Freitag, 30. November 2012

WIND von Stephen King




Der letzte Revolvermann Roland Deschain und seine Gefährten Eddie, Jake, Susannah und Oy haben den Grünen Palast (Ende von Band 4 – Glas) hinter sich gelassen und folgen dem Balken weiter in Richtung Donnerschlag.
Als plötzlich ein heftiger Sturm, ein sogenannter Stoßwind, aufkommt, benötigen die Gefährten einen sicheren Unterschlupf. Denn dieser Stoßwind hat es in sich. Bringt er, bevor er losbricht, zunächst unübliche Hitze, folgt mit Beginn des Sturms eisige Kälte, die alles blitzschnell gefrieren lässt. Die Gefahr bei diesem Sturm besteht somit nicht nur aus dem heftigen Wind, der alles umreißt, sondern auch aus eben dieser Kälte, durch die z.b. Vögel im Fluge gefrieren und vom Himmel fallen.
Sie finden Zuflucht in einer verlassen Stadt, in der ein einziges Haus aus Stein steht. Die damalige Versammlungshalle. Dort kehren die fünf ein und um sich die langen Stunden zu vertreiben erzählt Roland eine (weitere) Geschichte aus seiner Jugend:
Nach dem Tod seiner Mutter schickt ihn sein Vater auf eine Ranch in Neu-Kanaan, wo sehr viele Menschen auf grausamste Weise ermordet wurden. Dem Anblick der Opfer nach handelt es sich um einen Gestaltwandler, einen sogenannten Fellmann. Es gibt einen Zeugen, den kleinen Jungen Bill Streeter, dessen Vater ebenso zu den Opfer gehörte.
Roland, damals selber noch kein Mann, sondern Teenager nimmt sich dem Kleinen an und versucht ihn mit einer Geschichte zu beruhigen. Eine Geschichte, die Roland selbst von seiner Ma vorgelesen bekam und die ihm immer die liebste war.
Die Geschichte heißt „Wind durchs Schlüsselloch“ im Englischen „Wind through the Keyhole“, was auch der Originaltitel des Romans ist. Sie erzählt vom kleinen jungen Tim, der sich unerschrocken auf einen abenteuerlichen und gefährlichen Weg begibt, um seine Ma zu retten.
Somit erzählt Roland der Revolvermann seinen Gefährten während des heftigen Stoßwindes eigentlich zwei Geschichten. Und Roland kann sehr gut erzählen und zieht Eddie, Jake und Susannah in seinen Bann …


Erschienen als gebundene Ausgabe
bei HEYNE
416 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-453-26794-7
Katergorie: Dark Fantasy

© Buchwelten 2012

Sonntag, 18. November 2012

Sabine Martin: Die Henkerin

clip_image002 Die de Bruce, eine Adelsfamilie, und die Wilhelmis, eine Kaufmannsfamilie, sind erzverfeindet seit vielen Jahrzehnten. Als der Sohn von Ottmar de Bruce getötet wird, kann der nicht mehr an sich halten und schwört sich, alle Wilhelmis ohne Ansehen von Alter und Geschlecht zu töten. Das gelingt ihm. Bis auf die zehnjährige Melisande. Zwischen all den Toten hatte jemand das kleine Mädchen in die Büsche gezerrt und vor den Häschern von de Bruce in Sicherheit gebracht. Weil diese das Kind gar nicht bemerkt hatten, berichteten sie stolz ihrem Herrn von der gesamten Ausrottung der Kaufmannsfamilie. Ottmar de Bruce aber bleibt skeptisch, ohne genau zu wissen, warum. Vielleicht nur, weil er nicht dabei war?

Melisande wurde von Raimund, dem Henker von Esslingen, gerettet. Um sie weiterhin zu schützen, gibt er sie in der Stadt als seinen stummen Neffen aus und lehrt ihr das Henkershandwerk.

