Mittwoch, 23. Mai 2018

Rene Freund - Liebe unter Fischen


"Je weniger die Dinge um mich werden, umso mehr werde ich"

Alfred Firneis hat mit 2 Lyrik-Büchern den Nerv der Zeit getroffen und damit seiner Verlegerin Susanne Beckmann eine gesicherte Existenz beschert. Nun geht es dem Verlag nicht so gut und Firneis soll nachlegen. Der aber verlottert so langsam in seiner Kreuzberger Wohnung. Nach einem physischen und psychischen Zusammenbruch will aus dem Kerker seiner schlechten Gewohnheiten – saufen, zweifeln, fürchten, verzweifeln – ausbrechen und macht sich auf den Weg zu einer aus Lärchenholz gebauten Hütte in Grünbach am Elbsee in Österreich. Hier trifft er auf die Limnologin Mara, die ihm erklärt, wie die Elritzen Liebe machen - und ist ganz hin und weg.

Obwohl er sich als Ekel und irgendwie unnahbar gibt, war mir Alfred "Fred" Firneis von Angang an recht sympathisch. Schon seine Ansage auf dem Anrufbeantworter "Bitte hinterlassen sie keine Nachricht: Ich rufe nicht zurück" finde ich witzig und hat mich für ihn eingenommen. Ich würde jetzt gerne neben ihm und dem jungen Revierförster August mit Lederhose und Nixentatoo, den ich auch sehr mag, vielleicht weil er das genau Gegegenteil zu Fred ist, auf der kleinen Bank vor der Hütte am See sitzen und mir seine Lebensweisheiten anhören. Ich finde es rührend, wie sich Fred ohne Elektrizität und warmes Wasser versucht in der Einsamkeit einzurichtren. Freds Verlegerin Susanne kommt mir sehr egoistisch, nur auf sich und den Verlag bedacht und manipulativ vor. Mara dagegen halte ich für etwas naiv, sie lässt sich manipulieren, merkt aber noch gerade rechtzeitig, was ihr wichtig ist.

Die Geschichte ist nach Tagen aufgeteilt, und enthält anfangs auf der Hütte meist Briefen, zuerst nur von Fred an Susanne, bis sie dann auch antwortet. Gerade die Briefe lassen noch vielmehr als die vorhergehenden und die folgenden Gespräche tief in Freds Seele blicken. Hier und da schien mir die Handlung etwas verworren, fügt sich aber zum Schluss hin zu einem kompletten Ganzen zusammen.

Der Schreib- und Erzählstil ist leicht und flüssig und ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Der Bucheinband weist auf Daniel Glattauers "Gut gegen Nordwind" hin, das ich auch gelesen habe. Mir persönlich hat "Liebe unter Fischen" noch einen Tick besser gefallen.

Ich habe die gute Unterhaltung mit nicht alltäglichen Charaktären genossen.

Rene Freund
Liebe unter Fischen
Wer nach den Sternen greift

Hanser Verlag, München
ISBN 9783552062092

© Gaby Hochrainer, München 2018

Dienstag, 22. Mai 2018

Grappa in der Schlangengrube von Gabriella Wollenhaupt

Im Rahmen eines Resozialisierungsprojekts wird der zweifache Mörder Mischa Ashley nach 17 Jahren Haft entlassen und soll im Verlagshaus des „Bierstädter Tageblatts“ eine Stelle erhalten. Titel des Projektes Wiedereingliederung: „Die zweite Chance“.
In der Haft hat Mischa Ashley nicht nur sein Abitur nachgeholt, er hat auch das Schreiben begonnen. Hat Texte und einen Roman geschrieben und alle finden das total toll. Der charismatische Typ sieht gut aus, hat offensichtlich Charme und ist mittlerweile sanft wie ein Lamm.
Nun, in der Redaktion kommt er nicht überall so gut an, die „Geister“ scheiden sich enorm. Die weiblichen Kolleginnen sind fast alle hin und weg und seiner Ausstrahlung erlegen. Nicht so die männlichen Kollegen, die sind eher bissig und mehr als skeptisch. Und dann ist da noch Grappa. Sie wird Ashley als Mentorin an die Seite gegeben, soll ihm helfen und eine schützende Hand über ihm haben.
Doch Grappa ist alles andere als begeistert. Ihr ist der Typ mit seinem extremen Narzissmus mehr als suspekt. Und das bekommt er auch zu spüren. Nicht nur von Grappa. Auch in der Öffentlichkeit reagieren sehr viele Bürgen negativ auf das Projekt. Ganz nach dem Motto: Einmal Mörder, immer Mörder. Punkt.
Dann geschieht ein Mord in der Stadt. Und das Opfer ist eine reiche Dame mittleren Alters, die Mischa Ashley finanziell enorm unterstützt hat …

