hauch von "Casablanca" vermittelt. Voller Spannung verfolgt der Leser das Wechselspiel der beiden Kontrahenten. Ein wenig zu kurz gekommen ist eine tiefergehende Charakterisierung der beiden Menschen Wolff und Vandam. Zwar „menschelt“ es bei dem Offizier der Spionageabwehr etwas mehr, unter anderem auch dadurch, da er alleinerziehender Vater eines kleinen Sohnes ist. Dennoch stellt sich kein Gefühl großer Sympathie für diesen Protagonisten ein. Andererseits wird die Schlechtigkeit des Deutschen Spions Wolff von Anfang an immer wieder betont und obwohl man ihm zugestehen muss, dass er offenbar sehr clever bei seiner Arbeit vorgeht, ist diese Person allerdings auch kein Sympathieträger oder auch kein so zutiefst verabscheuungswürdiger Mensch. In der Charakterisierung fehlt es etwas an Tiefe.

Ken Follett schrieb diesen Roman Ende der siebziger Jahre. Es ist eines seiner Frühwerke, in denen er sich sehr oft auf dem Terrain des Zweiten Weltkriegs bewegt. Übrigens gibt der Titel des Romans "Der Schlüssel zu Rebecca" zu erkennen, worum es hierbei gehen könnte. Der Schlüssel ist ein Codeschlüssel, der zur Verschlüsselung der Nachrichten des Spions an den deutschen Armeegeneral Rommel benötigt wird. Bei „Rebecca“ handelt es sich um den gleichnamigen Roman von Daphne du Maurier, welcher als Codierbuch zum Einsatz gelangt. Der Schlüssel zu Rebecca ist tatsächlich der Schlüssel zu diesem Buch.

Ein spannender Spionageroman, der wegen der fehlenden Charaktertiefe einen Punktabzug bekommt und mit vier Sternen meinerseits auch empfohlen.