Fünf Jahre später den Henker unverhofft der Schlag. Schneller als gedacht muss Melisande in seine Fußstapfen als Henker treten. Den Ratsherren gefällt das zwar nicht, aber da Not am Manne ist und sie wissen, dass Melchior (alias Melisande) eine sehr gute Ausbildung genoss, lassen sie ihn zunächst wirken.

Melisande, die sich nach der Hinmetzelung ihrer Familie geschworen hatte, Ottmar de Bruce ebenfalls zu richten, wird zufällig von diesem beauftragt, ihm das Köpfen mit dem Schwert beizubringen. Melchiors Perfektion in diesem Bereich haben sich trotz seiner Jugend bereits herumgesprochen. Melisande sieht dies als ihre Chance, ihre Rache wahr werden zu lassen.

Der im 14. Jahrhundert spielende Roman von dem Autorenpaar Sabine Klewe und Martin Conrad (Pseudonym: Sabine Martin) ist Unterhaltung und Spannung pur. Dem Genre des historischen Romans entsprechend werden Bilder in die Köpfe der Leser projiziert, die das Mittelalter lebendig werden lassen. Dafür haben die Autoren eine Sprache, einen Stil gefunden, der mit besonders unverbrauchten Vergleichen die Bilder entstehen lässt. Sie bleiben umso besser im Kopf hängen und sind immer wieder abrufbar. Beispielsweise, wenn es um die Schmerzen eines gewaltsam gebrochenen Fußes geht oder die süße Erinneruing an eine Kindheit, in der die Bachläufe der Gegend in Stauseen verwandelt wurden.

Geschickt wurden die einzelnen Figuren in individuelle Handlungen verstrickt, sodass als Leser viele spannende Nebenhandlungen zu bewältigen sind, bevor „des Pudels Kern“ aufgedeckt wird. Es sind abenteuerliche Nebenhandlungen, die das Salz eines historischen Romans bilden. Wer das Buch mit Spannung liest, wird anschließend ebenso gespannt auf „Die Tränen der Henkerin“ warten, was für Frühjahr 2013 angekündigt ist.

Martin, Sabine
Die Henkerin
Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach
ISBN 9783404166329

