Dienstag, 28. Juli 2009

Günther Kröger: In Kuba und Mosambik – im Auftrag der Rostocker Hochseefischerei


Bei diesem Buch handelt es sich um eine sehr gut lesbare, nie langweilig werdende Reportage über das Leben der Hochseefischer im Allgemeinen und die Arbeit des Kapitäns Horst Dieter Seffner im Speziellen. Sowohl Autor als auch Porträtierter waren seit den fünfziger Jahren in der Fischerei der DDR tätig. Da wundert es nicht, dass die knallharten Fakten nur so purzeln. Es wird von den Veränderungen in der Flotte und in der Fischereipolitik berichtet.

Die Schaffung der 200-Seemeilen-Zonen zu Beginn der 70er Jahre in fast allen Küstenstaaten der Welt sorgte einerseits für viel Unruhe und forderte andererseits von den Verantwortlichen in der Fischereiflotte ein rigoroses Umdenken. Die Fischereischiffe mussten weit entfernt liegende Fanggebiete ansteuern, der Besatzungsaustausch per Flieger wurde eingeführt, in Kuba und einigen anderen Ländern mussten dafür ständige Fischereivertreter eingesetzt werden, die die Fäden zwischen den Besatzungen und den örtlichen Behörden in der Hand hielten. So wird vom Leben in Kuba und Mosambik berichtet. Mit dem damaligen Fischereihilfsschiff „Robert Koch“ geht es noch mal durch den Panamakanal. In Mosambik wird eine Garnelenflotte aufgebaut, erste Fangversuche mit den Frosttrawlern aus Saßnitz, dann der Umbau der Zubringer-Trawler. Probleme mit der Mentalität der Menschen sowohl in der Karibik als auch in Afrika und Umstellungen wegen dieser Mentalität. Aber nicht nur mit den Menschen dort, sondern auch mit denen im eigenen Ministerium. Die Hilfe für eine hungernde Bevölkerung in Form einer kleinen Kutterflotte, die aus Saßnitz nach Mosambik beordert wird.

Zu den vielen großen Tätigkeiten, die der Porträtierte für die Flotte zu erledigen hatte, gesellten sich viele kleine Verrichtungen. Dazu gehörte das Auslösen so manchen Fischers aus dem kubanischen Gefängnis, die Durchführung von Stadtrundfahrten für die Teilnehmer eines Kreuzfahrtschiffes und die Teilnahme an Botschaftsempfängen, wo er sich Ministeriumsrüffel z.B. wegen mangelnder Kleiderordnung einhandelte.

Der Autor hat sich in diesem Porträt zurück genommen und lässt den Charakterisierten sowie viele an den Ereignissen Beteiligte selbst agieren. Er lässt sie erzählen und bewirkt somit eine sehr real wirkende Darstellung der einzelnen Geschehnisse. Zwischendurch setzt er kleine Kommentare aus seiner Sicht um die geschilderten Anekdoten, die er zum damaligen Zeitpunkt aus einer anderen Perspektive erlebt hatte. Auf diese Weise sind viele lebensnahe Beschreibungen enthalten, die manchen Leser vielleicht zu einem Aha-Erlebnis animieren, manchen in Erstaunen versetzen, weil sie aus diesem Bereich des DDR-Alltags bisher nie etwas gehört hatten. Die grundlegende Herangehensweise ist genau richtig, obwohl von der Gestaltung her anders hätte herangegangen werden können. Die Unterscheidung der einzelnen Erzähler ist für den Leser nicht immer leicht nachvollziehbar. Die Anführungszeichen und der gelegentliche Vermerk „(Autor)“ reichen nicht aus. Abhilfe wäre möglicherweise eine kursive Schrift für die einzelnen Erzähler und eine normale für den Autor; gleiches gilt für Überschriften. Dem Lesevergnügen gebietet es dennoch keinen Abbruch. Dieses wird zusätzlich durch die zahlreichen Abbildungen gefördert. Abgerundet wird das Buch durch einen fischereispezifischen Glossar, der einem Nicht-Fischer die Möglichkeit gibt, bei dem einen oder anderen Wort schnell nachzuschauen, worum es sich handelt, ohne sofort das Internet und Wikipedia bemühen zu müssen.
Das Ziel eines Porträts vom Kapitän Horst Seffner hat der Autor erreicht. Es ist keine Biografie, obwohl es große Passagen aus dem Leben des Anpackers enthält. Aber es stellt ihn in dem Licht dar, in welchem er schon damals (Randnotizen geben Auskunft) und nicht nur erst heute gesehen wurde: ein hilfsbereiter Feuerwehrmann mit dem Herzen am rechten Fleck, der zuverlässig an jedem Brennpunkt in der Flotte seine Arbeit tat und die Notwendigkeit dafür selbst erkannte.

Alles in allem ein wunderschönes Buch zu einem Thema, welches vielen Lesern nicht geläufig sein wird. Mit der Lektüre des interessanten Stoffes lässt sich der Leser auf eine unterhaltende Bildungsreise ein.