Sonntag, 20. Mai 2018

Janne Mommsen - Die kleine Inselbuchhandlung

Eine absolute Wohlfühllektüre

Lufthansa-Flugbegleiterin Greta Wohlert sieht sich vor ihrem Flug nach Shanghai mit einer Panikattake konfrontiert. Fiegen kann sie nicht, also nimmt sie ein paar Tage Auszeit und fährt mit dem Zug zu ihrer Tante Hille auf die kleine Nordseeinsel, die sie schon seit ihrer Kindheit kennt. Aus 3 Tagen werden zwei Wochen in denen sie krankgeschrieben ist und sich über ihre Zukunft Gedanken macht. Da sind zum einen die vielen Bücher, die ihre Tante abstoßen will und die sich als Grundstock für eine kleine Bücherei gut eignen würden. Da ist der blonde Surferboy Claas, den sie sehr sympathisch findet. Aber auch ihr Kollege Florian spukt ihr immer noch im Kopf rum. Soll sie es wirklich wagen und auf der kleinen Insel einen Neuanfang starten?

Ich war sofort mittendrin in diesem kleinen abgeschlossenen Kosmos in der Nordsee mit tollen Menschen, Sonne, Sand und Meer. Entspannung ab der ersten Seite.

Greta mit ihrer Liebe und einem tollen Verständnis zu Büchern; ihre Tante Hille, die die irrwitzigsten T-Shirts trägt; dem Krabbenfischer, der recht maulfaul ist und trotzdem seine große Liebe findet – einfach schön zu lesen, wie einfach das Leben eigentlich sein könnte, wenn alles etwas entschleunigt vonstatten geht.

Ich habe es genossen, miterleben zu dürfen, wie die kleine Inselbuchhandlung Stück für Stück entsteht; wie die Menschen, die schnell zu Freunden geworden sind, mit anpacken und helfen. Wie einfach alles geht, wenn man es nur will.

Mit dem Radl durch die Marsch, durch die Felder und Weiden, über den kleinen Waldweg zum See, die Beschreibung der Dünen, wenn der Wind durchs Gesicht streicht, wenn die Wellen die Füße umspülen, die Kuhle in der Düne, oder einfach nur im Sand sitzen und den Kitesurfern zusehen – alles so wunderbar, eindringlich und gut vorstellbar beschrieben, dass ich gleich wieder Fernweh bekomme und unbedingt mal wieder in den hohen Norden möchte.

Janne Mommsen hat mir einen absoluten Wohlfühlroman zu lesen gegeben, der mir einige wunderschöne erholsame Lesestunden geschenkt hat.

Janne Mommsen
Die kleine Inselbuchhandlung
rowohlt Verlag, Hamburg

ISBN 9783499291548

© Gaby Hochrainer, München 2018

Freitag, 18. Mai 2018

Rosa Berg - Teddybär, Teddybär, dreh Dich um

Packend ab der ersten Seite

Von ihrer Mutter Elisabeth finanziert, lebt die dicke, ungepflegte 26-jährige Hanna Malchau im Wohnwagen als Dauercamperin auf dem Campingplatz. Hannas geistig behinderte Tochter Tonja wird indes von Elisabeth aufgezogen. Als Hanna immer wieder Teddybären mit verstörenden Nachrichten vor ihrem Wohnwagen findet, meint sie ihre Tochter entführen und so schützen zu müssen.

Kommissarin Nina Hecker und ihr Kollege Thilo Sander, der Hanna als ehemaliger Streetworker kennengelernt hat, ermitteln in diesem Entführungsfall und dringen immer weiter in die familiären Verhältnisse ein und bringen Scheußlichkeiten ans Tageslicht, mit denen sie nie gerechnet hätten...

Rosa Berg schafft es in ihrem Debütthriller von Anfang an ein düsteres Szenario zu schaffen, das sich verdichtet, je näher man der Lösung des Falles kommt. Eingestreute Textpassagen, die auf häuslichen Missbrauch schließen lassen und die ich erst zum Schluss richtig deuten konnte, fachen die Spannung weiter an und bringen Unglaubliches ans Tageslicht.