© Detlef Knut, Düsseldorf 2012

Mittwoch, 14. November 2012

Der Libellenfänger von Katja Brandis




Auf den ersten Blick ist die 17-järige Ricky (Ricarda) Mayer ein normaler Teenie, wie ihre übrigen Mitschüler am Arnold Gymnasium auch. Sie ist eine der Moderatorinnen beim Schülerfernsehen nec.tv (das übrigens so professionell ist, dass das Regionalfernsehen die Studioräume ebenso nutzt), sie betreibt als Hobby Taekwondo und die geht am Wochenende mit ihren Freunden und Mitschülern in die Disco. Warum Ricky allerdings bei ihren Großeltern lebt und nicht bei ihrer Mutter, die immerhin in der gleichen Stadt lebt, dass weiß nicht einmal Rickys beste Freundin Kriss.
Ricky hat ihre ersten Lebensjahre im Gefängnis verbracht, in der Mutter-Kind-Abteilung der JVA Aichach, wo ihre Mutter eine Haftstrafe verbüßt hat. Und da Ricky in der Grundschule bereits als „Knastkind“ gehänselt wurde, trägt sie dieses Geheimnis mit sich herum. Ein dunkles Geheimnis kann man es nicht einmal unbedingt nennen, denn Ricky verbindet nunmal ihre Kindheitserinnerungen mit dem Gefängnis und sie hat dort neben einem sehr innigen Verhältnis zu ihrer Mutter auch ansonsten keine schreckliche Zeit verbracht. Ricky hatte Freunde in der JVA, denn es waren mehrere Mütter mit ihren Kindern dort inhaftiert.
Aus dieser Zeit kennt Ricky auch die Russin Valentina, sie ist im Alter ihrer Mutter und ihr Sohn im gleichen wie Ricky selbst. Und auch wenn ihre Mutter nach der Entlassung den Kontakt zu Valentina hat abbrechen lassen, Ricky trifft sie nach wie vor oft und gerne und sie kann diese mütterliche Freundin mit Akzent zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen. Valentina ist immer für sie da und das tut Ricky gut, zumal sie mit ihr über Dinge sprechen kann, die ihre Mutter nicht gewillt ist zu bereden.
An einem normalen Freitag, nach einigen Arbeitsstunden bei nec.tv in der Schule, macht Ricky sich gemeinsam mit einigen Freunden auf den Weg in die Disco. Es wird gelacht und ausgiebig getanzt. Antonia, eine scheue und in sich gekehrte Klassenkameradin, die jedoch auch bei nec.tv moderiert und vor der Kamera ein viel offeneres Wesen zeigt, ist auch dort. Allerdings ist sie in Begleitung eines älteren Jungen, der offensichtlich schon zu studieren scheint. Die Clique munkelt, mehr aber auch nicht. Lediglich Ricky hat Antonia ein wenig intensiver im Blick, denn nachmittags hat sie das Mädchen in der Bibliothek vorgefunden. Antonia blutete an der Hand und flüsterte wirres Zeug vor sich her. Jetzt in der Disco scheint sie wieder gut drauf zu sein, auch sie tanzt ausgelassen neben Antonia auf der Tanzfläche.
Doch plötzlich verkrampft Antonia sich, bricht zusammen und liegt reglos zwischen all den Tanzenden. Der Großteil der Leute steht starr und glotzend da und tut nichts. Aber Ricky reagiert sofort. Sie rüttelt das leblose Mädchen und ruft um Hilfe. Ihr Klassenkamerad Marek, der schräge, durchgeknallte Kameramann mit den blauen Haaren, ist der einzige der reagiert. Gemeinsam tragen die beiden Antonia von der Tanzfläche und beginnen mit der Reanimierung. Herzmassage, Mund-zu-Nase-Beatmung. Sie geben ihr bestes, immer und immer wieder. Endlich kommen Rettungskräfte hinzu und bringen Antonia weg.
Der Schock steckt natürlich allen tief in den Knochen, sie werden noch vor der Disco von den inzwischen eingetroffenen Polizeibeamten verhört. Antonia schafft es nicht. Sie ist tot. Einfach umgefallen und von Anfang an glaubt Ricky nicht an eine natürliche Todesursache. Irgendwas ist da faul, warum war Antonia nachmittags in der Bibliothek so seltsam. Ricky fallen die Libellenflügel ein, die sie seit einigen Tagen immer wieder in der Schule findet, ob es was mit dem Unglück zu tun hat?
Als Ricky dann an der vor der Schule errichteten Gedenkstätte voller Blumen und Kerzen am Bilderrahmen mit Antonias Foto einen Libellenflügel eingeklemmt sieht ist sie sicher, dass Antonia ermordet wurde. Doch warum und durch wen bleibt herauszufinden. Und damit beginnt sie umgehend.
Sie bittet ihre Freundin Valentina um Hilfe und beginnt zu „ermitteln“. Und noch jemand steht ihr zur Seite: Marek, der schräge, durchgeknallte Kameramann mit den knallblauen Haaren. Er war es der Ricky in der Nacht bei den Wiederbelebungsmaßnahmen geholfen hat und auch er will den Hintergründen zu diesem mysteriösen Todesfall auf die Spur kommen ….