Follett, Ken
Der Schlüssel zu Rebecca
Weltbild Verlag

© Detlef Knut, Düsseldorf 2013

Dienstag, 12. Februar 2013

Nadja Quint: Verachte nicht den Tod

clip_image002 In diesem Düsseldorfer Kriminalroman geht es um den Tod und das Sterben an sich. In der Romanhandlung findet parallel zur Leichenschau ein dubioses Treffen einer Arzthelferin und eines Notars in einem großen renommierten Düsseldorfer Hotel statt. Die Kommissarin Evelyn Eick wird mit der Aufklärung des dubiosen Todes einer jungen Frau beauftragt. Schnell gelangt sie an die Arzthelferin. Sie muss feststellen, dass es hier Verbindungen zu einem Sterbehilfeverein gibt, der von den Niederlanden aus in Deutschland aktiv ist. Während ihrer Ermittlungen wird aus einer Klinik ein an Leukämie erkranktes kleines Kind entführt. Da die Krankheit der kleine Leonie für unheilbar diagnostiziert wurde, sieht die Kommissarin einen Zusammenhang zu dem Tod der jungen Frau und zu dem Sterbehilfeverein.
Parallel dazu hat die Düsseldorfer Kommissarin mit einem möglichen Sterbefall in der eigenen Familie zu kämpfen. Ihr Vater ist vor kurzer Zeit in ein Hospiz umgezogen. Auf eigenen Wunsch. Gelassen und mit etwas ironischem Humor erwartet er seinen eigenen Tod. Diese eigene Betroffenheit der Kommissarin stellt eine emotionale Verbindung zu den Fällen in ihrem Kommissariat her. Ihr Vater ist Ansprechpartner in Sterbensangelegenheiten. Möchte jemand freiwillig aus dem Leben scheiden, wenn er erfährt, dass er so krank ist? Oder möchte er es vielleicht gar nicht?
Die Autorin hat sich enge Verflechtungen zwischen dem Privatleben der Kommissarin und ihren dienstlichen Ermittlungen ausgedacht. Spannend von der ersten bis zur letzten Seite liest man diesen Roman durch. Dabei geht es weniger um die Frage, wer der Täter ist, als vielmehr darum, wie die Kriminalkommissarin Evelyn Eick den Tätern auf die Spur kommt. Es sind zunehmend engere Verwicklungen und Wendepunkte eingebaut, die den Leser auf eine falsche Spur führen. Was aber einerseits den Leser bei der Stange hält, damit er das Buch nicht aus der Hand legt, ist andererseits auch zu viel der Verwirrung. Deshalb bekommt das Buch einen Punktabzug. Von welchen Verwirrungen spreche ich? Zunächst einmal völlig deplatziert und überflüssig sind alle paar Seiten Episoden eingestreut, nicht länger als eine Seite, die das Geschehen im Hintergrund beleuchten. Dazu gehören beispielsweise die Massenschlachtung von Schweinen, bei der ich heute noch nicht weiß, was die mit dem Fall zu tun hat, als auch andere Geschehnisse um die Opfer und Täter herum. Das sind Passagen die der Leser durchaus überblättern kann bzw. die das Buch auch kürzer gemacht hätten ohne es an Spannung fehlen zu lassen. Schließlich sind es die überaus vielen Figuren, die von der Autorin in diesem Roman eingeführt werden und für Verwirrung sorgen. Dabei handelt es sich oft um Figuren im privaten Umfeld der Kommissarin. Neben ihrem Vater im Hospiz gibt es den Bruder, es gibt den Gerichtsmediziner, in denen sie sich verliebt hat, es gibt die Freundin, eine Nonne. Das sind alles Figuren die mit der Handlung nichts zu tun haben, nur für Verwirrung sorgen und nicht auf die falsche Fährte führen. Zwischen den verschiedenen Auftritten dieser einzelnen Figuren sind manchmal so große Abschnitte, dass sich der Leser kaum daran erinnern kann, um wen es sich eigentlich handelt. Das gesamte familiäre Umfeld der Ermittlerin wäre besser in einem weiteren Roman aufgehoben, als alle Figuren in einem Debütroman auftreten zu lassen.
Der Titel des Romans ist zwar unterschrieben mit Kriminalroman aus Düsseldorf, jedoch hätte ich von der Autorin mehr Bekenntnis zu den einzelnen Lokationen erwartet. Schade, dass viele Namen verfälscht wurden.
Dennoch fällt mein Fazit mit vier von fünf Sternen recht positiv aus. Ich bin mit der durchaus gut gemachten Unterhaltungslektüre zufrieden und halte das Buch bis auf die kleinen Anmerkungen für empfehlenswert.
Quint, Nadja
Verachte nicht den Tod
Taschenbuch
KBV, Hillesheim
ISBN 9783942446648

© Detlef Knut, Düsseldorf 2013

Mittwoch, 6. Februar 2013

Irre Seelen von Graham Masterton




Jack Reed stößt durch Zufall auf ein verlassenes Gebäude mitten im Wald von Wisconsin. Es handelt sich um ein altes Klinikum, das Jack in ein exklusives Ferienhotel umbauen möchte. Geradezu besessen ist er von dem Haus und kann sich seiner Faszination schwer entziehen. Immer wieder sucht er das Gelände auf und untersucht die Räumlichkeiten.
Als er Kontakt mit einem Makler aufnimmt, festigt sich sein Entschluß, das Gebäude zu erwerben. Zusammen mit seinem neunjährigen Sohn Randy streift er durch die verlassenen Zimmer und malt sich in seiner Vorstellung aus, wie das Hotel einst aussieht. Randy macht in einem der Räume eine unheimliche Entdeckung: aus der Wand löst sich eine Gestalt und spricht zu ihm. Wenige Augenblicke später ist Randy spurlos verschwunden.
Jack recherchiert zusammen mit Karen in der Geschichte des Hauses und stößt auf ein unheimliches Geheimnis: bei der Klinik handelte es sich um eine Anstalt für geisteskranke Patienten. Doch das wäre nicht das Schlimmste. Viel erschreckender ist, dass 135 Patienten durch „Druiden-Magie“ verflucht und in die Wände des Gebäudes verbannt wurden, wo sie noch immer, 60 Jahre danach, auf ihre Rettung warten.
Und sie sind nicht nur geisteskrank, sondern auch extrem freiheitssüchtig und sehen in der Geiselnahme von Jacks Sohn endlich einen Weg, den Wänden, ihrem jahrzehntelangen Gefängnis, zu entkommen.
Erschienen als Taschenbuch
bei FESTA-Verlag
insgesamt 446 Seiten
Preis: 13,95 €
ISBN: 978-3-86552-164-4
Katergorie: Horror-Thriller
© Buchwelten 2013