Hannas Welt, geprägt von Alkohol, Zigaretten, auch Drogen und Diebstählen für den täglichen Bedarf, stellt sie ganz an den Rand unserer Gesellschaft. Beim Blick in ihren Wohnwagen hat es mich geschüttelt. So sollte kein mensch leben müssen. Es war schwer, Sympathie für sie zu entwickeln. Aber je weiter die Handlung fortschreitet, umso vertrauter wurde sie mir, hatte ich Mitleid mit ihr. Schlimm für sie fand ich die Erkenntnis, dass sie ihre Tochter trotz all der Liebe, die sie für sie empfindet, nicht versorgen kann.

Auch die anderen Charaktäre machen es mir schwer sie zu mögen. Ausser Thilo Sander – der Kommissar und ehemalige Streetworker geht so ganz anders an den Fall heran. Bei ihm bin ich mir sicher, der schafft das schon. Im Gegensatz zu seiner Kollegin, die hier und da überreagiert, gerne mal die Waffe zückt und ich immer gehofft habe, dass sie sich dann doch noch zusammenreißen kann. Aber mit der Zeit kam ich auch mit ihr zurecht und habe teilweise verstanden, warum sie tut, was sie tut.

Der Schreibstil ist fesselnd und spannend und die Seiten fliegen nur so dahin. Spuren tun sich auf, halten aber einer Prüfung nicht stand. Ich kann gut miträtseln und mitfiebern, bin immer sehr nahe an den Kommissaren dran, was auch an den vielen Dialogen liegen mag. Ich schaue in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele und frage mich, wie ein Mensch das alles verkraftet.

Ein verstörender Psychothriller mit kleinen Schwächen, aber viel Potential für die neuen Ermittler.

Rosa Berg
Teddybär, Teddybär, dreh Dich um
KSB-Media
ISBN 9783945195550

© Gaby Hochrainer, München 2018

Donnerstag, 17. Mai 2018

Klaus Wanninger: Schwaben-Fest

Dieser Kriminalroman war für mich so etwas wie Erholung für die Seele nach vielen ausländischen und actionreichen Krimis und Thrillern liest sich dieser bodenständige Ermittlungskrimi aus Stuttgart wie ein Roman, bei dem man tief ein- und ausatmen kann.

Es ist bereits der 19. Roman aus der Schwaben-Reihe, der beim KBV Verlag erschienen ist. Es ist das große Volksfest der Cannstatter Wasen. Der Bürgermeister feiert heute mit. Er entpuppt sich als Wildpinkler. Hinter dem Zelt stößt er beim Entleeren seiner Blase auf eine Leiche. Die Ermittler finden in Ihrer Nähe einen Zettel mit dem Wort "Menschenschinder" darauf. Kommissar Braig übernimmt mit seinem Team die Ermittlung. Doch warum dieses Opfer zunächst offenbar als "Menschenschinder" bezeichnet wurde, ist ihnen ein Rätsel, handelt es sich doch um einen ruhigen und beflissenen Rosenzüchter, der mit seinen Züchterkollegen das Volksfest besuchen wollte. Schon bald müssen die Ermittler erfahren, dass es weitere Menschenschinder in der Region gibt und es nicht bei dem einen Opfer bleiben soll.

Wanninger hat einen grundsoliden Kriminalroman präsentiert, der es kaum an etwas vermissen lässt. Obwohl überwiegend eine ruhige Atmosphäre vorherrscht, muss der Leser nicht auf actionreiche Szenen verzichten. Das Privatleben der Ermittler wird nicht herausgehalten aus der Handlung und macht das Personal umso sympathischer. Der Lokalkolorit ist nicht überstrapaziert. Irgendwo muss ein Roman spielen, warum also nicht in Stuttgart? Immer wieder streut der Autor entsprechende Hintergrundinformation zu regionalen oder historischen Besonderheiten ein, was nie hemmend in der Handlung wirkt.

Was für mich zwar kein störender aber einen nervenden Eindruck hinterließ, sind die unterschiedlichen Dialekte der deutsche Sprache. Schön und passend, aber völlig ausreichend ist, dass einige Figuren schwäbisch sprechen. Ist auch alles verständlich. Aber warum die aus Sachsen stammende Kollegin im Kommissariat dann auch sächselt, und ein Zeuge berlinert war für mich zu viel des Guten. Das hätte der Roman nicht nötig gehabt. Aber wie gesagt: nicht störend, eher nervig.

