Dienstag, 26. Juni 2012

Darling Jim von Christian Mørk




Ein tragischer Mordfall erschüttert das kleine irische Dorf Malahide (nahe Dublin). In einem unscheinbaren Haus werden die Leichen der Anfang 40-jährigen Moira Walsh und ihrer Nichten gefunden. Was sich dort ereignet hat, kann nur grob in Erfahrung gebracht werden. Moira Walsh wurde mit einer Schaufel erschlagen, schaffte es aber noch bis ins Erdgeschoß, wo sie dann aber ihren Verletzungen erlag. Die ältere Nichte befindet sich im Obergeschoß, woran sie starb, ist auf den ersten Blick nicht erkennbar. Dann findet sich die zweite Nichte, eine jüngere in einem Raum, der eigentlich nur eine Nische zwischen Wand und Dämmung ist. Sie ist bis auf das Skelett abgemagert. Im Keller finden sich Spuren einer dritten Person. 
Auch sie muss dort festgehalten worden sein, doch von ihr fehlt jede Spur. Ihr scheint die Flucht gelungen zu sein. Bei der Durchsuchung des Hauses findet die Polizei in einer Kommode die Ausweise der Mädchen. Es handelt sich um drei Nichten von Moira Walsh. Fiona, die ältere und die jüngeren Zwillinge Róisín und Aoife.
Die drei Schwestern wurden im Ort nie gesehen und auch Moira Walsh machte nicht den Eindruck etwas zu verheimlichen, gar ihre Nichten einzusperren und zu quälen.
Der Postbote des kleinen Ortes, Desmond, macht sich schwere Vorwürfe. Denn er war nicht nur bei Postanlieferungen ab und an in Moiras Haus auf ein Tässchen Kaffee geladen, er hatte in den letzten Wochen auch gemeint Rufe und Klopfen aus dem Haus zu hören, doch er hat nicht einen Versuch unternommen, der Ursache auf den Grund nachzugehen.
Die Toten werden auf dem örtlichen Friedhof beigesetzt und Desmond, der Postbote verfällt nach der Beisetzung in Depressionen und verlässt den Ort.
Die Polizei führt nicht wirklich Ermittlungen durch, das Haus wird desinfiziert und wieder bewohnbar gemacht.
Niall, der Nachfolger des Postboten Desmond ist ein junger Mann, der eine Leidenschaft hat: Er zeichnet und er möchte unbedingt Design Artist werden. Der Job als Postbote dient nur dem Geldverdienen und nach Feierabend hockt er noch lange im Postamt und zeichnet, bzw. er versucht es: Die vielen Versuche einen Wolf zu zeichnen misslingen ihm immer wieder. Vor lauter Frust wirft er ein zerknülltes Papier in Richtung Mülltonne, trifft aber nicht richtig und löst somit eine kleine Lawine an Papierbällen aus, die in der Gitterbox für unzustellbare Post landet. Er klettert hinein und will eigentlich nur den Schaden beseitigen, als er auf ein seltsames Paket stößt, dass seine Neugier weckt. Es ist nicht frankiert, darum liegt es wohl in der Gitterbox.
 Aber auf dem Paket ist ein Empfänger markiert:

Irgendjemand im Postamt in Malahide.

Bei genauerem Hinsehen findet Niall noch einen weiteren Vermerk auf dem Paket und kann nicht widerstehen. Er öffnet es und entdeckt ein altes Notizbuch. Es scheint ein Tagebuch zu sein, geschrieben von Fiona Walsh, der älteren der toten Nichten ….