Erschienen als Klappenbroschur
im IVI Verlag
368 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-492-70276-8
Katergorie: Jugendthriller

© Buchwelten 2012

Montag, 12. November 2012

Blutiger Sommer von Gabriella Wollenhaupt/Friedemann Grenz



Nach einem Ausflug an die Havel lesen Polizeiermittler Justus von Kleist und seine schöne Ehefrau Rachel eine verängstigte, durchnässte, nur noch im Unterkleid bedeckte junge Frau auf. Sie berichtet, dass am Ufer ein ihr unbekannter Mann lauerte, der ihre Kleider wegnahm. Sie ist vor lauter Angst, trotz Gewitter, wieder ins Wasser gesprungen und fortgeschwommen. Die von Kleists nehmen Jette Wehner zunächst einmal mit nach Hause, versorgen sie mit warmen Getränken, trockener Kleidung und beruhigen die junge Frau. Polizeidirektor von Kleist verspricht der Sache nachzugehen.
Doch bei diesen nicht ganz so dramatischen Arten von Verbrechen soll es in diesem Sommer 1846 in Berlin nicht bleiben. Im Scheunenviertel wird die verstümmelte Leiche einer jungen Prostituierten gefunden. “Soldaten-Jule” wurde regelrecht abgeschlachtet. Relativ kurz danach wird die Leiche eine weiteren jungen Frau gefunden, die Leiche weist die gleichen Verstümmelungen auf. Recht schnell gerät ein jüdischer Metzgerlehrling in Verdacht, läuft er doch bei der Vernehmung durch die Polizisten davon. Justus von Kleist ist von seiner Unschuld überzeugt, er sieht den Grund zur Flucht des jungen Mannes in einer anderen Ursache. Doch auch wenn er dies umfassend in seinem Bericht an den Polizeipräsidenten zu Papier gibt, will dieser nichts davon hören. Denn diesem, Eugen von Puttkamer, kommt der jüdische Verdächtige gerade recht. Er will den Jungen unbedingt verhaftet wissen, denn dass ein Jude der Schuldige ist, dass passt ihm im Hinblick auf seine weitere politische Laufbahn nur zu gut ins Konzept. Auf die Juden in Berlin hat er es offensichtlich abgesehen, dass macht er Justus von Kleist unmissverständlich klar, spielt auch in Gesprächen abwertend auf dessen schöne jüdische Ehefrau Rachel an, die Justus von Kleist angeblich bewusst in der Villa in Potsdam versteckt hält.
Das stimmt jedoch nicht, denn Rachel fühlt sich genau dort sehr einsam und nutzlos. Sie möchte etwas erleben, will die Stadt sehen, irgendetwas Sinnvolles tun. Hier ist Rachels heller Geist dann einige Zeit später der Grund, dass sie eine Aufgabe erhält. Sie beginnt Artikel für die Vossische Zeitung zu schreiben, die nicht nur gut ausformuliert sind, sondern auch einen gewissen Tiefsinn erkennen lassen und Dinge bewirken. Außerdem ist Rachel absolut interessiert an der Ermittlungsarbeit ihres Mannes. Immer öfter besucht sie ihn während der Arbeitswoche in der Stadt, bleibt sogar über Nacht in der Dienstwohnung.
So ganz wohl ist Justus von Kleist nicht dabei, auch wenn er sehr gerne seine Frau um sich hat. Denn die Morde des vergewaltigenden Schlächters mehren sich und die neusten Opfer sind nicht mehr nur in der unteren Schicht der Bevölkerung anzutreffen. Desweiteren werden nun Briefe bei den Opfern gefunden, die erschreckende Hinweise auf eine schöne, schwarze Frau mit wachem Geist geben: Rachel von Kleist ….


Erschienen als Taschenbuch
im grafit Verlag
346 Seiten
Preis: 11,00 €
ISBN: 978-3-89425-616-6
Katergorie: Historischer Kriminalroman

© Buchwelten 2012

Sonntag, 11. November 2012

Kim Schepper und die Kinder von Marubor von Wolfgang Brunner (komplett neu überarbeitete Zweitauflage)