Der Krimi ist ein wohltemperierter Gegensatz zu all den hochgedrehten Thrillern, den ich gern empfehle.

Klaus Wanninger
Schwaben-Fest

KBV Verlag, Hillesheim
ISBN
9783954413812

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018

Mittwoch, 16. Mai 2018

Katharina Peters - Strandmord

Ein erschreckender Blick zurück

Ruth Kranold, eine Ex-Polizistin aus Greifswald, muss bei diesem Schietwetter sehr langsam fahren. Nur so wird sie auf eine besinnungslose junge Frau aufmerksam, die am Straßenrand in einem Gebüsch liegt. Die junge Ina ist brutal zusammengeschlagen und grausamst verletzt worden. Ruth nimmt die junge Frau, die ich ganz zu Anfang der Geschichte kennenlerne, mit zu sich nachhause und päppelt sie auf.

Ein paar Tage später wird an einem Strand zwischen Glowe und Juliusruh auf Rügen eine schrecklich zugerichtete, erfrorene, nackte Frau gefunden. Die Tote, die 35-jährige Pharmareferentin Karola Thiel, bereitet Kommissarin Romy Baccare sehr unschöne Erinnerungen. Vor ca. 15 Jahren hat Romy so etwas schon mal gesehen – in München, ganz zu Beginn ihrer Kripozeit. Der damalige Täter wurde vor einem Jahr entlassen. Schlägt er jetzt hier im Norden wieder zu?

Da ich bei den ersten 6 Fällen schon mit Romy Baccare die Täter gesucht habe, ist es schön, wieder einmal auf Rügen zu sein und alte Bekannte aus den Kommissariaten in Bergen und Stralsund zu treffen. Wie auch die ersten Fälle, ist dieser abgeschlossen und kann, auch dank dem zum Schluss aufgeführten Verzeichnis der Ermittler, gut von Neueinsteigern gelesen werden.

Der Kriminalfall scheint recht eindeutig und präsentiert nacheinander eine Menge Verdächtige. Alibis werden überprüft, Verdächtige verhört, die Spannung steigt von Seite zu Seite. Aber obwohl die Kommissare in Bergen und Stralsund unter Hochdruck ermitteln, tappen sie lange Zeit im Dunkeln. Ich bin immer mittendrin, kann den Ermittlungen und den Gedanken der Ermittler sehr gut folgen. Aber die eigentlichen Zusammenhänge habe ich auch erst kurz vor Schluss durchblickt. Mich hat die Auflösung des Falles ziemlich schockiert und mitgenommen.

Nicht so gut gefallen hat mir, dass Romy diesmal persönlich viel zu nah an diesem Fall dran war und um ihr Leben fürchten musste. Ich würde mir wünschen, dass sie sich endlich einmal richtig von ihren schlimmen Erfahrungen erholen kann. Fälle, in denen die Ermittler nicht selbst involviert sind, lese ich einfach lieber.

Die meisten der Ermittler kenne ich ja schon länger. Da Kasper Schneider, der Lieblingskollege von Romy, nun im ersehnten Ruhestand ist, nur hier und da als Berater zu den Fällen hinzugezogen wird, und noch kein neuer Kollege da ist, nimmt seine Stelle z.Zt. der 30-jährige Polizeiobermeister Bernd Kasch ein. Unauffällig, still und nachdenklich macht er seine Arbeit, was Romys Urteil über ihn mit der Zeit revidiert. Mir gefällt Paschs Arbeitsweise sehr gut und ich würde mich freuen, wenn er weiter ein Teil des Teams bleiben würde.

Dieser Fall hält eine Menge unterschiedlicher Charaktäre aus den unterschiedlichsten Schichten bereit. Alle gut ausgearbeitet, farbig mit ihren Eigenarten skizziert und für mich gut vorstellbar dargestellt.

Aber auch die Insel Rügen bekommt mit ihrer winterlichen Schönheit, die hier gut vorstellbar gezeichnet wird, ihren Raum. Da ich erst im vergangenen Jahr dort war, habe ich einige Orte noch bildlich vor Augen. Absolut eine Reise wert.