Erschienen als
Taschenbuch
im Piper Verlagunter dem Namen “Teufelslist”
352 Seiten
Preis: 9,95 €
ISBN:  9783492258838
Kategorie: (Psycho)Thriller

© Buchwelten 2012

Mittwoch, 20. Juni 2012

Die Schmetterlingsinsel von Corina Bomann




Die Rechtsanwältin Diana Wagenbach ist gerade erst in ihrem verwüsteten Wohnzimmer erwacht, als sie ein Anruf aus England erreicht. Am anderen Ende der Leitung ist Mr. Green, der Butler ihrer Großtante Emmely, die in England auf dem alten Familiensitz, dem “Tremany-House” lebt. Der Butler erzählt Diana, dass ihre Großtante einen Schlaganfall erlitten hat und ins Krankenhaus eingeliefert wurde.
Da Diana eine sehr enge Beziehung zu ihrer Großtante in England hat, überlegt sie nicht lange und entscheidet dann, sich mit dem nächsten erreichbaren Flugzeug nach England zu begeben. Als Kind hat Diana alle ihre Ferien im “Tremany House” verbracht und die Großtante Emmely war für Diana immer ein Ersatz der Großmutter. Dianas Großmutter verstarb bei der Geburt ihrer Tochter (Dianas Mutter) und Emmely hat sich ihr angenommen, denn sie selbst konnte nach einer Fehlgeburt keine eigenen Kinder mehr bekommen.
Dass Diana das Wohnzimmer in einem Wutausbruch verwüstet hat, weil sie ihren Ehemann beim Fremdgehen erwischt hat, interessiert sie in diesem Moment recht wenig. Soll er sich um das Aufräumen kümmern. Sie klärt in der Kanzlei mit ihrer Partnerin die Abwesenheit ab und begibt sich dann recht zügig, ohne eine Information an Ihren Mann, zum Flughafen.
In England angekommen nimmt der herzensgute Butler Mr. Green Diana in Empfang und sie fahren zunächst einmal ins “Tremany-House”. Dort fühlt sie sich sofort wieder heimelig, auch wenn der Grund der Anreise nach langer Zeit ein trauriger ist.
Als Diana ihre Großtante Emmely im Krankenhaus besucht, macht diese Andeutungen über ein altes, dunkles und bislang perfekt gehütetes Familiengeheimnis. Dianas Neugier ist natürlich schnell geweckt, doch als Tante Emmely stirbt, hat Diana viel zu wenig Hinweise um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Doch genau diese Hinweise hat Mr. Green von Emmely erhalten, die er ihr nun, nach Anweisung seiner alten Herrin, in klein dosierten Dosen nach und nach zuspielen soll.
Diese Hinweise führen Diana weg aus England, bis nach Sri Lanka, wo Ihre Vorfahren während der Kolonialzeit viele Jahre gelebt haben. Für Diana beginnt eine Reise in die Vergangenheit und langsam aber sicher entwirrt sie das Rätsel um ihre Urahnen …


Erschienen als
Taschenbuch
im ullstein Verlag
560 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN:  9783548284385

© Buchwelten 2012

Sonntag, 17. Juni 2012

Austin Wright: Tony & Susan

Was für ein Konstrukt! Im wahrsten Sinne des Wortes ein Buch im Buch. In dieser Schärfe ist es selten anzutreffen. Doch was heisst das nun? Buch-in-Buch? Es gibt zwei Handlungsstränge, die nicht einfach als Parallelhandlungen ausgeführt sind. Eher lässt es sich so beschreiben: man liest, wie die Protagonistin Susan ein Buch liest. Es gibt also ein inneres Buch und ein äußeres Buch. Doch zunächst etwas mehr Klarheit und zum Inhalt des inneren Buches.

Tony Hastings ist mit seiner Frau und Tochter auf dem Weg in den Urlaub. Sie befinden sich nachts mit dem Auto auf einem Highway Richtung Maine, irgendwo Richtung Bangor mitten im Wald. Wer die Bücher von Stephen King kennt, der weiß, dass hier irgendetwas geschehen muss. Allein diese Szenerie treibt dem Leser bereits die Gänsehaut bis in den Nacken. Sie nähern sich zwei anderen Autos vor ihnen, die sich scheinbar ein Wettrennen liefern. Eines der beiden Fahrzeuge lässt das andere nicht vorbeiziehen. Tony muss abbremsen und wird ungeduldig. Er hupt kurz und das linke Fahrzeug schießt nach vorne. Tony zieht linksrüber an dem einen Fahrzeug vorbei, welches dann zurück fällt, während das andere weit voraus ist. Doch dann kommt Tony auch wieder an dieses Fahrzeug heran. Als er zum Überholen ansetzt, schert es plötzlich nach links aus und Tony muss auf die Bremse. Nun beginnt ein Spielchen, bei dem es Tony und seiner Familie flau im Magen wird. Eine Jagd beginnt. Dann passiert, was nicht hätte passieren dürfen. Der Wagen von Tony Hastings kommt ins Schlingern, das Lenkrad flattert, vorne links ist ein Platten. Tony muss anhalten. Auch der andere Wagen mit drei Männern darinnen  hält an. Die Höflichkeit der Kerle ist nicht echt. Die Hastings spüren das. Kurz und (nicht) gut: Tony wird im Verlauf der Handlung von Frau und Tochter getrennt. In Angst um seine Familie spielt ihm sein Gehirn eine schreckliche Vorahnung zu.