Das Mädchen mit den schulterlangen braunen Haaren und den dunklen Totenkopf Sneakers, das dort am Grab ihres zwei Jahre jüngeren Bruders steht, ist die 13-jährige Kim Schepper. Bereits fünf Jahre zuvor musste sie schon einmal einen geliebten Menschen verabschieden, damals war es ihr Vater, der zu Grabe getragen wurde. Und nun wurde Tom durch einen Unfall getötet und sie ist mit ihrer Mutter allein. Sie trauert für sich, denn sie findet Beerdigungen bescheuert, sie hasst es wie ein kleines Kind behandelt zu werden, dass keine Ahnung vom Leben und vom Tod hat. Doch was wissen die Erwachsenen schon?
Kim schreckt auf, als sie plötzlich von einem Jungen namens Julian angesprochen wird. Er ging in die gleiche Klasse wie ihr Bruder Tom und er übermittelt ihr ohne Umschweife eine etwas außergewöhnliche Einladung: Kim soll um Mitternacht auf den Friedhof kommen, zum Grab ihres Bruders und sie soll etwas sehr Persönliches von Tom mitbringen. Kim ist etwas verwundert, was Julian von ihr will und sie hakt nach. Doch der Junge spricht in Rätseln. Er berichtet von geheimen Experimenten, an denen ihr Bruder teilgenommen hat und das Tom gar nicht „richtig“ tot sei. Als Kim versucht noch etwas mehr an Informationen von Julian zu gelangen, sagt er, sie solle einfach zur verabredeten Zeit auf dem Friedhof erscheinen, dann würde sie verstehen. Sie würden die anderen Kinder von Marubor treffen und eines davon sei seine Schwester, seine tote Schwester ..
Nach der Beerdigung ist Kim entsprechend aufgewühlt und auch verwirrt wegen der Äußerungen des Jungen der sie angesprochen hat. Natürlich ist es der 13-jährigen unheimlich, mitten in der Nacht auf den Friedhof zu gehen. Dann weiß sie nicht einmal, ob sie es schafft aus der Wohnung zu schleichen, ohne das ihre Mutter etwas bemerkt.
Doch die Neugier siegt. Kim muss wissen, was es mit dem Geheimnis um diese Experimente an ihrem Bruder und anderen Kindern auf sich hat. Also packt sie einen Rucksack, schnappt sich eine Taschenlampe, einen handgeschriebenen Zettel von Tom, den er ihr vor zwei Wochen gegeben hat und macht sich auf den Weg zum Grab …


rschienen als Taschenbuch
im Candela Verlag
400 Seiten
Preis: 14,90 €
ISBN: 978-3-942635-24-0
Katergorie: Jugendbuch/All-Age

© Buchwelten 2012

Freitag, 9. November 2012

Carola Clasen: Nirgendwo in der Eifel

image Mit dem Roman „Nirgendwo in der Eifel“ verlässt die „Queen of Eifel-Crime“, Carola Clasen, ihr angestammtes Krimigenre. Der vorliegende Roman ist kein Kriminalroman, dennoch ist deshalb nicht weniger schräg. Die Autorin schafft in diesem Roman eine fiktive Welt, die durchaus sehr bodenständig in der Gegend um Hellenthal in der Eifel angesiedelt ist.

Magnus Faber hat den Buchladen seines Vaters in Brühl geerbt und versucht, ihn fortzuführen. Er versucht es in der strengen Tradition, keinen einzigen Krimi in dieser Buchhandlung anzubieten. Doch in der heutigen Zeit geht es dem Buchhandel wirtschaftlich nicht besonders gut. Das bekommt auch Magnus Faber zu spüren, weshalb er sich finanzielle Lasten aufgebürdet hat. Plötzlich steht sein Gläubiger im Laden und fordert das Geld zurück, weil die vereinbarten drei Jahre vorbei seien. Zudem hatte Magnus gerade von einer schweren Krankheit erfahren. Das wird ihm alles zu viel. In seinem Buchladen schaut er auf ein altes Gemälde von der Staumauer der Oleftalsperre bei Hellenthal. Kurz entschlossen begibt er sich auf den Weg dorthin, um allem ein Ende zu setzen. Einen schöneren Ort kann er sich für das, was er vorhat, nicht vorstellen. Seine Angestellte Eva Zimmermann hat er schweren Herzen bereits am Tag zuvor gekündigt. Zu diesem Zeitpunkt ahnt er noch nicht, dass ihm der Bruder seiner Angestellten zusammen mit seinem Gläubiger dicht auf den Fersen ist. Der eine, weil er sein Geld zurückfordern will. Der andere, weil er die Situation ohne Job für seine Schwester aus der Welt schaffen will.