Auch der 7. Fall für Rommy Baccare und ihren Freund und Partner Jan Riechter hat mich wieder fasziniert und sehr gut unterhalten. Ich hoffe bald wieder zu einem neuen Fall auf die Insel Rügen kommen zu dürfen.

Katharina Peters
Strandmord
Aufbau Verlag, Berlin

ISBN 9783746633947

© Gaby Hochrainer, München 2018

Sonntag, 13. Mai 2018

Katja Kleiber - Die Eifelhexe

Ein neues Ermittler-"Trio" aus der Eifel


In Adenau, einem Ort in der Eifel, wird der Lokalpolitiker Wolfgang Leyendecker vergiftet. Der Verdacht fällt auf Ella Dorn, eine Unternehmensberaterin, die seit 2 Jahren im alten Forsthaus im Wald über Antweiler lebt und hier als Kräuterhexe bekannt ist. Sie hat sich im Laufe der beiden Jahre, die sie nun hier ist, in die Kräuterheilkunde eingearbeitet, stellt Cremes und Tinkturen her und spürt Wasseradern und Erdstrahlen auf. Da sie den Verdacht nicht auf sich sitzen lassen will, geht sie auf eigene Faust auf die Suche nach dem Täter – und wird früher als die Polizei aus Bad Neuenahr-Ahrweiler fündig.

Der Einstieg mit dem Prolog facht schon die Spannung an und der Bogen hält sich bis zur endgültigen Auflösung am Schluss, wo es noch mal richtig spannend wird.

Der leichte und flüssige Erzählstil sorgt dafür, dass man das Buch in einem Rutsch durchlesen kann. Langeweile kommt keine auf. Was mich nur etwas gestört hat, waren einzelne Phrasen, die sich öfter wiederholt haben. Auch dass eine Krankheit immer wieder einfließt, hat mir nicht so gut gefallen.

Da ich schon einige Male in der Eifel Urlaub gemacht habe, hatte ich die Landschaft beim Lesen immer vor Augen. Vor allem die kleinen Fachwerkhäuser in Monschau haben mir damals richtig gut gefallen. Alles in allem macht es Spaß mit Ella oder den Kommissaren durch die beginnende Herbstlandschaft zu streifen.

Ella Dorn, die hier eine der drei Hauptrollen spielt, ist mir von Anfang an trotz ihres gesundheitlichen Handikaps sehr sympathisch. Auch wenn sie die ein oder andere Macke hat, kann ich sie mir gut als Freundin vorstellen.

Ganz anders die beiden Kommissare. Peter Claes stinkt es einfach, dass er in diesem Fall, der für ihn ja auch nichts anders ist als ein Unfall oder ein Diebstahl ist, eine Frau aus dem Kommissariat aus Trier vor die Nase gesetzt bekommt. Dem entsprechend rüde führt er sich auch auf. Und seine Vorurteile sollte er auch mal überdenken.

Seine Vorgesetzte Tanja Marx hat gerade eigene persönliche Probleme mit denen sie kämpft. Sie kommt mir sehr eingebildet und selbstgefällig vor. Trotzdem würde ich gerne weitere Fälle mit den Beiden lösen.

Auch die anderen Protagonisten sind gut vorstellbar mit ihren Ecken, Kanten und Vorlieben beschrieben. Hier und da habe ich den Eifler Dialekt etwas vermist. Der hätte den Lokalkolorid noch mehr hervorgehoben.

Ich wurde schnell in eine Geschichte hineingezogen, die für mich, die ich von Landwirtschaft, Ackerbau und Flurbereinigung keine Ahnung hatte, doch sehr interessant war. Hier habe ich sogar noch etwas gelernt. Durch die vielen Spuren, die es gilt zu verfolgen und zu hinterfragen, wurde ich hier und da in die Irre geführt, konnte aber bis zum Schluss mit ermitteln und mit fiebern. Den Täter hatte ich schon recht früh ins Auge gefasst, konnte mir aber sein Motiv nicht vorstellen. Und das hat mich dann wirklich überrascht und teils frösteln lassen.

Eine spannende Geschichte, interessante Protagonisten und das alles eingebettet in eine wunderbare Landschaft. Ein Krimi nicht nur für Eifel-Fans.

Katja Kleiber
Die Eifelhexe
emons Verlag, Köln

ISBN 9783740802714

© Gaby Hochrainer, München 2018