An dieser Stelle wandelt sich der „road-movie“ zu einem Psychothriller, den man getrost lesen kann, ohne die äußere Geschichte zu lesen.

Doch nun zur äußeren Geschichte. Die Handlung ist wirklich schmal. Susan Morrow hat ein Manuskript ihres Ex-Mannes erhalten. Er bittet sie in dem Begleitbrief, das Manuskript zu lesen. Nicht mehr und nicht weniger. In drei Sitzungen liest sie das Buch, zwischendurch wuseln die Kinder durch das Haus, kommen von der Schule, gehen zu Freunden, werden ins Bett gebracht. Die Lesesitzungen sind durch Intermezzi getrennt, in denen das Leben von Susan mit ihrem Ex-Mann, den sie seit zwanzig Jahren nicht mehr gesehen hatte, und das Leben mit ihrem jetzigen Ehemann und dessen Geliebter beschrieben wird. Der leser erfährt, warum sie sich nach nur zwei Jahren von ihrem Ex getrennt hatte, die Bücher und Geschichten, die er damals schrieb, waren grottenschlecht.
Was macht das Besondere dieses Thrillers aus? Er fesselt durch die beiden miteinander verbundenen Bücher. Obwohl man das innere Buch losgelöst von dem äußeren lesen kann, wird gleich zu Beginn klar, und der Titel des Buches „Tony & Susan“ sagt es schon, dass ein Zusammenhang zwischen beiden Büchern, beiden Handlungssträngen, beiden Protagonisten bestehen muss. Susan, die Protagonistin des äußeren Buches, die von den Schreibkünsten ihres Ex-Mannes beeindruckt ist, und Tony, der Protagonist des inneren Buches, der einen Albtraum durchleben muss.

Ein Thriller der aufgrund seiner Konstruktion bereits eine Extraklasse darstellt und sehr zu empfehlen ist.

Tony & Susan
Übersetzt von Sabine Roth
Luchterhand, München
ISBN 9783630873664
© Detlef Knut, Düsseldorf 2012



Samstag, 16. Juni 2012

Die Frucht des Bösen von Lisa Gardner




Der Thriller erzählt die Ermittlungen um zwei extreme Mordfälle in Boston, die die Ermittlerin D.D. Warren aufzuklären hat. Dem ersten Mord fällt eine beliebte Familie zum Opfer. Sie war unauffällig, in der gesamten Nachbarschaft gerne gesehen und es gibt keinen erkennbaren Grund für deren Auslöschung.
Am nächsten Tag wird ein weiterer, ähnlicher Mord an einer kompletten Familie entdeckt. Nur dass diese Familie das komplette Gegenteil der ersten Opfer war: Diese Familie war im Drogenmilieu einschlägig bekannt und gehörte definitiv zur Unterklasse.
D.D. Warren glaubt nicht, dass es sich um Zufälle handelt, zumal es einige Übereinstimmungen gibt. Die Mordwaffen waren sowohl eine Feuerwaffe, als auch ein Messer. Und in beiden Mordfällen wurden sogar die kleinen Kinder (z.B. ein Säugling in seiner Wiege) umgebracht.
Gemeinsam mit ihrem Partner Phil und dem Professor Alex, der einfach mal wieder die praktische Arbeit der Ermittlung miterleben will um nicht einzurosten, beginnt D.D. Warren mit den Untersuchungen und versucht den Dingen auf den Grund zu gehen …