Angekommen an der „Staumauer der Olef bei Mitteldorf“, so der Name des Bildes, kann er den kleinen Ort mit diesem außergewöhnlichen Namen, der ihn unvermittelt an „Der Herr der Ringe“ erinnert, zunächst nicht ausmachen. Bis er dann schließlich in einem Tal auf das kleine, beschauliche Örtchen Mitteldorf trifft.

Mit Spaß und Spannung verfolgt der Leser die Jagd nach Magnus Faber, der selbst kein Freund von Kriminalromanen ist. Er hasste die Vorstellung, dass zur Unterhaltung der Leser das Böse sein Unwesen auf die Spitze treiben kann. Ein Grund dafür, warum das vorliegende Buch kein Krimi sein kann. Trotzdem gibt es in „Nirgendwo in der Eifel“ dennoch, wie oben beschrieben, zwei Jäger und einen Gejagten. Claudia Clasen baut in diesem Nicht-Krimi meisterlich die Spannungsstränge auf. Während man einerseits erfahren möchte, ob die beiden Verfolger ihre Ziele erreichen werden, steht immer wieder die Frage nach dem Selbstmord des Magnus Faber im Raum. Ohne Humor geht es dabei nicht zu, so, wie man es von der Autorin gewöhnt ist. Da verwundert es auch nicht, dass oben auf der Staumauer bereits jemand auf die Selbstmörder wartet, um ihnen alles Hab und Gut abzunehmen. Schließlich bräuchten sie es ja eh nicht mehr, wenn sie sich hinunterstürzen würden. Außerdem hat sie mit Mitteldorf eine Welt geschaffen, die wohl mehr als tausend Engel ersetzen kann. Nur das Geräusch des Busses, der auf der Staumauer entlang immer in den Ort hinein- und wieder herausfährt, erinnert mehr an einen röhrenden Hirsch denn an einen Bus.

Einfach köstlich!