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Günther Kröger
In Kuba und Mosambik – im Auftrag der Rostocker Hochseefischerei
Reportage in der Buchreihe „Hochseefischer, Menschen ganz besonderer Art“ , 191 Seiten, Paperback
Unsfisch Verlag
ISBN: 978-3-981286-90-8
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© Detlef Knut, Düsseldorf 2009

Sonntag, 12. Juli 2009

Die Krimi-Cops: Teufelshaken - der zweite Fall für Struller und Jensen


In ihrem neuen Kriminalroman „Teufelshaken“ geben die Krimi-Cops erneut einige Einblicke in die Arbeit des Düsseldorfer Polizeipräsidiums. Zugegeben, oft genug mit einem zwinkernden Auge. Dabei ist ein ernster Fall zu klären. Während der erste Tote, der dienstälteste Köbes (Kellner) einer bekannten Altstadt-Brauerei-Kneipe, noch gar nicht als zu ermittelnder Fall sondern als Unfall wahrgenommen wird, wirft der zweite Tote in einem unterirdischen Gewölbe viel weitreichendere Fragen auf.

Wie bereits in „Stückwerk“ wird Kriminalhauptkommissar Struhlmann, genannt Struller, an den Einsatzort kommandiert. In den zahlreichen Stichwunden an der Leiche erkennt er ein ihm zunächst zwar noch unbekanntes Symbol, was ihm aber sofort signalisiert, dass es sich hierbei nicht um einen Unfall handelt. Sein freier Tag ist versemmelt. Und dann auch noch das komische Verhalten seines einarmigen Lieblingswirtes Krake. Das gefällt ihm gar nicht.

Schließlich eine weitere Leiche, diesmal im Rhein. Das ist nicht mehr alleine zu schaffen, zumal alle anderen Kolleginnen und Kollegen in einer Glücksspiel-Soko eingebunden sind. Struller fackelt nicht lange, sondern kommandiert seinen ehemaligen Praktikanten Jensen, der nach abgeschlossener Ausbildung in die niederrheinische Provinz an die holländische Grenze versetzt worden war, kurzerhand zurück ins Düsseldorfer Präsidium. Höchst amüsant ist die damit beginnende Parallelhandlung mit Oma Jensen, die sich nicht scheut, ihrem Enkel ins entfernte Düsseldorf zu folgem, um ihm bei seiner wichtigen Arbeit und der Jagd nach den Mördern unter die Arme zu greifen. Dabei schafft sie es ohne Mühe, dem Polizeipräsidenten in einem Vier-Augen-Gespräch einige wichtige Ratschläge zu geben.

Die beiden Polizisten Struller und Jensen zermartern sich die Köpfe um das immer noch unbekannte Symbol, den Teufelshaken. Schließlich ermitteln sie, dass es sich um das Vereinszeichen eines Karnevalsvereins handelt, auch der Gedanke an Okkultismus geht ihnen nicht aus dem Kopf. Hin und wieder werden ihnen Hinweise von Faserspuren-Harald durchgegeben, der mit Akribie die Tat- oder Fundorte auseinander nimmt. Es bleibt nicht bei den drei Leichen, es gesellen sich weitere hinzu. Und immer wieder spielt der Teufelshaken eine wichtige Rolle. Im Umfeld jeder Leiche taucht dieses Symbol auf. Ein untrügliches Zeichen auf einen Zusammenhang aller Morde. Die Ermittlungen führen in die unterschiedlichsten Milieus Düsseldorfs und schließlich auch bis zur Veranstaltung der Bambi-Verleihung. Struller und Jensen legen sich mit Glücksspielern, einer Motorradgang und mit Karnevalisten an, doch schließlich sind ihre Ermittlungen von Erfolg gekrönt. Und der von Krake vermisste Stammkunde, weshalb Struller das Verhalten von diesem aufgefallen war, wird endlich auch wieder aufgefunden.

Bei den Krimi-Cops handelt es sich um ein sechsköpfiges Autorenteam: Martin Niedergesähs, Stephan Engel, Klaus Stickelbröck, Ingo Hoffmann, Carsten Rösler und Carsten Vollmer. Allesamt sind echte Kommissare und arbeiten auf dem Düsseldorfer Polizeipräsidium. „Teufelshaken“ ist ihr zweiter gemeinsamer Roman um Struller und seinen Partner Jensen. Mit viel Charme sind die Figuren ihrer Romane aufgebaut. So sind auch die beiden Polizisten schnell als liebenswerte Chaoten entlarvt; ob sie nun mit Pepitamützchen durch die Gegend marschieren oder in einer Mönchskutte über die Flure des Präsidiums hetzen. Man liest den sechs Autoren ihre Freude am Schreiben an. Jedem von ihnen scheint der Schalk im Nacken zu sitzen und so mancher Kollege von ihnen wird sich in der einen oder anderen Romanfigur zu entdecken haben. Trotz allen Spaßes handelt es sich um eine immer auf Wendungen und Spannung bedachte Kriminalhandlung. Der Leser wird einem sehr amüsanten Verwirrspiel ausgesetzt und oft genug auf die falsche Fährte geführt. Doch schließlich, Struller hat es eh von Anfang an geahnt, laufen alle Wege auf eine einzige Lösung hinaus, wie sie anders gar nicht hätte sein können.
Ein absolut lesenswerter Roman für jede Jahreszeit, besonders im Sommer, der karnevalslosen Zeit.


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Die Krimi-Cops
Teufelshaken
Roman, 299 Seiten, Taschenbuchausgabe
KBV Verlag
ISBN: 978-3-940077-49-3
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© Detlef Knut, Düsseldorf 2009