Erschienen als
Taschenbuch
im Rowohlt Verlag
560 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN:  978-3-499-25712-4

© Buchwelten 2012

Montag, 11. Juni 2012

Neben der Spur von Ella Theiss




Karo Rosenkranz ist eine junge Journalistin, die bei einem Lokalblatt arbeitet und ihr wird die Berichterstattung über den 100sten Geburtstag des Senior Chefs der Biosuppenfirma Hepp, Hermann Hepp, übertragen. Klingt nicht besonders aufregend, doch da Karo als freie Mitarbeiterin arbeitet, ist sie natürlich finanziell auf jeden Artikel angewiesen und macht sich auf den Weg.
Als sie am Stammsitz der Firma Hepp ankommt, erwartet sie ein Aufgebot an Polizei, Rettungswagen und ein komplett abgesperrtes Firmengelände. Durch einen kleinen Trick, vermischt mit weiblichem Charme gelingt es Karo doch auf das Betriebsgelände zu gelangen. Nun wird es spannend, denn dort ist ein Sprengsatz explodiert, zu Schaden kamen allerdings nur eine Anzahl von Suppenhühnern. Hühner in einer vegetarischen Biosuppenfirma? Wie passt denn das zusammen fragt sich Karo und ihre Neugierde ist geweckt. Durch den ganzen Trubel auf dem Gelände gelingt es Karo sich in das Wohnhaus zu schleichen und dort kurz auf den Senior zu treffen. Der liegt dösend im Bett und faselt von Kriegserlebnissen.
Zu Hause angekommen recherchiert Karo im Internet über die Firma Hepp, besonders über den 100-jährigen Hermann (denn der soll angeblich nie im Krieg gewesen sein). Dabei stolpert sie eher zufällig über eine Stellenausschreibung. Gesucht wird eine Medienvertreterin und Karo bewirbt sich, eigentlich zum Spaß. Denkt sich, dass es sicher mehr zu erfahren gibt, wenn sie intern im Konzern arbeiten kann und das Gehalt kann sie auch gut gebrauchen.Sie bekommt die Stelle und ist somit für ihre Recherchearbeiten über die Ungereimtheiten des alten Hepp an der Quelle und erfährt noch einiges mehr. Nämlich das der junge Valentin Hepp, der Firmenerbe des Konzerns, angeblich verreist ist, dieser aber dennoch unter Verdacht steht, den Anschlag angezettelt zu haben. Denn Valentin ist ein überzeugter Tierschützer.
Karo wittert natürlich eine tolle Story, steckt ihre neugierige Nase in so ziemlich jede Ecke des Betriebs und auch als es plötzlich beginnt gefährlich zu werden, sieht sie dies nicht … oder will es nicht sehen …


Erschienen als
Taschenbuch
im Grafit Verlag
256 Seiten
Preis: 8,99 €
ISBN:  978-3-89425-402-5