Clasen, Carola
Nirgendwo in der Eifel
KBV-Verlag, Hillesheim
ISBN 9783942446747

© Detlef Knut, Düsseldorf 2012

Mittwoch, 7. November 2012

Lost Land – Die erste Nacht von Jonathan Maberry



Benjamin Imura, Rufname Benny, ist gerade 15 Jahre alt und lebt alleine mit seinem Bruder Tom, dem berühmt, berüchtigten Zombiejäger. Benny ist eigentlich ein ganz normaler Teenager, der Freunde hat und in einer beschaulichen Kleinstadt lebt. Das allerdings eher Ungewöhnliche ist, dass diese Stadt – Mountainside – ringsum von Zäunen umgeben ist, um die Bewohner vor den lebenden Toten, den Zombies, zu beschützen, die hinter der Grenze im Leichenland leben.
In der ersten Nacht geschah es, dass die Toten zum Leben erwachten, wiederauferstanden und nun von dem Amerika, wie man es kannte, nichts mehr übrig ist. Die Bewohner in Mountainside leben ohne Strom, Handys, Fernsehen, Computer, Autos und sonstigen Luxus. Auch wenn die Möglichkeit bestünde, diese technischen Dinge wieder ans Laufen zu bekommen, die Menschen weigern sich strikt, geben sie doch der Elektrizität Mitschuld am Aufstand der Toten.
Tom Imura, Bennys Halbbruder, ist ein sogenannter Zombiejäger. Zu seiner Arbeit gehört, dafür zu sorgen, die wandelnden und ständig hungrigen Angreifer von der Stadt fernzuhalten und dadurch natürlich auch vollends zu töten. Benny hasst seinen Bruder Tom abgrundtief, gibt er ihm doch die Schuld am Verlust der Eltern. Benny war noch ein Baby, gerade einmal 18 Monate alt, als seine Mutter ihn Tom mit der Anweisung wegzulaufen überließ. Die Eltern wurden ebenso Opfer der ersten Nacht und Benny hat noch heute das Bild seiner rufenden Mum vor Augen, als sie die Jungen wegschickte. Benny gibt Tom die Schuld daran, dass er seine Eltern an die Zombies verlor und für ihn ist Tom kein Held oder der angesehene Kopfgeldjäger wie bei den anderen Bewohnern der Stadt, sondern nichts anderes als ein Feigling.
Mit 15 Jahren sind die Jugendlichen von Mountainside verpflichtet, sich einen Job zu suchen, damit ihre Verpflegungsrationen nicht gekürzt werden. Sie besuchen danach weiterhin die Schule, denn die gibt es nach wie vor, dann jedoch nur Teilzeit. Tom bietet ihm eine Lehrstelle im „Familienunternehmen“ an, doch dass ist genau dass, was Benny nicht will.
Doch die Sommerferien neigen sich dem Ende zu, sein Freund hat bereits eine Arbeit als Wachposten am Zaun bekommen und Benny hat nach wie vor keinen Job. Als Tom ihm erneut anbietet, gemeinsam mit ihm ins Leichenland zu gehen und somit seinen „Beruf“ zu erlernen, sagt Benny schweren Herzens zu. Einerseits widerstrebt es ihm nach wie vor mit seinem aufgeblasenen Bruder Zombies zu jagen, doch andererseits ist es immerhin ein Job und eine gewisse Neugier – natürlich neben der Angst – für das Land hinter dem Zaun ist in Benny auch vorhanden.
Somit machen sich die Brüder auf den Weg hinaus ins Leichenland und überraschender Weise scheint Tom hier draußen ein völlig anderer Mensch zu sein, als Benny dachte. Oder nimmt Benny seinen beliebten und geachteten Bruder Tom plötzlich nur mit völlig anderen Augen wahr ….


Erschienen als gebundene Ausgabe
bei Thienemann
528 Seiten
Preis: 16,95 €
ISBN: 978-3-522-20151-3
Katergorie: Jugendbuch (ab 13 Jahre)

© Buchwelten 2012

Montag, 5. November 2012

Göttergleich von Akif Pirinçci



Eigentlich ist alles wie immer. Francis, inzwischen nun ein bisschen in die Jahre gekommen, lebt nach wie vor gemeinsam mit Gustav – mittlerweile auch schon um die 60 – Sohn Junior und der Katzendame Sancta in seinem Gründerzeit-Revier und genießt das Leben.
Doch als Sancta, neugierig wie Katzen nun einmal sind, durch die Vordertüre auf die Straße spaziert erwacht Francis Beschützerinstinkt und er rennt ihr hinterher. Er versucht sie vor dem Unglück in Form eines herannahenden Motorrades zu bewahren, schafft es auch, kommt dummerweise aber selbst unter die Räder.
Nach dem Unfall fühlt sich Francis eigentlich so gut wie zuvor, dass einzig dumme ist, dass für ihn plötzlich die Zeit rückwärts läuft. Nicht dauernd, nein, es sind exakt 8 Minuten und 56 Sekunden. Das hat er an Hand von Archies i-angebissenem Apfel-Imperium auf die Sekunde genau überprüft.
Als er dieses Erlebnis dann seinen Lieben mitteilen will schauen sie ihn natürlich an als ob der alte Klugscheisser so langsam aber sicher senil wird. Klar, wer glaubt auch sowas? Doch dann taucht im heimischen Garten auf einmal ein wundersames schwarzes Felidae Wesen namens Pi auf, das sehr wohl weiß, wovon Francis da spricht. Doch existiert dieser Artgenosse wirklich? Oder ist er nur ein Produkt seiner Fantasie, die ihm offensichtlich seit der OP öfters mal ein Schnippchen schlägt?
Doch Francis wäre nicht der alte Klugscheisser, würde er die Angelegenheit auf sich beruhen lassen. Da ist diese ihm angeborene und nicht nur leichte, sondern zwingende Neugier, die ihn anspornt.
Und Francis wäre auch nicht Francis, würde er durch eben diese Neugier nicht nur einige Abenteuer erleben, sondern auch erneut alle Pfote lang in Lebensgefahr geraten ….