Samstag, 2. Februar 2013

Der dunkle Wächter von Carlos Ruiz Zafón




Man schreibt das Jahr 1937 und die 15-jährige Irene zieht nach dem Tod ihres Vaters gemeinsam mit ihrer Mutter Simone und ihrem etwas jüngeren Bruder Dorian an die Küste der Normandie. Simone hat dort eine neue Stelle angenommen, sie wird die Haushälterin des ehemaligen Spielzeugfabrikanten Lazarus Jann. Der lebt in dem riesengroßen Anwesen Cravenmoore, inmitten Unmengen an unheimlicher Spielzeuge und Metallfiguren. Bei ihrem ersten Besuch auf dem Anwesen können Irene und Dorian nichts anderes, als mit offenem Mund staunen. Lazarus Jann ist ein sehr netter, humorvoller und liebenswerter Mann, der die Familie in einem kleinen aber sehr gemütlichen Haus direkt am Kap kostenfrei wohnen lässt. Für Simone ist ihr Arbeitsplatz quer durch den Wald zu Fuß erreichbar und die Lage des Hauses, direkt am Meer, ist einfach nur himmlisch.
Die kleine Familie fühlt sich sogleich sehr wohl in dem Haus und auch im kleinen Dorf finden sie schnell Kontakt. Irene freundet sich zunächst mit Hannah an, sie ist ebenso bei Lazarus Jann angestellt, sie kocht für ihn. Hannah ist ein sehr offenes Mädchen, dass ohne Punkt und Komma redet und Irene schließt schnell Freundschaft. Durch Hannah lernt Irene den 16-jährigen Ismael kennen. Er ist ihr Cousin, der nach dem Tod seiner Eltern bei ihren Familie aufwächst.
Der jüngere Bruder Dorian sieht in dem Spielzeugfabrikanten einen echten Freund, der ihm zuhört, Geschichten erzählt und in die Geheimnisse des Spielzeugs einweiht. Auch Simone fühlt sich zu Lazarus hingezogen. Der ältere Mann ist ein angenehmer Zeitgenosse, sehr höflich und Simone hat in den langen Unterhaltungen mit ihm stehts das Gefühl, diesen Mann schon ewig zu kennen.
Aber Cravenmoore birgt auch Geheimnisse. So dürfen Simone und die Kinder z.B. niemals das Obergeschoss des Anwesens betreten. Und im Wald des Anwesens scheinen schattenartige Kreaturen umherzuwandeln, die nichts Gutes im Sinn haben. Irene versucht gemeinsam mit ihrem neuen Freund Ismael die Geheimnisse von Lazarus Jann zu lüften und sie begeben sich dadurch ungewollt in große Gefahr …
Erschienen als Taschenbuchbei Fischer
insgesamt 344 SeitenPreis: 8,99 €ISBN:
978-3-596-19302-8
Katergorie: Jugendbuch (Schauerroman)
© Buchwelten 2013


Freitag, 1. Februar 2013

Abschalten von Martin Suter




Die Business Class macht Ferien. Die Manager und Führungskräfte sind alle so ausgelaugt und erschöpft von ihrer anstrengenden Arbeit, den vollen Terminplanern, den Kämpfen um Macht und Hierarchie, dass sie unbedingt auch mal Urlaub brauchen. Pause, abschalten, Erholung, Zeit mit der Familie.
Doch wollen Sie das auch? Können sie es überhaupt? Halten sie das aus? Nicht in der Firma sein? Nicht gebraucht werden? Keinen Stress zu haben? Nichts zu tun, was unheimlich wichtig ist?
Was dabei herauskommt sind Führungskräfte, die später zur Familie am Urlaubsort dazustoßen, früher wieder abfahren, weil sie ja eben nicht länger entbehrlich sind. Und in der Zeit dazwischen, in der sie mit ihren Lieben Urlaub machen gehen sie eben diesen sowas von auf die Nerven, dass die froh sind, dass Mann/Papa „leider“ nicht die gesamten Ferien mit ihren verbringen kann.


Erschienen als Taschenbuch
bei Diogenes
insgesamt 192 Seiten
Preis: 14,90 €
ISBN: 978-3-257-30009-3
Katergorie: Satire

© Buchwelten 2013