© Buchwelten 2012



Sonntag, 10. Juni 2012

Schnitt von Marc Raabe




Gabriel ist Mitarbeiter in einer Sicherheitsfirma und eigentlich mit seiner Freundin verabredet. Sie erwartet ein  Kind und um Mitternacht möchten sie in ihren Geburtstag hinein feiern.
Plötzlich trifft ein seltsamer Einsatzruf in der Zentrale der Sicherheitsfirma ein. Der Alarm wurde in einem Haus ausgelöst, dass zwar in der Kartei der Firma geführt ist, jedoch seit etwa 30 Jahren leersteht. Als Gabriels Kollege seinen Chef im Ausland anruft, besteht dieser darauf, dass nicht Gabriel zu diesem Haus fährt um die Lage zu prüfen und den Alarm auszuschalten. Sein Kollege soll dies erledigen. Doch Cogan hat starke körperliche Beschwerden und so überredet Gabriel ihn in der Zentrale zu bleiben und er fährt doch selber hinaus zur alten Villa.
Dort angekommen findet er die Haustüre geöffnet und als er den Keller betritt, in dem sich der Schaltkasten der Alarmanlage befindet, wird Gabriel überrascht. Im Keller hängt ein Kleid, ein Haute Couture Stück, schwarz, edel auf einem Bügel. Er wundert sich und er fühlt sich auch sehr unbehaglich, doch weiter darüber nachdenken kann er nicht. Denn auf einmal klingelt sein Handy, Liz ist am Apparat.
Sie ist eine erfolgreiche, starke und selbstbewusste Journalistin, doch nun klingt sie völlig hilflos. Sie bettelt Gabriel um Hilfe an, sie sei überfallen worden und überall sei Blut. Gabriel reagiert sofort und alarmiert den Notruf, schickt einen Rettungswagen in den Park, in dem Liz sagte überfallen worden zu sein.
Er selber macht sich auch sofort auf den Weg dorthin. Dort angekommen ist nicht nur der Rettungswagen bereits eingetroffen. Auch die Polizei ist vor Ort. Von seiner verletzten Freundin Liz fehlt allerdings jede Spur, stattdessen liegt dort die Leiche eines jungen Mannes, die Kehle wurde ihm durchgeschnitten. Da Gabriel der derjenige war, der den Rettungsdienst alarmiert hat, somit also Kenntnis von einem Vorfall im Park haben muss, kommt was kommen muss: Gabriel steht unter dringendem Mordverdacht …


Erschienen als
Taschenbuch
im Ullstein Verlag
448 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN:  9783548284354

© Buchwelten 2012

Hélène Grémillon: Das geheime Prinzip der Liebe

Als ich das Buch in die Hände bekam, hatte ich mich auf das Lesen gefreut. Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Doch zunächst wurde ich enttäuscht.
Die Verlegerin Camille erhält einen Brief, dessen Lektüre sie etwas verwirrt. Es folgen weitere Briefe desselben Absenders. In den Briefen wird eine Geschichte erzählt. Camille denkt, eine Autorin oder ein Autor hätten sich eine ganz raffinierte Bewerbung ihres Manuskriptes einfallen lassen. In der Geschichte ist von einem Louis und von einer Louise die Rede. Doch je mehr Camille von diesen Briefen liest, umso mehr wird sie das Gefühl nicht los, dass die Briefe etwas mit ihr zu tun haben. Sie schwankt immer wieder zwischen „eingereichtem Manuskript“ und „Familiengeschichte“. Leider dauert dieses Schwanken tatsächlich ganze einhundertfünfzig Seiten lang. Von Tempo und Spannung keine Spur. Natürlich bleibt die Frage offen, ob der Verlegerin hier ihre eigene Entstehungsgeschichte erzählt wird. Doch diese frühzeitig gestellt Frage trägt die vielen Seiten nur schwer und so mancher Leser würde längst aufgehört haben zu lesen. Bei mir war es eher die Rezension einer Kollegin, die mich weiterlesen ließ. Und ich muss gestehen, dass sich das Durchhalten gelohnt hat. Wird dieser erste Teil immer aus zwei Perspektiven erzählt, so kommt im zweiten Teil eine dritte Perspektive, eine weitere Erzählerin, hinzu. Alles bis dahin Erzählte wird nun aus anderer Sicht erneut dargestellt. Lücken, die zwar vorhanden waren, aber wegen fehlender Spannung nicht interessierten, werden nun gestopft. Das Bild wird klarer. Die Geschichte nimmt Fahrt auf. Man könnte meinen, dass es sich bei dem zweiten Teil um das eigentliche Buch Hélène Grémillons handelt und die Seiten zuvor nur auf Drängen des Lektorats hineingebracht wurden, um mehr Volumen hineinzubringen. Erst auf den letzten zehn Seiten kehrt die Erzählung wieder zur Verlegerin und dem Briefeschreiber zurück, wo die Geschichte erneut eine überraschende Wendung erfährt.
Alles in allem eine sanfte und anrührende Liebesgeschichte, die leider etwas langatmig wirkt. Wer den langen Vorlauf allerdings nicht durchhält verpasst aber die dramatische Spannung und das überraschende Ende.


Grémillon, Hélène
Das geheime Prinzip der Liebe
Übersetzt von Claudia Steinitz
Hoffmann & Campe, Hamburg
ISBN 9783455400960

© Detlef Knut, Düsseldorf 2012