Erschienen als gebundene Ausgabe
bei HEYNE
336 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-453-26846-3
Katergorie: Ein Felidae-Roman

© Buchwelten 2012

Donnerstag, 1. November 2012

Der Kinderpapst von Peter Prange



Schon Teofilos Geburt scheint ein Zeichen Gottes zu sein. Im Jahre 1021 n. Chr. wird er geboren. Im damals hohen Alter von 36 Jahren bringt Comtessa Ermelina ihren vierten Sohn zur Welt. Sie hätte ihr eigenes Leben für dieses Kind geopfert, doch Mutter und Kind überstehen die Niederkunft. Die Geburt des Kindes sieht Ermelina als Vorsehung, ihr Sohn ist ein Gesandter Gottes und von Anfang an steht für Ermelina fest, dass Gott mit ihrem kleinen Teofilo Großes plant. Sie bevorzugt ihn vor ihren drei anderen Söhnen, was diese mit geschwisterlicher Eifersucht zur Kenntnis nehmen. Vor allem der Erstgeborene Gregorio, zehn Jahre älter, ist fürchterlich wütend, dass er selbst tun und lassen kann was er will, um die Aufmerksamkeit seiner Eltern auf sich zu ziehen, was ihm jedoch nicht gelingt.
Teofilo di Tusculo lebt eine normale Kindheit, sicherlich wird er sehr gläubig erzogen und von klein an wird er von seinem Taufpaten Giovanni Graziano unterwiesen und bekommt die Regeln Gottes gelehrt. Hier ist Teofilo von Anfang an sehr wissbegierig und liebt es die Wunder Gottes zu hinterfragen. So will er beispielsweise unbedingt wissen, wie sich Wein in Blut verwandeln kann.
Von Kindesbeinen an ist Teofilo die Hochzeit mit seiner Cousine Chiara di Sasso versprochen. Und er kann es nicht erwarten endlich alt genug zu sein, um seine große Liebe zu heiraten. Die beiden lieben sich innig, was ja zur damaligen Zeit sicher keine Voraussetzung für eine Heirat war. Doch auch die kleine Chiara liebt den Jungen mit der dunklen Haut und den wunderbaren grünen Augen über alles. Viel Zeit verbringen sie als Kinder in einem geheimen Versteck und träumen von ihrer Zukunft. Die Zeit in der sie endlich einander gehören als Mann und Frau.
Doch plötzlich verstirbt Teofilos Onkel Romano, derzeitiger Papst in Rom, Stellvertreter Gottes genannt Johannes Paul, der IXI. Und um den Stand der Tuskulaner in der römischen Gesellschaft zu wahren, setzt Teofilos Vater Alberico alles daran, wieder ein Mitglied seiner Familie auf Gottes Thron zu setzen. Und dies soll sein jüngster Sohn Teofilo sein. Der weigert sich natürlich, will er doch unbedingt seine große Liebe Chiara heiraten. Als Gottes Diener müsste er der weltlichen Liebe jedoch entsagen.
Doch Teofilo kann sich natürlich nicht durchsetzen. Ihm wird immer wieder klargemacht, dass er bereits als Auserwählter auf die Welt kam. Und so wird ein erst 12-jähriger Knabe zu Gottes Stellvertreter auf Erden, Papst Benedikt IX …


Erschienen als gebundene Ausgabe
mit Leseband
im Pendo Verlag
608 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 9783866122765
Katergorie: Historischer Roman

© Buchwelten 2012